Nie wieder Italien! - Reisebericht von Simon bei triplib.

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Simon
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Italien! Italien? Schon wieder? Eigentlich wäre in diesem Jahr eine Frankreich-Reise überfällig, doch verspüren wir derzeit so gar keine Lust auf französische Küche, die ja bekanntlich - mal abgesehen vom Käse - die fieseste von allen ist.

Französische Speisen klingen in der Originalversion zwar meist entweder wie Gourmetzeug oder seltene Holzblasinstrumente, etwa "Andouillette", "Fois Gras", "Viande de Tête" oder "Flûte à bec". Doch wenn der wagemutige Tourist die dann bestellt, kriegt er Scheußlichkeiten vorgesetzt, die auf Deutsch - zu Recht - weit weniger euphemistische Namen tragen, nämlich Innereienwurst im Schweine-Darm, Gänse-Stopfleber, Presskopf oder Blockflöte.

Doch wir lassen uns von den Frenchies nicht mehr verscheißern, daher fahren wir halt wieder gen Italien; und zwar - in Gedenken an den schwulsten Bond aller Zeiten - mit Roger Moore als Navigationshilfe, wie schon im letzten Jahr. Und ich werde auch wieder live berichten, weil das Schreiben während der Reise einfach besser flutscht als danach, wenn ich wieder am Malochen bin und alles schon vergessen habe.

Zürich


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Vorgeplänkel

Aus Gründen, die ich hier unlängst schon dargelegt habe, ist Italien für mich kein Sehnsuchtsland. Meine Augen werden nicht feucht, wenn einer italienisch parliert, und wenn ich an Italien denke in der Nacht, bin ich mitnichten um den Schlaf gebracht.

Unsere Sizilien-Rundreise vor paar Jahren ist zwar immer noch in blumigster Erinnerung, aber trotzdem ist das Land als Reisedestination insgesamt für mich einfach zu ausgelutscht und abgeranzt. Genauso gut könnten wir nach Malle in Urlaub fahren oder an die Costa Brava.

Viele behaupten ja, um ihre Fantasielosigkeit bezüglich Reiseziele zu rechtfertigen, dass es auf Mallorca neben ganz viel Hässlichem auch ein paar nette Flecken gibt. Also, ich persönlich würde ja nie irgendwo hin in Urlaub fahren, wo man Alkohol aus Eimern trinkt. Und ich besuche auch keine Städte, wo man 10 €uro für einen Espresso bezahlt, selbst wenn es da noch so viele Brücken gibt. Aber es kann ja jeder, wie er will.

Sei's drum. Für meinen Lebensrestpartner ist Italien das Nonplusultra, weil er da alle Nase lang Heiligenfresken anstarren kann, und eben, weil das Essen einfach überall so verdammt lecker schmeckt. Letzteres war ja selbst für mich am Ende das ausschlaggebende Argument für Italien - neben der Tatsache, dass man schnell unten und entsprechend flugs auch wieder zuhause ist.

Die Planung der Route erfüllte mich, anders als sonst meistens, mit wenig Vorfreude. Das erste Ziel musste aber irgendwo am Meer sein, wegen dem Bacardi-Feeling, was sich ja idealerweise zum Beginn jeder Reise in den Süden einstellen sollte.

Hier der Link zu meinem letzten Italien-Reisebericht: http://www.triplib.de/simon/reiseberichte/923795-mit-der-kanzlerin-von-neapel-bis-sizilien



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10.07.2017

Wenn man von zuhause aus ca. 400km vertikal Richtung Südpol fährt, findet man sich unweigerlich zunächst in Genua wieder - unglamouröser geht es kaum. Links davon ist Frankreich, wo wir ja nicht hin wollten, und rechts unten ist irgendwie auch Strand.

Dem Zufall gefällt es aber, dass just jener Küstenabschnitt, wohl einer der Nettesten des Landes sein soll. Gut, das sagt jetzt nicht so richtig viel aus, denn Italien ist ja weißgott nicht für seine malerischen Strände berühmt. Trotzdem fahren wir jetzt da mal hin und arbeiten uns danach weiter Richtung Süden vor. Cinque Terre klingt ja schon mal nicht schlecht.

Der Vorteil von gut abgehangenen Reisedestinationen ist ja, dass sowohl Hinz und Kunz als auch Krethi und Plethi schon mal da waren und einen entsprechend mit Tipps versorgen können. Das kommt mir bei den Vorbereitungen zupass.

Die Übernachtungen sind mittlerweile gebucht und auch die Mietkarre. Aufgrund unserer Erfahrung an der Amalfi-Küste haben wir uns für ein sehr preiswertes Modell entschieden.

In knapp zwei Wochen geht's los.



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22.07.2017

Wenn man in den Süden will, so ist man mit dieser Absicht meist nicht alleine. Und da heute sowohl in Holland als auch in fünf deutschen Bundesländern die Sommerferien beginnen (Danke, Merkel!), heißt das: Stau vor dem Gotthard und an der Grenze.

Da kann man natürlich nicht erst mittags losfahren. Es ist jetzt also Vier Uhr in der Früh, wir beladen gleich unseren weißen Cinquecento und los geht's! Hab ich Euch schon gesagt, dass wir für diese Reise einen Cinquecento haben? Einen weißen. Hat das nicht Stil? Hat das nicht Klasse? So sind wir eben.

Zwar keine Ahnung, wie ich da reinpasse, aber wird schon irgendwie gehen...


Pavia


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Die Anreise gestaltete sich - dank Ausweichroute über den San Bernardino - bis Pavia ohne nennenswerte Fisimatenten. Daselbst genossen wir, auf Empfehlung hin, eine ausgedehnte Kaffeepause bei aufgeräumter Stimmung und ebensolcher Atmosphäre.

Und wie jedes Mal, wenn wir unseren ersten echten italienischen Kaffee zu uns nehmen, stellten wir uns die Frage: Weshalb können eigentlich nur die Italiener ordentlichen Kaffee und sonst keiner? Man weiß es nicht.

Schon bald danach fing es aber an, kapital strapaziös zu werden: Aufgrund einer weiteren Empfehlung wollten wir uns noch die Kleinstadt Acqua Termini ansehen, verpassten aber eine Ausfahrt und hatten am Ende den Ort zwar nicht gesehen, aber rund 200km mehr auf dem Tacho als bei einer direkten Reise notwendig gewesen wären. Das muss man erstmal schaffen. Dank mehrerer Fehlentscheide und verpasster Ausfahrten können wir nun aber immerhin konstatieren: Es geht.

Und wir sind nun in der Lage zu beurteilen, wie das Piemont abseits der bekannten Touristen-Hotspots so aussieht: Wie die Pfalz. Oder der Kanton Aargau. Eine vollständig mit Zweckbauten zugemüllte halb-urbane "Kultur"-Landschaft bei gleichzeitig umfassender Abwesenheit von Natur und Ästhetik.


Ligurische Küste


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Camogli (22.07.2017)

Weiter ging's zunächst über Landstraßen, dann wieder per Autobahn nach Camogli. Der Ort an der Ligurischen Küste südöstlich Genuas ist so etwas wie die Karrikatur eines italienischen Badeortes, bloß dass "die das ernst meinen", wie mein Gatte sehr treffend formulierte.

Italienische Familien fahren also im Urlaub in Badeorte wie diese, wo sie tagsüber während zwei Wochen mit Tausenden von Gleichgesinnten, Strandtuch an Strandtuch, in der Sonne braten und zur Abkühlung Gelati schlecken und im Wasser stehen. In Italien schwimmt man nicht, man stellt sich ins Wasser, etwa hüfthoch.

Nach diesem lehrreichen Zwischenhalt fuhren wir über die Küstenstraße in Richtung Moneglia, wo wir ein B&B gebucht hatten. Diese Straße ist über weite Strecken wiederum geprägt von monotoner Vorortsarchitektur, aufgrund des hohen Auto- und Motorradaufkommens war die Luft außerdem so frisch wie die in ostdeutschen Städten vor der Wende.

Nachdem wir erneut eine Abzweigung verpasst hatten, kamen wir fünfzehn Stunden nach Abfahrt vollständig ermattet am Ziel an. Nicht der erste Fehlstart in den Urlaub und bestimmt auch nicht der letzte. Hier ist es aber immerhin nett, hier können wir eine Weile bleiben.


Vento de Mà

Vento de Mà


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Moneglia (24.07.2017)

Ähnlich, wie sich Minori als echter Geheimtipp für die Amalfi-Küste herausstellte, ist Moneglia ein solcher für die Ligurische. Ein hübscher, wenig touristischer Ort an bester Lage für die Erkundung der Gegend. Sind die Hotels der 5 Terre, Sestri Levante oder Portofino während der Hochsaison meist ausgebucht oder sehr teuer, kann man hier relativ leicht eine bezahlbare Übernachtungsmöglichkeit finden.

Hier haben wir uns für ein einfaches und persönlich geführtes B&B direkt an der Uferpromenade entschieden. Moneglia hat, im Gegensatz zu allen anderen Orten der Umgebung, die wir bislang gesehen haben, sogar einen Sandstrand zu bieten, an dem wir heute entspannen und etwas lesen wollten. Allerdings ist das Wetter stark gewitterhaft, daher werden wir wohl Sestri Levante besuchen oder die beiden übrig gebliebenen Dörfer der 5 Terre und den Strandtag auf morgen verschieben. Wir werden das beim Frühstück auf der Terrasse entscheiden.



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Sestri Levante

Wir haben uns für Sestri L. entschieden. Während der ersten Vorbereitungen für die Reise war ich beim Bildergoogeln auf diese Kleinstadt gestoßen, noch bevor ich entdeckt hatte, dass das mondäne Portofino ebenfalls in der Gegend zu finden wäre. Letzteres wurde im Reiseführer aber als Refugium für die Italo-Prominenz beschrieben, was jetzt nicht unser allergrößtes Interesse weckte.

Sestri L. bietet aufgrund der Lage ein paar hübsche Fotomotive, insgesamt wirkt der Ort aber furchtbar herunter gekommen und unaufgeräumt. Eine unsichtbare elegische Nebelwolke waberte über allem, wie wir sie sonst oft in Vororten wahrnehmen, wo Leute primär wegen der Einkaufsmöglichkeiten und Autobahnanbindung wohnen.

Glücklicherweise hatte ich hier, trotz langer Suche, keine vernünftige Übernachtungsmöglichkeit gefunden. In Sestri L. kann man aber sicherlich gut parken und einkaufen. Es gibt Liegestühle, die man in abgesperrten Strandabschnitten mieten kann, und im Wasser lässt es sich prima stehen. Das ist gut, denn fürs Schwimmen müsste man weit rauslaufen. Es gibt einen Autobahnanschluss, und mit dem Zug ist man nach ungefähr fünfzehn Stopps in Genua. Alles sehr praktisch.

Wir waren sehr früh wieder in Moneglia, wo wir den Rest des Tages am Strand verbrachten.


Übernachten

Moneglia: Vento de Mà

In Italien fährt man in der Regel besser, wenn man sogenannte Agritusirmi, Pensionen oder B&Bs bucht als Hotels. Die Preise sind tiefer, Betreuung und Einrichtung individueller.

Dieses hier war auch ganz nett. Die Lage, einerseits direkt in der FuZo und andererseits an der Strand-Promenade ist vorzüglich, wenn auch naturgemäß nachts sehr laut, was uns aber nicht gestört hat. Frühstück ist halt italienisch, das heißt, man muss die herzhaften Zutaten, wie etwa Käse oder Wurstwaren selber beschaffen, was aber kein Problem ist.

Duschmittel mussten wir allerdings auch selber beschaffen, das Zimmer wurde nie aufgefrischt, und die Kaffeemaschine leckt.

Aber immerhin konnten wir unser Auto gratis in einer privaten Garage unterbringen. Insgesamt nicht top, aber ordentlich, und Moneglia ist ein liebenswerter kleiner Ort, vielleicht der angenehmste in der Gegend.

Vento de Mà
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Essen & Trinken

Moneglia: Ristorante Tender

Dieses Restaurant an der Ufer-Promenade war uns von unserem Gastgeber empfohlen worden. Am ersten Abend war ich restlos begeistert. Als wir gestern erneut da waren, weil in den meisten anderen Restaurants kein Tisch im Außenbereich mehr frei war, habe ich mich dazu hinreißen lassen, ein Stück Fleisch vom Grill zu bestellen, was ich natürlich - ich hatte es ja eigentlich gewusst - sogleich bereute. Schade, dass das Tier, was auch immer es war, dafür sterben musste.

Die italienische Küche ist eigentlich über jeden Zweifel erhaben, was ihre Zutaten angeht; Gekochtes oder gebratenes Fleisch ist die Ausnahme, das kriegen sie nicht hin. Irgendwas ist halt immer.

Mein Mann war mit seinem Meer-Mix aber zufrieden. Erwähnen muss man noch den herausragenden Service und die unglaublich effiziente und charmante Chefin, die sogar deutsch sprach.

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Essen & Trinken

Moneglia: A Xàtta

Optisch das mit Abstand ansprechendste Lokal im Ort. Sehr freundliche, motivierte Bedienung, großartige Wein-Empfehlung; bei den Speisen geht allerdings noch was.

Die Crostini zur Vorspeise waren deutlich zu groß und zu wenig gewürzt, die Hauptspeisen sahen toll aus, geschmacklich blieben sie aber etwas hinter den Erwartungen, und die Desserts waren geschmacklich und in der Konsistenz enttäuschend. Immerhin war die Rechnung sehr übersichtlich.

Fazit: Vielleicht haben wir einfach die falsche Menu-Wahl getroffen. Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass neben den ganzen grell ausgeleuchteten und mit Plastikstühlen ausgestatteten Pizzerien auch individuelle Gastronomie Platz hätte.

Moneglia
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Essen & Trinken

Sestri Levante: Caffe delle Fiabe

Bis anhin war ich ja der Meinung, dass es absolut unmöglich wäre, in Italien schlecht zu essen. Aber auch das geht.

Wir bestellten mittags zwei verschiedene Salate, die aber beide, selbst nach mehrmaligem Nachwürzen, nach gar nichts schmeckten. Sicherlich wurden die Tomaten aus Holland importiert, eventuell sogar der Feta, denn der schmeckte ebenfalls geschmacksneutral. Ich wusste gar nicht, dass das überhaupt möglich ist.

Puh. Schon drei Tage hier und noch keinen kulinarischen Höhepunkt erlebt.

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Cinque Terre


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"Kennste einen, kennste alle"

- behauptete einst eine gemeinsame Bekannte im Zusammenhang mit Männern.

Vermutlich kann man diese Aussage auch auf die Orte der 5 Terre anwenden. Als Cinque Terre (Fünf Länder oder Fünf Ortschaften) wird ein etwa zwölf Kilometer langer, steil abfallender Küstenstreifen der hiesigen Riviera bezeichnet. Die Gegend gilt als Nationalpark, ist als solcher Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und darf baulich offenbar nicht mehr verändert werden.



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5 Terre Express

Die fünf Orte sowie überhaupt die ganze Küste zwischen Sestri Levante und La Spezia sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen. Ein Auto wird also nicht benötigt - zumal man per Zug bequem und dank der vielen Tunnel auch sehr schnell unterwegs ist. Das Serpentinenfahren und die Parkplatzsuche kann man sich also leicht sparen.

Allerdings scheinen die Fahrpreise recht willkürlich festgelegt. Die ca. 40 Minuten lange Strecke von Moneglia zum am weitesten entfernten Ort der 5 Terre, Rio Maggiore, schlug mit 6 € p.P. zu Buche, die jeweils ca. zwei Minuten Fahrzeit zwischen den einzelnen Dörfern muss man aber mit 4 € berappen. So kommt man Summa Summarum auf einen stolzen End-Betrag von 28 €, wenn man sich alle Orte ansehen möchte.

Als Alternative empfiehlt sich offenbar das Schiff, was wir bislang aber noch nicht ausprobiert haben. Viele erwandern die fünf Ort auch zu Fuß, was bei der feuchten Hitze, die derzeit herrscht, eine schweißtreibende Angelegenheit sein dürfte.



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Rio Maggiore und Manarola

Als erstes steuerten wir also Rio Maggiore an, danach Manarola. Das eingangs erwähnte Zitat trifft hier zu. Selbst die Kirchen und die Auslegeware der Geschäfte sind nahezu identisch.

Die Orte selbst erreicht man vom Bahnhof aus via Fußgänger-Unterführung. Es gibt eine Hauptgasse mit Restaurants und Souvenir-Geschäften, zahlreiche verwinkelte Treppen, Aussichtsplattformen und einen Hafen, wo man der einheimischen Jugend beim Felsenspringen zugucken oder auch selbst in die Fluten hüpfen kann, wenn man die Speedo oder den String Tanga zufällig mit hat.

Italien und Brasilien dürften die einzigen Länder sein, wo man - unabhängig davon, ob man reinpasst oder nicht - mit so extrem knapp geschnittenen Anziehsachen rumlaufen kann, ohne wertende Blicke gewärtigen zu müssen. Von Brasilien weiß ich's zwar nicht genau, weil ich noch nie da war, ich könnte mir aber vorstellen, dass in dem Land manche durch die Wahl besonders knapper Strand-Bekleidung noch einen optischen Zugewinn erzielen können; in Europa hingegen täten viele gut daran, aus Rücksicht auf das (Fremd-)Schamgefühl der Mitmenschen ihre teils ausufernde Körperfülle in Umstandsmode zu hüllen. Auch die Frauen.

Während unseres Vesperhalts in einer Vinoteca wurde unser Ästhetik-Empfinden jedenfalls arg strapaziert - wobei die Grenzen zwischen "noch lustig" und einer Zumutung oft fließend verlaufen.



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Corniglia

Zum Schluss peilten wir noch das winzige Corniglia an, was hoch über dem Bahnhof auf einem Felsvorsprung liegt. Man gelangt vom Bahnhof aus per Serpentinen-Treppe in sportlichen 20 Minuten da hin. Offenbar gäbe es auch einen Schüttel-Service der örtlichen Verkehrsbetriebe, den wir am Bahnhof allerdings nicht ausmachen konnten.

Fotosujets gibt's in Corniglia kaum, bis auf die Aussicht auf die Küste, aber ein paar hübsche Restaurants, Spezialitätengeschäfte und Gelaterias kann man schon entdecken. Hier gönnten wir uns ein sündhaft leckeres Eis und einen ebensolchen Kaffee.

Für mehr Rumlaufen hat unsere Kraft dann nicht gereicht, die Hitze war immer noch sehr drückend, also ging's zurück zum Bahnhof und von da zu unserer Homebase in Moneglia.



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Vernazza

Ursprünglich wollten wir heute von Vernazza nach Monterosso wandern. Leider sind aber mittlerweile Heerscharen von Touristen wie die Heuschrecken über das Dorf eingefallen, was zu langen Wartezeiten vor dem einzigen Fahrkarten-Automaten führte. In der Folge verpassten wir natürlich den Zug und mussten das Tagesprogramm kurzfristig umbauen. Tja, Italien halt. Massentourismus bei gleichzeitig chronischer Überbelastung der Infrastruktur.

Eine Stunde später als geplant kamen wir um kurz vor halb Zwölf in Vernazza an. So unglaublich viele Touristen auf so engem Raum habe ich zuletzt im Pariser Louvre erlebt, und zwar in dem Raum, wo die Frau mit dem berühmten Grinsen drin hängt. Nur gab es da wenigstens was zu sehen.

Ich habe nicht die Spur einer Ahnung, was die ganzen Leute hier suchen und ob denen gefällt, was sie vorfinden. Uns jedenfalls nicht.

So schnell wie möglich wollten wir nun zu Fuß nach Monterosso wandern, wo wir den Nachmittag am Strand verbringen und uns per Reiseführer auf die kommende Etappe vorbereiten wollten. Doch schon nach fünf Minuten, wir waren kaum aus den letzten Häusern raus, stand da ein Kabäuschen, wo man uns 7.50 € für die Benutzung des Wanderweges abnehmen wollte.

Wo gibt's denn sowas? Fürs Laufen bezahlen? Sind die noch bei Trost? Sowas kann echt nur Leuten einfallen, die selbst nie zu Fuß gehen. Selbstverständlich weigerten wir uns, den Wegzoll zu entrichten und quetschten uns durch die Menschenmassen zurück zum Bahnhof, wo wir den nächsten Zug nach Monterosso nahmen.

Aus Protest erwarben wir aber diesmal keine Fahrkarte, sondern mischten uns unauffällig unter eine koreanische Reisegruppe, was gut klappte.



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Monterosso

Hier bot sich uns ein ähnliches Bild: Abertausende von Touristen ergossen sich aus den überfüllten Zügen in die Straßen und Souvenir-Geschäfte, wo sie sich mit überteuertem Tand und Gewürzen eindeckten, die es zuhause viel preiswerter gibt.

Immerhin war hier der Strand, für italienische Verhältnisse, recht ansehnlich und das Wasser relativ sauber. Die Suche nach freien Liegestühlen erwies sich dann aber als eine große Herausforderung, zumal es offenbar Saisonkarten gibt, mit welchem man Plätze auch dann blockieren kann, wenn man sie gar nicht nutzt. Wieder mal ein äußerst effizientes System, um Tages-Touristen zu vergraulen.

Am allerhintersten Strandabschnitt erhielten wir dann doch noch das offenbar zweitletzte freie Set (2 Liegestühle, 1 Schirm) zugeteilt, wofür wir schlappe 22 € bezahlen mussten. Den teuren Nachmittag konnten wir dann immerhin - im Rahmen des Gegebenen - genießen.

Auch die Rückreise verlief - wenig überraschend - nicht reibungslos, da der olle Zug aus Gründen eine halbe Stunde Verspätung hatte, obwohl er insgesamt nur etwa zehn kleine Statiönchen zu bedienen hatte.

Abends hatten wir keine Lust mehr auf Experimente, jedenfalls ich nicht, daher gingen wir erneut und zum bereits dritten Mal ins selbe Restaurant, wo ich exakt dieselbe Speisefolge wie beim ersten Besuch bestellte. Endlich mal was, was nicht enttäuschte.



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5 Terre Fazit

Kann man machen, ist aber wirklich nicht unser Ding. Wer seinen Urlaub sonst immer in Palma verbringt, könnte hier vielleicht ein wenig Abwechslung finden; wer andererseits in seinem Leben schon das eine oder andere "alte Fischerdorf" gesehen hat und lieber einen Bogen um Pauschalreise-Gruppen macht, ist hier definitiv Fehl am Platz.

Blöd, dass ich ausgerechnet hier am ersten Abend ein Andenken in Form eines kleinen Gemäldes erworben habe, was ich nun leider einem Waisenkind schenken muss.


Essen & Trinken

Rio Maggiore: Vertical Bar Rio

Offenbar die Nummer 1 am Platz. Hier gab's einen schönen Rohwaren-Teller mit Wein, was beides sehr gut geschmeckt hat, mit 38 € allerdings aber nicht ganz billig war, zumal der Wein auch sehr sparsam eingeschenkt wurde.

Bezahlen konnte man nur in Bar, was dem Ganzen einen etwas arroganten Touch gab: Man ist so cool, dass man es sich leisten kann, keine Kreditkarten anzunehmen.

Ich empfehle dem Inhaber eine Bildungsreise nach Schweden: Hipp und gleichzeitig zeitgemäß zu sein, ist da nicht zwingend ein Widerspruch. In manchen Teilen Italiens mag man ja noch mit Ziegen und Hühnern zahlen, aber sehr kundenfreundlich ist das halt nicht mehr.

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Florenz


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26.07.2017

Gestern Abend haben wir die nun folgende Reiserouten noch etwas umgestaltet: Die drei Übernachtungen in Massa Marittima haben wir storniert und anstelle ebenfalls deren drei in Lucca gebucht.

Lucca wurde mir von einer Arbeitskollegin dringend empfohlen und unser Reiseführer ist ebenfalls voller Lobhudeleien für die Stadt.

Das heißt nun auch, dass wir heute direkt nach Florenz fahren und da entsprechend fast zwei Tage Zeit haben. Ist bestimmt besser so.



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Che bella carrozzeria

Mittlerweile sind wir in Florenz angekommen - und mit uns offenbar Millionen anderer Touristen. Aber gut, das ist jetzt nicht wirklich die große Überraschung.

Unseren Cinquecento konnten wir in einer Garage um die Ecke deponieren (50 €). das gebuchte Hotel schließlich ist schlicht eine Wucht (--> Tipp!). Nach dem Einchecken ging's gleich los, als erstes wollten wir natürlich die berühmte Kathedrale Santa Maria del Fiore sehen, und die ist in der Tat eine der abgefahrensten, die wir je aufs Auge gedrückt bekommen haben. Schon ganz famos, das Teil.

Die Schlange für eine Besichtigung war mehrere Hundert Meter lang, darauf haben wir dann verzichtet. Eine russische Dame wollte uns für 35 € p.P. eine 30-Minuten-Führung auf Italienisch aufschwatzen, was wir dankend ablehnten. Unsere Italienisch-Kenntnisse beschränken sich ohnehin auf "Dove parte il treno per Roma?" und "Che bella carrozzeria!", was bei einer Dombesichtigung eher nicht weiterhilft.

Also haben wir uns einfach mal treiben lassen. Die vielen Palazzi und andere mittelalterlichen Gebäude sind schon beeindruckend, wenn vielleicht auch ein wenig zu wuchtig und monumental für meinen Geschmack. Aber im Gegensatz zu den 5 Terre kann ich schon verstehen, was die vielen Touris hier suchen.

Wir haben dann noch vom Ausverkauf in einem Klamottengeschäft profitiert, einen netten Aperitif getrunken und später, auf Drängen meines Gatten, im offensichtlich sehr hippen Szene-Viertel gegenüber des Arno-Flusses gespiesen und danach einen Absacker im NøF genossen.

Ein sehr stimmiger Abend. Darf gerne so weiter gehen, dann bin ich auch gewillt, die Tage in der 5 Terre zu vergessen.



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Stimmungstief

Heute war ich mies drauf. Von Anfang an. Da war nichts mehr zu retten. Die Massen von Touristen gingen mir übelst auf den Zeiger. Wir mieteten trotzdem zwei Fahrräder an, hatten aber keinen Plan, wo wir überhaupt hin sollten, wo nicht bereits Dutzende Reisegruppen vor den Fotomotiven rumgammelten. Missmutig gaben wir die Räder drei Stunden später wieder zurück, schleppten uns zum "Giardino di Boboli", wo wir möglichst im Gras und möglichst im Schatten ein wenig entspannen wollten.

Doch auch da verlangt die Stadt von ihren Besuchern 10 € Eintritt, die ich aber nicht zu zahlen bereit war, da wir ja nicht mal wussten, ob man in dem Park überhaupt rumgammeln darf.

Keine Ahnung, wo sich der Florentiner von dem ständigem Auto- und Motorradlärm und -Gestank so erholt, denn wir konnten weder Parks noch sonstige öffentliche Erholungs-Zonen finden, außer das völlig verwahrloste Ufer der Arno-Kloake, wo heute nur ein paar arbeitslose Jugendliche abhängten. Da gingen wir dann auch hin, was unsere Laune zwar nicht eben anhob, aber immerhin konnten wir eine Stunde im Schatten dösen.

Die Stadt hat, bei mir zumindest, viele Sympathiepunkte bereits wieder verspielt, denn wenn man das viele Geld, was die Touristen da so reinspülen, nicht sinnvoll einsetzt, zum Beispiel in Renovierungen, Neugestaltungen von Plätzen und Straßen und Erholungsgebiete, dann dürfte der Strom an zahlungskräftigen Besuchern bald dünner werden. Nur auf den Lorbeeren vergangenen Ruhms auszuruhen, ist auf Dauer sicherlich kein gewinnbringendes Konzept.



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28.07.2017

Eines muss man der Stadt aber lassen: Abends und nachts, wenn die Sonne nicht mehr brennt und die asiatischen Reisegruppen sich in ihre Best-Western-Hotels verzogen haben, ist die Stimmung ausgelassen mediterran, daran möchte man sich gewöhnen. Insbesondere auf der gegenüber liegenden Seite des Arno, wo weniger Touristen hingehen, kann man unbeschwert das genießen, was die vielen Italien-Fans wohl immer wieder in dieses Land zieht. Mich haben die beiden Nächte in Florenz jedenfalls (beinahe) für die Tage dazwischen entschädigt.

Heute geht's weiter nach Perugia, wo wir uns entspanntere Tage erhoffen. Von einem Mittagsbesuch in Siena wollten wir wegen der wiederum zu erwartenden Touristen-Ströme eigentlich absehen. Ma sehen, was der Tag so bringt.


Übernachten

B&B San Giuliano Inn

Huch! Was macht Roberto Blanco an der Rezeption dieser Absteige? Natürlich war es nicht Roberto Blanco, sondern Costa Cordalis. Oder dem Costa Cordalis seine Schwester. Egal. Wir haben die Besitzerin dieses famosen B&Bs jedenfalls sofort in unsere Herzen geschlossen, wo sie für immer wohnen wird. Ihren Gesichtschirurgen allerdings sollte man verklagen.

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Essen & Trinken

Riva d'Arno

Zwischendurch darf/soll/muss auch mal gespart werden. Hier gibt es hervorragende Pizza für um die 7€, mit Hauswein und Wasser kommt man so auf 10 €. In Florenz notabene und noch dazu in Gehdistanz zum storischen Zentrum. Wir fanden sogar noch Platz im einfachen, aber hübschen Außenbereich.

Kein Wunder, dass das Riva d'Arno bei TripAdvisor als die beste Pizzeria der Stadt gilt, wenn es so etwas überhaupt gibt.

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Party

NøF

Mir war nicht sofort klar, dass es sich hier um eine Gay-and-Friends-Kneipe handelt, denn die Beschallung hob sich angenehm ab vom üblichen Madonna-Cher-Mist, und die Barkeeperin war freundlich und wirkte gar nicht überfordert. Na sowas, das geht also doch.

Es gibt außerdem ein sehr vorteilhaftes Happy-Hour-Angebot für Cocktails (3 €) und Bier (2 €) ab 19.30 bis 21.30 Uhr wochentags und 21.00 Uhr am Wochenende.

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Essen & Trinken

Gelateria La Carraia

Vor dieser Gelateria stehen die Naschkatzen Tag und Nacht Schlange. Das hat seinen Grund, wie wir selber feststellen durften.

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Essen & Trinken

Piazza Santa Spirito

"Auf disem Platz ist man etwas abseits vom Massentourismus, was sich besonders auf die Preise der umliegenden Lokale niederschlägt."

"Charmanter Platz, auf dem den ganzen Tag über bis in den Abend hinein buntes Treiben herrscht. Wunderschön, um dort laue Sommerabende zu verbringen, essen zu gehen und mit Einheimischen in Kontakt zu kommen."

TripAdvisor-Wertungen.

"Den ganzen Tag" stimmt so allerdings nicht, da war's tot, von der Hitze gelähmt wahrscheinlich. Daher sind wir auch erstmal daran vorbei gelaufen. Aber abends steppt tatsächlich der Bär: In der Mitte wurden Kreistänze getanzt, bei denen natürlich jeder mitmachen konnte, und es herrschte ausgelassene, fröhliche Stimmung allenthalben. So muss das!

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Provincia di Siena


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San Gimignano

Als Hochhaus-Fans der ersten Stunde (wir leben selber in einem) mussten wir uns San Gimignano natürlich ansehen, soviel war klar. Obwohl die "Wolkenkratzer" in diesem Städtchen natürlich nicht Hochhäuser im engeren Sinn waren, sondern sogenannte "Geschlechtertürme", welche sich die betuchten Familien jener Zeit leisteten, um den Status ihres Geschlechts zur Schau zu stellen.

Aus demselben Grund also, aus dem sich manche heutzutage einen SUV oder einen Fliesentisch anschaffen: Um zu prahlen. Nur dass heutzutage jeder Hartzer mit ner Penis-Prothese rumgurkt, während sich damals natürlich kein Küfer-Geselle einen Turm leisten konnte. Leasing-Verträge waren ja damals recht selten.

Jedenfalls war der Ort um zehn Uhr früh schon ziemlich überlaufen, wenn auch nicht ganz so arg wie alle anderen Orte, die wir während unserer Reise bisher besucht hatten. Es schien uns auch, dass hier kaum lästige Reisegruppen unterwegs waren, und der Ort kann die hohe Anzahl an Touristen offenbar gut verkraften. Die einheimischen Service-Kräfte und Verkäufer wirkten auf uns jedenfalls sehr entspannt und freundlich. Und die angebotene Ware beschränkte sich nicht auf T-Shirts mit Ortsaufdruck und bunte Tassen, sondern zum Beispiel auch hochwertige einheimische Agrarprodukte konnten erworben werden.

Die Gemeinde scheint die Einnahmen aus dem Tourismus-Geschäft auch sinnvoll für die Instandhaltung der Bausubstanz und Infrastruktur einzusetzen. Sehr sympathisch und ein wirklich lohnenswerter Besuch!



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Siena

Eigentlich wollten wir uns Siena ja nicht antun, zumal wir beide in grauer Vorzeit schon mal da waren, aber wir waren gut in der Zeit, daher dachten wir why not.

Und was soll man sagen, ich glaube, jeder Mitteleuropäer war schon mal da oder möchte unbedingt hin, daher fasse ich mich kurz: Kann man durchaus machen. Die Tausenden von Touristen verteilen sich ganz gut auf die vielen verwinkelten Straßen und Treppen, und es gibt für jeden Geschmack das passende Restaurant und das richtige Geschäft zum Stöbern.

Siena ist einziges großes Museum, aber auch eine durchaus freundliche und elegante Stadt, die man tatsächlich irgendwann mal gesehen haben sollte. Oder auch nicht. Wir waren trotzdem froh, dass wir sie - auch diesmal - nicht ausgelassen haben.



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Pienza und Montepulciano

Die beiden letzten Stopps auf dieser vollgepackten Route waren die winzige Kleinstadt Pienza, UNESCO-Orden-Träger und Geburtsort des Papstes Pius II, und die nur 10km entfernte Weinstadt Montepulciano. Beides sind sehr aparte Orte, eingebettet in traumhafter toskanischer Landschaft. Die meisten Geschäfte bieten allerdings auch hier vor allem Touristen-Schnickschnack an.

Insbesondere in Montepulciano hätte man aber durchaus länger als nur zwei Stunden verweilen können. Hier drängt sich mindestens eine Übernachtung nachgerade auf, schon nur um einige Varianten des gleichnamigen Weins zu verkosten. Bei der Planung ist mir diese Idee aber seltsamerweise nicht gekommen.

Gegen 20 Uhr, wie von Roger Moore korrekt berechnet, trafen wir in der gebuchten Pension etwas außerhalb von Perugia ein, wo wir unser Dinner in einer Qualität vorgesetzt bekamen, wie wir es eigentlich während der ganzen Reise erhofft hatten. Na, wer sagt's denn.


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Provincia di Perugia


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Perugia / 29.07. - 01.08.2017

Heute haben wir uns den ganzen Tag Zeit genommen, um Perugia zu erkunden. Die Stadt wurde ursprünglich im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Etruskern auf einem Hügel (493 m) über der Ebene gegründet. Vom Alter der Stadt zeugt auch der markante Etruskische Bogen, der als Stadttor diente.

Die Etrusker waren politisch in Stadtstaaten organisiert. Zwölf von ihnen schlossen sich um 600 v. Chr. zu einem Städtebund, dem Zwölfstädtebund zusammen; Perugia war eine von ihnen, Volterra, die wir am 3. August besuchen werden, eine weitere.

In den engen, mittelalterlich anmutenden Gassen mit ihren unzähligen Treppenstufen ist man von der sengenden Sonne gut geschützt. Auffällig sind die vielen Bögen, welche die Gebäude verbinden.

Im Kontrast dazu steht der großzügig angelegte Corso Pietro Vannucci und die Piazza IV Novembre mit dem prächtigen Palazzo dei Priori und der Kathedrale San Lorenzo. Nach Ansicht der Einheimischen ist der auf diesem Platz befindliche Fontana Maggiore der schönste Brunnen der Welt.

Es gibt außerdem eine beeindruckende Anzahl an Kirchen und Basiliken, von denen mir die Klosterkirche San Petro am besten gefallen hat.

In Perugia gab's erstmals auf unserer Reise vermutlich weniger Touristen als Einheimische, und nicht jedes Geschäft ist hier ein Souvenir-Shop. Eine Wohltat. Dennoch werben entlang der Haupt-Flaniermeile wiederum ausschließlich die sattsam bekannten Pizza-Pasta-Ristorantes um die hungrigen Gäste.



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"Rach 2"

Eigentlich waren wir für den Abend auf der Suche nach einer Live-Jazz-Darbietung, denn ein wenig Shoobidoo passt einfach gut in den Sommer. Da aber zurzeit ein Musikfest stattfindet, kamen wir am Abend unverhofft zu einem Konzert-Ereignis von talentierten Nachwuchskünstlern. Und Chopin und Rachmaninoff kann man ja schlecht einen Korb geben, wir sind ja keine Kostverächter.

Der Konzertsaal Sala dei Notari ist auch sonst eine einzigartige Sehenswürdigkeit, die man nicht verpassen sollte, so man die Gelegenheit dazu hat.

So langsam komme auch ich in Urlaubsstimmung, hier gefällt's mir. Glücklicherweise bleiben wir noch zwei weitere Tage, bevor wir in die Toskana zurück kehren und da noch weitere, hoffentlich ebenso sympathische, Orte kennenlernen werden wie diesen.



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Eremo delle Carceri / 30.07.2017

Heute stand eine Wanderung von Assisi nach Spello auf dem Programm. Wir fuhren als erstes nach Assisi, wo wir den Cinquecento parkten, uns mit Wasser beluden und Richtung Gipfel des Monte Subasio losmarschierten.

Nach ungefähr einer Stunde sportlichen Anstiegs erreichten wir die Klause Eremo delle Carceri, der Ort, wohin sich ein gewisser Franz (nicht der Österreicher) nach einem Burnout und mehreren Nervenzusammenbrüchen zurück zog, um in sich zu gehen. Damals gab's weder Yoga noch Pilates und schon gar kein Zumba, daher wurde mangels Alternativen meist ein Orden gegründet.

Heute ist die Klause als Ursprung des Kapuziner-Ordens natürlich Wallfahrtsort - wir sind schließlich in Italien. Unzählige Gläubige wurden per Karre dahin gefahren, um sich die Hütte anzugucken. Soweit reicht der Glaube dann offenbar doch nicht, dass man die Strecke zu Fuß hätte bewältigen können.



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Monte Subasio

Bis zur Baumgrenze waren es nochmal eine knappe Stunde. Als wir aus dem Wald herauskamen, erblickten wir als erstes ein Auto mit deutschem Kennzeichen. Offenbar kann man sogar bis hierhin fahren, wenn man es vorzieht, seinen Bewegungsapparat zu schonen.

Außerdem begegnete uns an einer Wegkreuzung ein junger Mann aus Belgien, der auf einer Interrail-Reise in Assisi Halt machte. Den Rest der Strecke bis Spello marschierten wir zusammen, was die Wanderung wiederum sehr kurzweilig gestaltete. Er erzählte uns, dass er mit Kollegen bis Split gefahren sei, dann per Boot über die Adria gefahren (wie denn sonst) und seither hier in Umbrien umher tingele, bis er in Pisa zu einer Hochzeit erscheinen müsse.



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Spello

Die Aussicht vom Monte Subasio war einmalig. Man hat nicht nur einen herrlichen Blick auf Assisi und die ganze Ebene darunter, sondern auch auf die andere Seite, wo sich eine idyllische, kaum bebaute Hügel- und Berglandschaft präsentiert.

Ziemlich ermattet kamen wir nach 17 km und gut vier Stunden Fußmarsch in Spello an, einem malerischen kleinen Ort mit reichem Blumenschmuck vor jedem Haus. Wir steuerten aber sogleich den Bahnhof an, von wo aus wir mit dem Zug in nur ein paar Minuten nach Assisi zurückfuhren.



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Assisi

Am etwa außerhalb gelegenen Bahnhof trennten sich unsere Wege. Der junge Mann, von dem wir zwar einiges wissen, bis auf den Namen, wollte sich noch den Dom von Santa Maria degli Angeli anschauen, und wir nahmen den nächsten Bus zurück nach Assisi.

Daselbst beguckten wir noch die eine oder andere Kirche, gönnten uns einen kleinen Aperitif und fuhren zurück nach Perugia, wo ein weiteres sensationelles Abendessen für uns kredenzt wurde.

Ein Urlaubstag, wie wir ihn mögen: Natur, Bewegung, Leute kennen lernen, gutes Essen. Perfekt.



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Isola Polverde (Lago Trasimeno)

Ich hasse Schiffs- und Bootsfahrten. Noch keine habe ich bislang erlebt, auf der es nicht entsetzlich nach verbranntem Schweröl roch und ein infernalischer Motorenlärm herrschte. Außerdem sind immer viele Kinder mit an Bord, die aufgekratzt hin- und herrennen und unablässig schreien. Lärm und Gestank in unbekömmlich hoher Dosis also.

Trotzdem entschieden wir uns heute für einen Ausflug an den nahen Lago Trasimeno, wo wir auf der Isola Polvese einen gemütlichen Nachmittag am und im Wasser verbringen wollten. Laut Reiseführer ist diese Insel ein Zufluchtsort für Ruhesuchende, also wie geschaffen für mich.

Nach einer erwartungsgemäßen Überfahrt spazierten wir zunächst gemütlich um die Insel. Was für eine Wohltat! Jahrhundertealte Olivenbäume, außerdem Zypressen und Oleander allenthalben und dazu kein Soundtrack, außer der von Zikaden und Vögeln.

Danach verbrachten wir eine sehr angenehme Zeit dösend und lesend am Strand, bis da wiederum eine französische Großfamilie mit sieben Kindern auftauchte, die sich sogleich dezibelstark an der Nassheit des Wassers erfreute. Als Großfamilie muss man ja immer dahin gehen, wo es vorher besonders ruhig war, um auch andere am eigenen Familienglück teilhaben zu lassen. Das ist sehr freimütig.

Wir flüchteten trotzdem.



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Castiglione del Lago (Lago Tresimeno)

Da noch nicht allzu später Nachmittag war, entschieden wir uns für eine Fahrt um den See mit Halt in Castiglione del Lago, wo wir zwei Flaschen Sagrantino (eine Weinsorte, die es nur in Umbrien gibt) erwarben und in einer sympathischen Bar ein Kaltgetränk mit lokalen Käse- und Wurstwaren bestellten.

Danach Rückfahrt in unsere Unterkunft, wo wir von Silvia und ihrem Mann zum dritten Mal eine einzigartige Überraschungs-Speisefolge serviert bekamen.

Morgen geht's zurück in die Toskana, mit Halt ins Orvieto. Dies dürfte nicht unsere letzte Reise nach Umbrien gewesen sein. Landschaft, Gastfreundschaft und Kulinarik haben uns überzeugt.


Übernachten

Locanda Stella

Sympathisches und persönlich geführtes B&B, etwas außerhalb von Perugia, mit wunderbarer Sicht auf die Stadt. Vor wenigen Jahren wurde es neu renoviert; Die Unterkunft gehört den selben Besitzern wie das großartige Stella Ristorante Vineria e Locanda. Man muss also abends nicht extra nach Perugia fahren, um hervorragend zu essen.

Die Bus-Haltestelle ist aber direkt vor der Tür (einfache Fahrt 3€), per Taxi gelangt man in einer Viertelstunde ins Stadtzentrum (ca. 15€).

Ein Volltreffer in jeder Hinsicht.

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Essen & Trinken

"Stella" Ristorante Vineria e Locanda

Das Stella war einer der hellsten Sterne auf dieser Reise. Der erste Blick trügt - weder Haus noch Umgebung verraten gleich von der Herzlichkeit und der kulinarischen Raffinesse.

Silvia und Arek führen das Haus seit zwanzig Jahren. Silvia ist hier aufgewachsen. Arek hat sie im Sprachstudium in Berlin kennengelernt. Nach dem Studium haben sie sich entschlossen, den elterlichen Betrieb weiter zu führen.

Wer hier Gast ist, erfährt umbrische Küche vom Feinsten. Silvia und Arek sprechen fast perfektes Deutsch und sind die geborenen Vermittler zwischen den Kulturen - egal, ob es sich um ein kulinarisches Detail handelt oder ob Informationen zur Umgebung gefragt sind.

Wir haben uns an drei Abenden einfach überraschen lassen. OK, wir sind unkompliziert und essen nahezu alles, einiges davon hätten wir aber vermutlich trotzdem nicht bestellt. Aus der Küche von Silvia und Arek sind jedoch selbst Stockfisch mit Stangensellerie und ein Amuse-Bouche, bestehend aus Schweine-Kopf und -Innereien, Geschmackserlebnisse allererster Güteklasse.

"Stella" ist eine Reise wert und wird uns in Zukunft noch mindestens eine solche wert sein.

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Essen & Trinken

Perugia: La Pasteria

La Pasteria schien uns die individuellste von allen Massenabfertigungs-Gaststätten an der Perugaer Rambla zu sein. Wer andere Erfahrungen gemacht hat, darf diese gerne auf ein rosa Blatt schreiben, einen Papierflieger daraus falten und aus dem Fenster werfen.

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Orvieto


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Orvieto war der eigentliche Anlass und Grund für unseren Abstecher nach Umbrien, denn diese Stadt wurde mir von einem Arbeitskollegen ans Herz gelegt, und alles, was ich im Vorfeld darüber gelesen und gesehen hatte, bestätigte mich in der Absicht, hier mindestens einen Beguckungshalt einzulegen.

Während der Planung dieser Reise schienen uns die Distanzen innerhalb Umbriens (und der angrenzenden Toskana) jedoch zu kurz, um mehrere Übernachtungsstopps einzubauen, und so entschieden wir uns, hier mehr oder weniger den ganzen Tag zu verbringen und die folgenden zwei Nächte in einem Agriturismo in Pitigliano zu logieren.

Ganz verkehrt war diese Entscheidung nicht, dennoch würden wir uns heute wahrscheinlich anders organisieren.



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Dom

Als erstes wird man auch hier vom Dom angezogen, einem Meisterwerk gotischer Architektur! Er wurde 1288 wahrscheinlich unter Arnolfo di Cambio begonnen, der einige Jahre später auch jenen von Florenz bauen sollte.

Die 4 € Eintritt waren gut investiert, und man muss auch nicht zwei Stunden hierfür Schlange stehen, wie in Florenz. In Orvieto gibt es aber selbstverständlich nicht nur einen Dom, sondern auch viele Kirchen, die man kostenlos besichtigen kann.

Das ausgiebige Kirchen-Besichtigen machte Hunger, den wir in einem der zahlreichen lauschigen Restaurants stillten. Frisch gestärkt schlenderten wir danach weiter durch die verwinkelten Gassen mit unzähligen einladenden Geschäften.

Dafür, dass die Stadt so attraktiv ist und hauptsächlich vom Tourismus lebt, waren angenehm wenige Besucher unterwegs. Souvenir-Shops gibt's natürlich trotzdem; vor allem bunt bemalte Keramik und aus Olivenholz gefertigte Koch-Utensilien werden hier hergestellt und an Touristen verhökert. Hochwertige Schneide-Bretter kosten zuhause ein Vermögen, daher haben wir die lokale Handwerkszunft hier gerne unterstützt.



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Cittàslow

Es wird vermutet, dass Orvieto der Standort der etruskischen Stadt Velzna ist, eine der zwölf des etruskischen Städtebundes, was jedoch nicht als gesichert gilt. Das ganze Etrusker-Brimborium in der Gegend scheint mir ohnehin etwas zweifelhaft.

Die Altstadt steht auf einem Felsplateau aus Tuffgestein, der wiederum von einem Labyrinth aus Kellern, Gängen und Zisternen durchzogen ist. Ein kleiner Teil davon kann offenbar besichtig werden. Dies heben wir uns für unseren nächsten Besuch auf.

Orvieto ist auch Mitglied der sogenannten "Cittàslow", einer Bewegung zur Entschleunigung und zur Erhöhung des Bewusstseins für Umweltschutz, landwirtschaftliche Qualität und Gastfreundschaft. Diese Tatsache hingegen gilt als gesichert.

Das Motto Entschleunigung sollten wir bei unseren zukünftigen Reiseplanungen auch vermehrt beherzigen. Im Gegensatz zu den 5 Terre wäre es in Umbrien jedenfalls zu unserem Vorteil gewesen.


Essen & Trinken

La Piazzetta

Dies dürfte die lauschigste Kaschemme in Orvieto sein. Wer hier einen Tisch im Außenbereich ergattern kann, wird diesen so schnell nicht wieder her geben.

Bedienung sah gut aus, und Essen hat auch geschmeckt. Passt.

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Pitigliano


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Pitigliano liegt zwischen steil eingeschnittenen Tälern, hat einen mittelalterlichen Stadtkern und gehört zur Vereinigung "I borghi più belli d’Italia" („Die schönsten Orte Italiens“).

Von der gegenüber liegenden Seite der Schlucht sieht der Ort in der Tat sehr pittoresk aus, im Städtchen selber entdeckten wir jedoch wenig, was wir nicht anderswo auch schon gesehen hatten. Selbst in unserem knuffigen Kanton Tessin sehen Dörfer gelegentlich ähnlich aus. Hier muss man also nicht unbedingt mehrere Tage einplanen, ein kleiner Mittagshalt reicht völlig.

Hingegen gibt es wohl sogenannte "Mystische Hohlwege" ("Vie Cave"), wiederum aus der Zeit der Etrusker, die man besichtigen könnte. Allerdings ist auch hier unklar, ob diese als Kanalisation dienten oder tatsächlich als Wege. Ich glaube eher, sie wurden von Raketenwürmern fürs schattige Kopulieren gegraben.

An der Stelle bestand ein kleiner Interessenkonflikt zwischen mir und meinem Gatten, der stets alle antiken Trümmer besichtigen will, während ich manchmal zugunsten eines gemütlichen Nachmittags am Pool auf den einen oder anderen Hohlweg verzichte.

Wir entschieden diesmal in meinem Sinne.

Der Besuch der berühmten Cascate del Mulino (-> Tipp) war auch meine Idee. Am Ende blieben wir aber deutlich länger in den warmen natürlichen Pools als geplant, was hingegen nicht ausschließlich meine Entscheidung war.


Übernachten

Agriturismo Locanda Pantanello

Der ital. Begriff Locanda meint ein Gasthaus, eine Schenke. Die Locanda Pantanello liegt ca. 3 km außerhalb des ansehnlichen Städtchens Pitigliano und ist beides davon.

Das 200-jährige Bauernhaus ist sehr schön renoviert und beherbergt neben den Gästen auch Pferde und Esel. Man braucht jedoch kein Pferdenarr zu sein, um sich hier wohl zu fühlen.

Dieses Agriturimo ist ein typischer Familienbetrieb. Die beiden erwachsenen Töchter sind für das Wohl der Gäste zuständig, die Mama kocht täglich ein Drei-Gänge-Menu für mindestens ein Dutzend Geniesser auf sehr hohem Niveau, die Nonna pflegt den Garten rund ums Haus und der Vater ist für den Pool und die Viecher zuständig.

Von hier aus lässt sich vieles unternehmen, und wer müde und staubig zurückkommt, kann sich in dieser gepflegten Anlage rundum prächtig erholen.

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Sport & Aktivitäten

Cascate del Mulino

Ein Naturschauspiel der besonderen Art kann man etwas außerhalb von Saturnia - erstaunlicherweise kostenlos - genießen: Diese natürlichen Thermalquellen sind zwar längst kein Geheimtipp mehr, jedoch hatten wir selbst im Ferienmonat August genügend Platz, um in diesen 37°C warmen Badewannen und Wasserfällen ausgiebig zu relaxen. Der Schwefelgeruch ist zwar nicht wirklich angenehm, aber auch nicht aufdringlich.

Tipps: Wertgegenstände am besten in der Unterkunft lassen und nur das nötigste an Bargeld mitnehmen. Es gibt genügend Gratis-Parkplätze, die aber selbstredend nicht bewacht werden. Badeschlappen können hilfreich sein.

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Volterra (+ Massa Marittima)


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Massa Marittima

Den Tipp, Massa Marittima zu besuchen, erhielt ich wiederum von einer Arbeitskollegin. Ursprünglich wollten wir hier sogar drei Nächte verbringen, um dann die Gegend von da aus zu erkunden, und wir hatten das B&B auch bereits gebucht. Booking.com sei's gedankt, dass wir diese Unterkunft relativ kurzfristig kostenlos stornieren und umbuchen konnten.

Selbst eine einzige Übernachtung in Massa M. wäre eine schlechte Idee gewesen, da es bis auf den recht ansehnlichen Dom kaum Sehenswürdigkeiten und relativ wenige Geschäfte und Restaurants gibt. Außerdem ist die Zufahrt zum Ort von allen Seiten nur sehr zeitraubend über zahlreiche Serpentinen möglich, was Ausflüge sehr aufwendig macht.

Nach meiner Rückkehr werde ich nun leider mit meiner Arbeitskollegin schimpfen müssen.



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Volterra

Ein ganz anderes Kaliber ist das schon Volterra. Die Stadt ist eine der ältesten und größten der zwölf etruskischen Bundesstädte. Ihre reiche Geschichte ist auf einen Blick zu erkennen: Paläste, Befestigungen und Kirchen überall. Man fühlte sich in längst vergangene Zeiten zurück versetzt, wären da nicht die viele Touristen, die offenbar besser informiert waren als wir.

Auch die Lage ist absolut spektakulär. Die Stadt gilt mit ihrem atemberaubenden landschaftlichen Umfeld als eine der schönsten in der Toskana. Die Fortezza Medicea, die Festung der Medici, wird heute interessanterweise als Staatsgefängnis genutzt, was dem Ort wiederum etwas Gruseliges verleiht.

Im Nachhinein erfuhren wir, dass sie außerdem für die Twilight Saga als Kulisse herhalten musste. Wir sind keine Fans von Hollywood-Massenunterhaltung und hatten daher kein Deja-Vu, andere dürften sich aber durchaus an der bekannten Szenerie ergötzen.

Ein lohnenswerter Halt und eigentlich eine Übernachtung wert. Wir hatten aber, anstelle von Massa M., bereits Lucca gebucht, deshalb ging's am späten Nachmittag weiter in Richtung Norden und dem unvermeidlich nahenden Ende unserer Reise entgegen.


Lucca


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04.08.2017

Erst gestern Abend angekommen, können wir jetzt schon sagen: Lucca ist (nach Orvieto) das zweite große Highlight unserer Reise. Wir nächtigen in einem veritablen Palazzo, und die Stadt ist absolut betörend. Sehr seltsam, dass wir zuvor noch nie etwas davon gehört hatten.

Den Tipp erhielt ich wiederum von meiner Arbeitskollegin, ich werde daher Nachsicht üben, was Massa Marittima angeht.

Auf den Straßen hört man neben Italienisch fast ausschließlich Holländisch. Und Deutsch natürlich, wie überall. Unser Idiom hört man glücklicherweise praktisch gar nicht. Man kann den Holländern allerdings nicht vorwerfen, die Stadt für sich entdeckt zu haben, im Gegenteil. Vielleicht sollte man aber, aus Vorbeugung gegen Ohrenkrebs, über eine Kontingentierung nachdenken.



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Puccini

Lucca ist Geburtsort des besten Opern-Komponisten aller Zeiten: Giacomo Puccini! Ihm zu Ehren finden derzeit jeden Abend Konzerte in der Don-Giovanni-Kirche statt. Heute gibt's zum Beispiel ein Puccini-Medley, für welches wir bereits Karten erworben haben. Es werden die besten Schlager aus La Bohème, Turandot und Tosca zur Aufführung gebracht, das wird ein Spaß!

Den zweiten Teil dieses Best-of-Programms gibt's dann morgen, schließlich hat der alte Schwerenöter mehr Hits geschrieben als Prince und Jackson zusammen, unter anderem das "Purple Rain" der Oper: "Nessun Dorma". Wenn's gut wird, werden wir das auch noch reinziehen.

Anschließend wollen wir heute richtig schlemmen in der Cantine Bernardini, da die Pizzeria gestern ein ziemlicher Reinfall war, und zum Schluss, es ist schließlich Freitag, werden wir uns noch irgendwo einen Schlummi gönnen. Oder auch zwei.



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Am zweiten Tag

waren wir in der Früh ein wenig verkatert. Deshalb fiel das Sightseeing in Pisa relativ bündig aus. Den Rest des Tages verbrachten wir im seltsamen Badeort Viareggio dösend am Strand. Auf den zweiten Puccini-Abend haben wir verzichtet, unter anderem weil am Freitag als Zugabe völlig sinnfrei und ohne jeden Zusammenhang jenes unsägliche und komplett unerträgliche O Sole Mio vorgetragen wurde - davon war mir immer noch übel.

Zum Schluss gab's noch eine kurze, aber eminent erfolgreiche Shoppingtour in Lucca, danach ein drittes, leider wiederum völlig missglücktes Abendessen und einen Schlummi vor der ReWine-Bar.

Fazit: Lucca ist, trotz diverser kulinarischer Katastrophen und der zahllosen Holländer, unbedingt einen Besuch wert. Langsam gelange ich dennoch zur Überzeugung, dass die viel gepriesene italienische Küche ein wenig - bis eventuell sogar ziemlich - überschätzt wird.


Übernachten

L'antica Bifore

Einen Teil ihres Charmes bezieht Lucca aus der mittelalterlichen Bausubstanz. Wo man hinschaut, ist man fasziniert und überwältigt von den Kirchen, Palazzi und den prunkvollen Stadthäusern von Adligen und Kaufleuten. Diese nicht nur von außen zu bestaunen, sondern in einem solchen zu wohnen, ist eine besonderes Vergnügen.

Das mögen sich auch Brid und Stefano gedacht haben, als sie sich entschlossen haben, ein solches Haus zu kaufen und unter den strengen Regeln des Heimatschutzes als B&B auszubauen.

L'Antica Bifore ist eine äußerst stil- und stimmungsvolle Unterkunft mitten im Herzen dieser wunderbaren Stadt. Die Betreuung durch die beiden ist sehr aufmerksam und ausgesprochen herzlich.

Da Brid Irin ist, war auch die Kommunikation angenehm einfach, was sonst in Italien ja oftmals nicht so ist.

Unser Zimmer war wunderbar, das Internet funktioniert erstmals während dieser Reise einwandfrei, das Frühstück war zwar italienisch, aber mit etwas Käse und Schinken "aufgepeppt", was für uns immer sehr wichtig ist, um gestärkt in den Tag zu starten.

Ein winziger Vorschlag: Mineralwasser war sonst überall "complimentary". Macht zwar am Ende nicht viel aus, ist aber immer eine schöne Geste.

Ansonsten aber: Uneingeschränkte Empfehlung.

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Essen & Trinken

Cantine Bernardini

Mein Mann wollte mir mit dem Besuch der Cantine Bernardini eine Freude machen, was leider nicht so richtig gelang. Während er mit dem Abend offenbar relativ zufrieden war, gab's aus meiner Sicht reichlich Grund zu meckern: Die Pasta (Spaghetti an Pestosoße) sah zwar ansprechend aus, das Pesto schmeckte aber wie aus dem Glas. Das Steak als Hauptspeise war zäh wie Leder, und das Semifreddo war nicht halb-, wie der Name nahelegt, sondern ganz gefroren, schwamm dafür aber in einer Vanillesoße. Das Brot wurde erst zum Dessert gereicht, Amuse-Bouche gab es keines. Etwas unbefriedigend, das Ganze.

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Party

Caffe del Mercato

Hier gibt es tolle Drinks, serviert von fähigen und zudem nicht ganz hässlichen Barkeepern zu sehr moderaten Preisen (5 € jeder Drink bzw. Cocktail). Kein Wunder, dass hier jeden Abend voll ist.

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Party

ReWine

Hier steppt der Bär. Lucca ist keine Großstadt, das Angebot an Bars für Jugendliche und jung Gebliebene entsprechend übersichtlich. Hier herrschte aber an beiden Abenden, als wir da waren, großes Schaulaufen, insbesondere auch (aber nicht nur) Gays sind hier anzutreffen.

Selbst wenn wir mittlerweile aus dem Cruising-Alter längst raus sind, war es doch sehr unterhaltsam, jungen Italienern beim Poussieren zuzugucken.

Ob der Laden selbst auch was taugt, wissen wir nicht. Wir haben uns die Getränke nebenan beim Caffe del Mercato geholt, weil in solchen Trendschuppen in der Regel die Preise zu hoch und die Bedienungen zu tranig sind.

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Essen & Trinken

Piccolo Mondo

Nach langem Suchen fanden wir hier endlich einen Tisch. Die Freude weilte allerdings nur kurz: Erst wurden uns die Speisekarten ohne ein Wort auf den Tisch geknallt, danach geschah erstmal eine Viertelstunde lang gar nichts.

Nachdem wir unsere Bestellung endlich aufgeben konnten, mussten wir nochmals zehn Minuten warten, bis wir die Getränke auf dem Tisch hatten. Der Wein war OK für den Preis, aber die Temperatur erinnerte stark an Glühwein.

Die Pasta schwamm dann im Olivenöl, schmeckte aber ordentlich (was kann daran schon misslingen?), das Schwein schließlich wurde, laut Bedienung "nach alter toskanischer Tradition", insgesamt dreimal getötet; erst mit Bolzenschuss, das zweite Mal wurde es in der Pfanne hartgekocht und zum Schluss in Tomatensoße ersäuft, der Kartoffelstampf daneben war noch flüssiger als die Soße. Fast das ganze Gericht ließ sich also trinken, das Fleisch hingegen konnte nur mit Mühe zerteilt werden, vielleicht hätte ein Steakmesser geholfen. Mein Mann hatte ein Kaninchen bestellt, was fast zur Gänze aus Knochen und Knorpel bestand.

Völlig ungenießbar. Immerhin mussten wir meine "toskanische Spezialität" nicht bezahlen.

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Shopping

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Pisa


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05.08.2017

Auf den Pisa-Besuch hätte ich gerne verzichtet, denn der olle Turm stand nicht auf meiner Bucket List. Aber mein Göttergatte bestand darauf, da hinzufahren, da man das Teil schließlich einmal im Leben gesehen haben müsse. Offenbar ist das ein Naturgesetz. Also fuhren wir erstmal da hin, zusammen mit einer Million anderer Touristen.

Wir waren aber maßlos enttäuscht! Denn, wie es scheint, ist der Turm gar nicht mehr schief, sondern steht kerzengerade wie ne Eins, somit ist natürlich der ganze Witz verloren. Jedes Bauerndorf verfügt über gerade Türme, wenn auch nur in Form von Hochsilos. Wir sind dann noch eine Weile sinnlos in der Altstadt rumgelatscht, wo wir zwar einen leicht schiefen Kirchturm fanden, der aber bei Weitem kein Ersatz war für das verloren gegangene Wahrzeichen der Stadt -> siehe Beweisfoto des Geraden Turms von Pisa, der ist sowas von gerade, gerader geht wirklich nicht.

Die Stadt ist übrigens auch sonst nicht sehenswert.


Viareggio


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Danach fuhren wir nach Viareggio, wo ich, nach italienischer Art und Sitte, ein wenig im Meer rumstehen wollte, bevor's am Sonntag Richtung Mailand und danach in die Heimat zurück geht - wo es unweigerlich regnen wird, wenn wir da ankommen.

Italien und Strand ist eine Kombi, die sich nie lohnt, aber in manchen Dingen bin ich eben unbelehrbar. Viareggio erwies sich als ein äußerst seltsamer Nicht-Ort ohne Zentrum, ohne Dom und überhaupt ohne jede Form. Um das Meer zu sehen oder auch nur Sand, muss man Eintritt in Form einer Tagesmiete für einen Sonnenschirm und zwei Liegestühlen entrichten (18 €, 15€ ab dem späteren Nachmittag).

Von diesen Liegestühlen aus sieht man das Meer zwar immer noch nicht, aber man darf zumindest hingehen und rein stehen, so oft man will. Wir wollten allerdings nicht sehr oft, denn das Wasser war ähnlich warm wie hierzulande immer der Rotwein serviert wird, die Farbe außerdem so schlammbraun wie der Sand, und um hüfthoch drin zu stehen, muss man erst einige Hundert Meter rauslaufen.

Das Konzept von Badeorten wie diesem habe ich noch nie verstanden, ob sie nun Blackpool, Ostende, Ste-Marie-de-la-Mer oder Benidorm heißen, ist letztlich egal. Gemeinsam ist ihnen ihre beeindruckende Hässlichkeit und somit Sinnlosigkeit. Das übt zwar temporär eine eigenwillige Faszination auf mich aus, stimmt mich allerdings auch immer etwas traurig.


Parma


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06.07.2017

Trotz anfänglich großer Skepsis meinerseits, muss festgestellt werden: Parma ist eine Reise wert. Allein der Dom ist trotz ihres zurückhaltenden Äußeren an barocker Pracht kaum zu überbieten.

Auffallend an der Stadt sind außerdem die bunten Fassaden der Häuser, die ein wenig an Skandinavien erinnern (hach... Skandinavien!), die weitläufige Fußgängerzone, und das völlige Fehlen von Touristen. Besonders Letzteres war eine Wohltat!

Ein sehr lohnenswerter Stopp.


Mailand


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06.08.2017

Ächz. Die Unterkunft ist diesmal ein Totalausfall, aber immerhin war das Dinner im Restaurant-Viertel Brera auf angestrebtem Niveau, also deutlich höher als alles, was wir in Lucca vorgesetzt bekamen. Allerdings leiden wir seither unter den Folgen von jeweils um die dreißig Mückenstichen.

Danach Schlummi in einer wunderbar altmodischen Gay-Bar in der Nähe der Porta Venezia. Zu Fuß zurück ins B&B.



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Tre Torri

Gerne würde ich Euch über den letzten Reisetag noch einmal was Schönes berichten, doch so richtig gelingen wollte uns auch dieser nicht.

Nach dem äußerst dürftigen Frühstück in unserem B&B (-> Tipp) fuhren wir per Metro zu den 3 Torri, den drei Türmen, die ganz offensichtlich den 4 Torres in Madrid nachempfunden wurden, nur halt nicht annähernd so spektakulär. Der letzte Turm (von Libeskind) befindet sich außerdem noch in der ersten Bauphase.



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MUDEC - Museo delle Culture

Danach fuhren wir in den Teil der Stadt, der gegenwärtig offenbar der angesagteste sei, in die Zona Tortona. Da wiederum war nichts auszumachen, was unser Interesse geweckt hätte. Die Restaurants und Geschäfte waren ausnahmslos geschlossen. Das MUDEC - Museo delle Culture, was uns von Freunden wegen der tollen Architektur empfohlen wurde, war geöffnet, allerdings auch da das Bistro wiederum nicht. Man könnte echt verhungern in dem Land.

Dann bezahlten wir je 12 € Eintritt, um einer kitschigen und von Kuschelklassik untermalten Licht- und Bildershow zum Thema Gustaf Klimt beizuwohnen. In den permanenten Teil der Ausstellung duften wir mit dem Ticket nicht rein. Wir waren nach zwei Minuten wieder draußen und fragten bei der Kassenmamsel nach, ob das denn wirklich alles sei, was man für die 12 Euse ansehen dürfe. Diese bejahte.

Den Rest des Nachmittages verbrachten wir in einem Park, wo ein Alters-Tanz-Event zu Schlagermusik stattfand. Gleichzeitig wurden wir von anderer Seite mit Gangster-Rap beschallt, während die Obdachlosen nach und nach ihre Schlafstellen aufsuchten.

Ein lauschiger Ausklang dieses Tages.



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07.08.2017

Um auf Nummer Sicher zu gehen und weitere unangenehme Überraschungen zu vermeiden, entschieden wir uns heute für dasselbe Restaurant in Brera, wo wir gestern schon waren. Das immerhin war erneut eine gute Wahl.

Kleiner Schlummi in der Nähe der Porta Venezia, dann wiederum zu Fuß die 3 km zurück in unsere schreckliche Unterkunft, wo wir feststellten, dass beide Nummernschilder an unserem 500 geklaut waren. Das wird unsere Heimreise sicherlich um viele schöne Stunden in diesem bezaubernden Land verlängern.

Ich freue mich.



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08.08.2017

Heute gab's, wie schon am Vorabend, als erstes eine kalte Dusche, denn warmes Wasser ist hier offenbar Glückssache. Zum Frühstück gab's matschige Hörnchen aus der Tüte mit Portionen-Marmelade und einen Nespresso. What else.

Danach fuhren wir ohne Nummernschild erst einmal durch halb Mailand zu den Carabinieris, um Anzeige zu erstatten. Im Warteraum dieser Wache löste sich der Putz von den Wänden, Neonlicht flackerte, und am Boden stand eine Pfütze aus... naja, es rocht halt wie... egal. Jedenfalls stellt man sich einen Polizeiposten im Kongo genauso vor.

Nach einer Dreiviertelstunde im Warteraum mit Randständigen wurden wir aber überraschend bereits abgeholt und in einen kahlen Raum geführt, wo uns ein Beamter ohne Englisch-Kenntnisse ausfragte. Wir füllten ein Formular aus, wovon er sich irgendwann später eine Kopie anfertigte, und das Ganze war erledigt.

Der Beamte meinte, wir sollten halt die Nummernfolge des geklauten KfZ-Zeichens auf ein Blatt schreiben und an der Innenseite des Heckfensters ankleben, was anderes fiele ihm jetzt auch nicht ein. Papier, Stift und Tesafilm hatte er nicht zur Hand.

Am Ende wollte er noch wissen, wo wir während unserer Reise überall waren und ob es uns gefallen habe in Italien. Der Mann hat immerhin Humor.



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Nach einer Weile Rumlaufen hatten wir alles beisammen, mein Mann klebte das Ersatzschild so gut es eben ging über den leeren Schildhalter, und es konnte - mit drei Stunden Verspätung - endlich losgehen.

Erstaunlicherweise wurden wir auf der ganzen Strecke nicht einmal angehalten, und selbst am Zoll waren die grad mit was anderem beschäftigt.

Wie im Film mit den Sch'tis fing es unmittelbar nach der Landesgrenze an zu regnen, was uns diesmal aber nicht weiter störte. Ich habe mich noch nie gefreut, nach einer Urlaubsreise wieder arbeiten zu dürfen - diesmal schon.



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Kurzes Fazit

Die Italiener tun wirklich ihr bestes im Kampf gegen den Tourismus: Es werden Strafgebühren auf Hotelübernachtungen erhoben, Wegezoll für Autobahnen und sogar Wanderwege, Gebühren für die Benutzung von Messer und Gabel in Restaurants. Für jede Sehenswürdigkeit wird zur Kasse gebeten, sogar für Kirchen oder den Strand, und um im Meer zu stehen oder im Gras zu liegen, muss man ebenso abdrücken.

Die meisten Gerichte, die man in touristisch hoch frequentierten Orten serviert bekommt, schmecken mittlerweile nicht mehr "wie beim Italiener", sondern wie beim Türken oder beim Asiaten. Mediterrane Allerlei-Küche mit asiatischem Anstrich.

Und Autofahren können sie nicht, die Italiener. Denn wer während des Fahrens telefoniert, vespert, gestikuliert oder sich schminkt, fährt mit der Konzentration eines Besoffenen und bringt damit alle Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr. Das ist nicht charmant, das ist fahrlässig.

Trotz all dieser Massnahmen, um Touristen fernzuhalten, fährt der gemeine Mitteleuropäer weiterhin nach Italien in Urlaub, als ob es keine Alternativen gäbe. Versteh das, wer will.

Nächstes Jahr zieht's uns nach Schottland, da freu ich mich drauf. So richtig.


Übernachten

B&B 2 QT 2B Str8

Der alberne Name dieser Unterkunft sagt eigentlich schon alles und hätte uns eine Warnung sein sollen.

Die Gegend kann nur als heruntergekommen bezeichnet werden. Zudem unpraktische Anbindung zur Innenstadt, zehn Minuten zu Fuß zur nächsten Metro-Station, Verbindung lausig und nur bis Mitternacht. Da auf Teilstrecken gebaut wurde, sehr zeitaufwendige Umsteige-Aktionen.

Empfang war in Ordnung, allerdings kriegt man ja überall sonst einen Stadtplan mit den dazugehörigen Informationen ausgehändigt. Wir buchen unter anderem deshalb B&B und AirBnb, weil wir von Eingeborenen Insider-Informationen erhalten möchten, wie zum Beispiel: Wo isst man derzeit am besten, wo gibt's angesagte Bars, wo sind die spannendsten Einkaufsmöglichkeiten zu finden, welches Museum ist sehenswert, und nicht nur, wo sind ein paar einschlägige Lokale.

Das Frühstück war leider der Totalausfall. Kaffee einer gängigen Marke, die mit George Clooney wirbt. Fantasielos zwar, aber immerhin trinkbar. Frisches Brot oder andere Backwaren: Fehlanzeige. Marmelade in Portionen, ebenso die Butter, "Saft" aus dem Fläschchen, dazu gab's pampiges Gummi-"Brot" mit Haltbarkeitsdatum irgendwann im November. Im Jahr 2017 geht das einfach nicht mehr! Auch nicht in Italien und erst recht nicht in einschlägigen Unterkünften. Hier ist jemand ganz tief im letzten Jahrtausend stehen geblieben.

Dies widerspiegelt sich auch in der Einrichtung, die vornehmlich von Philipp Starck und anderen Zeitgenossen der 80er-Jahre stammt, wenn sie denn überhaupt echt ist. Das ist vorbei, passé, ausdiemaus.

Punktabzüge gibt's auch für die extrem unpraktische Dusche. Nicht einmal ein Abstelldingens für die Billig-Produkte gab's, man musste diese auf den Boden stellen, wo man sie mangels Platz kaum wieder aufheben konnte. Der Duschkopf war so stark verkalkt, dass anfangs gar kein Wasser rauskam, wir mussten den erst putzen. An zwei Tagen gab's überhaupt kein warmes Wasser!

Es gab weder eine Aircon noch einen Ventilator, was zur Folge hatte, dass wir nachts die Tür offen lassen mussten. Entsprechend waren wir am Morgen vollgepiekst.

Room Service gab's nie. Weder wurde der Mülleimer geleert noch selbstredend das Bett gemacht. Das war überall sonst Standard auf unserer Reise. Vermutlich hatte der Besitzer keine Zeit dafür, weil er im Hof stehen und rauchen musste.

Zu guter Letzt kam noch die Geschichte mit den Nummernschildern. Selbstverständlich gab's wiederum keine Unterstützung vom Betreiber.

Diese Unterkunft war ein Reinfall von Anfang bis Ende, außerdem viel zu teuer (offenbar schwanken die Preise stark), und wir verstehen nicht, wie man über diese zahllosen auffälligen Mängel hinwegsehen kann. Offenbar sind die meisten Gays extrem anspruchslose Gäste.

Meine Bewertung

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Essen & Trinken

Hosteria della Musica

Musik gab's zwar keine, aber die Gerichte und der Wein schmecken hier so, wie wir es eigentlich auf der ganzen Reise erwartet hatten. Außerdem toller Service und perfekte Lage fürs People Watching. Gut, sogar sehr gut.

Meine Bewertung
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Sehenswürdigkeiten

MUDEC - Museo delle Culture

12 € für eine Licht-Show mit Motiven Klimts ist Wucher. Davon abgesehen ist das Gebäude sehenswert, dafür muss man allerdings keinen Eintritt zahlen.

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Sehenswürdigkeiten

Tre Torri

Noch längst nicht fertiggestellt, wird diese Überbauung sicherlich dereinst recht sehenswert. Die Architektur ist allerdings längst nicht mehr neu; die Form des einen Turms ist stark demjenigen in Malmö ("Turning Torso" von Calatrava) entlehnt.

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Kommentare

movieguide (08.02.2017)

sehr amüsant. Im Gegensatz zu Dir haben wir noch nicht allzuviel von Italien gesehen und bedanken uns schonmal für die eine oder andere Anregung.

Simon (08.02.2017)

Total überschätztes Land.

Ganz ernst gemeint sind meine Berichte zwar selten, aber diesmal war's schon einigermassen diffizil. Wünsche Euch mehr Glück.