Málaga - Dschungelprüfung unter Heizpilzen - Reisebericht von Simon bei triplib.

Subtitle

Short description for search engines
Simon
Mitglied seit: 06.03.2011
Reiseberichte: 25
Reisetipps: 530
Fotos: 3992
Länder: 22
Freunde: 0

Meine Reisestationen

Werbung

Weitere Inhalte

 

Spanien
Alle Reiseberichte (71)
Alle Fotos (833)
 

44 Fotos | 9 Reisetipps | 1325 Views

Bewertung:
(Anzahl der Bewertungen dieses Berichts: 0)

Gewöhnlich verreisen wir ja während der Winterferien irgendwohin, wo Temperaturen um die 30°C traditionell erwartet werden können. In diesem Jahr mussten wir situationsbedingt jedoch darauf verzichten, was uns sehr freudlos stimmte.

Um die Zumutungen des mitteleuropäischen Winters ein wenig abzufedern, beschlossen wir, für ein verlängertes Wochenende in den Süden Spaniens zu fliegen, zumal da die Niederschläge selbst im Februar normalerweise nicht in fester Form niederschlagen. Normalerweise.

Málaga


Mehr Bilder aus Málaga

Die Flugdauer von zweieinhalb Stunden hatten wir etwas unterschätzt, Spanien ist bekanntlich etwas größer als zum Beispiel... na, das Saarland oder Lichtenstein. Und so ist man nach Málaga ungefähr doppelt so lange unterwegs wie nach Barcelona. Dafür wurden wir am ersten Tag mit Königswetter und Temperaturen von knapp 18°C belohnt.

Um vom Flughafen in die Stadt zu gelangen, kann man den Bus nehmen, wenn man zufällig das Kleingeld passend hat, oder die Metro. Wir hatten's nicht passend.

Der Erwerb der Metro-Fahrscheine erwies sich dank der wertvollen Unterstützung einer Angestellten als wenig zeitraubend und vor allem sehr preiswert. Einsachtzig dürften die fairsten Flughafen-Transfer-Kosten weltweit sein. Die Fahrt bis zum Endbahnhof in der Innenstadt dauerte ca. 20 Minuten.

Da man mir aus praktischen Gründen gleich nach der Geburt einen Kompass eingebaut hat, bin ich in der Lage, Punkte in einer Stadt nach einem kurzen Blick auf die Stadtkarte meist ohne Fisimatenten zu finden. So standen wir längst an der Rezeption des Hotels, als mein Lebensrestgefährte immer noch auf seine Hightech-Uhr mit Orientierungs-Hilfe glubschte und mir weiszumachen versuchte, wir seien in die verkehrte Richtung gelaufen.



Mehr Bilder aus Málaga

Heizpilze

Da das Zimmer noch nicht bereit war, ließen wir das Gepäck erstmal stehen und zogen los, um die Stadt zu begucken.

Málaga hat eine sehr ansprechende und gepflegte Altstadt; es gibt viele herrschaftliche Häuser, palmengesäumte Plätze, enge Gassen sowie zahllose Restaurants mit beheizten Außenbereichen, was aus ökologischer Sicht natürlich blanker Unsinn ist. Da wir aber einen besonders langen und trüben Winter hinter uns hatten und in uns daher das starke Bedürfnis nach Sonnenlicht knospte, setzten wir uns dennoch meist draußen hin, obwohl es dafür eigentlich noch zu frisch war.

Hierzu muss ich erläutern, dass man mich eher an einem Samstag Nachmittag in der Vorweihnachtszeit in ein Spielwarengeschäft reinbekommt, als in ein grell ausgeleuchtetes, mit Wagenrädern oder Ankern ausgestattetes Wirtshaus. Selbst dann nicht, wenn der Hungertod drohte. Das macht die Einkehr in manchen Ländern des Südens gelegentlich zu einer Herausforderung. Zum Glück herrschen da aber oft angenehme Temperaturen, so dass ich dieses Ungemach nur selten erleiden muss.

Der gemeine Spanier scheint sich an Sportplatzbeleuchtung, kackbraun lackierten Holztischen und urinsteingelben Bodenfliesen nicht zu stören, während sich bei mir angesichts derlei Abscheulichkeiten die Lebensfreude jeweils temporär verabschiedet.

Dank der Heizpilze konnten wir diesmal aber meist draußen sitzen, und so blieb mir dieser Zustand erspart.



Mehr Bilder aus Málaga

Dschungelprüfung

In der ersten Nacht brachte uns ein ziemlich heftiges Gewitter um den Schlaf. Es hat sogar ins Zimmer reingeregnet, und auch im Fitnessraum war Land unter. Daher ging's in der Früh nicht an die Geräte, sondern raus zum Joggen, was uns nur mäßig zur Freude gereichte, da der Strand wegen des Sturms ziemlich verwüstet aussah, überall lagen ganze Berge von Hagelkörnern und zerfledderten Palmenteilen rum, und es wehte ein fieser Wind.

Wegen des Schlafentzugs sahen wir an dem Tag allerdings auch etwas zerfleddert aus. Zudem peinigte uns starkes Schädelweh, was wahrscheinlich an den vielen Holländern lag, die sich im Frühstücksraum in dieser ungustiösen Sprache gegenseitig anschrieen. Vielleicht lag's aber auch an der Ringelblumen-Tunke, in der eine davon gebadet haben musste. Ein indezentes Volk.

(Notiz an mich: Ich muss mal nach Holland, Vorurteile abbauen.)

Nicht ganz ausschließen lässt sich allerdings auch die Möglichkeit, dass unser Hohlraumsausen von den zwei Litern Sangr¡a herrührte, die wir am Vorabend gebechert hatten. Man weiß es nicht, vermutlich war's die Kombination von beidem.

Da das Wetter durchzogen war, entschieden wir uns an dem Tag für einen Museums- und einen Hamam-Besuch. Davor, dazwischen und danach gab's immer wieder nette einheimische Kaltgetränke, dazu Jamón Ibérico, den geilsten Rohschinken wo gibt auf der Welt, und natürlich Queso Tetilla - sowas wie der spanische Nationalkäse. Mit Olivenöl übergossen und reichlich Pfeffer gewürzt, gewinnt er etwas an Geschmack.

(Notiz an mich: Gelegentlich mal mit Gauda ausprobieren.)

Einmal ließ ich mich - wider meine finstere Vorahnung - dazu hinreißen, eine andalusische Kraken-Pfanne zu bestellen, weil: When in Rome... wie der Spanier sagt (oder die drei, die Englisch können). Leider hatte ich die Kamera nicht dabei, daher musste ich die Illustration dazu im Netz stibitzen. Mein Krake sah jedenfalls nicht so "appetitlich" aus wie jener auf dem Bild, es ging mehr in Richtung Krokodils-Penisse und schmeckte nach Fischabfällen.

Wäre das Gericht eine Dschungelprüfung gewesen, hätte ich sie nicht bestanden.



Mehr Bilder aus Málaga

Am letzten Tag

war uns das Wetter wieder wohl gesonnen, und es lag Shopping, ein Besuch in der örtlichen Markthalle sowie eine Besteigung des Castillo de Gibralfaro auf dem Programm.

Wären wir länger geblieben, hätten wir noch Fahrräder gemietet und wären damit nach Torremolinos gefahren. Hiking im nahen Montes de Málaga Naturpark wäre sicherlich auch eine Option gewesen.

Insgesamt konnten wir ein paar abwechslungsreiche Tage in dieser hübschen und sympathischen Stadt verbringen, wir haben lecker gegessen und - wenigstens an zwei Tagen - die milden Frühlingstemperaturen genossen.

Sollte ich irgendwann gefragt werden, ob ich Málaga oder Valencia den Vorzug gäbe, würde ich wohl dennoch Valencia nennen, denn, obwohl ärmer, hat diese Stadt einfach mehr zu bieten. Sie ist lebendiger, ausgesprochen fahrradfreundlich und nicht ganz so museal.

Die besuchenswertesten spanischen Städte, die ich bislang kenne, sind übrigens Madrid, Sevilla und Salamanca, in dieser Reihenfolge. Barcelona ist dafür die am meisten überschätzte - irgendwie auch ne Leistung.



Mehr Bilder aus Málaga

Foto-Tipp!

An der Stelle empfehle ich gerne meine selbstgebastelte Homepage:

https://www.urban-landscapes.org/valencia

Dort seht Ihr ein paar Bilder von Valencia. Málaga ist aus Gründen darauf nicht vertreten.


Übernachten

Room Mate Valeria

Ausschlaggebend für eine Hotel-Buchung sind für uns immer ein zurück haltendes Design und selbstverständlich die Lage. Wenn der Service und das Frühstück auch noch stimmt, wie hier, umso besser. Empfang und Betreuung waren vorbildlich, fast schon herzlich. Auch die Reinigungskräfte und Service-Angestellten waren auffallend freundlich.

Im Zimmer gab's complimentary diverses Naschwerk, Wasser und einen Gutschein für die Roof-Top-Bar, die ebenfalls einen Besuch lohnt. Der Pool ist mit ca. zwei auf drei Metern zwar eher übersichtlich geraten, aber im Februar ist das ohnehin kein Thema.

Frühstück schmeckte hervorragend. Einzig die Joghurt-Marke ist aus ökologischer und moralischer Sicht fragwürdig. Nestlé-Produkte gehen gar nicht.

Ansonsten keine Einschränkung, selbst das Treppenhaus, was wir aus Fitnessgründen lieber nutzen als den Fahrstuhl, ist einwandfrei. Einfach top, alles.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Essen & Trinken

La Plaza

Wir wissen nicht, ob man in diesem Restaurant die besten Tapas der Stadt kriegt, aber wir behaupten es jetzt einfach mal: Im La Plaza an der Plaza de la Merced gibt's die allerallerbesten Tapas ganz Málagas, wenn nicht sogar Spaniens. Ganz sicher.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Sehenswürdigkeiten

Alcazaba und Gibralfaro

Die Alcazaba ist eine oberhalb der Stadt befindliche Festungs- und Palastanlage. Um diese Festung wiederum zu befestigen, hat man später oben drüber noch eine weitere Festung gebaut, deren Besichtigung sich schon der netten Aussicht wegen lohnt. Irgendwo runter Gucken ist ohnehin unser liebstes Hobby. Der Spaziergang dauert eine knappe Viertelstunde, man braucht dafür also keine Hochgebirgs-Ausrüstung.

Die Eintrittsgeld-Entrichtungsmaschinen waren nicht unbedingt selbsterklärend, zumal wir des Spanischen nicht mächtig sind. Deshalb standen überall Angestellte rum, die einen beim Erwerb der Tickets unterstützten. Das war sehr nützlich.

Andererseits könnte man sich die Maschinen ja auch sparen, wenn ohnehin Helfer daneben stehen müssen, die für einen die Knöpfe drücken, aber das wäre wohl nicht zeitgemäß.

Normaler Eintritt Alcazaba oder Gibralfaro: 2,20 €
Kombiticket Alcazaba und Gibralfaro: 3,55 €

Weitere Infos gibt's hier: https://www.alcazaba-info.com

Meine Bewertung
Tip price

Weitere Infos
 

Sehenswürdigkeiten

La Malagueta

Der Strand von Málaga ist eigentlich ganz hübsch, im Sommer lässt es sich da bestimmt prima sonnenbaden und schwimmen. Erstaunlich deshalb, dass man direkt an der sogenannten Paseo Marítimo, also an der Strandstraße, kaum ansprechende Restaurants und Geschäfte findet. Auch keine Ferien-Resorts oder alte Pracht-Villen waren auszumachen, sondern nur wenig repräsentable Wohntürme und schäbige Lebensmittelläden. In jedem Fall aber höchst unelegante spanische Einheits-Architektur.

Auch hafenseitig hatte man offensichtlich kein Konzept: Ein paar abgeschmackte Bekleidungsgeschäfte, einige auf Massenabfertigung spezialisierte Gasthäuser, zwei oder drei Sitzbänke und Sträucher, zack-feddich ist die Hafen-Promenade.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Sehenswürdigkeiten

Picasso Museum

Málaga ist der Geburtsort des berühmten andalusischen Malers Pablo Dingens, da gehört es als Tourist selbstverständlich zum guten Ton, sich das dazu passende Museum reinzuziehen.

Nun verhält es sich aber so, dass sämtliche Museumsdirektoren dieser Welt offenbar irgendwann beschlossen haben, uns ihre berühmtesten Werke vorzuenthalten, um uns zu ärgern. Das war so in Paris, wo das Rodin-Museum just dann außer Betrieb war, als wir Einlass begehrten; in Siracusa hat man uns - weil Mittwoch war - den Caravaggio ebenso unterschlagen wie in Brügge Boschs Triptychon, welches sich zu dem Zeitpunkt auf Bildungs-Reise bei den Holländern befand.

Und nun eben das Dings-Museum, was umgebaut wurde. Freundlicherweise hat man aber trotzdem einen Raum mit 33 seiner Werke offen gelassen, die wir bestaunen durften. Der Eintritt war mit 4 € wiederum sehr bescheiden bemessen, der normale Preis ist mit 7 € aber auch nicht überspannt.

Drin rannten zahllose schlecht gelaunte Aufseherinnen wie aufgescheuchte Hühner hin und her und passten darauf auf, dass nichts wegfotografiert wurde. Das muss man bei so bekannten und jederzeit abrufbaren Werken wie jenen von.. äh... Dings nicht verstehen, aber gut.

Der Besuch hat sich trotzdem gelohnt.

Meine Bewertung
Tip price

Weitere Infos
 

Essen & Trinken

La Reserva del Olivo

Dieses Restaurant hebt sich durch die etwas gediegener Aufmachung und weiße Tischdecken von den meisten anderen ab. Die Karte war sehr ansprechend mit einem breiten Angebot an Tapas sowie richtigen Gerichten, aber trotzdem nicht wirklich teuer.

Die Vorspeisen schmeckten vorzüglich, der Wein auch, die Qualität der Hautspeisen fiel dann aber markant unter die Erwartungen, die Bedienung war sehr unmotiviert und sprach teilweise nur unverständliches Englisch.

Fazit: Man kann da hingehen, wenn alle anderen Restaurants voll sind. Aber vielleicht sollte man zwei Vorspeisen bestellen, was in Spanien ohnehin fast immer die bessere Wahl ist.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Sehenswürdigkeiten

Palmeral de las Sorpresas

Die 2012 komplett neu geschaffene Hafenanlage mit dem "Palmengarten der Überraschungen" ist ein hübscher Ort zum Schlendern und fürs People Watching.

Der Baldachin erinnerte uns frappant an den Stil eines gewissen Herrn Calatrava.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Sport & Aktivitäten

El Hammam

In Málaga gibt es einige Wellnes-Angebote, darunter auch zwei Hamamse - was aufgrund der Nähe zu Marokko durchaus Sinn macht.

Leider hatten wir uns zuvor nicht richtig informiert, deshalb sind wir ausgerechnet in jenem gelandet, wo es keinen Pool gibt. Und ein Hamam ohne Pool ist nunmal so fad wie ein Freizeitpark ohne Achterbahn. Selbst wenn es in der Türkei durchaus Hamamse ohne Achterbahn gibt.

Sehr befremdlich fanden wir auch, dass alle Badegäste unter dem Pastemal entweder Badesachen trugen oder einen lächerlichen Posing-Beutel. Und die Massage war auch mehr ein Streicheln denn ein Durchkneten, aber klar, wer wird schon nicht gern gestreichelt.

Das Wasser in den Becken war entweder viel zu kalt oder viel zu heiß, ein Peeling wurde nicht angeboten, auch kein Kese (Peeling-Handschuh) wurde gereicht, womit man sich selbst oder gegenseitig hätte bepeelen können, noch nicht mal Tee gab's.

Die Angestellten waren aber immerhin sehr freundlich.

Glaubt man den TripAdvisor-Bewertungen wäre das Hammam Al Andalus Malaga wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen.

Meine Bewertung

Weitere Infos
 

Essen & Trinken

Mercado central de Málaga

Jede Stadt, die etwas auf sich hält, sollte einen hübschen historischen Markt unterhalten. Auch in der Beziehung braucht sich Málaga nicht hinter anderen spanischen Städten wie Madrid oder Valencia verstecken.

Alles was das Meer und die Landwirtschaft hergibt, kann hier erntefrisch erworben werden.

Die Öffnungszeiten sind 08.00 bis 14.00 Uhr, sonntags ist geschlossen, wie die meisten Geschäfte der Stadt.

Meine Bewertung

Weitere Infos