Oder-Neiße - Eine Drei-Länder-Tour - Reisebericht von Stampferle bei triplib.

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Stampferle
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Okres Liberec

Liberec

Liberec


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1. Tag

Wir erreichen Liberec von Berlin aus mit der Trilexbahn. Das Wetter ist toll und von Ferne grüßt der Jeschkenturm, der wie ein Kosakenzipfel auf seinem Berg thront. Der Turm ist ca. 100 Meter hoch und dient als Fernsehturm und ist zugleich das Wahrzeichen der Region um Liberec. Man kann den Turm mit einer Seilbahn erreichen und dort auch übernachten. Wir verlassen den Bahnhof und radeln weit bergab in das Zentrum der Stadt Liberec. Es gibt hier einen schönen Marktplatz mit dem neogotischen Rathaus und netten Cafés. Wir gönnen uns einen Frappé für umgerechnet 2 Euro - denn hier hat man noch tschechische Kronen. Anschließend suchen wir das Schloß derer von Liberec. Es liegt allerdings verlassen und zugewuchert im Dornröschenschlaf und wartet auf einen solventen Investor, der es dann wach küsst. Wir radeln zu den Waldsteinhäusern, alte Fachwerkhäuser, die angeblich Schiller zu seinem Drama des Feldherren Wallenstein inspiriert haben sollen. Die Neißequelle liegt ca. 20 Kilometer östlich von Liberec. Die schlechten Radwege und die vielen extremen Steigungen halten uns von einem Besuch ab und so versuchen wir den Radweg wiederzufinden. Es geht durch kleine Dörfer auf sehr schlechten Wegen und immer schön bergauf und bergab. In Bily Hostel halten wir an zum Mittagessen. Hier gibt es eine schäbig zusammengeschusterte Bude mit unbenutzbaren Toiletten. Der junge Kerl der uns oben ohne bedient macht uns Würstchen im Smoker mit Brot und Senf. Die sind dann etwas angekohlt, schmecken aber gut. Weiter geht es an der Neiße, die noch immer ein kleiner Bach ist. Wir erfrischen uns kurz und waschen uns die Wurstfinger. Wenn man durch die kleinen Orte radelt hat man immer den Eindruck, dass alles im Umbau ist und dass es nie fertig wird. Es gibt auch viele Bauruinen. Und ehe man sich versieht, ist man über die Grenze. Man erkennt es eigentlich nur daran, dass plötzlich alle Häuser und Gärten gepflegt sind und es Radwege gibt.
Zittau kommt in Sicht. Hier gibt es einen sehr schönen Marktplatz, wo wir uns ein Eis gönnen. Wir besuchen hier die entwidmete Kirche zum Heiligen Kreuz, wo es einen wunderschönen alten Friedhof mit Mausoleum gibt. Hier hat bestimmt Caspar David Friedrich sein Bild gemalt.... In der Kirche ist es abgedunkelt, denn hier kann man ein riesiges Fastentuch aus dem Mittelalter besichtigen. Die Geschichte dieses Tuches ist so unfassbar, dass sie wahr sein muss. Da kommen sogar Russen vor, die das Tuch als Abgrenzung für Ihre Sauna benutzt haben - diese Banausen! Dieses Fastentuch muss man sich ansehen.
Wir brechen zur letzen Etappe auf. Es geht endlos an der Bundesstraße entlang und dann erreichen wir Hirschfelde. Jetzt lange durch einen Wald immer entlang der Neiße, bis wir in den letzten Sonnenstrahlen das Kloster Sankt Marienthal erreichen. Wir holen uns die Schlüssel aus der Klosterschnecke und betreten die altehrwürdigen Gebäude. Wir haben ein schlichtes Zimmer mit Neißeblick. Die Nonnen werden uns vielleicht zum Gebet rufen, weshalb wir uns erstmal in der Klosterschänke unter den alten Kastanien mit Wildschweinbraten und Klosterbier stärken. Ein letzter Spaziergang durch den schönen Klostergarten und dann fallen wir ins Bett.


Sehenswürdigkeiten

Museum Kirche Zum Heiligen Kreuz

Von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht - das 8,20 Meter hohe und 6,80 Meter breite Textilkunstwerk zeigt 90 Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Präsentiert wir das Tuch in der größten Museumsvitrine der Welt.

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Übernachten

Kloster St. Marienthal

Marienthal ist das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland, das seit seiner Gründung im Jahre 1234 bis heute ununterbrochen besteht. Die ganze Anlage ist wunderschön saniert, die Gästeräume sind schlicht, aber sauber und funktional. Es gibt eine tolle Klosterschänke mit alten Kastaniengarten, gutem selbstgebrauten Bier und sehr gutem Essen.

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Ostritz

Kloster Marienthal

Kloster Marienthal


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2. Tag

Heute morgen Frühstück im Refektorium. Eine lustige Ansammlung unterschiedlichster Leute. Ein Ordenspriester unterhält die ganze Gesellschaft mit seinen lautstarken Anekdoten.
Abfahrt bei Kaiserwetter durch hitzeflirrende Felder, kühle Wähler und vorbei an idyllischen Seen. Wir sehen unseren ersten riesigen Schaufelbagger, der sich wie ein riesiger Dinosaurier durch die Landschaft frisst. Wir erreichen das schöne Görlitz. Hier könnte man in jeder der alten Gassen einen Film im Mittelalter oder der Renaissance drehen. Wir besichtigen schöne Kirchen und Orgeln - unter anderem die Stadtkirche St. Peter und Paul - "Gottes schönstes Haus an der Neiße". Hier kann man die sogenannte Sonnenorgel sehen, deren Prospekt von 17 Sonnen bestimmt wird. Die Pfeifen der zwölffachen Pedalmixtur sind strahlenförmig um goldene Sonnengesichter angeordnet. Sehr hübsch.
Am schönen Marktplatz gönnen wir uns Salat zum Mittag. Weiter in der Hitze durch Wald und Flur bis Ludwigsdorf, wo wir an einer alten Mühle eine Eispause machen. Dann nach Zodel, wo es eine hübsche, alte Kirche gibt mit sehr lustigen Plumpsklo.
Weiter bis zur Kulturinsel Einsiedeln, eine in sich geschlossene Ferienanlage, die speziell auf Familien zugeschnitten ist. Hier betritt man eine Fantasiewelt mit eigener Sprache und eigener Architektur. Es gibt Tunnel, Hängebrücken, Baumhäuser, Spielplätze, Kneipen und alles ist quietschbunt und garantiert nicht gerade. Ein Yak, Esel, Ziegen, Erdmännchen und Ziervögel bereichern den Park. Wir schlafen in einem orientalischen Zelt, das wenig bis keinen Komfort bietet. Außerdem ist es sehr laut. Mit der Hygiene ist es auch nicht so einfach. Man wäscht sich draußen vor allen Leuten, die Toiletten sind alte Telefonzellen, deren Türen man aufgrund von Platzmangel nicht richtig schließen kann und Duschen sind sehr rar gesät und dann oft an unmöglichen Plätzen. Nichts für schamhafte Menschen!
Nach einigermaßen erfolgreicher Hygiene essen wir im Baumstammlokal, wo man das Gulasch im Brottopf serviert bekommt und die Speisekarten 2 Kilo wiegen. Alles in allem eine im wahrsten Sinne des Wortes verrückte Welt, die man mit eigenen Augen gesehen haben muss. Vielleicht sind die Übernachtungen im Baumhaus angenehmer, aber das hat hier auch alles seinen Preis...


Zodel

Schloß Fürst Pückler

Schloß Fürst Pückler


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3. Tag

Die Nacht war der Horror. gegen 24 Uhr musste ich die sächsischen Dummschnacker mal zur Ordnung rufen. Mein Bett ist schief, weshalb ich die ganze Nacht gegen ein Herausfallen ankämpfen muss. Der Nachbar schnarcht, die Tür quietscht und rummst und die Jugendlichen lärmen. Endlich morgen und wir sind die ersten im Restaurant. Immerhin werden wir mit einem opulenten Frühstück überrascht. Dann hält uns hier nichts mehr und wir verlassen die "Kulturinsel".
Durch Rothenburg und dann kurz vor Lodenau besuchen wir das Luftfahrttechnische Museum. Hier steht eine Menge Schrott aus dem 2. Weltkrieg. Die alten Herren sind sehr nett und wir dürfen in eines der Kampfflugzeuge einsteigen und uns mal als Helden fühlen. Das ist schon auch ein bisschen unheimlich. Weiter geht es auf tollen Radwegen bis Klein-Priebus, wo wir uns eine Pause gönnen. Es ist heute wieder sehr heiß und wir erreichen gegen Mittag Werdeck, wo es einen kleinen Kiosk mit Terrasse gibt. Wir stärken uns mit Kartoffelsuppe und genießen den Ausblick in die Niederungen der Lausitz.
In Podrosche kurzer Ausflug auf die polnische Seite. Wir kommen exakt um 12 Uhr an und schon erklingt eine Hymne vom Kirchturm - sehr seltsam.
Kurz vor Skerberdorf entern wir ein Freibad. Man zahlt 2 Euro in die Kasse und kann dann nach Herzenslust baden - so einfach kann es gehen!
Ein Unwetter zieht auf und wir treten in die Pedale. Endlose Kiefernwälder, bis wir den Ort Sagan erreichen. Hier gibt es ein landwirtschaftliches Freiluftmuseum. Aber wir sind hier nicht erwünscht, obwohl noch 45 Minuten Zeit wäre. Also warten wir unter dem Vordach den ersten Guss ab und machen uns dann auf unsere letzte Etappe. Wir erreichen Bad Muskau - ein langweiliges Kaff, dessen einzige Attraktion das recht schöne Schloß von Fürst Pückler ist. Wir beziehen unser Hotel und besichtigen zuerst das Schloß. Es gibt eine Ausstellung über das Leben von Fürst Pückler und eine Bilderausstellung romantischer, italienischer Maler. Im Schloßkaffee gibt es Schokotorte mit Blick in den sehr schönen Park des Schlosses.
Wir spazieren durch den Park, der sehenswert ist. Der Ort selbst ist eher trist und es gibt auch kaum Kneipen. Letztendlich essen wir beim Türken einen Döner!


Bad Muskau

Tuschfabrik in Forst

Tuschfabrik in Forst


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4. Tag

Letzte Nacht gut geschlafen. Es hat ordentlich geschüttet und es ist heute deutlich kühler. Wir stärken uns am recht guten Frühstücksbuffet und radeln gegen halb Zehn wieder los. Der Radweg verläuft wieder entlang der Neisse und durch feuchte Wälder. Das Heidebauernmuseum lassen wir aus, freuen uns über die Ziegenherde eines Ziegenhofes und radeln weiter durch kleine Kuhdörfer mit verfallenen Häusern. Hier möchte man nicht mal begraben sein. Endlich kommt der Ort Forst in Sicht. Forst war durch Tuchmanufakturen reich geworden. Es gibt hier wunderschöne alten Villen und Fabrikgebäude - aber leider fast alles verfallen. Wir besuchen den Ostdeutschen Rosengarten. Eine schöne und große Anlage mit Wasserkaskaden, Springbrunnen und tausenden von Rosen. Im Café gibt es Roseneis.
Danach besuch einer Tuchfabrik. Es sieht hier aus, als hätten die Arbeiter erst gestern die Arbeit niedergelegt. Die Frau an der Kasse führt und alle Maschinen vor und erklärt uns deren Funktion. Das ist alles recht beeindruckend - vor allen der Lärm, den diese Ungeheuer machen.
Wir suchen verzweifelt eine Kneipe zum Mittag, aber hier ist alles verschlossen. Erst am Bahnhof finden wir einen schmuddeligen, aber sehr netten Türken, der uns mit Döner versorgt. Auf die Türken ist eben Verlass!
Wir radeln durch die Vororte um das Archiv der verschwundenen Dörfer zu finden - was nicht ganz einfach ist. Hier werden 135 Orte dokumentiert, die dem Braunkohle-Tagebau weichen mussten. Vorwiegend hat es Sorben getroffen, die zwangsumgesiedelt wurden. Ein recht trauriges Kapitel in dieser Region. Und bald sehen wir die Wahrheit mit eigenen Augen. Kurz nach Briesnig hört man ein gleichmäßiges Wummern. Wir schleichen wie die Spione durch Geröll, Ginsterhecken - überqueren eine dicke schwarze Pipeline und dann tut sich ein marsianischer Albtraum auf: Ein zerklüftete Mondlandschaft, am Horizont riesige Kühltürme aus denen apokalyptischer Qualm aufsteigt und die riesige unbemannte Grabmaschine, die unbeirrt die Erde durchwühlt. Kein Wunder, dass sich die Bevölkerung wehrt...
Endlos geht es weiter auf der Deichkrone der Neisse, die mittlerweile dunkelbraun ist. Verzweifelt hoffen wir auf ein Café oder eine Kneipe oder einen Kiosk. Nicht mal Rewe hat sich hier angesiedelt. Völlig verdurstet erreichen wir Guben und beziehen unser schönes Hotel ( Hermann`s Stilhotel). Wir gönnen uns kalte Getränke auf der Hotelterrasse und machen dann eine Stadtbesichtigung. Guben wurde durch Hutmanufakturen reich, wie man auch hier an den alten Jugendstilvillen erkennen kann. Allerdings wurden im Krieg 80 % der Bauten vernichtet. Auf der polnischen Seite, die man flugs über eine Brücke erreicht, steht noch die Ruine einer sehr großen Kathedrale, die wohl nie mehr aufgebaut werden wird. Zurück im Hotel essen wir zu Abend und sind doch nachdenklicher Stimmung.


Gubin

Kloster Neuzelle

Kloster Neuzelle


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5. Tag

Heute morgen kleines, aber feines Frühstück. Heute haben wir uns Getränke gekauft für den Radweg - man lernt dazu! Gegen 10 Uhr haben wir die Neißemündung erreicht. Hier kommt die Oder aus Polen und die Neiße mündet hinein. Weiter am Deich mit leichtem Gegenwind bis zum Abzweiger Kloster Neuzelle. Neuzelle ist ein wunderbares Kloster mit einer sehr barocken Kirche, einem sehr hübschen Park, Brauerei, Brennerei, Buchantiquariat und einem besonderen Museum. Wir besichtigen alles in Ruhe und bestaunen im Museum die Passion Christi, die dort geschützt vor Tageslicht in Form von lebensgroßen Kulissen zu sehen ist. In diese Kulissen spielten dann die Klosterbewohner zur Erbauung des Volkes die Geschichte Jesu nach. Das wäre doch heutzutage auch mal eine gute Idee...
Wir essen in der Orangerie zu Mittag und amüsieren uns dabei über eine Hochzeit, die hier gerade statt findet.
Weiter auf der Bundesstraße bis Eisenhüttenstadt. Es regnet leicht, was die Stadt noch trostloser erscheinen lässt. Hier gibt es noch immer eine große Stahlindustrie, die die Autobauer beliefert. Hier kann man auch die Stalinstadt sehen, ein sozialer Wohnungsbau für die Stahlarbeiter aus den 50er Jahren. Auch nicht schlechter als das was heute so gebaut wird. Wir radeln ohne großen Zwischenstopp weiter - es ist einfach nur deprimierend hier. Weiter geht es endlos am Oderdeich - immer mit leichten Gegenwind. Im Dörfchen Aurith gibt es Kaffee und Eis und weiter geht es auf dem Deich. Zirka 10 Kilometer vor Frankfurt muss man viel auf befahrenen Straßen radeln. Endlich erreichen wir unser Hotel "Zur alten Oder". Es ist ein bisschen oll, aber ganz liebenswert. Nachdem wir geduscht haben, fahren wir mit der S-Bahn drei Stationen ins Zentrum. Hier gibt es wenig bis nichts Schönes. Es gibt hier eine Universität, wo Bach und von Kleist studiert haben - trotzdem tun mir die Studenten leid, die hier stranden. An der Oderpromenade, wo niemand promeniert, trinken wir ein Bier und gehen dann zu Fuß zurück ins Hotel. Die Vorstadt ist etwas erträglicher als das Zentrum. Auf der Hoteltrasse gutes Abendessen mit einem Ehepaar, das die gleiche Tour fährt. Ein netter Abend, bis die Mücken uns vertreiben.


Sehenswürdigkeiten

Kloster Neuzelle

Barockwunder Brandenburgs nennt man die 1268 vom meißischen Markgrafen Heinrich dem Erlauchten gegründete und später barockisierte Klosteranlage in Neuzelle.
Heute präsentiert sich die Klosteranlage nach umfangreichen Baumaßnahmen in neuem, alten Glanz. Sie gilt heute als eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen Deutschlands und Europas. Neben den beiden Barockkirchen und dem spätgotischen Kreuzgang und dem wiederhergestellten barocken Klostergarten ist das im März 2015 eröffnete Museum „Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab“ ein besonderer Anziehungspunkt.
In den Sommermonaten bietet die Stiftung Stift Neuzelle ein vielfältiges Kulturprogramm mit Konzerten und Ausstellungen an. Das Musiktheaterfestival Oper Oder-Spree zählt zu den Höhepunkten im Brandenburger Kultursommer.

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Frankfurt

Denkmal in Kienitz

Denkmal in Kienitz


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6. Tag

Heute frühstücken wir erst um 9 Uhr. Dann rauf aufs Rad und wieder durch die Stadt, die heute auch nicht besser aussieht. Immer entlang der Oder mit viel auf und ab und leichtem Gegenwind bis Lebus, wo wir uns mit Getränken versorgen. Nun beginnt das sogenannte Oderbruch, ein 640 Quadratkilometer großes Gebiet, das unter dem Oderspiegel liegt. Hier ist alles naturbelassen: Umgestürzte Bäume, Biber, Otter, Schlangen und viele Insekten. Man radelt endlos über die Deichkrone und hat diesen weiten Blick ins Land und über den Fluss. Hinter Küstin-Kitz machen wir bei der Kuhbrücke Pause. Es gibt einen schwarzen Abt (Brauerei Kloster Neuzelle), Knackwurst und Räucherfisch. Wir treffen wieder unsere Mitradler.
Weiter auf dem Deich bis Sydowwiese, wo es ein Naturbad gibt, welches wir ausgiebig nutzen. Baden, lesen und schlummern. Dann weiter bis nach Kienitz, wo wir in der Kneipe "Zum Hafen" untergebracht sind. Wir beziehen das äußerst schäbige Dreibettzimmer - das einzige mit eigenem Bad und Klo und Blick auf das Kühlaggregat. Da die Küche um 18 Uhr schließt, schlagen wir uns noch schnell den Bauch voll und machen dann einen Spaziergang durch das Dorf. Auf dem Dorfplatz steht ein blank polierter sowjetischer Panzer, der von Blumen umkränzt ist. Die Kirche hat man zur Hälfte wieder aufgebaut, in der anderen Hälfte ist ein Freiluftcafé, sprich das Dach fehlt....
Mehr gibt es nicht zu sehen. Immerhin kann man sich selbst an den Getränken bedienen und wir setzen uns mit einem Bier an die Oder bis die Sonne untergeht.


Kienitz

Nationalpark Criewen

Nationalpark Criewen


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7. Tag

Die Nacht war so làlà - es nicht im Zimmer nach Kloreiniger - da hilft auch das Lüften nicht. Wir frühstücken im riesigen, alten Tanzsaal mit Bühne. Danach verlassen wir die lustige Wirtin und radeln nach Groß-Neuendorf. Hier gibt es einen alten Verladeturm und Güterwaggons zum Übernachten. Danach wider endlos über den Deich mit imponierender Landschaft. Bunte Blumenwiesen, exotische Vögel und endlos Insekten - es scheint eine intakte Natur zu sein. Erste Pause an einer Zollbrücke. Hier kamen die Berliner vor 100 Jahren zum Tanz und zum Baden.
Und weiter geht es auf dem Deich bis Neuglietzen, wo wir Mittag machen. Es gibt Boulleten mit Pommer. Weiter nach Hohensaaten, wo wir uns für die Deichroute entscheiden. Nach 15 Kilometern erreichen wir Criewen, wo es einen Nationalpark mit Schloß und kleiner Kirche gibt. Hier hauste dazumal die Familie zu Arnim. Vor der Kirche sitzt Quasimodo, der dann aufspringt und mit dröhnender und monotoner Stimme eine Kirchenführung macht, der sich niemand zu widersetzen wagt. Anscheinend findet er an uns Gefallen, denn er zeigt uns noch die Privatkapelle mit sehr schönen Buntglasfenstern. Mit ein paar Euros kaufen wir uns frei und erholen uns im nächsten Dorf bei einem Eis von dem Schreck.
Schwedt kommt in Sicht - ein weiterer Ort mit vorwiegend Plattenbauten. Es regnet und wir stellen uns in einer Garage unter. Im Nachbarhaus wohnt ein lustiger Typ, der uns auf einen Kaffee auf seine Hightechterasse einlädt. Eine Stunde lang quatscht er uns die Ohren ab und beschallt uns mit lauter Musik - das war schon recht schräg!
Wir verabschieden uns uns und radeln zum Turm-Hotel. es steht etwas außerhalb, ist aber soweit in Ordnung.
Wir reinigen uns und radeln dann in die sehr spärliche Altstadt. Auch wurden 85 % aller Gebäude zerstört. Wir suche lange nach einer Kneipe und landen bei einem polnischen Italiener direkt an der Oder. Zweimal Pizza, zweimal Bier und einen Schnaps hinterher und schon sieht die Welt wieder besser aus.


Schwedt (Oder)

Stettin - städtebaulicher Wahnsinn

Stettin - städtebaulicher Wahnsinn


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8. Tag

Heute sind wir gut ausgeruht. Das Frühstück ist prächtig, das Wetter eher weniger: kalt und windig, wobei wir vorwiegend Rückenwind haben. Auf geht es in Richtung Gartz - dann Radweg-Vollsperrung. Also über die Dörfer Vierraden und Gatow, wo seit Urzeiten Tabak angebaut wird. Dann wieder auf den Deich. Wir radeln jetzt durch den Nationalpark Unteres Odertal, das mit seinen Auenwäldern und dem beginnenden Delta einzigartig ist. In Gartz stehen noch schöne alte Häuser. Weiter nach Mescherin und immer schön auf und ab durch die feuchten Wälder und dann winkt die letzte Kneipe vor der Grenze. Blumenkohlsuppe zur Stärkung und dann geht auf einer stark befahrenen Straße bis Staffelde. Zügig überqueren wir die Grenze nach Polen und sofort sind die Straßen wieder löchrig, die Häuser baufällig und die Kirchen kaputt. Wir meiden die Schottenwege und fahren die kaum befahrenen Straßen zwischen den Dörfern. Am Straßenrand hat man eine reiche Obstauswahl an Äpfeln, Pflaumen und Mirabellen. Wir müssen die Autobahn unterqueren und einem Schotterweg mit 45 % Gefälle bewältigen - da schiebt man dann doch lieber, obwohl es bergab geht! Weiter durch Dörfer mit unaussprechlichen Namen. Bei Ustowo sollen wir dann ohne Radweg auf die Autobahn. Einige tapfere Radler haben links und rechts der vielbefahrenen Straße einen kleine Sandfurche geschaffen - aber so groß ist unser Mut nicht. Wir befragen den Navi und müssen die Räder über Eisenbahnbrücken tragen und kreuz und quer durch die Vorstädte. Wie immer gibt es noch einige schöne alte Bauten, aber auch viel schrecklichen Plattenbau. Endlich erreichen wir die Innenstadt, wo wir das Radisson Blue beziehen. Wir erfrischen uns und ziehen dann los zur Stadtbesichtigung. An der Rezeption bekommen wir einen Stadtplan, in welchem ein roter Pfad eingemalt ist, der einem an alle Sehenswürdigkeiten der Stadt führt. Die Tour dauert ca. 1,5 Stunden und manchmal muss man den Pfad erraten, da die Markierung fehlt. Aber alles in allem haben wir viel gesehen: Kirchen, das Stadtschloß, die Burg, den Hafen, die Universität, das Passauer und das Berliner Tor, das Theater, das futuristische Opernhaus und viele barocke Häuserfronten. In den Kirchen werden im Stundentakt Gottesdienste angeboten und manchmal läuft Radio Maria mit herzerweichenden Mädchengesang. Kitsch total! Die Besucher knien auf den kalten Fliesen und stehen Schlange an den Beichtstühlen.
Zum Abendessen im Restaurant Europa: 70er Ostalgiecharme mit sehr freundlicher Bedienung und gutem Essen. Abends noch im elften Stock der Hotelbar, wo wir über die hübsch-hässliche Stadt nochmal einen guten Ausblick haben.


Stettin

Blick auf Uckernünde

Blick auf Uckernünde


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9. Tag

Recht gut geschlafen und ein phantastisches Frühstücksbuffet genossen. und jetzt die Kunst, mit dem Rad wieder unfallfrei aus dieser Stadt zu kommen. Dank Navi finden wir eine einigermaßen gute Strecke. Trotzdem muss man höllisch aufpassen auf den Verkehr und die Schlaglöcher. Nach der Stadtgrenze 35 Kilometer immer schnurgerade aus auf einer kaum befahrenen Straße durch endlose Wälder. Dann endlich Hintersee bei leichtem Nieselregen. Wir machen Mittag in einer großen Tanzhalle. Hackbraten mit Kartoffeln, der mindestens schon dreimal aufgewärmt worden ist - schmeckt aber nach der Anstrengung doppelt gut. Danach auf Sandwegen durch den Wald bis Rieth, ein recht hübscher, alter Ort. Weiter bis Warsin, wo man schon ab und an einen Blick auf das Meer erhaschen kann. In Vogelsang beim fahrenden Bäcker Kuchen gekauft und auf einem sehr schönen alten Friedhof mit toller Gruft genossen. Dann entlang der Straße nach Berlin, wo wir uns nochmal einen Kaffee gönnen.
Danach weiter bis Ueckermünde, wo es sehr hübsch, aber auch sehr voll ist. Wir quartieren uns im Hotel "Am Markt" ein. Das ist sauer und gut. Danach Ortsbesichtigung. Auf dem hübschen Marktplatz spielt heute eine Rockband. Wir treffen mal wieder Mitradler und essen auf dem Platz gemeinsam zu Abend und konsumieren so manches Bier. Ein schöner Ausklang.


Ueckermünde

Ahlbecker Hof

Ahlbecker Hof


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10. Tag

Wir haben in unserem großen Zimmer gut geschlafen. Der Wecker klingelt heute schon um viertel nach sieben, da unsere Fähre kurz nach acht ablegt. Also schnell ins Bad, frühstücken und aufs Fahrrad. Die Reederei Peters liegt mit ihrem Seelenverkäufer bereits am Pier und der Kapitän ist äußerst schlecht gelaunt. Er mault alle Leute an und verbreitet schlechte Stimmung. Aber dann geht es los entlang der Uecker und dann auf die offene See. Der Wind weht kräftig und die Gischt sprüht über das alte Boot. Eine Seefahrt ist eben immer lustig. Nach eineinhalb Stunden sind wir in Kaminke, laden die Räder aus und radeln los. Flugs wieder über die polnische Grenze und zügig auf guten Wegen nach Swinemünde. In der Kleinstadt stehen noch jede Menge hübscher alter Häuser, aber auch hier ein relativ großer Renovierungsstau. Wir radeln immer entlang der Promenade, die sehr gut besucht ist. Dann wieder schnell über die Grenze und so langsam wird es fast schon mondän. Dann kommt der Ahlbecker Hof in Sicht - unser Hotel für drei kommende Tage. Wir bummeln durch den hübschen Ort, essen auf der schönen Seebrücke Dorsch zu Mittag und beziehen dann unser hübsches kleines Zimmer mit Blick aufs Meer. Das Personal ist durchweg sehr freundlich und aufmerksam und wir entspannen uns erst ein mal. Später unternehmen wir einen langen Spaziergang nach Heringsdorf und gönnen uns dort Kaffee und Kuchen. Mit dem Schiff fahren wir zurück. Der Zimmerboy hat bereits die Decken aufgeschlagen und das Zimmer aufgeräumt. Wir lassen es uns es noch im sehr schönen Kaminzimmer gut gehen, trinken Tee, lesen endlich in Ruhe Zeitung und planen unseren Abend. Später essen wir in der Brasserie des Hotels. Und nochmal Dorsch mit blanchiertem Gemüse und eine tolle Fischsuppe. So könnte es jeden Abend sein....


Ahlbeck

Sonnenuntergang Ahlbeck

Sonnenuntergang Ahlbeck


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11. Tag

Heute lange und gut geschlafen. Der morgendliche Blick auf die sonnige Ostsee entschädigt einem für so manches schreckliche Zimmer auf dieser Reise an der Neiße und Oder. Es gibt in unserem schönen Hotel ein phantastisches Frühstücksbuffet auf der Terrasse. Wir lesen ausgiebig die Zeitung, genießen das tolle Wetter und lassen so unsere erlebnisreiche Reise ausklingen.


Übernachten

Seehotel Ahlbecker Hof

Viel Tradition und zurückhaltender Luxus prägen das 5-Sterne Hotel auf Usedom genauso, wie die Herzlichkeit der Mitarbeiter. Das kleine Grandhotel mit 91 stilvollen Zimmern und luxuriösen Suiten ist ein kaiserliches Erlebnis in Architektur und Ambiente für alle, die das ganz Besondere suchen. An diesem einmaligen Ort ist es gelungen, die „guten, alten Zeiten“ wieder aufleben zu lassen.

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