Patagonien und Feuerland - Reisebericht von horst_wehrse bei triplib.

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horst_wehrse
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Santiago de Chile

Morgens gegen 7.oo Uhr senkt sich die Boeing 747 durch die dichte braun-graue Wolkendecke, um nach gut zwölfstündigem Flug in Buenos Aires zu landen.

Es ist Herbst in Europa, wir schreiben den 21.11.2000, als ich in Frankfurt das Flugzeug besteige, das mich nach Madrid bringt. Hier habe ich vor dem Weiterflug nach Argentinien noch einige Stunden Aufenthalt und vertreibe mir die Zeit im Flughafenrestaurant mit jamon serano und vino tinto.

Von der argentinischen Hauptstadt geht es weiter mit der MD 88 "Parque National Iguaçu" der Aerolineas Argentinas und knapp zwei Stunden später ist das erste Ziel erreicht: Santiago de Chile.


Präsidentenpalast La Moneda in Santiago

Präsidentenpalast La Moneda in Santiago


Mehr Bilder aus Santiago de Chile

Santiago

Zu meiner großen Freude und Verwunderung sehe ich auch meinen Rucksack auf dem Gepäckband, nach zweifachem Umsteigen und Flugzeugwechsel ist das keine Selbstverständlichkeit.

Erst mit dem Flughafenbus in die Innenstadt, dann noch acht Blocks laufen, ein junger Mann aus Bristol begleitet mich, und schon habe ich das zu Hause per Fax reservierte Hotel "Paris" direkt im Zentrum von Santiago erreicht. Man empfängt mich als Señor Horst aus Frankreich.

Bei herrlichstem Sommerwetter erkundige ich die Stadt und bin überrascht, ein Straßenbild wie in Europa vorzufinden, Fußgängerzonen, Passagen mit Ladenzeilen, die in gleicher Form und Aufmachung auch in Bremen hätten sein können.

Natürlich führt der Weg gleich zum Präsidentenpalast "La Moneda", ein Eintritt in die Innenräume wird mir leider verwehrt. In diesem geschichtsträchtigen Gebäude, einer ehemaligen Münzprägeanstalt, wurde das Leben des legendären Salvadore Allende beendet. Man weiß bis heute nicht, ob durch Soldaten oder durch Selbstmord.

An der mächtigen Plaza de Armas halte ich mich länger auf, wie in vielen anderen lateinamerikanischen Städten ist auch hier die imposante Kathedrale angesiedelt. Weitere schöne öffentliche Bauwerke bestimmen den Gesamteindruck. In der Mitte des Platzes bietet ein Baldachin den vielen Menschen an Schachtischen Schutz und Schatten.

Es macht Spaß, sich in der Stadt zu bewegen, der öffentliche Nahverkehr, Busse und U-Bahn, ist gut ausgebaut.

Einen schönen Überblick über die Stadt hat man vom 869 m hohen Cerro San Christobal aus, einem Hügel inmitten der Stadt, der bequem mit der Seilbahn zu erreichen ist. Über allem thront die Marienstatue, die Virgen de la Immaculada Concepcion. Ein Schild besagt, dass auch Papst Johannes Paul II schon mit der Seilbahn gefahren sei. Man kann gut erkennen, dass ein Teil der Innenstadt auf dem Reißbrett geplant wurde, die Strassen und Wege unten kommen einem wie mit dem Lineal gezeichnet vor.

Abends spielt sich sehr viel in der Avenida Suecia ab, hier gibt es Bars und Restaurants in großer Anzahl und jeder Güte. Erstaunlicherweise hat mein Taxifahrer mich an der falschen Stelle abgesetzt.

An einem der nächsten Tage mache ich einen Ausflug nach Valparaiso. Die Busfahrt dauert etwa 2 Stunden, sie führt durch schöne Weingebiete, von der Güte des Produkts hatte ich mich an den Abenden vorher bereits überzeugt. Der Pazifikstrand gefällt mir nicht besonders, es ist auch nicht viel los, möglicherweise habe ich mir nicht die attraktivste Stelle ausgesucht. Auf der Rückreise erzählt mir ein Chilene, dass Emil Zatopek gestorben ist. Er hat es gerade in der Zeitung gelesen.

Santiago empfängt uns wieder in hellem kitschigen Weihnachtsschmuck, ich besorge mir ein Flugticket nach Punta Arenas und genieße noch die letzten Augenblicke in der lebhaften Metropole. Im Taxi werden mir ab und an Chicas angeboten.

Der Flug nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt der Welt, ist wunderschön. Wir fliegen durchweg über die Anden, sehen die schneebedeckten Berge, die gewaltigen Täler und die unendliche Weite. Nach 1,5 Stunden wird in Puerto Montt ein kleiner Zwischenstopp eingelegt, dann sind es noch gut zwei Flugstunden bis zur Stadt an der Magellanstrasse.

Die Berge sehen manchmal wie mit Puder bestäubte Kegel aus, der Pilot macht uns auf den Torres del Paine aufmerksam.


Punta Arenas

Pinguin bei Punta Arenas

Pinguin bei Punta Arenas


Mehr Bilder aus Punta Arenas

Punta Arenas

Strahlender Sonnenschein aber heftiger Wind empfängt uns bei der Ankunft, die Menschen sind mit Jacke oder Pullover bekleidet.

Zusammen mit einem Argentinier aus Ushuaia suche ich die Hospedaje Independencia, zum Glück ist gerade noch genügend Platz vorhanden. Im Ort versende ich einige e-mails und decke mich im Supermercado mit dem Nötigsten ein. In unserer Unterkunft wird schon geheizt, in der Küche steht ein alter Küppersbusch-Herd von der Art, die ich noch aus meinen Kindheitstagen kenne. Zwei niedliche Katzen wärmen sich hinter dem Herd. Beim Frühstück begegne ich zwei Norwegerinnen, sie waren vorher in Cusco und La Paz.

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich, als ich an der Magellanstrasse stehe, hier ist die Welt zu Ende, zumindest das südamerikanische Festland. In der Ferne kann man Feuerland erkennen.

Ich mache schöne Spaziergänge, lese und besuche ein Museum, das Stadthaus des Viehzüchters Braun. Die Bäume in der Innenstadt sind kugelförmig gestutzt. Punta Arenas ist Ausgangspunkt für Exkursionen in die südchilenischen Nationalparks, mein Ziel ist jedoch Feuerland.

Edouardo, ein Mitarbeiter in der Pension, verkauft mir ein Ticket für einen Ausflug zu einer Pinguinkolonie. Statt 7000 brauche ich nur 5000 pesetas zu bezahlen, Beziehungen... so meint Edouardo.

Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir die Kolonie, unterwegs sehen wir etliche Schafe, Ñandus, eine Straußenart, und einen Skunk. Auch kommen wir an einer Farm vorbei, sie hat einen indianischen Namen und heißt übersetzt: Platz im Wind, sie verfügt über die bescheidene Fläche von 3.500 ha.

In dieser Zeit sind nur einige Pinguine anwesend, etwa 150 Tiere, Monate später können es bis zu 1000 Stück werden. Sie sind drollig anzuschauen wie sie da in ihrem Frack langstolzieren. Die Elterntiere, so erzählt man uns, laufen zum Wasser, futtern ca. 3 kg an und eilen ans Nest zu den Jungen zurück. Unterwegs werden sie von Möwen belästigt, verlieren einen Teil des Futters und hinterlassen den frechen Möwen leichte Beute. Feinde der Pinguine sind der Fuchs, er frisst die Eier, die Seelöwen im Wasser und der Mensch.

Auf dieser Tour lerne ich zwei Iren kennen, sie wollen anschließend für ein Jahr nach Australien um dort zu jobben, wir werden uns in den nächsten Wochen noch einige Male treffen.


Pinguine bei Punta Arenas

Pinguine bei Punta Arenas


Mehr Bilder aus Punta Arenas

Abends esse ich die Nationalspeise Curanto, ein fettes aber wohlschmeckendes Gericht aus Fleisch, Kartoffeln und Muscheln. Hier im Restaurant treffe ich auf ein älteres deutsches Ehepaar, das bereits fünf Wochen auf eigene Faust in Südamerika unterwegs ist, Respekt. Ihnen wurden in Buenos Aires 1.500 DM gestohlen, in La Paz ein Tagesrucksack. Punta Arenas ist sicher, Edouardo sagt, dass er selbst nachts sein Auto nicht abschließt.

Auf dem Weg zurück zum Hotel komme ich an vielen Bars und Restaurants vorbei, die Lichtreklame leuchtet, vorher waren mir die Lokale gar nicht aufgefallen. Auf einem Dach erkenne ich einen Mann mit Gewehr, was immer das zu bedeuten hat.

Zurück im Hotel höre ich im Radio von politischen Auseinandersetzungen in Argentinien und von Einreisestopps, wenn das man kein schlechtes Omen ist.

Die Katzen haben ihren Platz hinter dem Herd verlassen und liegen auf den Betten der Pensionsgäste, später, als ich in der Küche noch bei einer Flasche Wein sitze, kuscheln sie sich auf meinen Schoss.

Die Überquerung der Magellanstrasse mit dem Schiff dauert etwa 2,5 Stunden. Es herrscht heftiger Wellengang, viele Vögel begleiten uns auf dem Weg nach Feuerland, unter ihnen auch einige Albatrosse.

In Porvenir wechseln wir in einen Bus und sind knapp drei Stunden später an der Grenze nach Argentinien. Unterwegs nur Gras, Grassteppe und Schafe, ich glaube nicht, dass uns in dieser Zeit ein Auto entgegengekommen ist. In der Wachstube des chilenischen Grenzers hängt ein Bild von Paul Schäfer, dem ehemaligen Chef der Colonia Dignidad, der Kolonie der Würde. Eine Skandalkolonie, Leute, denen die Flucht gelang, berichten von Psychoterror, Folter und Mord. Schäfer wird von den chilenischen Behörden gesucht.

Nun sind es noch 320 km bis Ushuaia, dem am südlichsten bewohnten Ort der Welt. In Rio Grande wechseln wir den Bus, gegen 22.oo h sind wir am Ziel, es regnet und ist kalt.


Ushuaia

Ushuaia

Ushuaia


Mehr Bilder aus Ushuaia

Zusammen mit den beiden älteren Deutschen gehe ich zur Hospedaje Saint Christopher und erhalte für 10 Dollar einen Platz im Vierbettzimmer. Zwei Italiener und ein Deutscher teilen mit mir den Raum.

Das Kneipenangebot ist ganz ordentlich und ich habe keine Probleme, um diese Zeit noch einen Platz zum Essen und Trinken zu finden.

Hier im Hotel wird mir bewusst, dass ich vom Alter her doch nicht mehr zu den low-budget-travellern gehöre, die meisten Reisenden sind über 20 Jahre jünger. Sie haben andere Interessensgebiete, unterhalten sich über andere Themen und können tagelang auf dem Zimmer oder im Aufenthaltsraum sitzen.

Der Umtausch der chilenischen Währung erweist sich als außerordentlich schwierig. Ich stehe bei einer Bank vor dem "Change"-Schalter in der Schlange und erfahre nach über einer halben Stunde, dass chilenische pesetas nicht getauscht werden. Bei der nächsten Bank warte ich genauso lange, bin aber, nachdem ein Angestellter sich telefonisch in Buenos Aires rückversichert hat, erfolgreich.

Es ist diesig und verhangen. Ich fahre mit einem Zubringer zum Nationalpark und mache eine mehrstündige Wanderung. Viel sehen kann man nicht, die hohen Berge kann man nur erahnen, trotzdem ist es eine eigenartige aber wunderbare Stimmung, ganz allein, ohne einer Menschenseele zu begegnen, am Ende der Welt durch den Wald zu marschieren und nur die Naturgeräusche wahrzunehmen. Völlig durchnässt komme ich im Hotel an und lege die Papiere, das Geld und andere Unterlagen, die ich bei mir hatte, zum Trocknen auf die Heizung.

Abends esse ich herrliche Centollas (antarktische Königskrabben) und trinke den guten argentinischen Wein, das Lokal füllt sich immer mehr, ab 23.oo h werden Appetithappen gereicht, später Getränke eingeschenkt, auch ich werde kostenlos bedient. Eine Band beginnt zu spielen, es herrscht eine tolle ausgelassene Stimmung. Was war geschehen? Natürlich muss ich mich erkundigen und erfahre, dass das Lokal Geburtstag hat, es besteht seit genau acht Jahren.

Morgens werde ich durch ein Hupkonzert geweckt. Ich stehe auf und gehe zur Strasse. Ein riesiger Autokorso schleicht durch den Ort, die Fahrer und Beifahrer halten ihre blauen Schals und Flaggen aus dem Fenster, alles Fans von La Boca. Die Mannschaft aus Buenos Aires, wo auch Maradonna früher gespielt hat, gewann gegen Madrid einen Supercup.

Ushuaia erinnert mich etwas an Island. Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für Kreuzfahrten in die Antarktis, mal sehen, vielleicht ergibt sich das ja mal in ein paar Jahren. Viele Trekkings und Bergtouren beginnen hier, nicht immer einfach, man muss zu jeder Zeit mit Schnee rechnen.

Zwei Wolfsburger, die ich an einem der vorigen Abende kennen gelernt hatte, kehren bereits nach 10 Stunden zurück. Sie sahen keine Möglichkeit, bei diesen Schneeverhältnissen ein Zelt aufzubauen.

Mein nächstes Ziel heißt El Calafate. Von Ushuaia geht es erst einmal mit dem Flieger, einer Boeing 737, nach Rio Gallegos. Es ist ein sehr interessanter Flug, man kann hervorragend erkennen, wie sich Ushuaia an den Beagle-Kanal schmiegt, die prächtigen Schneeberge im Hintergrund. Wir fliegen über die Magellanstrasse und sind nach 40 Minuten angekommen. Ich besorge mir ein Busticket und muss noch einige Stunden bis zur Abfahrt warten.


El Calafate

Perito Moreno

Perito Moreno


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Die etwa dreistündige Busfahrt ist eher langweilig, Wiesen, Steppe, Schafe, Weite. Das Hotel, das ich mir im Reiseführer ausgesucht habe, existiert nicht mehr, also wähle ich das La Loma in der Nähe des Busterminals.

Auch in El Calafate zeigen ausgelassene Fußballfans ihre Freude über den Sieg. Es gibt in diesem Ort ausgezeichnete Steak-Restaurants und ich gebe mir Mühe, keines zu benachteiligen und auszulassen.

Bis zum Gletscher Perito Moreno sind es um die 80 km. Im Bus treffe ich Jaqueline wieder, eine Mexikanerin, die in Kalifornien lebt. Wir haben uns in Ushuaia kennen gelernt, sie trank in unserem Hotel Whisky mit heißem Wasser und hat mir auch ein Glas angeboten.

Außer ihr sind noch einige Holländer und Belgier im Bus. Unterwegs legen wir einige Pausen ein und beobachten Ibisse und Flamingos. In den Bergen haben Kondore ihren Horst, an den Strassen sind Calafate-Sträucher (Bickbeeren) und Mutillabäume. Wir kommen an der Estancia "Anita" vorbei, einer Farm mit 65.000 ha Weideland und 3.500 Schafen. Unsere Begleiterin erzählt, dass man im Winter mit 10 % Viehverlust rechnen muss.

Am Parkeingang stehen etliche tote Bäume. Sie sind, so wird uns berichtet, abgestorben. Die Gletscherzunge wächst so schnell, dass der Südarm des Lago Argentino alle drei bis sieben Jahre abgeschnitten und das Wasser gestaut wird, über die Ufer tritt und die Umgebung überschwemmt. Die Bäume ertrinken in den Wassermassen.

Dann stehen wir vor dem Perito Moreno, sein Eis leuchtet zart bläulich-weiß. Die Frontseite ist etwa 60 m hoch und wir fahren mit einem Boot dicht heran.

Später gehen wir zur anderen Seite und können von verschiedenen Balkonen erleben, wenn der Gletscher kalbt.

Es ist ein grandioses Schauspiel, kann aber auch gefährlich sein. In der Zeit von 1968 bis 1988 haben 32 Menschen durch zersplitternde Eisbrocken ihr Leben gelassen. Zu meiner ganz besonderen Freude kreisen zwei Kondore über den Bergen, mit dem Fernglas kann ich sie gut beobachten.

Auf dem Parkplatz steht ein Unimog. Er ist aus Hannover, wie ich am Nummernschild erkennen kann.

Abends in El Calafate treffe ich die beiden Iren wieder.


Landschaft bei Chalten

Landschaft bei Chalten


Mehr Bilder aus El Calafate

Die Spitze des Berges Fitz Roy soll so scharf sein, dass kein Schnee darauf liegen bleibt. Ich möchte mich selber davon überzeugen und fahre mit dem Bus nach Chalten, dem Ort am Fuße des Massivs.

Unterwegs kaufe ich eine Flasche Mineralwasser, habe ich doch vor, bis zur Laguna Capri zu wandern, von dort soll man einen wundervollen Blick auf die Spitze haben. Gleich im Ort erhasche ich aus dem Busfenster noch einen Blick auf den Berg und freue mich auf den Treck.

Leider ist auch hier schlechtes Wetter. Einige Mitreisende wollen bis zum nächsten Tag warten und dann loswandern, ich setze mich gleich in Bewegung.

Es ist wiederum eine schöne Wanderung mit tollem Panorama, keine Menschenseele unterwegs, bis auf eine Ausnahme, einmal überholt mich ein Pferdegespann. Etwas abseits vom Weg liegt ein Kuhkadaver.

Irgendwann bin ich auch am Ziel, der Aufstieg war für mich ganz schön anstrengend. Was sehe ich - nur Wolken! Ich bin etwas enttäuscht und zwinge mich aber, noch eine halbe Stunde zu warten und siehe da, nach 20 Minuten schiebt sich die Wolkendecke ein kleines Stück zur Seite und ich habe doch noch das begehrte Motiv, zwar nicht klar, aber immerhin.

Der Rückmarsch ist einfach, allerdings fängt es an zu regnen. Auf einer Wiese im Ort grasen einige Alpacas.

Im Busbahnhof will ich meinen Pullover überziehen und muss leider erkennen, dass er völlig durchnässt ist, die Verkäuferin hatte die Wasserflasche geöffnet und ich nichts davon gewusst. Vor Kälte bibbernd nehme ich im Hotel angekommen erst mal eine heiße Dusche. Abends stärke ich mich bei einem Asado mit gegrilltem Lamm-, Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch.

Um einen Eindruck von der Weite Patagoniens zu erhalten, nehme ich nicht das Flugzeug, sondern einen Bus nach Trelew, meinem nächsten Ziel. Das Ticket kostet 65 USD. Trelew liegt am Rande der Halbinsel Váldes.

Es wird eine lange Busfahrt, erst vier Stunden zurück nach Rio Gallegos, dann in einem anderen Bus weitere 16 Stunden, zwischendurch wird immer mal eine kleine Pause eingelegt.

Neben mir sitzt Victor von den Falklandinseln. Er ist Seemann und fährt nach Hause, um bei der Geburt seines ersten Kindes dabei zu sein. Der Blick aus dem Fenster ermüdet schnell, Gras, Gras und noch mal Gras. Einmal konnte man für kurze Zeit den Atlantik sehen.


Trelew

See-Elefanten auf der Halbinsel Váldes

See-Elefanten auf der Halbinsel Váldes


Mehr Bilder aus Trelew

Wir erreichen Trelew gegen Mittag, ich checke in der Residencia Argentina ein. Die Stadt ist sehr übersichtlich, es gibt einige Büros, die Rundfahrten auf der Halbinsel anbieten, ich buche für den nächsten Tag eine Tour. Entgegen der Information im Reiseführer ist es doch an einigen Stellen möglich, mit Traveller-Schecks zu bezahlen, z.B. im Hotel oder im Reisebüro.

Das paläontologische Museum wird empfohlen, ich mache mich auf den Weg. Leider hat es den Platz gewechselt und ist in einem anderen Haus untergebracht. Eine Viertelstunde vor Schließung stehe ich vor der Tür des neuen Gebäudes und verzichte wegen Zeitknappheit. Die Angaben im Reiseführer sind doch nicht immer aktuell und auf dem neuesten Stand.

Im Restaurant treffe ich einen Belgier wieder, der zusammen mit mir den Perito Moreno besucht hatte.

In der Stadt ist wieder der Teufel los, Fußballfans feiern mit wehenden Fahnen lautstark den Sieg ihrer Mannschaft.

Abends besuche ich ein Lokal. Um 0.3o h soll ein Sänger auftreten, ab Mitternacht füllt sich der Raum, das Konzert beginnt um 1.3o h. Die Gäste sind begeistert, mir ist der Vortrag zu schnulzig und schmalzig.

Zwei Amerikanerinnen und drei Argentinier sind außer mir im Auto, das uns in einer Stunde zum Eingang des Naturparks Váldes bringt. Ich darf vorn sitzen und habe Mühe, der permanenten Unterhaltung des Fahrers zu folgen.

Als erstes steht whale-watching auf dem Programm, im Boot sind zumeist Italiener und Holländer. Wir fahren ein Stück hinaus und erblicken alsbald in der Ferne den ersten Wal. Später beobachten wir mehrere Tiere, eine ganze Zeit lang fahren wir neben einem Muttertier mit Baby her. Manchmal ist der Wal unter uns. Ich habe ein mulmiges Gefühl und sehe zum Kapitän. Er scherzt mit seinen Kollegen, muss wohl doch nicht so gefährlich sein. Zum Schluss kann ein fertiges Video in einer Bar erworben werden.

Wir fahren weiter, draußen dasselbe Bild, Grassteppe bis zum Horizont, Guanacos kreuzen den Weg.

An einer wunderschönen Stelle können wir See-Elefanten beobachten. Sie liegen einige Meter unter uns am Meer und bieten ein herrliches Bild. Die Tiere werden von uns nicht gestört, wahrscheinlich hat es vor zigtausend Jahren auch so ausgesehen. Die männlichen Tiere gebärden sich wie Paschas, niemand darf sich ihnen in den Weg stellen, die Kleinen werden einfach weggestoßen.

Bei der Weiterfahrt überholen wir eine Ñanduhenne mit sechs Küken.

Beim nächsten Stopp sehen wir die lobos, eine Seehundkolonie. Es sind auch einige See-Elefanten unter ihnen.

Auf dem Heimweg machen wir noch kurz Halt in Pto. Madrya. Kilometersteine am Straßenrand geben Aufschluss über die Entfernung nach Buenos Aires.


Buenos Aires

Cabildo in Buenos Aires

Cabildo in Buenos Aires


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Vor einigen Jahren habe ich Maria auf einer Südafrika-Reise kennen gelernt. Sie wohnt in Buenos Aires und hat mich eingeladen, sie unbedingt mal in ihrer Heimatstadt zu besuchen. Dank moderner Kommunikationstechnik ist unser Kontakt nicht abgebrochen, meine Ankunft habe ich per e-mail avisiert.

Maria wartet bereits im Flughafen, es ist eine herzliche Begrüßung. Sie studiert Ökonomie und hat heute eine der letzten Abschlussprüfungen.

Mit der "Subte", der U-Bahn, geht es zu ihrem Haus, wo ihre Mutter Diana schon ganz aufgeregt wartet. Diana meint, dass sie sich mir gegenüber mit ihrem Schulenglisch blamiert, dabei ist mein Spanisch wesentlich schlechter.

Direkt an der Metro-Haltestelle liegt das Lokal "Bremen", logisch, dass ich dort einige Male einkehre.

Im Haus von Marias Familie habe ich ein Zimmer für mich allein und ich kann hier gut meine Wertsachen ablegen und deponieren.

Zunächst fahre ich ins Zentrum zur Plaza de Mayo mit der Casa Rosada und dem Cabildo, dem neuen und alten Präsidentenpalast.

An einem der nächsten Tage erlebe ich einen Demonstrationszug, die Einheimischen protestieren gegen die Inflation, die hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not, an einer zentralen Stelle solidarisieren sich die "madres de Plaza de Mayo" mit den Demonstranten.

Die madres wurden während der Militärdiktatur bekannt, als immer wieder junge Männer verschwanden und die Mütter sich mit großen Bildern auf die Suche machten, vor dem Präsidentenpalast Auskunft verlangten und das Regime anklagten.


Casa Rosada in Buenos Aires

Casa Rosada in Buenos Aires


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Buenos Aires vergleiche ich sofort mit Paris, das Kongressgebäude erinnert an das Capitol in Washington. Sehr beeindruckt bin ich von dem über 60 m hohen Obelisken und der Av. 9 de Julio, der breitesten Strasse der Welt, für deren Überquerung ich zwei Ampelphasen benötige.

Zusammen mit Maria durchstöbern wir die Stadtteile La Recoleta, auf dem Friedhof ist Evita Peron begraben, San Telmo und La Boca. Hier darf natürlich ein Besuch des weltbekannten Fußball-Stadions nicht fehlen.

Es gibt einige Tango-Lokale, sie haben leider geschlossen. Diana erzählt mir, dass sie in ihrem Leben erst einmal Tango getanzt habe - in Italien.

Beim Lunch in San Telmo treffe ich, nunmehr zum letzten Male, die beiden Iren wieder.

Einen Abend verbringen wir in Puerto Madero, der umgebauten Hafenfront, wo viele neue Bistros und Bars entstanden sind.

Am Nikolaustag veranstaltet die Familie mir zu Ehren eine Grillparty, ein Asado. Die Weihnachtsbeleuchtung glitzert von den Hauswänden, wir stehen in Badehose auf dem Dachgarten und lassen es uns gutgehen Die ganze Familie ist zugegen, außerdem noch einige Freunde. Es wird eine ausgelassene Party, meine Gastgeber können gar nicht verstehen, dass ich die Blutwurst, nachdem man mir erklärt hat, was drin ist, noch mag.

Als Kind hatte ich das Karl-May-Buch "Am Rio de la Plata" verschlungen, klar, dass ich den "Silberfluss" einmal überqueren muss. Also beschließe ich einen Tagesausflug nach Colonia in Uruguay.

Die Fährfahrt dauert rd. drei Stunden, noch lange erkennt man die Silhouette von Buenos Aires. Viele Fahrgäste trinken Mate-Tee.


Leider sind die letzten Tage des Urlaubs angebrochen und wir müssen Abschied nehmen. Schweren Herzens, aber mit dem Versprechen der Gastgeber, mich in Deutschland zu besuchen, steige ich ins Taxi und fahre zum Flughafen.


Sehenswürdigkeiten

Ausflug nach Colonia (Uruguay)

Colonia ist eine ruhige Stadt, keine Hektik, wenig Verkehr, an manchen Ecken stehen noch Oldtimer-Autos. Es gibt einige Fahrrad-Vermietungen. Auf der Rückfahrt schimmert der Fluss silbern im Mondlicht.

Straßenansicht in ColoniaUruguay
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