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Israelrundreise 2009
08.09.2009-22.09.2009
Länder: Israel
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Bewertung:
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Unere Reise führte über: Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Karmelgebirge, Haifa, Akko, Kibbuz Liva, Golan, Kapernaum, Tbgha, Tiberias, Nazareth, Beth Shean, Jerusalem, Betlehem, Ein Karem, Massada, Totes Meer
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Anreise
Dienstag, 8. September 2009
Um 2:20 Uhr fuhren wir zu Hause ab Richtung München, wo wir um 5:45 Uhr beim Parkservice ‚Gold‘ in Hallbergmoos, 2 km südlich des Flughafens, ankamen. Mit einem Kleinbus wurden wir direkt zum Terminal II chauffiert wo wir augenblicklich elektronisch eincheckten. Nach dem Check-In war mal ein uriges, bayrisches Frühstück mit Weißwurst und Weißbier angesagt.
Um 8:35 Uhr dann endlich der Start des Fluges Austrian Airlines OS112 vorerst vom Flughafen ‚Franz Josef Strauss‘ nach Wien ‚Vienna International Airport‘ zum Umsteigen. Um 9:40 landeten wir in Wien und stiegen sofort um in den Austrian Airlines-Flug OS857 nach Tel Aviv wo wir um 14:45 Uhr Ortszeit auf dem ‚Ben Gurion‘ – Flughafen landeten.
Entgegen anderslautenden Beschreibungen verlief die Ankunft in Tel Aviv ohne nennenswerte Verzögerungen. Militär und Polizei hielten sich diskret im Hintergrund und wurden von uns fast gar nicht bemerkt. Lediglich die Soldatin am Schalter für die persönliche Befragung über Zweck der Einreise nach Israel, Aufenthaltsdauer, etc. war etwas schroff, weil ich nicht sofort in Englisch antwortete.
Nach einer kurzen Verzögerung (wir mussten noch auf Passagiere aus Frankfurt warten) ging es per Bus zum ‚Tal-Hotel‘ in der Nähe vom Mittelmeerstrand von Tel Aviv. Nach der Zimmervergabe durch unsere Reiseleiterin Michal, welche schon am Flughafen zu uns gestoßen war, beschlossen wir, die Zeit zu nutzen und vor dem Abendessen noch einen Spaziergang über die berühmte Strandpromenade von Tel Aviv zu unternehmen. Da war vielleicht was los! Wir haben geglaubt, die ganze Jugend Israels wäre hier versammelt. Wir kamen aber nicht allzu weit, denn schon bei einem der ersten Strandcafe‘s stach uns das Schild ‚Weihenstephan‘ ins Auge. Um satte Euro 5,40 pro Glas kippten wir dann 2 Weißbier – wie herrlich, und das bei einer Temperatur von ca. 38 Grad. Nach einem sehr gut mundenden Abendessen (Rind, Huhn, Fisch, ….) ging es ab ins Bett – wir waren ja schließlich schon 20 Stunden auf den Beinen.
Der Staat Israel
Die älteste Quelle für das Wort „Israel“ ist die ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in Kairo). Sie beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande Kanaan und wird auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert.
Die Volksetymologie des Alten Testaments deutet „Israel“ als „Gottesstreiter“ (Gen 32,29 EU). Jakob bekam diesen neuen Namen, nachdem er mit einem geheimnisvollen Gegner gerungen hatte. Seine Nachkommen wurden als die „Kinder Israels“, „Israeliten“ oder kurz „Israel“ bezeichnet.
Andere Namensvorschläge für den neuen Staat lauteten Eretz Israel, Zion, Judäa und Neu Judäa. Die Entscheidung der Regierung für „Israel“ wurde von Außenminister Mosche Scharet verkündet.
Geographie
Israel liegt auf einer Landbrücke zwischen Asien und Afrika am östlichen Rand des Mittelmeeres. Nachbarstaaten sind im Norden der Libanon, im Nordosten Syrien, im Osten und Südosten Jordanien und im Südwesten Ägypten. Im Süden grenzt Israel an den Golf von Akaba und damit ans Rote Meer.
Der UN-Teilungsplan für Palästina (1947) wurde von Israel akzeptiert, von den arabischen Staaten jedoch abgelehnt.
Im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 verteidigte Israel das ihm zugedachte Staatsgebiet und eroberte weitere Gebiete. Jordanien besetzte das Westjordanland (einschließlich Ostjerusalems mit dem jüdischen Viertel der Altstadt), Ägypten den Gazastreifen und Syrien kleinere Gebiete am See Genezareth (die allerdings demilitarisiert wurden). Vor 1967 hatte Israel eine Fläche von 20.700 km², davon waren 445 km² Wasser. Damit ist das israelische Kernland etwas größer als Niederösterreich.
Im Sechstagekrieg von 1967 eroberte Israel den Gazastreifen im Südwesten und das Westjordanland im Osten des Kernlands, so dass es das gesamte ehemalige Mandatsgebiet von 1947 kontrollierte.
Israel besetzte außerdem die syrischen Golan-Höhen, die bis 1923 noch Teil des damaligen britischen Mandatgebietes Palästina waren, und die Sinai-Halbinsel (60.000 km²). Der Jom-Kippur-Krieg von 1973 hatte kleinere Grenzverschiebungen am Suezkanal und auf dem Golan zur Folge. Aufgrund des 1979 mit Ägypten geschlossenen Friedensvertrags wurde die Sinaihalbinsel bis 1982 zurückgegeben, während über den Golan ein weiterhin ungelöster Konflikt mit Syrien besteht.
Seit Beginn des Ersten Libanonkriegs im Jahr 1982 hielt Israel den südlichen Grenzstreifen des Libanon unter militärischer Besatzung. Diese sogenannte „Sicherheitszone“ südlich des Flusses Litani wurde im Mai 2000 mit Ausnahme der umstrittenen Schebaa-Farmen geräumt.
1994 schloss Israel in der Washingtoner Erklärung mit Jordanien Frieden. Seitdem wurden der Gazastreifen und Teile des Westjordanlandes der Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde übergeben. Der endgültige Status dieser Gebiete steht nicht fest. Nach dem Abzug der israelischen Truppen und Siedler aus dem Gazastreifen 2005 umfassen die besetzten Gebiete eine Fläche von 7099 km², wovon Ostjerusalem (70 km²) und die Golanhöhen (1150 km²) nach israelischem Recht Gegenstand einer international nicht anerkannten Annexion geworden sind, während das Westjordanland (5879 km²) der Militärverwaltung untersteht.
Landschaft
In der Länge misst das Land vom Norden bis zum Süden 470 km. Die breiteste Stelle des Landes misst 135 km, die schmalste nur 15 km. Israel lässt sich in vier Regionen einteilen: Die Mittelmeerküste, die Hügellandschaft im Zentrum, das Jordantal und die Negev-Wüste.
Die Küstenebene verläuft von der libanesischen Grenze nach Gaza im Süden, nur vom Carmel Kap in der Bucht von Haifa unterbrochen. Um Gaza ist sie etwa 40 Kilometer breit und wird gegen Norden immer schmaler, so dass sie an der libanesischen Grenze nur noch 5 Kilometer breit ist. Sie ist fruchtbar und subtropisch und wird für den Anbau von Wein und Zitrusfrüchten genutzt. Der am dichtesten bevölkerte Teil zwischen Tel Aviv und Haifa heißt Scharonebene. Die Ebene wird von mehreren kurzen Flüssen durchzogen, von denen nur zwei, der Jarkon und der Kischon ganzjährig Wasser führen.
Östlich der Küste, im Zentrum des Landes schließt sich eine Hügellandschaft an. Im Norden liegen die Berge und Hügel des oberen und unteren Galiläa, weiter im Süden schließen die Hügel von Samaria an, wo es viele fruchtbare Täler gibt. Südlich von Jerusalem schließlich liegt Judäa mit seinen recht unfruchtbaren Hügeln. Die Hügellandschaft liegt im Durchschnitt 610 Meter über dem Meeresspiegel und erreicht in Galiläa mit dem Berg Meron (1208 m) ihren höchsten Punkt. Viele Täler durchschneiden die Landschaft in Ost-West-Richtung. Das größte ist die Jezreelebene (biblisch als Tal Esdrelon bezeichnet), welches sich von Haifa aus 48 km in südöstlicher Richtung bis zum Jordantal erstreckt. Es ist an seiner breitesten Stelle 19 km weit.
Östlich der Hügellandschaft liegt das Jordantal, welches einen kurzen Abschnitt des 6500 km langen Großen Afrikanischen Grabenbruchs darstellt. Der Jordan, mit 322 km Israels längster Fluss, wird aus den Quellflüssen Dan, Banijas und Hazbani im Norden des Landes gespeist. Die Banyas-Quelle ist eine bekannte Touristenattraktion durch ihre einzigartige, subtropische Landschaft. Der Jordan fließt südlich durch die Huleebene in den See Genezareth (hebr. Jam Kineret). Der See hat eine Fläche von 165 km² und liegt etwa auf 217 Metern u. N.N. Mit einem Speichervermögen von 3 km³ ist er das wichtigste Wasserreservoir des ‚National Water Carrier‘. Der Jordan fließt im Süden des Sees Genezareth ab und endet schließlich im Toten Meer, das ein extrem salzhaltiger und abflussloser See ist. Das Tote Meer, das sich Israel mit Jordanien teilt, ist der tiefste Punkt der Erdoberfläche. Es liegt 418 Meter unter dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von 1020 km². Südlich des Toten Meeres führt der Grabenbruch mit der Arava-Senke, die über 170 km keinen dauerhaften Wasserfluss besitzt, bis zum Golf von Akaba.
Der Negev hat eine Fläche von ca. 12.000 km² und stellt damit mehr als die Hälfte von Israels Landfläche dar. Geographisch gehört er zur Sinai-Wüste. Die Wüstenregion beginnt im Norden etwa auf der Höhe von Beerscheba und endet bei Eilat, der südlichsten Stadt Israels. Die Grenze zu Jordanien bildet die Arava-Senke.
Klima
Das Klima in Israel wird bestimmt durch seine Lage zwischen der subtropischen Trockenheit der Sahara und der arabischen Wüsten einerseits und der subtropischen Feuchtigkeit der Levante (Länder des östlichen Mittelmeeres) andererseits. Obwohl Israel nur ein kleines Land ist, hat es mehrere Klimazonen. Das Klima ist von der Entfernung zum Mittelmeer, von der Höhe und der Geographischen Breite abhängig. Im Norden gemäßigt und bewaldet, ist Israel im Süden heiß und wüst. Insgesamt sind 50 % des Landes Steppe und Wüste, wobei die Negev-Wüste die größte Fläche darstellt. An der Küste zum Mittelmeer herrscht das subtropische Mittelmeerklima, das sich durch trockene, heiße Sommer und regenreiche, milde Winter auszeichnet.
Der Januar ist der kälteste Monat mit Durchschnittstemperaturen zwischen 6 °C bis 15 °C, Juli-August sind mit 22 °C bis 38 °C die heißesten Monate. Die Sommer sind an der Mittelmeerküste von hoher Luftfeuchtigkeit geprägt, im Inneren des Landes, dem Jordantal und dem Negev jedoch recht trocken. In Eilat und am Toten Meerwerden oft die höchsten Temperaturen erreicht z. T. bis zu 48 °C. Mehr als 70 % des durchschnittlichen Regens fällt zwischen November und März. Von Juni bis September fällt normalerweise kein Regen. Die Niederschlagsmenge nimmt von Nord nach Süd stark ab, so dass im extremen Süden im Durchschnitt nur 30 mm, im Norden mehr als 900 mm im Jahr erwartet werden können. Besonders im Negev variiert die Niederschlagsmenge von Jahr zu Jahr sehr stark. Im Winter kann es in den höheren Regionen zu Schnee kommen, auch ab und an in Jerusalem. Der Hermon ist saisonbedingt über mehrere Monate auf seinen drei Gipfeln von Schnee bedeckt.
Die Gebiete mit Niederschlägen von mehr als 300 mm im Jahr werden besonders intensiv landwirtschaftlich genutzt. Etwa ein Drittel des Landes kann bebaut werden.
Unwetter und Hagel sind in der regnerischen Zeit üblich und Wasserhosen können die Mittelmeerküste treffen, richten aber nur sehr geringe Schäden an. Allerdings wurde am 4. April 2006 der Westen Galiläas von Gewitterzellen und einem F2 Tornado getroffen, der größere Schäden verursachte und durch den 75 Personen verletzt wurden.
Städte und Ortschaften
Im Jahre 2008 lebten in Israel und in den Israelischen Siedlungen etwa 7,3 Millionen Menschen. Es gibt 71 Städte (einschließlich dreier Städte im Westjordanland) und hunderte kleinere Ortschaften. Der Stadtstatus wird vom israelischen Innenminister an sich bewerbende Ortschaften vergeben, die normalerweise mehr als 20.000 Einwohner zählen. Es gibt aber auch Fälle, in denen der Status vor Erreichen dieser Zahl vergeben wird. Im Westjordanland gibt es (Schätzung aus dem Jahre 2002) 242 israelische Ortschaften, auf den Golanhöhen 42 und in Ostjerusalem 29 israelische Viertel.
Größere Städte sind Jerusalem (718.000 Einwohner), Tel Aviv (390.300), Haifa (269.300), Rischon leTzion (217.500), Aschdod (200.800) und Beersheba (184.800).
Eine israelische Besonderheit sind die Kibbuzim und Moschawim. Es handelt sich dabei um Ortschaften mit einer sozialistisch-kollektiven bzw. genossenschaftlichen Verfassung. Im Laufe der Zeit hat aber der Grad der genossenschaftlichen Zusammenarbeit abgenommen und wurde teilweise ganz abgeschafft.
In Jerusalem, Haifa, Nazareth und Akko lebt die arabische und jüdische Bevölkerung eng zusammen. Rein palästinensische Städte sind vor allem im Gazastreifen und Westjordanland zu finden: Gaza, Jericho, Betlehem sind Teil der palästinensischen Autonomie. Auch im israelischen Kernland gibt es allerdings reine arabische Orte, wobei dies eher Dörfer sind.
Bevölkerung
Mit seinen rund 7,3 Millionen Einwohnern (2008) gehört Israel zu den kleineren Staaten der Welt (76. Stelle).
Etwa 91 Prozent der israelischen Bevölkerung lebt in Städten. Die israelische Gesellschaft ist geprägt vom Judentum und der westlichen Moderne, aber auch von anderen Religionen und Kulturen des Nahen Ostens. Die Staatsangehörigkeit wird durch Geburt oder Einbürgerung erworben. Doppelte Staatsangehörigkeit ist möglich.
Jüdische Bevölkerung
In offiziellen Statistiken wird vorrangig zwischen Juden und Nichtjuden unterschieden. Im Jahre 2001 waren 81 Prozent der israelischen Bevölkerung jüdischen Ursprungs (in dieser Rechnung ist nicht die Bevölkerung der besetzten Gebiete enthalten), heute wird von 76,7 % ausgegangen.
Die jüdische Bevölkerung gliedert sich in
Watikim, das sind Bewohner des Jischuw, der alten jüdischen Siedlung, und solche, die vor der Staatsgründung eingewandert sind
Olim, nach der Staatsgründung Eingewanderte
Tzabarim, nach Staatsgründung im Land Geborene
Unter der jüdischen israelischen Bevölkerung haben 26 Prozent wenigstens einen in Israel geborenen Elternteil, 37 Prozent sind Israelis der ersten Generation, 34,8 Prozent sind Einwanderer und deren direkte Nachkommen aus Europa und Nordamerika und 25,3 Prozent sind Einwanderer und deren Nachkommen aus Asien oder Afrika, hauptsächlich aus den muslimischen Ländern.
Nach der Auflösung der Sowjetunion sind über eine Million jüdische Einwanderer ins Land gekommen (ein Sechstel der Bevölkerung), davon alleine in der Zeit von 1989 bis 1999 mehr als 750.000.
Arabische Minderheit
20,1 % der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft (2008). Zu ihnen zählen unter anderem etwa 170.000 Beduinen, von denen etwa die Hälfte sesshaft ist. Andere leben traditionellerweise nomadisch, halten sich jedoch meist in denselben Gebieten auf.
Andere Minderheiten
322.000 Einwohner (4,4 Prozent) sind Einwanderer nichtjüdischer Herkunft. Weitere kleinere Minderheiten sind die Drusen (1,5 Prozent), eine sehr kleine armenische Gemeinde, die Bahai – welche sich nicht nur als eigene Religionsgemeinschaft, sondern auch als vollständig eigene Bevölkerungsgruppe bezeichnen –, die Alawiten, die Ahmadi und zwei Dörfer mit Tscherkessen.
Am 31. Dezember 2003 lebten etwa 224.200 israelische Bürger in Gemeinwesen im Westjordanland; in dieser Zahl sind die Israelis von Ost-Jerusalem nicht enthalten. Ungefähr 7.500 Israelis lebten bis August 2005 in den Siedlungen des Gazastreifens.
Amtssprachen
Amtssprachen waren neben Englisch bereits in der Mandatszeit Arabisch und Hebräisch. Die Ende des 19. Jahrhunderts wiederbelebte hebräische Sprache wird heute von der Mehrheit der Israelis gesprochen. Arabisch ist daneben die Muttersprache von etwa einer Million arabischer und drusischer Staatsbürger Israels. An arabischen Schulen in Israel wird auf Arabisch gelehrt. An hebräischen Schulen wird Arabisch neben Englisch als zweite Fremdsprache angeboten. Alle Rechtstexte liegen auf Hebräisch und Arabisch vor.
Lebenserwartung und Kinderzahl
Die Lebenserwartung in Israel gehört zu den höchsten der Welt und beträgt für Frauen 80,9 Jahre und für Männer 76,7 Jahre. Die Fertilitätsrate von 2,41 in Israel ist die höchste unter den Industriestaaten.
Religionen
Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel garantiert religiöse Freiheit und macht Religionsausübung und Glaubenszugehörigkeit zur Sache der persönlichen Entscheidung. Die Religionsgemeinschaften verwalten ihre eigenen heiligen Stätten selbst. Gesetzliche Regelungen garantieren den freien Zugang und schützen vor Entweihungen.
76,7 Prozent der Bevölkerung Israels gehören der jüdischen Religion an. Damit ist Israel der einzige Staat der Welt, in dem Juden die Mehrheit der Einwohner darstellen. Die 5,4 Millionen Juden lassen sich in fünf Gruppen einteilen:
6 Prozent bezeichnen sich als Ultraorthodoxe Juden, davon u.a die Charedim, die Litauer und die Orientalen,
9 bis 10 Prozent als orthodox,
13 Prozent als traditionell-religiös,
28 Prozent bezeichnen sich selbst als Traditionalisten (die sich nicht strikt an das jüdische religiöse Gesetz, die Halacha halten),
43 Prozent als säkular.
Die Säkularen erfüllen wenige oder keine religiösen Gesetze, die Ultra-Orthodoxen so viele wie möglich.
Israelische Araber stellen etwa 18 Prozent der israelischen Bevölkerung. Innerhalb dieser Gruppe befindet sich die Minderheit von 10 Prozent arabischer Christen. Die Mehrheit israelischer Araber sind sunnitische Muslime (etwa 14,6 Prozent der Gesamtbevölkerung des Staates Israel).
Etwa 2,1 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Die Zahl der nicht-arabischen Christen beträgt 25.400 und die der arabischen Christen 113.100. Von den zusammen 138.500 Christen sind circa 75.000 Katholiken.
In Israel leben auch etwa 25.000 Karäer; dort werden sie als nichtreligiöse Juden eingestuft. Außerhalb Israels wird die Zahl der Karäer auf 20.000 geschätzt. Die weltweit einzige Gemeinde von Samaritanern ist aufgeteilt zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten (ca. 800).
Schätzungsweise 3500 bis 4000 Menschen sind sogenannte messianische Juden, welche gewisse jüdisch-religiöse Elemente übernommen haben, jedoch Jesus von Nazareth als Messias ansehen und daher dem Christentum, und nicht dem Judentum, zugerechnet werden.
Schließlich leben die einigen hundert Bahai in Haifa und Umgebung, wo sich einige ihrer zentralen Heiligtümer befinden, die das Bahai-Weltzentrum bilden, welches 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Geschichte
Entwicklung bis zum 20. Jahrhundert
Die ersten archäologisch nachgewiesenen Spuren einer früh- oder protoisraelitischen Besiedlung der Region Palästina gehen auf die Zeit zwischen dem 12. und dem 11. Jahrhundert v. Chr. zurück (Landnahme Kanaans). Jerusalem wird nach biblischer Überlieferung etwa 1000 v. Chr. als Hauptstadt von Davids Königreich Israel gegründet; dieses zerfällt nach dem Tod seines Thronfolgers Salomo in zwei Reiche. Das Nordreich Israel geht 722 v. Chr. im Kampf gegen die Assyrer unter, das Südreich Juda wird 587 v. Chr. von Babylon erobert. Das Land wird in weiterer Folge Teil des Perserreichs, dann des Reiches von Alexander dem Großen, zuletzt des Reichs der Seleukiden.
Der Aufstand der Makkabäer 165 v. Chr. bringt Israel noch einmal für etwa 100 Jahre staatliche Unabhängigkeit. 63 v. Chr. beginnt die Zeit der römischen Oberherrschaft. Die Römer gliedern das Gebiet in zwei Provinzen auf: Syria im Norden, Judäa im Süden. 70 n. Chr. werden Jerusalem und der Tempel vollkommen zerstört. Der letzte jüdische Aufstand in Israel gegen die römische Herrschaft (Bar-Kochba-Aufstand) wird 135 n. Chr. niedergeschlagen. Die Juden werden über die ganze Welt verstreut (Diaspora).
Das Land selbst wird seitdem „Palästina“ genannt. Diesen Namen, der auf das seinerzeit bereits verschwundene Volk der Philister zurückgeht, erhielt das Land aufgrund eines Erlasses von Kaiser Hadrian, um die Erinnerung an die judäischen Bewohner zu tilgen, deren Aufstand er niederschlug. Von 636 bis 1099 folgt die arabische Herrschaft. Seit dieser Zeit wird Palästina mehrheitlich von Arabern bewohnt. Die Kreuzfahrer regieren von 1099 bis 1291 das Land unter dem Namen „Lateinisches Königreich Jerusalem“. Es folgen die Mamluken von 1291 bis 1517 und dann die Osmanische Herrschaft von 1517 bis 1918. Keine dieser Obrigkeiten hatte für Palästina eine eigene Verwaltung vorgesehen oder das Gebiet als selbstständige geografische Einheit betrachtet. Auch für die Osmanen ist die Region ein Teil Syriens, wohl auf die römische Bezeichnung Syria zurückgehend. Das Land wird in drei Distrikte eingeteilt.
Während der osmanischen Herrschaft ist Palästina nur dünn bevölkert und stagniert wirtschaftlich. Von der Ankunft der ersten jüdischen Einwanderer in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts gehen Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus. In den folgenden Jahrzehnten wandern – auch deshalb – viele weitere Menschen, Juden wie Araber, in Palästina ein.
Die erste Masseneinwanderung (Alija) von Juden nach Palästina erfolgt um 1882. Diese Einwanderer waren in erster Linie Juden, die vor politischer und religiöser Unterdrückung aus ihren Herkunftsländern geflohen waren. Theodor Herzl beruft 1897 den ersten Zionistenkongress in Basel ein und legt damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Gründung eines jüdischen Staates. Erst bei der zweiten Einwanderungswelle spielte der Gedanke des Zionismus eine Rolle.
Nach Angaben der „Jewish Colonization Association“ für das Jahr 1903 lebten im Jahre 1898 5.200 Juden in Palästina in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen.
Im religiösen und historischen Bewusstsein der Juden (und in abgeschwächter Weise im Bewusstsein des Okzidents) war Israel immer das „Heilige Land“ geblieben, das mit der Bibel und der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden ist. Die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung spielten in dieser Tradition kaum eine Rolle. Führende Zionisten waren sich der Problematik allerdings bewusst und strebten neben einer internationalen Legitimation, die zweifellos von der Denkweise des Kolonialismus geprägt war, auch eine Einigung mit den Arabern an.
Zwischen 1904 und 1914 erfolgt die zweite Alija. Die Juden litten in einigen Ländern Europas bereits vor dem Ersten Weltkrieg stark unter Repressalien. Einige hielten die Region für sicherer als Europa. Bereits im Jahre 1909 wird Tel Aviv gegründet, die erste moderne jüdische Stadt.
Mandatszeit und Teilung
Durch den Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg wird 1917 die osmanische Herrschaft beendet. 1922 überträgt der Völkerbund auf der Friedenskonferenz von Paris Großbritannien das Mandat für Palästina mit dem Gebiet, das heute gemeinsam von Israel und Jordanien eingenommen wird. Zu den Mandatsbedingungen gehört, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration ermöglichen sollen, in der sie am 2. November 1917 die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ versprochen haben, deren Grenzen jedoch nicht bestimmt waren. Hierzu wird die Mandatsmacht aufgefordert, die jüdische Einwanderung zu ermöglichen, diese jüdischen Einwanderer geschlossen anzusiedeln und hierfür auch das ehemalige osmanische Staatsland zu verwenden. Es sollte dabei ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte“.
Im Juli 1922 teilen die Briten Palästina in zwei Verwaltungsbezirke. Juden ist es im Folgenden nur noch erlaubt, sich westlich des Jordan anzusiedeln, also in 22 % des Gesamtareals. Dies machte die Hoffnungen nach einem Israel in den Grenzen der Zeit des Königs David und Salomon zunichte. Im östlichen Teil, der Transjordanien genannt wird (das heutige Jordanien), setzen die Briten einen haschemitischen Herrscher namens Abdullah ein, der von der arabischen Halbinsel vertrieben worden war.
Zwischen 1924 und 1932 folgte die vierte Alija und von 1933 bis 1939 die fünfte, wodurch die jüdische Bevölkerung in Palästina stark wuchs. Zunächst wurden Transjordanien und Palästina noch als Verwaltungseinheit mit einheitlichen Mandatsgesetzen, der gleichen Währung und gleichen Mandatspässen betrachtet. Mit der Unabhängigkeit Transjordaniens im Jahre 1946 war das Palästina der britischen Mandatszeit allerdings endgültig geteilt.
Bereits 1937 legt die britische Peel-Kommission einen Teilungsplan vor. Gemäß der prozentualen Bevölkerungsverteilung sieht dieser Galiläa und einen Küstenstreifen als israelischen und den größeren Rest als arabischen Teil vor. Die neu eingewanderten Juden sind sofort begeistert, die hiesig stämmigen Araber reagieren ablehnend. Der Plan scheitert.
Die deutsche Orientpolitik erlebte nach der anfänglichen Förderung der jüdischen Emigration nach Palästina eine schleichende Prioritätenverschiebung und mündete schließlich in der Verbrüderung mit arabischen Nationalisten im gemeinsamen Kampf gegen die britisch-jüdische Macht. 1941 wurde der bedeutendste Kollaborateur, der Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini und einflussreicher Führer der arabischen Nationalbewegung, von Adolf Hitler in Berlin empfangen. Von Berlin aus plante al-Husseini zusammen mit Adolf Eichmann die Ermordung der im arabischen Raum lebenden Juden.
Am 29. November 1947 stimmt die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit für den Teilungsplan, der Westpalästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat teilen soll.
Mit dem Ziel, tatsächlich einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und den Überlebenden der Shoa eine Heimat zu schaffen, akzeptiert die jüdische Bevölkerung den Plan. Die Araber lehnen den Plan dagegen ab, da sie die jüdische Präsenz in der Region als Provokation empfinden. Vor allem meinen sie, die UNO drücke ihnen ein Mandat auf, ohne ihre Interessen zu wahren. Sie lehnen in der Folge das Existenzrecht Israels ab, was noch bis zum heutigen Tag Folgen für die Region hat.
Kurz darauf beginnt im Zusammenhang mit dem Angriff der arabischen Staaten auf den neuen Staat Israel die Flucht bzw. Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus den nun Israel zugeteilten Gebieten, teilweise begleitet von der Zerstörung ihrer Dörfer, Bauten und Dokumente. Oft ging damit der Nachweis der Existenz der palästinensischen Bevölkerung und somit ihres Rechtanspruchs verloren.
Gründung des Staates Israel
Da das britische Mandat für Palästina am 14. Mai 1948, einem Freitag, um Mitternacht enden sollte, versammelte sich der Jüdische Nationalrat im Stadtmuseum von Tel Aviv um 16 Uhr noch vor Sonnenuntergang und damit vor Beginn des Sabbat. Unter einem Porträt des Begründers der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, verlas David Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung. Die Errichtung des Staates Israel erfolge demnach kraft des „natürlichen und historischen Rechts des jüdischen Volkes und aufgrund des Beschlusses der UNO-Vollversammlung“. Elf Minuten später erkannten die Vereinigten Staaten von Amerika durch US-Präsident Harry S. Truman den neuen Staat an, die Sowjetunion folgte am 16. Mai.
Der Jahrestag der Staatsgründung, Jom haAtzma'ut, wird nach jüdischem Kalender am 5. Ijjar gefeiert.
Nach der Unabhängigkeit
Der 1. Arabisch-Israelische Krieg
Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem neuen Staat den Krieg. Es folgte der Israelische Unabhängigkeitskrieg (1. Arabischer-Israelischer-Krieg), der von Mai 1948 bis Juli 1949 dauerte und der Israel gegenüber dem Teilungsplan erhebliche Gebietsgewinne – vor allem im westlichen Galiläa um Akko und im nördlichen Negev – brachte. 1949 wurde mit den arabischen Angreifern jeweils ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Der Irak zog sich ohne ein solches Abkommen aus dem Westjordanland zurück. Die nach dem Teilungsplan für die Palästinenser vorgesehenen Gebiete gelangten unter jordanische (Westjordanland einschließlich Ostjerusalem) beziehungsweise ägyptische Verwaltung (Gazastreifen).
Nach der Nationalisierung des Suezkanals, die Ägypten gegen bestehendes Recht durchführte, beschlossen Frankreich, Großbritannien und Israel 1956 die Suzs-Kampagne. Nach einem israelischen Angriff sollten die beiden ehemaligen Großmächte als scheinbar neutrale Kräfte intervenieren und das Kanalgebiet besetzen. Am 29. Oktober 1956 stießen israelische Truppen in den Gazastreifen und den Sinai vor und am 5. November begannen die europäischen Truppen zu landen, doch die Kampagne musste beendet werden. Unter dem Druck der Vereinigten Staaten und der UNO zogen sich die drei Angreifer bis zum März 1957 aus den besetzten Gebieten zurück. Allerdings wurde die israelisch-ägyptische Grenze in der Folge durch UN-Friedenstruppen gesichert und der Zugang zum Golf von Akaba war frei für die israelische Schifffahrt zum israelischen Hafen von Eilat. Die USA verpflichteten sich gegenüber Israel, diesen internationalen Wasserweg offen zu halten.
Der Sechstagekrieg
Die Ausgangslage: 1966 war die Zahl der Übergriffe arabischer Terroristen auf 41 gestiegen, und schon in den ersten vier Monaten des Jahres 1967 kam es zu 37 Angriffen. Ägyptische Streitkräfte besetzten am 15. Mai 1967 (dem Jahrestag der israelischen Unabhängigkeitserklärung) die demilitarisierte Zone des Sinai. Unterstützt wurden sie dabei von exil-palästinensischen Kampfeinheiten. Am 16. Mai forderte der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser die seit 1956 stationierten UN-Truppen auf, das Grenzgebiet zu Israel zu verlassen. Am 18. Mai bereiteten sich die syrischen Truppen auf Kampfhandlungen auf den Golanhöhen vor und der UNO-Generalsekretär Sithu U Thant kam Nassers Forderung wider-standslos nach und zog die UN-Truppen ab. Radio Kairo meldete am 18. Mai: „Ab heute gibt es keine internationalen Friedenstruppen mehr, die Israel beschützen. Unsere Geduld ist zu Ende. Wir werden uns nicht mehr bei den Vereinten Nationen über Israel beklagen. Ab jetzt herrscht der totale Krieg gegen Israel, und er wird zur Auslöschung des Zionismus führen“ und aus Syrien hieß es am 20. Mai vom syrischen Verteidigungsministers Hafez Assad: „Unsere Streitkräfte sind absolut gerüstet, nicht nur die Aggression zurückzuschlagen, sondern auch einen Befreiungsschlag zu starten und die zionistische Präsenz aus unserer arabischen Heimat hinauszusprengen. Die syrische Armee, den Finger am Abzug, ist sich einig ... als Militär bin ich der festen Überzeugung, dass die Zeit gekommen ist, in eine Vernichtungsschlacht hineinzugehen.“ Am 22. Mai sperrte die ägyptische Armee die Straße von Tiran (dem Zugang zum Golf von Akaba) erneut für die israelische Schifffahrt. Am 30. Mai schloss auch Jordanien mit Ägypten einen Militärpakt. Daraufhin kündete Nasser an: „Die Heere von Ägypten, Jordanien, Syrien und Libanon sind an den Grenzen Israels aufmarschiert ... sie werden die Herausforderung annehmen. Hinter uns stehen die Armeen des Irak, Algeriens, Kuwaits, des Sudan und der gesamten arabischen Welt. Das wird die ganze Welt in Erstaunen versetzen. Heute wird sie erkennen, dass die Araber zum Kampf bereit sind. Die Stunde der Entscheidung ist da. Die Zeit der Erklärungen ist vorbei, die des Handelns gekommen.“ Am 4. Juni trat der Irak dem Militärbündnis von Ägypten, Jordanien und Syrien bei und der irakische Präsident Abdur Rahman Aref kommentierte: „Die Existenz Israels ist ein Fehler, der korrigiert werden muss. Dies ist die Gelegenheit, die Schmach auszulöschen, die man uns seit 1948 angetan hat. Unser Ziel ist klar: Israel von der Landkarte wegzufegen.“
Am 5. Juni 1967 begann der Sechstagekrieg. Israel kam dem sich abzeichnenden gemeinsamen Angriff Ägyptens, Syriens und Jordaniens durch einen Präventivschlag zuvor und kontrollierte nach dem militärischen Erfolg den Gaza-Streifen und die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland und Ost-Jerusalem und schließlich die Golanhöhen. Am 11. Juni wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Am 19. Juni beschloss das israelische Kabinett die Gebiete in Friedensverhandlungen zurückzugeben. Am 1. September verabschiedeten die arabischen Staaten die Khartum-Resolution, worin festgelegt wurde, nicht mit Israel zu verhandeln. In der UN-Resolution 242 des Sicherheitsrates vom 22. November 1967 wurde von Israel gefordert, sich aus Gebieten, die im Sechstagekrieg erobert worden waren, zurückzuziehen. Im Gegenzug sollte Israel territoriale Unversehrtheit garantiert werden.
Mehr als 175.000 Palästinenser flohen aus ihrer Heimat. Nach dem Krieg begann Israel mit dem Bau von jüdischen Siedlungen, um die strategische Tiefe Israels zu erhöhen und die Gebiete besser kontrollieren zu können.
Zwischen 1968 und 1970 fand der „Abnutzungskrieg“ zwischen Israel und Ägypten statt. Von 1969 bis 1974 war Golda Meir die erste Ministerpräsidentin des Landes.
Der Jom-Kippur-Krieg
1973 an Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, folgte erneut ein Krieg, Jom-Kippur-Krieg genannt. Nach vorhergehender sowjetischer Rüstungshilfe griffen Ägypten und Syrien das Land an. Dieser Tag wurde von den Angreifern gewählt, da man glaubte, am höchsten jüdischen Feiertag, an dem das öffentliche Leben in Israel weitgehend stillsteht, erhebliche Erfolge erzielen zu können. Dies stellte sich jedoch als Trugschluss heraus – Israel gelang es, die arabischen Armeen zu schlagen. Als Reaktion auf den verlorenen Krieg verringerten die arabischen Ölförderstaaten die Ölfördermenge drastisch, um so politischen Druck auszuüben.
Nach Beginn des Friedensprozesses
Am 9. November 1977 verkündete der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat im ägyptischen Parlament wie schon 1971 eine Friedensinitiative. Inwieweit dahinter von Anfang an ein wirklicher Wille zur Aussöhnung mit Israel stand oder lediglich das Ziel, den Suez-Kanal und den Sinai zurück zu erhalten, lässt sich nicht ganz nachvollziehen, da der 1971er Initiative der Überfall auf Israel (Jom-Kippur-Krieg) gefolgt war. Tatsache ist: Auf Präsident Saddats Initiative hin kam 1977 ein Friedensprozess in Gang und der israelisch-ägyptische Friedensvertrag wurde unterzeichnet, der unter anderem die Rückgabe des Sinai bis 1982 regelte.
Schon direkt nach dem Sechstagekrieg 1967 wurde die israelische Gesetzgebung auch auf den besetzten Ostteil Jerusalems ausgeweitet. Am 30. Juli 1980 verabschiedete die Knesset das Jerusalemgesetz und erklärte damit Jerusalem zur ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels. Die Annexion Ostjerusalems wie auch die 1981 erfolgte Annektierung der Golanhöhen werden allerdings international nicht anerkannt und verurteilt.
Im Juni 1981 griff Israel in den irakisch-iranischen Konflikt ein: Israelische Flugzeuge bombardierten den Atomreaktor Osirak in der Nähe von Bagdad und zerstörten ihn (Operation Opera). Begründet wurde dieser Zwischenfall mit der atomaren Bedrohung Israels durch den Irak.
Ab den 1980er Jahren nahmen die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern immer mehr zu. Im Jahre 1987 brachen gewalttätige Unruhen zwischen Palästinensern und Israelis aus, die so genannte Erste Intifada. Die Folgejahre standen im Zeichen dieser Auseinandersetzung, aber auch von Friedensverhandlungen, die zur Einführung einer palästinensischen Selbstverwaltung für die Gebiete des Gazastreifens und des Westjordanlandes führten. Zwischenzeitlichen Fortschritten standen Rückschritte und schwere Krisen – zum Beispiel die Ermordung Jitzchak Rabins durch einen jüdischen Extremisten sowie wiederholte Selbstmordattentate palästinensischer Terroristen – gegenüber. Den vorerst größten Stillstand erreichte der so genannte Oslo-Friedensprozess, nachdem sich 2000 der israelische Ministerpräsident Ehud Barak und der PLO-Chef Jassir Arafat in Camp David unter der Vermittlung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton nicht hatten einigen können. Strittige Punkte waren vor allem die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge, die Teilung Jerusalems und die Aufgabe von Gebieten, die Israel im Sechstagekrieg erobert hatte. Auch relativ weitreichende Zugeständnisse der Israelis, wie der Verzicht auf 95 % der umstrittenen Gebiete, konnten ein Scheitern der Verhandlungen nicht verhindern.
Bei der Beurteilung der Verhandlungen und der Gründe für deren Scheitern gibt es unterschiedliche, kontrovers diskutierte Ansichten.
Nur wenige Monate später, im September 2000, brach die al-Aqsa-Intifada aus, in deren Verlauf die Friedensverhandlungen abgebrochen wurden. Palästinensische Selbstmordattentate und israelische Militäraktionen, wie der Einmarsch in arabische Städte, kosteten bis Anfang 2005 mehrere tausend Menschen beider Seiten das Leben. Mit dem Abkommen von Scharm El-Scheik, das am 8. Februar 2005 von Ministerpräsident Ariel Scharon, dem Chef der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas, dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und König Abdullah II. von Jordanien unterzeichnet wurde, endete die al-Aqsa-Intifada.
Nach dem Erfolg der radikalislamischen Terrororganisation und Partei Hamas bei den Parlamentswahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten sowie der israelischen Partei Kadima zu den Wahlen zur Knesset 2006, aus denen Ehud Olmert als neuer Ministerpräsident hervorging, verschärfte sich die innenpolitische Lage in Israel dramatisch. Im Sommer 2006 eskalierte die Situation, als Israel auf die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hamas mit Angriffen im Gazastreifen und Westjordanland reagierte. Mit der Solidarisierung der Hisbollah mit der Hamas durch die Entführung weiterer israelischer Soldaten begann der zweite Libanonkrieg.
Trotz der Benachteiligung von Christen in ihren nahezu seit 2000 Jahren bewohnten Siedlungsgebieten, rufen die Christen zur Solidarität mit dem Staat Israel auf. Dazu gehöre die Bereitschaft, dem bedrängten Staat auch dann beizustehen, wenn dies zu Problemen mit arabischen Ölländern führt. Nach jahrelangen Hindernissen scheint die diplomatische Annäherung zwischen dem Vatikan und Israel konkreter zu werden. Streitpunkt ist ein altes Gesetz, das immer noch in Israel gültig ist und den Kirchen die Erlaubnis von Güterbesitz verweigert. Der Heilige Stuhl möchte seine historischen Besitztümer wieder zurück erhalten, die vom Staat „geraubt“ wurden. Dazu gehört beispielsweise das Pilgerhaus in der Meeresstadt Caesarea.
Am 28. Dezember 2008 begann die israelische Armee mit der Operation Gegossenes Blei eine Reihe von schweren Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen, nachdem von dort Kurzstreckenraketen auf israelische Siedlungen gefeuert worden waren. Am 3. Januar 2009 wurde die Operation zu einer Bodenoffensive ausgeweitet.
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1. Tag der Rundreise
1. Tagestour, 9. September 2009
Nach dem Frühstück traten wir um 8:00 Uhr die Fahrt zu unserer ersten Tagestour an. Durch den Morgenverkehr von Tel Aviv ging es Richtung Süden in die Altstadt von Jaffa. Die herrlich restaurierte Altstadt empfing uns bei schönstem Sonnenschein und wir spazierten durch die Altstdtgässchen zum Akropolishügel.
Ausgangspunkt der Besiedlung von Jaffa (Jaffna, Yofa) ist der 37 m hohe Hügel oberhalb des natürlichen Hafens, wo man eine Mauer aus der Hyksoszeit (18. – 16. Jh. v. Chr.) entdeckte. 1468 v. Chr. eroberte Pharao Thutmosis III. die Hafenstadt. Um 1200 v. Chr. ließen sich Philister in Jaffa sowie am Tell Qasila nieder. Um 1000 v. Chr. eroberte David die Stadt, dennoch dominierte in den nächsten Jahrhunderten in Jaffa eine phönizische, vom 3. Jh. v. Chr. an eine griechische bzw. hellenisierte Bevölkerung. Im 1. Jh. v. Chr. verlor der Hafen von Jaffa durch die Neugründung von Cäsarea an Bedeutung.
Die christliche Ära von Jaffa begann mit dem Aufenthalt des Apostels Petrus. Im 4. Jh. war Jaffa Bischofssitz, wurde 636 von den Arabern erobert und erlebte im 7. und 8. Jh. eine Blüte unter den Omaijaden- und Abbasidenkalifen. Nach der Einnahme durch Kreuzfahrer im Jahre 1099 wurde die Siedlung zum Hafen für Jerusalem-Pilger ausgebaut. 1267 eroberten Mamelucken die Stadt und beendeten die Herrschaft der Kreuzfahrer. Die Franziskaner erhielten 1650 von den osmanischen Behörden die Erlaubnis, in Jaffa eine Kirche und eine Pilgerherberge zu bauen. 1807 wurde Mahmut, der wegen seiner Strenge den Beinamen Abu Nebut (Vater der Keule) erhielt, Pascha von Gaza und baute Jaffa zu seiner Residenz aus.
Eine neue Entwicklung unter europäischem Vorzeichen begann in der Mitte des 19. Jh. Nachdem das mit der Türkei geschlossene Kapitulationsabkommen den europäischen Mächten großen Einfluss in Palästina gesichert hatte, errichteten die Franzosen Krankenhäuser und erweiterten Klöster und Kirchen. Die Russen erbauten eine Petruskirche am ‚Grab der Tabita‘ beim Hügel Abu Kabir. 1869 gründeten die Deutschen Templer die landwirtschaftliche Siedlung Jaffa-Walhalla und 1871 das nordöstlich von Jaffa gelegene Sarona. 1887 und 1890 entstanden weiter nördlich die jüdischen Siedlungen Neve Tzedek und Neve Shalom. 1892 bauten die Franzosen die Eisenbahnstrecke nach Jerusalem.
Nach dem Rundgang durch die Altstadt und über den Akropolishügel bestiegen wir wieder unseren Bus und fuhren ab in Richtung Cäsarea. Über Herzliyya, vorbei am antiken Tel Arshaf weiter durch Netanya erreichten wir nach ca. 1 Stunde Hefar Qesari (Cäsarea). Ca. 40° schlugen uns entgegen, als wir am Südtor, in der Nähe des Römischen Theaters, aus dem Bus stiegen. Die Wanderung durch die antiken Ausgrabungen war dann entsprechend anstrengend. Michal geizte auch nicht mit einem Sammelsurium an Daten und Fakten. In einem Kino konnten wir uns dann während eines Animationsfilmes über das antike Cäsarea etwas abkühlen.
Die erste Ansiedlung geht auf die Phönizier zurück, die im 4. Jh. v. Chr. hier einen Hafen anlegten. Herodes I. begann im Jahr 22 v. Chr. mit dem Bau einer großen Stadt, die er zu Ehren von Kaiser Augustus Cäsarea taufte. Mit Augustustempel, Theater, Hippodrom und fortschrittlicher Wasserversorgung war sie eine wichtige Hafenstadt, in der Juden und Nichtjuden wohnten.
Nachdem Judäa römische Provinz wurde, residierten die Prokuratoren in Cäsarea, darunter Pontius Pilatus (26 – 36 n. Chr.) und Felix (52 – 60 n. Chr.), der den Apostel Paulus hier zwei Jahre gefangen hielt. Wohl noch unter Pilatus taufte Petrus den Centurio Cornelius, was großes Aufsehen erregte. Auseinandersetzungen zwischen der jüdischen und der griechischen Bevölkerung führten im Jahr 66 zum Ausbruch des jüdischen Aufstandes. Vespasian, der vier Jahre später den Aufstand niederschlug, wurde 69 in Cäsarea zum Kaiser ausgerufen und erhob die Stadt zur römischen Kolonie. Nach dem Scheitern des zweiten jüdischen Aufstandes gegen Rom wurde dessen geistiger Führer, Ben Akiba, 135 in Cäsarea zu Tode gefoltert.
Noch im 1. Jh. gründete der Apostel Philippus eine christliche Gemeinde und ab Ende des 2. Jh.s war Cäsarea Bischofssitz. Die Kreuzfahrer kamen 1101, doch erst 1254 wurde Cäsarea vom franz. König Ludwig IX. neu befestigt. Bereits 21 Jahre später eroberte der Mameluckensultan Baibars die Stadt, deren Hafen nun vollends versandete. Die Türken siedelten Ende des 19. Jh.s auf dem Gebiet der Kreuzfahrerstadt moslemische Flüchtlinge aus Bosnien an. Erneute Besiedlung setzte 1940 mit der Gründung des Kibbuz Sedot Yam ein. Die archäologische Erforschung des Gebietes ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
Das Ausgrabungsgelände
Das römische Theater, eine der Hauptattraktionen, bot Platz für rund 4000 Besucher. Von den Sitzreihen über Orchestra und Bühnenhausreste blickt man aufs Meer hinaus. Dem unter Herodes entstandenen Bau wurde nach Entfernung der Bühnenwand an die halbrunde Orchestra ein zweites Halbrund angefügt, sodass eine amphitheaterartige elliptische Form entstand. Im 4. Jh. verwandelte man den Bereich der Orchestra in ein großes Bassin, in das sogar Schiffe hineinfahren konnten. Heute wird das restaurierte Theater wieder für Veranstaltungen genutzt. Bei den Mauerresten auf der Landzunge westlich des römischen Theaters handelt es sich vermutlich um den Palast des Herodes.
Vom Palast führt ein Uferweg nordwärts zur Kreuzfahrerstadt. Bereits ausgegraben wurde eine U-förmige, insgesamt 10.000 Plätze fassende Arena für Pferderennen und andere Veranstaltungen, die man zur Zeit von Herodes als Amphitheater bezeichnete. Östlich der Arena haben die Archäologen ein rechtwinkeliges byzantinisches Straßensystem freigelegt. Bisher ausgegraben wurden vor allem Lagerhäuser mit hohen Gewölben. Einer dieser Gewölberäume wurde später in ein Mithras-Heiligtum umgewandelt – das einzige bislang bekannte in Israel.
Nun kommt man zum Südeingang der Kreuzfahrerstadt. Bereits unter arabischer Herrschaft wurde hier im 9. Jh. eine Stadt errichtet, die Ludwig IX. bis 1254 durch mit Bastionen verstärkte Mauern und einen tiefen Graben befestigen ließ.
Innerhalb der Festung wendet man sich nach rechts und steigt auf das von Herodes angelegte Plateau, das ehemalige Forum, das einen guten Überblick über die Stadt gewährt. Zu Ehren von Kaiser Augustus ließ er hier einen Tempel bauen, die Byzantiner errichteten eine Kirche auf oktogonalem Grundriss und die Kreuzfahrer die St. Paulus-Kathedrale. Von ihr ist am meisten erhalten: drei halbrunde Apsiden. Neben der Kathedrale sind noch die Reste des Augustustempels zu erkennen.
Von der Anhöhe mit der Kathedrale blickt man hinunter auf die Moschee der bosnischen Siedler und auf Lagerhäuser des alten Hafens. Das heutige Hafenbecken wurde in der Kreuzfahrerzeit angelegt. Der von Herodes angelegte Hafen ist völlig vom Meer überspült. Er bestand aus zwei Hafenbecken, einer Mole und einem 400m langen Wellenbrecher. Auf der ins Meer hinausragenden Landzunge erhob sich einst die Kreuzfahrerzitadelle, auf ihren Resten steht heute ein Restaurant.
Nach dieser eindrucksvollen Führung durch das antike Caesarea fuhren wir zu den Überresten des Aquädukt’s aus herodianischer Zeit. Im Anschluß an die Fotosession wurden wir alle schon vom Hunger geplagt. Deshalb ging die Fahrt raschest weiter in das Karmelgebirge, ins Dorf ‚Dalyat el Karmil‘ wo wir bei Verwandten unseres Buschauffeurs echte drusische Spezialitäten kredenzt bekamen. Michal erklärte uns die verschiedenen Zutaten und Gemüsearten, die in diesem herrlich mundenden Mahl verarbeitet bzw. verkocht wurden.
Die etwa 70.000 arabisch sprechenden Drusen leben vor allem im Karmelgebirge und in Galiläa. Da ihr Glaube – im Islam wurzelnd, aber u.a. Mohammed als Propheten und den Koran als Offenbarung ablehnend – nur eine Heirat untereinander erlaubt, bilden sie eine homogene, abgeschlossen lebende Gruppe. Theoretisch besitzen die Drusen, die bereits seit den 1920er-Jahren mit der jüdischen Bevölkerung zusammenarbeiten, seit 1948 israelische Staatsbürgerrechte, doch auch sie lebten bis 1962 unter israelischer Militäradministration, obwohl sie keinerlei separatistische oder nationalistische Ambitionen haben und dem jüdischen Staat gegenüber loyal eingestellt sind. Sie gehören zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen, ihr Ausbildungsniveau ist sehr schlecht. Der Armeedienst ist für sie aufgrund einer Entscheidung ihrer Führer obligatorisch. Mit der Annexion der syrischen Golanhöhen sind auch die dort ansässigen Drusen zur drusischen Gemeinschaft in Israel hinzugekommen. Viele haben es jedoch abgelehnt, die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, hoffen stattdessen auf eine Rückgabe des Golan an Syrien.
Als Begründer der Religionsgemeinschaft gelten die beiden schiitischen Gelehrten Hamza ibn-Ali und Mohammed al-Darazi. Von Letzterem leitet sich die Bezeichnung Drusen ab. Sie entwickelten die theologische Lehre der Drusen, worin Kalif al-Hakim Bi-Amr Allah (985–1021) als Inkarnation Gottes gilt.
Kalif al-Hakim war der Herrscher der ägyptischen Fatimiden, einer schiitischen Dynastie, die nach Fatima, der jüngsten Tochter des Propheten Mohammed, benannt war. Die Fatimiden zählen zu den Ismailiten, ein Zweig der Schiiten, und betrachteten Ismael, einen Sohn des sechsten Imam, als ihren Erlöser. Der Tod des Kalifen im Jahr 1021 wird von seinen Anhängern als Übergang in einen Zustand der Verborgenheit verstanden, aus dem er nach 1000 Jahren wieder zurückkehren werde, um die Herrschaft über die Welt anzutreten.
Die Drusen glauben an Reinkarnation und an weitere parallele Welten. Die Umstände der Geburt eines Menschen, seine Eltern und der Geburtshintergrund, sind vorbestimmt, und von Gott oder einem höheren Wesen allein entschieden. Entsprechend sind Missionierung oder Konvertierung nicht erlaubt. Diese werden als Verweigerung des Gotteswillens angesehen, bzw. als Fall einer niederen Intelligenz – des Menschen –, die versucht, eine höhere Intelligenz – Gott – zu belehren. In Worten der Drusen; „Ein Umhüllter darf den Umhüllenden nicht belehren. Das kann nur Gott entscheiden“. Es besteht ein Grund dafür, weshalb Gott die Menschen in die verschiedenen Religionen so verteilte. Dieser Grund ist nicht etwas, mit dem sich der Mensch beschäftigen sollte. Der Mensch soll sich mit der Reinigung seiner Seele beschäftigen, um eine höhere Daseinsebene zu erzielen. Auf dem Weg zu diesem Ziel und durch viele Reinkarnationen, kann der Mensch viele Rollen bekommen und verschiedene Situationen erleben. Deswegen ist es eine grundlegende Sache für Drusen, andere Religionen zu akzeptieren, wie sie sind, da sie in der nicht vom Menschen zu beachtenden Struktur eine ähnliche Rolle innehaben.
Die Mission und Konvertierung Andersgläubiger wird von den Drusen nicht betrieben, auch freiwillig kann man nicht zum Drusentum übertreten. Außenstehende wurden nur zu Zeiten der Gründung der Religion aufgenommen. Heute ist nur Druse, wer Kind drusischer Eltern ist. Die Lehre der Drusen lässt nur eine genau feststehende Zahl ihrer Mitglieder in allen Welten zu. Das heißt, zu jeder Zeit ihres Daseins existieren nie weniger oder mehr Mitglieder.
Ob man Al-Hakim als Gründer der Drusen betrachten kann, ist eine Diskussion, die wohl nie abschließend geklärt werden kann; allerdings nimmt ein Teil der etablierten Forschung an, dass Al-Hakim vielleicht Sympathie für diese Gruppe und ihre Ideen hegte, er allerdings nicht als deren Mitglied oder gar Initiator gesehen werden kann.
Die Drusen glauben, dass sie immer unter verschiedenen Namen seit Millionen von Jahren existierten. Al-Hakim zählt als die letzte Manifestation Gottes in einer langen Reihe zuvor.
Lehre
Obwohl der Glaube der Drusen stark von der ismailitischen Tradition geprägt ist, sind die Unterschiede so groß (z. B. Beimischung des Platonismus und Neuplatonismus, Seelenwanderung), dass man von einer eigenständigen Religion und nicht von einer Richtung des Islams sprechen muss. Die Drusen haben eine allegorische Interpretation des Korans mit einer eigenen Doktrin.
Die Lehre von der Seelenwanderung widerspricht ebenfalls den Prinzipien des Islam. Demnach wandert die Seele eines Menschen mit dessen Tod sofort in einen neugeborenen Menschen (jedoch nicht in Tiere oder andere Wesen). Auf dem Weg von Mensch zu Mensch strebt die Seele nach Perfektion und geht nach Erreichen dieser eine Einheit mit al-Hakim ein.
In diesen Lehren liegt die in Ägypten einsetzende islamische Verfolgung der Drusen begründet, aufgrund derer sie sich in die entlegenen Gebirgsgegenden des Libanon (Chouf, Metn) zurückzogen. Dort gab es zeitweise politische Allianzen mit den dort lebenden maronitischen Christen, die jedoch seit dem Osmanischen Reich und erneut seit dem libanesischen Bürgerkrieg einer offenen Feindschaft wichen.
Die Gläubigen werden in „Unwissende“ (dschuhhâl, sg. dschâhil) und Eingeweihte ('Uqqal) (sg. 'âqil, „Verständiger“) unterteilt. Letztere, sowohl Männer als auch Frauen, sind Hüter und Bewahrer der Religion und ihrer Geheimnisse, die den Unwissenden nicht bekannt sind. Sowohl diese Struktur, als auch eine Abschottung gegenüber Außenstehenden aufgrund von Verfolgungen bedingen, dass die Praktiken und Einzelheiten der Religion der Drusen nicht außerhalb der Gemeinschaft bekannt sind. Das Drusentum kann daher als Geheimreligion betrachtet werden.
Erkennbar sind die Eingeweihten (auch als die „Religiösen“ bezeichnet) daran, dass sie stets eine weiße Kopfbedeckung mit schwarzen Gewändern tragen. In Drusengebieten gibt es normalerweise keine Moscheen; die meisten Frauen tragen kein Kopftuch.
Drusen in Israel
Drusen in Israel verhalten sich als israelische Staatsbürger gegenüber der israelischen Regierung loyal und leisten in der israelischen Armee ihren Militärdienst. Tatsächlich wurden die Drusen 1957 in Israel als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt. Sie sehen sich als Araber, jedoch (in Israel) nicht als Muslime. Allerdings steigt langsam der Druck von palästinensischer Seite, mit den palästinensischen Muslimen konform zu gehen. Hierzu zählen nicht die Drusen des im Sechstagekrieg 1967 besetzten syrischen Golan. Sie leben in einigen wenigen Dörfern des Nordgolans unterhalb des Hermons, haben aber ihr Land anlässlich der israelischen Eroberung 1967 im Gegensatz zu den Sunniten der Stadt Qunaitra oder der weiter südlich gelegenen, mittlerweile nicht mehr existierenden Dörfer nicht verlassen.
Nach dem gewöhnungsbedürftigen aber schmackhaften und fleischlosen drusischen Essen fuhren wir nach Haifa, wo wir von oberhalb der Bahai-Gärten einen herrlichen Ausblick auf die Stadt genossen. Der Eingang auf die Aussichtsplattform oberhalb der Gärten wurde von den Angehörigen der Bahai-Sekte streng bewacht und wir wurden auch entsprechend kontrolliert. Die Begehung der Gartenanlage ist Aussenstehden nicht gestattet.
Der Ortsname Haifa wurde zum ersten Mal im 3. Jh. AD genannt. Die für ihren Schiffsbau bekannte Siedlung wurde um 1100 von den Kreuzfahrern erobert, in deren Hand sie fast durchgehend bis 1265 blieb. 1740 erbaute Dahir el-Umar, Herrscher in Galiläa, hier eine neue Siedlung, die heutige Altstadt, und ließ einen Hafen für Getreidetransporte nach Ägypten anlegen.
Zur jüdischen Bevölkerung kamen 1868 deutsche Siedler, nämlich Templer, aus Württemberg. Später wanderten auch Christen aus dem Libanon und Araber zu und die vom Islam abgespaltenen Sekten der Bahai und der Ahmediya wählten Haifa zu ihrem zentralen Sitz.
1918 nahmen die Briten die Stadt ein und verbanden sie durch eine Bahnlinie über Gaza mit Ägypten. Nach der Ausrufung des Staates Israel 1948 gewann Haifa große Bedeutung als Hafen für die Einwanderer und wurde zum wichtigsten Industriestandort des Landes ausgebaut.
Bahai
nennen sich die Mitglieder einer weltweit verbreiteten Religion (auch als Bahaismus oder Bahaitum bekannt), die im 19. Jh. AD von dem aus Persien stammenden Baha’u’llah gestiftet wurde. Sie lehrt einen abrahamitischen Monotheismus eigener Prägung, in dessen Mittelpunkt der Glaube an einen transzendenten Gott , die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit steht. Die Bahai vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts verpflichtet.
Ein zentraler Grundsatz der Bahai ist, dass Religion nicht der Vernunft und der Wissenschaft widersprechen dürfe. Als wichtigstes Element der Religion bezeichnete Abdu’l Baha die Nächstenliebe. Religion, die zu Zwietracht führt, verfehle ihren Zweck, und es sei besser, ohne sie zu leben. Im Mittelpunkt des Religionsverständnisses der Bahai steht eine dreifache Einheit: die Einheit Gottes, die mystische Einheit der göttlichen Offenbarer und die Einheit der Menschheit.
Theologischer Angelpunkt der Bahai-Lehre ist das heilsgeschichtliche Paradigma der fortschreitenden Offenbarung. Gott offenbart sich der Menschheit nicht einmalig, sondern progressiv und zyklisch wiederkehrend. Da die Menschheit sich ständig fortentwickelt, muss die Religion eine Erneuerung erfahren, um der Situation entsprechend göttliche Führung leisten zu können. Dies geschieht, indem Gott der Menschheit in bestimmten Zeiträumen göttliche Offenbarer (Manifestation Gottes) schickt. Folglich sind die großen Religionen allesamt göttliche Stiftungen, die seine Botschaft in jeweils abgewandelter äußerer Form wiedergeben. Nach dem Glauben der Bahai brachte Baha’u’llah die jüngste dieser göttlichen Offenbarungen, aber nicht die letzte. Nach ihm werden im Abstand von etwa tausend Jahren weitere Offenbarer erwartet. Nach dem Glauben der Bahai wurde Baha’u’llah von allen großen Religionen verheißen und verkörpert den Beginn eines neuen Abschnitts in der Entwicklung der Menschheit, der schließlich in einem weltlichen und geistigen Frieden müden werde. Seine Gebote sollen die Grundlage für eine solche Gesellschaft bilden und dazu führen, das „dem Körper dieser Welt eine lebendige Seele geschenkt wird und dieses zarte Kind, die Menschheit, zur Stufe der Reife gelangt“.
Die Bahai-Religion schreibt kaum Riten vor, individueller Gestaltungsfreiraum ist gegeben und Inkulturation wird begrüßt. Adressat fast aller Gebote ist das Individuum, nicht die Gemeinde. Einen unmittelbar erlösenden oder heilsbringenden Charakter haben die Riten nicht. Was zählt, ist die geistige Grundhaltung und nicht die äußere Form. Eine Etablierung kultischer Traditionen jenseits der von Baha’u’llah vorgeschriebenen Riten wird aufgrund der Gefahr der „Verkrustung der Religion“ abgelehnt.
Das Haus der Andacht ist die vorgeschriebene Andachtsstätte der Bahai: ein neunseitiger Kuppelbau mit neun Eingängen. Der Tempel soll idealerweise von Gärten und sozialen Einrichtungen umgeben sein. Die Gottesdienste sind reine Andachten ohne Liturgie oder Predigt. Neben den heiligen Schriften des Bab und Baha’u’llahs werden Schriften aus allen Weltreligionen vorgetragen. Als musikalisches Element dienen gesungene Rezitationen und Gebete, Soloimprovisationen sowie Chorgesang. Musikinstrumente sind nicht vorgesehen, da die Häuser der Andacht allein dem Wort Gottes und der menschlichen Stimme vorbehalten sind.
Eine zentrale Bedeutung haben die Fastenzeit und das Gebet, insbesondere die Pflichtgebete, die in drei unterschiedlichen Längen und Formen zur Auswahl stehen. Gefastet wird an 19 Tagen im Jahr (den letzten Monat des Bahai-Kalenders). Fasten bedeutet für die Bahai völlige Enthaltung von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Vom Fasten ausgenommen sind Reisende und alle, die aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten sollten. Weitere wichtige Gebote Baha’u’llahs sind das tägliche Lesen in den Heiligen Schriften, sowie die tägliche 95malige Rezitation des Größten Namens.
Baha’u’llah verbietet den Bahai im Kitab-i-Aqdas, Dinge zu konsumieren, welche sie ihres Verstandes berauben, es sei denn, es ist medizinisch notwendig. Wie auch beschrieben wird, sind damit auch Glücksspiel, alkoholische Getränke und Drogen gemeint.
Die Heiratszeremonie, welche als Form nur eine einfache Trauformel kennt, ist nur zwischen Frau und Mann möglich und erfordert die Zustimmung aller noch lebenden Elternteile, was vor allem die Einheit innerhalb der Familie stärken soll. Sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe werden abgelehnt.
Die Bahai respektieren die Gesetze ihres jeweiligen Landes, enthalten sich jedoch der Parteipolitik. Engagement in Jugendgruppen, Friedensbewegungen, interreligiösen Initiativen und Umweltschutz-bewegungen und dergleichen außerhalb der Bahai-Gemeinde, sofern parteipolitisch neutral, wird ausdrücklich gefördert.
Nach Haifa machten wir noch einen Abstecher nach Akko, der Kreuzfaherstadt. Abstecher deshalb, weil wir die ausgegrabene Kreuzfahrerstadt im Eiltempo durchliefen und keine Zeit hatten, die schöne Altstadt ausgiebiger zu besichtigen.
Das auf einem mauerbewehrten Landvorsprung ins Meer ragende Akko war von der Antike bis ins 19. Jh. der bedeutendste Hafen Palästinas und ist heute eine der lebendigsten und meistbesuchten Städte des Landes. Aus seiner Zeit als Hauptstadt eines Kreuzfahrerkönigreiches sind sehenswerte Bauten erhalten geblieben. Die Altstadt gehört seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Geschichte
Altertum
Akko wird schon in den Amarnatexten des 14. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. König der Stadt war damals Zurata, dessen Sohn Sutatna ebenfalls erwähnt wird. Akko wird unter anderem im Papyrus Anastasi I aus dem späten 13. Jahrhundert v. Chr., der die Küstenstädte Kanaans aufzählt, erwähnt. Akko taucht auch in Städtelisten aus der Zeit von Sethos I. und Ramses II. auf. Das Hypostyl des Ramses-Tempels in Karnak zeigt die Zerstörung von Akko, vermutlich zwischen 1276 und 1270 v. Chr. Dem entsprechen Zerstörungsschichten in Bauperiode 9 des Tells.
Auch im Alten Testament der Bibel ist von Akko die Rede (Ri 1,31 EU).
332 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen erobert. Um das Jahr 64. v. Chr. wurde Akko von den Römern erobert und gehörte zu deren Provinz Syria.
Der Apostel Paulus verbrachte im Jahr 57 einen Tag in Akko (Ptolemais) (Apg 21,7 EU).
Mittelalter
Im Rahmen der islamischen Expansion kam die Stadt 638 unter arabische Herrschaft, die bis 1104 anhielt. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts beauftragte der ägyptische Herrscher Ahmad ibn Tulun den Architekten Abu Bekr al-Bana' mit der Erweiterung des Hafens. Der mit Steinlagen auf Sykomoren-Bohlen ausgebaute Hafen hatte eine große Bedeutung für den Handel im Mittelmeer. Die Einfahrt wurde nachts durch Ketten verschlossen.
Im Mittelalter war Akko der einzige Hafen an der Levanteküste, in dem bei jedem Wetter Ware gelöscht werden konnte, weshalb er für die Kreuzfahrer von besonderer strategischer Bedeutung war. Nachdem das Heer des Ersten Kreuzzugs vor der Belagerung von Jerusalem 1099 die gut befestigte Stadt noch umgangen hatte, unternahmen die Könige des durch sie gegründeten Königreichs Jerusalem alsbald deren Eroberung. König Balduin I. belagerte die Stadt 1103 erfolglos. In einem zweiten Versuch im Jahr 1104 gelang ihm schließlich die Eroberung der Hafenstadt nach zwanzigtägiger Belagerung.
1187 wurde neben Jerusalem auch Akko durch Sultan Saladin zurückerobert. Nach erbitterter und langer Belagerung (1189–1191) fiel die Stadt schließlich wieder an die Kreuzritter, die Verstärkung durch den Dritten Kreuzzug unter Richard Löwenherz erhalten hatten. Da Jerusalem in den Händen Saladins blieb, wurde Akko nun Hauptstadt des verbliebenen Königreichs Jerusalem.
Während der Belagerung Akkos gründeten im Jahr 1190 Kaufleute aus Lübeck und Bremen den Deutschen Orden (Deutschritterorden) als Hospitalgemeinschaft. 1198 erfolgte die Umwandlung in einen Ritterorden, wobei Akko bis zum Verlust der Stadt 1291 Amtssitz des Hochmeisters blieb, der dann nach Venedig und schließlich 1309 in die Marienburg verlegt wurde.
1219 stiftete Franz von Assisi das noch heute existierende Franziskaner-Kloster.
1229 wurde Akko nach dem Frieden von Jaffa zwischen Friedrich II. und dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil unter die Verwaltung des Johanniterordens gestellt – der alternative Name St. Jean d’Acre weist darauf hin. Akko wurde eine wichtige Schnittstelle für die Vermittlung arabischer Kultur und Wissenschaft nach Europa.
Nach der endgültigen Eroberung Jerusalems durch die Muslime 1244 war Akko einer der letzten Stützpunkte der Kreuzfahrer. Mit der Eroberung der Festung am 18. Mai 1291 durch die Truppen des ägyptischen Mamluken-Sultans al-Malik al-Asraf Chalil waren die Kreuzzüge endgültig gescheitert.
1517 wurde Akko unter Sultan Selim I. Teil des Osmanischen Reiches.
Neuzeit
Im 18. Jahrhundert ab 1749 wurde die zum Teil noch immer verwüstete Stadt neu aufgebaut. Es entstand die heutige Festungsanlage, die von Jezzar Pascha, dem damaligen Gouverneur von Damaskus, auf der Grundlage der Kreuzritterfestung erbaut und von Dhaher al-Omar, dem Scheich von Galiläa, ausgebaut wurde. Bis 1774 war Akko Hauptstadt des Herrschaftsgebiets von Dhaher.
1799 wurde Akko 61 Tage lang vergeblich von Napoleon belagert. Einer Legende nach warf dieser beim Rückzug der Truppen mit den Worten „Wer Akko erobert, erobert die Welt!“ seinen Hut ins Meer. Von ihm zurückgelassene Kanonen stehen heute auf dem Festungswall.
Mit dem Aufkommen von Dampfschiffen im 19. Jahrhundert verlor der Hafen von Akko an strategischer Wichtigkeit, weil die großen Schiffe im dortigen Hafen nicht anlegen konnten.
1869 kam Baha’u’llah, der Religionsstifter der Bahai, als Gefangener des Osmanischen Reiches in die Festungsstadt Akko, wo 1873 eines seiner zentralen Bücher, das Kitab-i-Aqdas, entstand. Hier entstand auch die Schriftensammlung „Botschaften aus Akka“.
Am 17. Mai 1948, drei Tage nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung, wurde Akko von der Hagana besetzt.
2001 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
2006 war die Stadt Ziel von Raketenangriffen der Hisbollah während der Israel-Libanon-Krise 2006.
2008 kam es während des Jom Kippurs in der Neustadt zu Ausschreitungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung.
Nach Ende dieser Tagestour bezogen wir im Kibbuz ‚Liva‘ unsere schönen Zimmer und speisten im Gästespeisesaal zu Abend. Das Essen wurde in Buffetform angeboten und war überaus abwechslungsreich und schmackhaft. Dazu tranken wir eine Flasche Rotwein vom Golan. Danach musste natürlich mein 50. Geburtstag gefeiert werden – also begaben wir uns an die Bar, wo wir von einer lieben Bardame (Alter 82 Jahre, geboren in Berlin, Mitte 1939 nach England ausgewandert und 1954 nach Israel in den Kibbuz Liva übersiedelt) bedient wurden. Als ich jedoch zwei Wodka/Martini, geschüttelt und nicht gerührt, bestellte, musste sich die alte Dame Hilfe in einem jüngeren Mitarbeiter des Kibbuz‘ suchen. Dieser mixte die Wodka/Martini jedoch so stark, dass wir danach schon etwas beschwipst waren. Wir verließen die Bar und genehmigten uns auf der Terrasse unseres Zimmers noch eine weitere Flasche Rotwein vom Golan. So feierte ich meinen 50. Geburtstag unter den Sternen des Heiligen Landes in der Nähe vom Kinnaret.
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2. Tag der Rundreise
Donnerstag, 10. September 2009
2. Tagestour
Nach dem Frühstück führte uns ein alter Herr durch den Kibbuz und erläuterte uns die Entstehung des Kibbuz‘. Ebenso erklärte er uns die Idee der Kibbuzbewegung. Danach führte uns die Tour vorerst auf die, von Israel 1981 annektierten, Golanhöhen und hier speziell auf den Berg ‚Bental‘. Dabei durchfuhren wir die von Israel landwirtschaftlich genutzte Hochebene des Golan. Ausgedehnte Orangen-, Zitronen, Bananen- und Weinplantagen säumten den Weg auf den Bental. Von dort genossen wir einen grandiosen Ausblick auf die entmilitarisierte UNDOF-Zone, sowie auf Syrien und das Hermongebirge. Bunkeranlagen, Schützengräben, zurückgelassenes Kriegsgerät und viel Stacheldraht wurde uns am Gipfel geboten.
Der landschaftlich abwechslungsreiche Höhenzug östlich von Jordan und See Genezareth zwischen dem Hermon-Berg im Norden und dem Yarmuk-Fluss im Süden lohnt wegen seiner herben Schönheit einen Besuch – trotz der unfriedlichen Assoziationen, die sein Name oft auslöst.
Denn das Gebiet war jahrzehntelang Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Syrien und Israel und demzufolge ein blinder Fleck auf der touristischen Landkarte. Der südliche Teil der Golanhöhen besteht aus einem etwa auf 1000 m Höhe gelegenen, fruchtbaren Plateau, in das einige Wadis einschneiden. Weideflächen, Wiesen und Felder, durchsetzt mit grau-braunem Basaltstein, beherrschen die Szenerie.
Nach Norden steigt das Gelände zum Hermon an, dessen Gipfel (auf syrischem Gebiet) 2814 m hoch liegt. Auf dem Golan regnet es vergleichsweise viel und im Winter fällt so viel Schnee, dass man hier sogar Schifahren kann.
Nach der Ausrufung des Staates Israel, verlief ab 1948 die israel-syrische Grenze am Jordan und der Golan wurde von Syrien zur militärischen Zone ausgebaut. 1967 besetzte Israel die Region, 1981 erfolgte die Annektierung. Um weitere direkte Konfrontationen zu verhindern, wurde zwischen Syrien und dem Golan eine UN-Pufferzone eingerichtet. Mehr als zwei Dutzend jüdische Siedlungen entstanden seit der israelischen Eroberung neben den Dörfern der hier etwa 15.000 Drusen. Für Israel ist das Gebiet nicht nur von enormer strategischer Bedeutung: Ein großer Teil seines Trinkwassers stammt – indirekt über den Jordan und den See Genezareth – von den Golanhöhen.
Nach diesem Aufenthalt ging die Fahrt über die Golan-Hochebene in Richtung Kinnaret (See Genezareth). Die Überreste aus dem Sechstage-Krieg waren noch überall sichtbar und die ganze Hochebene war übersät mit israelischen Garnisonen und Kasernen. Als wir auf Sea-Level waren (der See Genezareth liegt ja bekanntlich 217 m unter Meeresniveau, hatten wir bereits 36° Aussentemperatur und uns bot sich ein herrlicher Blick über den See in Richtung Tiberias.
Kurz vor Kapernaum überquerten wir zu Fuß den Heiligen Fluss Jordan. Danach besichtigten wir in Kapernaum das Huas des Apostels Petrus und die archäologischen Überreste der Synagoge in welcher Jesus lehrte.
Neben Tabgha war Kapernaum (hebr.: Kefar Nahum, Dorf des Nahum, arab. Tell Num) der Überlieferung nach einer der Orte, in denen Jesus während seiner Zeit als Wanderprediger vorübergehend lebte. Hier berief er seine ersten Jünger: Simon Petrus und dessen Bruder Andreas, Jakob und dessen Bruder Johannes. Er predigte dort in der Synagoge und vollbrachte mehrere Wunder.
Das von Franziskanern verwaltete Ausgrabungsgelände ist heute eine vielbesuchte Pilgerstätte. Das sogenannte Petrus-Oktogon wird seit 1990 von einem modernen, auf niedrigen Stützen stehenden Kirchenbau aus Beton überwölbt, der die Ausgrabungsstelle des Petrus-Hauses schützen soll, aber leider auch ihre Wirkung erheblich beeinträchtigt. Zu sehen sind die Mauerreste eines Wohnviertels, dessen älteste Häuser aus dem 1. Jh. v. Chr. stammen. Auf den Putzresten fanden Archäologen 131 Inschriften, in denen die Namen von Jesus Christus und von Petrus mehrfach erscheinen. Daher kann Recht angenommen werden, dass es sich um das Haus des Apostels Petrus handelte, in dem Jesus sich aufhielt und dessen Schwiegermutter heilte.
Nach Kapernaum ging es einige Kilometer weiter in das biblische Tabgha, wo wir zuerst die Brotvermehrungskirche besichtigten und danach zur ‚Mensa Christi‘ spazierten. Anschließend ließen wir es uns nicht nehmen, den sogenannten ‚Petrusfisch‘ ( eine der 40 Arten von Buntbarschen mit der lateinischen Bezeichnung ‚Tilapia galilea‘ ) zu verzehren. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann auf den Berg der Seligpreisung. Ein unbeschreibliches Gefühl, auf jenen Stellen zu wandeln, wo unser Herr Jesus Christus Brot und Fische vermehrte und vor einer Menschenmenge an den Hängen dieses Hügels oberhalb vom Kinnaret die Bergpredigt hielt.
Tabgha, ‚Ort der sieben Quellen‘ bezeichnet die wasserreiche Stelle, an der die wundersame Brotvermehrung durch Jesus stattgefunden hat. Die erste Kirche an diesem Ort, ein einschiffiger Bau, wurde im 4. Jh. errichtet. Anfang der 1980er Jahre wurde die baufällig gewordene Kirche abgerissen und auf den Grundmauern der Säulenbasilika ein Kirchenbau im byzantinischen Stil errichtet. Über dem Stein, auf dem Jesus vor der ‚Speisung der Fünftausend‘ Brote und Fische gelegt hat, wurde der Altar aufgestellt; direkt davor zeigt das bekannteste Mosaik der Brotvermehrungskirche zwei Fische und einen Korb mit Broten.
Ca. 200 m weiter in Richtung Kapernaum führt der Weg hinab zur ‚Mensa Christi‘, bzw. Primatskapelle oder Peterskirche, die unmittelbar am Ufer des Sees Genezareth steht. Der schlichte einschiffige Kirchenraum gilt als der Ort, an dem der auferstandene Jesus seinen Jüngern erschien und Petrus mit den Worten „Weide meine Lämmer ! …. Weide meine Schafe ! …. Weide meine Schafe !“ die Führung der Kirche übertrug. An dem großen Steinblock im Ostteil der Kirche haben Jesus und seine Jünger das anschließende gemeinsame Mahl gehalten (daher der Name ‚Mensa Christi‘).
Oberhalb von Tabgha und Kapernaum liegt der ‚Berg der Seligpreisungen‘ (Mount of the Beatitudes), die Stätte der Bergpredig Jesu. Seit früher Zeit wird der Ort, an dem Jesus die für die christliche Lehre grundlegende Bergpredigt hielt, an diesem Berg gesehen. Die, in einer schattigen Gartenanlage am Ospizio Monte di Beatitudine gelegene Kirche wurde 1937 von Antonio Barluzzi errichtet.
Lokaler Basalt, weißer Nazarethstein für die Bögen und römischer Travertin für die Säulen verleihen der Kirche der Seligpreisungen ihren besonderen Charakter. Vom Säulenumgang des Achteckbaus bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den See Genezareth. Die acht Seiten der Kirche sind, wie lateinische Inschriften zeigen, den acht Seligpreisungen gewidmet, die Jesus am Anfang der Predig über die geistig Armen, die Leidtragenden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden, die Barmherzigen, die Menschen reinen Herzens, die Frieden Stiftenden und die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten verkündete. Die Kuppel symbolisiert die neunte Seligpreisung, in der Jesus den um seinetwillen Verfolgten die Belohnung im Himmel versprach.
Als die Ausführungen von Michal in der Kirche am Berg der Seligpreisung zu sehr ins Detail gingen, sonderten wir uns von der Gruppe ab und genehmigten uns beim Busparkplatz ein kühles Paulaner Weißbier.
Nach diesem spirituellen Nachmittag fuhren wir vom Kibbuz Ginnosar mit einem Boot über den See Genezareth nach Tiberias, wo wir eine Weile Zeit hatten, uns die gewonnen Eindrücke dieser heiligen Stätten noch einmal in Erinnerung zu rufen. Wir saßen in einem palästinensischem Cafè am Ufer des Kinnaret und ließen den Tag nochmal Revue passieren. Am späten Nachmittag erreichten wir dann wieder unseren Kibbuz.
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3. Tag der Rundreise
3. Tagestour
Um 8:30 Uhr ging’s ab nach Nazareth. Durch den Basar marschierten wir hoch zur Verkündigungsbasilika. Zuerst besichtigten wir den Säulenumgang mit den Marienbildern aus aller Welt (Österreich ist leider nicht vertreten!). Danach das Innere der Basilika, welches sich über zwei Stockwerke erstreckt, wobei der Altarraum im ersten Stock liegt.
Der Name Nazareth erscheint zum ersten Mal im Neuen Testament bei der Schilderung der Verkündigung an Maria. Jesus lebte wahrscheinlich bis nach seiner Taufe durch Johannes in Nazareth, später hielt er sich meist in der Gegend von Kapernaum und Tabgha auf. Die Verkündigungsgrotte wurde in der Folgezeit zum Ort der Verehrung, und schon früh siedelten sich Christen in Nazareth an.
Die Verkündigungsbasilika ist der größte moderne Kirchenbau in Israel – und zugleich ein signifikantes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, den Spagat zwischen moderner Formensprache und Traditionsgebundenheit zu bewältigen.
Vom Eingangstor im Westen betritt man den Hof, dessen Außenmauern an der West- und Südseite von einer Säulenhalle begleitet werden. Die drei Bronzeportale schuf der deutsche Künstler Roland Friederichsen. Auf dem Mittelportal sieht man links oben Christi Geburt, darunter die Flucht nach Ägypten und den jugendlichen Jesus; rechts unten die Taufe im Jordan, darüber Bergpredig und Kreuzigung. Das Südportal zeigt Szenen aus dem Leben Marias.
Betritt man die Verkündigungsbasilika, so kommt man zunächst in die Unterkirche. Durch die dreischiffige Kirche geht man dann zum Oktogon unter der Kuppel und blickt dort hinunter zum ursprünglichen Niveau. Links sieht man dabei die Verkündigungsgrotte, an deren Altar die Inschrift: „Verbum caro hic factum est“ (Hier wurde das Wort Fleisch !) steht.
Auch die Oberkirche ist dreischiffig und weist die achteckige Öffnung im Boden auf, durch die man bis zur Grotte hinuntersieht.
Nach dem Besuch der Verkündigungsbasilika in Nazareth fuhren wir nach Bet Shean, welches ca. 25 km südlich des See Genezareth's liegt. Als wir am Südtor des Ausgrabungsgeländes den Bus verließen, schlug uns eine fürchterliche Hitze entgegen. Aber Michal drängte zum Rundgang durch das Gelände. Wieviel jeder von ihren Ausführungen mitbekam ist ungewiss – denn jeder dachte an das SB-Restaurant beim Eingang und an ein kühles Getränk.
Der Nationalpark Bet She’an erstreckt sich über eine Fläche von ca. 160 Hektar. Er schließt die antike Satdt Bet She’an – Skythopolis und den gesamten sich darüber erhebenden Tell Bet She’an ein. Seit den 20er Jahren wurden in Bet She’an zahlreiche archäologische Ausgrabungen durchgeführt, die intensivsten Grabungen begannen 1986 und dauern bis heute an. Sie werden unter Zusammenarbeit der Behörde für Altertümer und der Hebräischen Universität durchgeführt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde ca. ein Zehntel der Stadtfläche ausgegraben, wobei die Gebäude, Anlagen und Straßen gleichzeitig rekonstruiert und wiederaufgebaut werden.
Die Geschichte Bet She’ans
Die Besiedlung Bet She’ans begann im fünften Jahrtausend v. Chr. auf dem Tell, der sich südlich des Nahal Harod (Harodflusses) erhebt und an einer wichtigen Verkehrskreuzung im Herzen einer fruchtbaren und wasserreichen Gegend liegt. In der spätkanaanitischen Periode (16. – 12. Jahrhundert v. Chr.) wurde auf dem Tell der Amtssitz der ägyptischen Verwaltung im Lande eingerichtet. Die israelischen Stämme waren nicht erfolgreich bei der Eroberung des kanaanitischen Bet She’an. Im Anschluß an die Schlacht auf dem Berg Gilboa hängten die Philister die Leichname Sauls und seiner Söhne an den Mauern der Stadt Bet She’an auf. David eroberte Bet She’an zusammen mit Megiddo und Ta’anach, und in den Tagen Salomons gehörte die Stadt zum Regierungsbezirks der Täler. Der ort wurde 732 v. Chr. während der Eroberung des Norden Israels durch den König Tiglath Pileser III von Assur zerstört.
In der hellenistischen Periode wurde hier eine Stadt gegründet, die auf griechisch Nysa-Skythopolis genannt wurde. Die lokale Überlieferung berichtet, dass Dionysos, der Gott des Weines, hier seine Amme Nysa begrub und Skythen aus seiner Begleitung an dem Ort ansiedelte.
Während des zweiten Jahrhunderts v. Chr. fiel die Stadt in die Hände der Hasmonäer und die Stadt wurde überwiegend jüdisch. Mit der römischen Besetzung im Jahre 63 v. Chr. kehrte die Stadt in die Hände der Heiden zurück. Sie wurde in den Zehn-Städte-Bund (Dekapolis) aufgenommen und zur wichtigsten Stadt im Norden Israels. Während des Aufstandes gegen die Römer im Jahre 66 n. Chr. wurde die jüdische Bevölkerung der Stadt von ihren Nachbarn ermordet. In der römischen Periode lebten heidnische Bewohner neben Juden und Samaritern in Bet She’an. Die Stadt wuchs und es wurde eine Reihe von prunkvollen Gebäuden gebaut, die mit Inschriften versehen und mit Skulpturen geschmückt waren. Während der byzantinischen Periode wurde Bet She’an zu einer christlichen Stadt, und ihre Bevölkerungszahl erreichte den Höchststand von 30.000 bis 40.000 Einwohnern. Die Stadt wurde von einer Mauer umgeben, und um sie herum wurden Kirchen und Klöster gebaut. Nach der Eroberung durch die Araber im Jahre 635 n. Chr. wurde die Stadt allmählich wieder kleiner und die Einwohnerzahl nahm ab. Im Jahre 749 n. Chr. wurde die stadt durch ein Erdbeben zerstört; der Name Skythopolis geriet in Vergessenheit, der Ort erhielt den Namen Bisan. In der Periode der Abasser wurde hier eine ländliche
Siedlung gebaut. Im Mittelalter konzentrierte sich die Siedlung auf den Süden der Stadt und zur Zeit der Kreuzritter wurde östlich des zerfallenen Amphietheaters eine Burg errichtet. Zur Zeit der Ottomanen befand sich an dem Ort eine kleine Siedlung, ebenfalls mit Namen Bisan.
Nach der Gründung des Staates Israel erhielt Bet She’an neuen Aufschwung. Die Stadt ist stolz auf die eindrucksvollen Überreste, die in ihrem Herzen entdeckt wurden.
Nach dem Rundgang, wobei Edi mit einer kleinen Gruppe trotz der Hitze auch noch den Tell bezwang, kamen wir endlich zu unserer wohlverdienten Erfrischung. Auch einen kleinen Snack nahmen wir zu uns.
Entlang der jordanischen Grenze fuhren wir danach in die Westbank bzw. Westjordanland ein.
Der Gazastreifen und die Westbank sind die Gebiete des künftigen palästinensischen Staates. Sie sind seit 1967 von Israel besetzt aber seit 1994 unter palästinensischer Selbstverwaltung. Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen über den Frieden im Nahen Osten und den palästinensischen Staat ist Ostjerusalem, das von Israel annektiert wurde, von den Palästinensern aber als Teil ihres Staates und als künftige Hauptstadt beansprucht wird. Bislang 92 Staaten haben die Palästinensischen Autonomiegebiete diplomatisch anerkannt.
Gazastreifen und Westjordanland sind seit Oktober 1999 durch einen Transitkorridor miteinander verbunden. In Ramallah im Westjordanland tagt das palästinensische Parlament. Auf der Landkarte ergeben die Autonomiegebiete momentan eher einen Fleckerlteppich als ein Staatsterritorium. Das Westjordanland ist gemäß dem Oslo-II-Abkommen von 1995 in drei Zonen eingeteilt: In der Zone A, den größeren Städten, besteht die unbegrenzte Selbstverwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde, in der B-Zone, den dörflichen Regionen, ist die Autonomie eingeschränkt, da die Israelis die Sicherheitspolitik bestimmen; in Zone C – den israelischen Siedlungen sowie Ostjerusalem – besteht volle israelische Oberhoheit.
Die Größe der Westbank beträgt 5.655 km² und hat 2,31 Mill. Einwohner inklusive der 231.000 jüdischen Siedler.
Fährt man jedoch durch dieses Gebiet, ist man eigentlich entsetzt über die Kargheit der Landschaft und die fast völlige Verlassenheit des Jordantales. Vereinzelt erblickt man kleinere Orangen- oder Zitronenplantagen. Man sieht, dass die palästinensische Bevölkerung von den Israelis sehr straff gehalten wird. Wird z.B. in der Jezreel-Ebene mit Wasser sehr verschwenderisch Landwirtschaft betrieben, so hat man in der Westbank den Eindruck, als ob hier gar kein Wasser vorhanden wäre. Das kommt daher, dass die israelische Regierung der palästinensischen Bevölkerung lediglich 20 % des vereinbarten Wasser-kontingents überlässt.
Vorbei an Jericho, welches wir nicht betreten durften, da es eine autonome Stadt ist und man eine Genehmigung brauchen würde, fuhren wir über die Staatsstraße 1 Richtung Jerusalem. Kurz nach Jericho machten wir noch bei einer Raststätte Halt um uns zu erfrischen. Dabei lernten wir eine Gruppe israelischer Soldaten kennen, welche auf dem Weg in ihre Kaserne waren und uns für ein Foto posierten.
Bei Mitzpe Yarhio verließen wir die Staatsstraße 1 und fuhren ein Stück in die Judäische Wüste auf einen Aussichtspunkt oberhalb des Wadi Qelt, wo der Legende nach ein Samariter einen von Räubern Überfallenen versorgte, ihn in eine Herberge brachte und für seine weitere Genesung bezahlte. Diese (erfundene) Begebenheit wurde von Jesus als ‚Das Gleichnis vom Hl. Samariter‘ ausgelegt.
Zwischen den Bergen Samarias und dem Toten Meer sowie dem Jordantal erstreckt sich die Judäische Wüste, deren Bild Canyons und Täler sowie spärlicher Pflanzenwuchs prägen. Ihre Trockenheit entsteht durch ihre Lage auf der Leeseite des Gebirges.
Am Nachmittag erreichten wir, endlich, von Norden kommend die Heilige Stadt Jerusalem. Vom Berg Scopio sahen wir linker Hand den Ölberg, direkt vor uns das Kidrontal sowie rechter Hand den Tempelberg und die dahinterliegende Altstadt.
Ein beeindruckendes, erstes Bild von der Heiligen Stadt. Sofort waren wir von palästinensichen Souvenirverkäufer umringt, welche hauptsächlich Fotoreihen von Jerusalem in sehr schlechter Qualität feilboten. Beklemmend ruhig war es innerhalb der Gruppe, als wir andächtig auf die Heiligste aller Städte blickten. Michal riß uns jedoch aus unseren Gedanken und wir bestiegen wieder unseren Bus und fuhren durch Jerusalem in den Westen der Stadt, um im Hotel ‚Shalom‘ einzuchecken.
Jerusalem liegt auf mehreren Hügeln am Ostabhang des Hochlands von Judäa, auf einem Kalkplateau über dem Kidrontal im Osten und dem Hinnomtal im Süden. Das Herz der religiösen Metropole und der Hauptanziehungspunkt für Besucher ist die von einer Mauer umgebene Altstadt mit der Grabeskirche und dem weithin sichtbaren Tempelberg. Bis zur Eroberung Ostjerusalems 1967 dehnte sich die moderne Stadt hauptsächlich nach Westen aus. Seit der Vereinigung sind auf den Hügeln rund um die Altstadt und die neuere Weststadt zahlreiche Trabantenstädte entstanden. Die wichtigsten Verwaltungseinrichtungen, Ministerien und die Knesset, aber auch Parks, Museen sowie die modernen Einkaufsviertel liegen in der Neustadt.
Stadtgeschichte
Jerusalem war bereits in der Altsteinzeit bewohnt. Ab dem 3. Jtsd. v. Chr. entstand auf dem Berg Ophel südlich des Tempelberges der Siedlungskern. Hier stand eine frühkanaanäische Stadt, die zu Abrahams Zeit den Namen Salem hatte.
David eroberte die Stadt um 1000 v. Chr. und machte sie zum Mittelpunkt des Israelitenreiches. Sein Sohn Solomon (um 969 bis 930 v . Chr.) errichtete einen Palast und einen Tempel für Jahwe. Nach Salomons Tod spaltete sich das Reich in das Nordreich Israel und das Südreich Juda, dessen Hauptstadt Jerusalem wurde. 628 v. Chr. machte Josia Jerusalem zur alleinigen legitimen israelitischen Kultstätte. 587 v. Chr. nahm der neubabylonische Herrscher Nebukadnezar die Stadt ein, zerstörte sie und siedelte einen Großteil der Bevölkerung um (babylonische Gefangenschaft). Nach rund 50 Jahren durften die Bewohner Jerusalems zurückkehren und erbauten 520 v. Chr. den zweiten Tempel.
Unter der Herrschaft der Griechen ab 332 v. Chr. wurde Jerusalem zunehmend hellenisiert. Ab 198 v. Chr. übernahmen die Seleukiden die Herrschaft über die Stadt. Als Antiochos IV. den Tempel entweihte und den jüdischen Kult verbot, löste er 167 v. Chr. den Makkabäeraufstand aus. Bis zur römischen Eroberung im Jahre 63 v. Chr. regierten dann die Makkabäer bzw. Hasmonäer die Stadt, die nach Westen bis zum heutigen Zionsberg wuchs.
Herodes, ab 37 v. Chr. Herrscher über das Land, baute den Tempelplatz prächtig aus und versah die Stadt nach hellenistisch-römischem Vorbild mit Palastbauten, Zitadelle, Theater, Hippodrom, Agora und weiteren Bauten. Als die Juden sich gegen die römische Herrschaft auflehnten, ließ Titus 70 n. Chr. Jerusalem zerstören und die Bevölkerung vertreiben bzw. gefangen nehmen. Die wenigen, die noch in der Stadt lebten, rebellierten 135 n. Chr. unter Bar-Kochba erneut gegen Rom, doch auch dieser Aufstand wurde brutal niedergeschlagen und die Stadt von Kaiser Hadrian als Aelia Capitolina erneuert. Die Juden durften diese Stadt nicht betreten.
Die christliche Ära begann mit Kaiser Konstantin. Sowohl unter seiner als auch unter der Regierung seiner Nachfolger entstanden viele Kirchen, nicht zuletzt auch diejenige über der Grabstätte Christi (Grabeskirche). Die Herrschaft der byzantinischen Kaiser endete 614 mit der Eroberung durch die Perser.
Islamische Heere eroberten 638 Jerusalem, wo die Omaijadenkalifen den Felsendom und die El-Aqsa-Moschee errichten ließen. Die Kreuzfahrer, seit 1099 für ein knappes Jahrhundert im Besitz der Stadt, hinterließen zahlreiche Kirchen, Paläste und Hospize. Mit der Einnahme durch Sultan Saladin 1187 wurde wieder der Islam bestimmend und blieb es unter den Mamelucken und unter den Osmanen, die vom 16. Jh. bis ins 20. Jh. Jerusalem regierten.
Im 19. Jh. gewannen die christlichen Mächte Europas, nachdem sie den türkischen Sultan gegen den Ägypter Ibrahim Pascha unterstützt hatten, zunehmend an Einfluss. Der Papst erneuerte das 1099 begründete, 1291 wieder aufgelöste lateinische Patriarchat. Die deutschen Templer gründeten 1873 eine Siedlung, vier Jahre später entstand die American Colony nördlich des Damaskustores. Juden aus aller Welt ließen sich wieder in Jerusalem nieder, nachdem ihnen dies jahrhundertelang untersagt gewesen war. 1855 legte Sir Moses Montefiore die erste jüdische Siedlung außerhalb der Altstadt an. 1874 entstand das Viertel Mea Shearim, das heute von streng orthodoxen Juden bewohnt wird.
Am 11. Dezember 1917 zogen die Briten unter General Allenby in Jerusalem ein und bestimmten es zum Sitz des britischen Hochkommissars für das Mandatsgebiet Palästina. Die vereinten Nationen beschlossen 1947, Jerusalem zu internationalisieren. Die Israelis erhoben 1950 den Westteil zur Hauptstadt ihres Staates und eroberten im Sechstagekrieg 1967 Ostjerusalem.
Zu neuen Unruhen kam es, als sie 1980 Jerusalem einschließlich der arabischen Altstadt zur ‚ewigen Hauptstadt Israels‘ erklärten. 1996 beging Jerusalem mit zahlreichen Veranstaltungen sein 3000-jähriges Bestehen. Bis heute ist die Stadt immer wieder Ort blutiger Auseinandersetzungen: Im Oktober 1990 starben bei einem Massaker auf dem Tempelberg 21 Menschen und fast auf den Tag genau 10 Jahre später löste der Likud-Politiker und spätere Premierminister Ariel Sharon mit seinem provokanten Besuch derselben Stätte in Begleitung von Journalisten und Militärs die schwersten Unruhen seit Jahren aus, die zweite Intifada.
An der Hotelbar, ( da ansonsten ohnehin kein Lokal mehr geöffnet hatte, da der Sabbat angebrochen war ) wo wir von einem sehr freundlichen, jungen Palästinenser bedient wurden, beendeten wir bei einigen Bieren diesen erlebnisreichen Tag und freuten uns schon auf das, was uns in dieser Stadt noch erwarten würde.
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4. Tag der Rundreise
4. Tagestour
Heute stand der Ölberg, der jüdische Friedhof, Dominus Flevit, der Garten Gethsemane, die Todesangstbasilika oder Kirche der Nationen, En Karim ( Ein Karem ), die Knesset, Bethlehem und am Abend eine Nachtrundfahrt durch Jerusalem am Programm.
Um 8:30 Uhr fuhren wir ab zum Ölberg. Eine Vielzahl von Bussen und daraus resultierend eine große Menge an Touristen waren bereits an den Aussichtsplattformen oberhalb des jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg. Ein unbeschreiblicher Anblick bot sich, als auch wir endlich die Aussichtsterrasse hinter den Prophetengräbern erreichten. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al Aqsa-Moschee und die dahinterliegende Altstadt mit Kuppeln, Minaretten und Kirchtürmen sowie die Hochhäuser von Westjerusalem lagen in ihrer vollen Pracht vor uns. Irgendwie ein erbauender Eindruck, an jener Stelle zu stehen, auf der der Leidensweg Christi eigentlich begann.
Von der Aussichtsterrasse zweigt ein Weg zur Pater-Noster-Kirche ab. Hier stand einst die konstantinische Eleona-Basilika, dann eine Kreuzfahrerkapelle. Prinzessin Aurelie de la Tour d’Auvergne erwarb 1874 das vernachlässigte Gelände und stiftete ein Kloster für die Nonnen des Karmeliterordens. An dieser Stelle hat Jesus seinen Jüngern das ‚Vater unser‘ gelehrt (Lukas 11,2 – 4). Das Gebet ist in 80 Sprachen auf Fayencetafeln zu lesen.
Die Himmelfahrtskapelle steht in einem Moscheenbezirk im arabischen Vorort El-Tur. Da dieses ehemalige Dorf am Weg von Jerusalem nach Bethanien liegt und auf diesem Weg gemäß Lukas 24, 50 – 51, Christus zum Himmel auffuhr, errichteten Kreuzfahrer im 12. Jh. hier eine ursprünglich oben offene Kapelle. Zum Beweis der Himmelfahrt dient ein Fußabdruck, der von Christus stammen soll.
Nach diesem beeindruckenden Bild wanderten wir nördlich des jüdischen Friedhofs, in welchen wir auch kurz eintraten, den steilen Weg bergab in Richtung Dominus Flevit.
Der Wunsch, am jüngsten Tage an diesem Ort zu sein, ist der Grund dafür, dass Juden und Moslems zu beiden Seiten des Kidrontales – am Ölberghang und vor der Mauer des Tempelberges – Friedhöfe angelegt haben. Der jüdische Friedhof reicht bis ins 2. Jtsd. v. Chr. zurück.
„Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus (von Gott) verlassen. Und ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: ‚Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!‘“
Matthäus 23, 37 – 39
…. Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschliessen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem anderen lassen: denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.“
Lukas 19, 41 – 44
Am Westhang des Ölbergs weinte Jesus im Anblick der Heiligen Stadt. Die Überlieferung sieht dieses Ereignis am Ort, der heute ‚Dominus flevit‘ (der Herr weinte) genannt wird.
Die heutige Kapelle, in Form einer Träne, wurde vom Architekten Barluzzi (1955) auf den Ruinen einer vorhergehenden gebaut, von der noch ein schöner Mosaikfussboden mit Fruchtmotiven erhalten ist (6. Jahrhundert).
Wer in dieser Kirche die Eucharistie feiert, genießt – wie zur Zeit Jesus – einen herrlichen Blick auf die Heilige Stadt, genau auf den Felsendom und die Grabeskirche.
Die Ausgrabungen, die vom Studium Bilicum Franciscanum unter der Leitung von P. Bagatti (1953 – 55) unternommen wurden, haben unter den Gelehrten großes Aufsehen erregt. Man fand dabei einen jüdisch-christlichen Friedhof aus dem 1. Jahrhundert. Die ‚Ossuaria‘ oder Steinkassetten für die Aufbewahrung der Gebeine weisen zahlreiche Kritzeleien (Graffiti) mit einigen der ältesten christlichen Symbole auf. Es fällt unter anderem ein Monogramm vom ‚konstantinischen‘ Typ ins Auge, doch auf Grund dieser Entdeckung muss dieser Typ als viel älter betrachtet werden, nämlich als judenchristlich (Konstantin starb im Jahre 337 A.D.).
Ferner wurden hier wertvolle Sarkophage mit Pflanzenschmuck oder geometrischen Mustern gefunden, die zu den schönsten der römischen Zeit zählen. Heute befinden sie sich im Museum der Flagellatio (Geißelungskapelle).
Nach einem kurzen Aufenthalt in dieser Kapelle (der Eintritt verzögerte sich etwas, da gerade eine Andacht in der Kapelle gehalten wurde) und ‚schießen‘ des obligaten Foto’s durch das Fenstergitter auf den Felsendom, spazierten wir talwärts Richtung Kidrontal und betraten den Garten Gethsemane.
Der Name Gethsemane entstand aus dem hebräischen Gath-Shamma, das so viel wie Ölpresse bedeutet. Nachdem Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend zum Freitag vor dem Pessachfest zusammengesessen hatte, ging er mit ihnen „zu einem Stück Land, das Gethsemane hieß“ (Matth. 26, 36), wo er, von Todesangst geplagt, betete, während die Jünger schliefen. Kurz darauf wurde er von Judas verraten und von Soldaten des Hohenpriesters gefangen genommen.
Im Garten Gethsemane erbaute bereits Kaiser Theodosius I. im 4. Jh. über dem Felsen, an dem Jesus in Todesangst (Lukas 22, 41 – 44) gebetet hat, eine Basilika. Ihr Grundriss ist im Fußboden der modernen Kirche zu erkennen, die zwischen 1919 und 1924 mithilfe von Spenden aus vielen Ländern – daher der Name „Kirche der Nationen“ – errichtet wurde. In deutlichem Kontrast zur Farbigkeit der Fassade mit ihrem goldglänzenden Giebelmosaik wirkt das Innere dämmerig. Sechs Säulen tragen das aus zwölf kleinen, mosaikgeschmückten Kuppeln bestehende Dach, rotbraune Säulen symbolisieren die Ölbäume von Gethsemane. Das niedrige Gitter um den Felsen erinnert an die Dornenkrone.
Nach dieser beschaulichen Wanderung vom Ölberg über Dominus Flevit bis in den Garten Gethsemane und die Todesangstbasilika fuhren wir quer durch Jerusalem in den südwestlichen Vorort En Karim (Ein Karem) wo wir die Marienquelle und die Besuchskirche besichtigten.
Das ca. 4 km südwestlich gelegene, ehemals von Arabern bewohnte Dorf gilt in der christlichen Überlieferung als der Ort, wo Zacharias und Elisabeth lebten, wo Maria ihre schwangere Cousine Elisabeth besuchte, bekannt als Heimsuchung (Lukas 1, 39 – 56), und wo Elisabeths Sohn, Johannes der Täufer, geboren wurde (Lukas 1, 57 – 66).
Von der Hauptstraße führt eine Straße zum Johanneskloster der Franziskaner. Die Kirche wurde im 17. Jh. über der Geburtsgrotte Johannes‘ erbaut. Nahe dem Eingang ist ein Mosaik aus dem 5./6. Jh. mit Pfauen und Tauben erhalten; deren griechische Inschrift lautet „Sei gegrüßt, Märtyrer Gottes“. Eine Marmorplatte in der Krypta weist die Inschrift auf: „Hic Praecursor Domini natus est“ (Hier wurde der Vorläufer des Herrn geboren). Reliefs erinnern an Ereignisse aus dem Leben Johannes‘ des Täufers.
Die Quelle mitten in En Karim wird seit der Kreuzfahrerzeit ‚Marienquelle‘ genannt, weil hier Maria, vor dem Anstieg zu Elisabeth’s Haus, aus dieser Quelle trank. Bei der Quelle steht noch die Moschee der arabischen Bevölkerung, die den Ort 1948 verließ. Steintreppen führen zur Franziskanerkirche Visitatio Mariae (Kirche der Heimsuchung) an der Stelle des Hauses, in dem Maria Elisabeth besucht hat. Der zweigeschossige moderne Bau mit einem Mosaik der Visitatio an der Stirnseite wurde über den Ruinen einer Kreuzfahrerkirche errichtet.
Nach Ein Karem besuchten wir kurz das Israelische Parlament, die Knesset, und fuhren anschließend weiter nach Bethlehem. An der Stadtgrenze von Jerusalem verließ uns unsere Führerin Michal, da sie als Israelitin nicht nach Bethlehem einreisen durfte. Deshalb stieg am Checkpoint nach Bethlehem, Mahmel, ein palästinensischer Führer, welcher in München Architektur studiert hatte, zu uns in den Bus. Mahmel führte uns vorerst mal in ein palästinensisches Restaurant zu einem vorzüglich schmeckenden Essen. Bier und Wein zum Essen war für die Palästinenser in diesem Restaurant überhaupt kein Thema, obwohl sie selbst als Muslime ja keinen Alkohol trinken. Nach diesem Mittagessen besichtigten wir die Geburtskirche.
Bethlehem
Der hebräische Name des Geburtsortes Jesu spielt auf die Fruchtbarkeit der Region an, denn er wird mit „Haus des Brotes“ übersetzt (hebr. „lehm“ = Brot), während der arabische Ortsname „Haus des Fleisches“ (Beit Lahm) bedeutet. Christen aus aller Welt pilgern hierher, um in der Geburtsgrotte zu beten.
Erstmals erwähnt wird der Ort im Bericht über den Tod von Jakobs Frau Rahel. Sie starb bei der Geburt ihres zweiten Sohnes Benjamin „und wurde begraben am Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt“ (1. Moses 35, 19). Jahrhunderte später ging die verwitwete Ruth aus Moab mit ihrer Schwiegermutter Naemi in deren Heimat Bethlehem zurück. Dort heiratete Ruth Boas und gebar Obed, „der Vater Isais, welcher Davids Vater ist“. David wurde in Bethlehem zum König gesalbt. Aus seinem Geschlecht schließlich stammt der Überlieferung nach Jesus, der in Bethlehem geboren wurde, nachdem Maria und Josef von ihrem Wohnsitz Nazareth zur Volkszählung hierher gezogen waren (Lukas 2, 1 – 7).
Von 1967 bis zum 21. Dezember 1995 war Bethlehem, etwa 10 km südlich von Jerusalem in einer hügeligen, fruchtbaren Landschaft gelegen, von Israel besetzt, heute steht die Stadt unter palästinensischer Verwaltung. Bethlehems arabische Bevölkerung besteht zur Hälfte aus Christen und Muslimen. Ein Großteil der Einwohner lebt vom Tourismus – besonders prominent sind die Herstellung und der Verkauf von Heiligenfiguren und Krippen aus Olivenholz, aber auch von schmuck sowie Perlmutt- und Stickereiarbeiten.
Geburtskirche
Nach der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes errichtete Kaiser Hadrian 135 über der Geburtsgrotte ein Adonisheiligtum, das Kaiser Konstantin 325 durch eine Kirche ersetzen ließ Bei dieser handelte es sich wahrscheinlich um eine fünfschiffige Basilika mit Atrium im Westen und einem Oktogon im Osten. Darunter lag die Grotte, auf die die Pilger durch eine Öffnung in der Mitte hinunterblicken konnten. 386 reiste Hieronymus nach Bethlehem, ließ sich in einer Höhle neben der Geburtsgrotte nieder und verfasste seine berühmt gewordene lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata. Schon damals kamen Pilger aus vielen Ländern nach Bethlehem.
Rebellierende Samariter zerstörten die Kirche 529. Sabbas, der im nahen Kloster Mar Saba lebte, versuchte Kaiser Justinian für einen Neubau zu gewinnen. Justinians Architekt übernahm von der älteren Kirche das fünfschiffige Langhaus, ersetzte das Oktogon durch eine Dreikonchenanlage (Konche = Einbuchtung oder halbrunde Nische) und verzichtete auf das Atrium.
Dass diese Kirche bis heute steht, mutet wie ein kleines Wunder an. So haben etwa die gegen Byzanz vorrückenden Perser sie 614 verschont, weil sie in den orientalisch gewandeten Heiligen drei Könige auf einem Relief über dem Eingang Landsleute zu erkennen glaubten. An Weihnachten 1100 wurde Balduin I. hier zum ersten König von Jerusalem gekrönt. 1161 bis 1159 ließ Kaiser Manuel von Byzanz die Kirche gründlich restaurieren.
Im 18. und 19. Jh. kam es immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Griechisch-Orthodoxen, Katholiken und Armeniern, die sich durch das Eingreifen von Russland und Frankreich noch verschärften. Die Hohe Pforte versuchte dem 1757 durch eine Nutzungsregelung entgegenzusteuern, die bis heute gültig ist.
Die festungsartige Geburtskirche steht in der Ostecke des Krippenplatzes eingezwängt zwischen einem Franziskanerkloster mit der Katharinenkirche im Norden, einem griechisch-orthodoxen Kloster im Südosten und einem armenischen Kloster im Südwesten. Von ihren ursprünglich drei Eingängen sind die beiden seitlichen vermauert. Am Mittelportal blieben das originale Türgewände und der Architravbalken des justianischen Baus aus dem 6. Jh. erhalten. Die Kreuzfahrer haben den Eingang verkleinert, indem sie ein Spitzbogenportal hineinstellten und die oberen Partien vermauerten. Später wurde er noch einmal verkleinert, sodass er heute nur noch 1,20 m hoch ist und den Eintretenden zu einer gebückten Haltung zwingt – deshalb auch der Beiname Demutspforte.
Von beiden Seiten des Querhauses kommt man durch ein fein gearbeitetes Spitzbogenportal mit Bronzetüren aus der Kreuzfahrerzeit über eine Treppe hinab in die gut 12 m lange und 4 m breite Geburtsgrotte. Die Stelle der Geburt Jesu kennzeichnet ein Silberstern mit der Inschrift „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est („Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren“). Darüber steht in einer Nische ein Altar mit kaum noch erkennbaren Mosaiken aus dem 12. Jh. Gegenüber, drei Stufen tiefer, liegt die Krippenkapelle, wo die Anbetung der Hirten stattfand (Lukas 2, 16 – 19); nahebei steht der Altar der Heiligen Drei Könige.
Nach dem Berühren der Geburtsstelle, des heiligsten Ortes des Christentums, setzten wir uns gegenüber der Geburtsgrotte ein Weilchen in die Stühle und ließen den soeben erlebten Eindruck noch einmal auf uns einwirken. Danach entzündete Martha einen Bund Kerzen an der Geburtsstätte. Anschließend besichtigten wir noch das Grab des Hieronymus und dessen Studierzimmer. Auf dem Krippenplatz hatten wir dann eine kurze Verweildauer, um uns diese heilige Stätte noch einmal in Erinnerung zu rufen – ein erhebendes Gefühl breitete sich in uns aus.
Danach durchstreiften wir einen, von arabischen Christen geführten, Souvenirladen, um uns mit diversen Andenken einzudecken.
Zusammen mit Reisegruppen, Nonnen und Pilgern aus aller Welt irren wir anschließend durch ein Labyrinth aus Gängen und Metalltüren. Wir pressen unsere Pässe an die Scheiben, ernten ein Nicken, drücken uns durch Drehtüren und Drehkreuze - grelles Neonlicht, mattgelbes Wellblech, Pfützen in den Gängen. Die Soldaten, meist weiblichen Geschlechts, verbergen sich hinter Panzerglas, auf einem Gitter über unseren Köpfen patroulliert ein Soldat, die Waffe im Anschlag. Am Ausgang dann ein Plakat, in meterhohen Buchstaben darauf der für uns höhnische klingende Spruch: "Peace be with you". Es ist nicht der Stern von Bethlehem, der uns leitete, sondern Flutlicht. Die Weihnachtsstadt ist verschwunden, hinter einem Zaun, der hier eine Mauer ist, acht Meter hoch, höher als die meisten Häuser von Bethlehem, massiver Beton, er kreist die Stadt auf fast drei Seiten ein. Teil eines Sicherheitswalls, bereits insgesamt 200 Kilometer lang, noch 400 Kilometer sollen dazu kommen. Der Zaun schottet Bethlehem ab von Jerusalem, das gerade mal zehn Kilometer entfernt im Norden liegt, schottet es ab von den Siedlungen, die direkt davor liegen. "Der Zaun ist keine Grenze. Die Grenze wird durch Verhandlungen festgelegt werden", steht in einer Broschüre am israelischen Checkpoint. Aber hier steht kein Zaun, sondern eine betonierte Grenze, an der man einen Pass braucht; hier sieht es nicht nach Provisorium aus, sondern nach Endzustand.
Nach dem Durchschreiten des Checkpoints fuhren wir wieder zurück nach Jerusalem, wo wir unterwegs wieder Michal aufnahmen.
Nach dem Abendessen wurden wir mit dem Bus in die Nähe des Jaffa-Tores chauffiert und durchstreiften anschließend die Viertel der Altstadt. Die Bewachung der touristischen Plätze wurde erst jetzt in der Nacht ersichtlich. An jeder Straßenkreuzung, vor jedem Tor und vor allem rund um die Klagemauer patrouillierten eine Vielzahl von Militär und Polizei.
Teilweise noch hektisches Leben herrschte in diesen Abendstunden in der Altstadt. Händler priesen lautstark ihre Waren, welche sie am Tage nicht losgeworden sind, zu ‚günstigen‘ Preisen an, ultra-orthodoxe Juden strömten zur Klagemauer, Blitzlichtgewitter von Touristen in den engen Gässchen blitzte. Nach ein paar Verweilmomenten an der Klagemauer – eine Kippa zu tragen war obligatorisch – machten wir noch einen Abstecher in die Neustadt und kamen in einer Fußgängerzone auch mit israelischen Jugendlichen in Kontakt, welche uns die Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten wieder näher brachten. Die Jugendlichen waren sehr aufgeschlossen und verabscheuten zum größten Teil den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.
Auf einem Dach gegenüber der Dormitio-Abtei wurden wir von Michal zu einem Umtrunk mit Rotwein eingeladen und genossen dabei den Blick auf die erleuchtete Altstadt.
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5. Tag der Rundreise
5. Tagestour
Heute stand der Tempelberg, die Via Dolorosa, das Österreichische Hospiz, die Grabeskirche, die Klagemauer und die Holocaust-Gedenkstätte ‚Yad Vashem‘ auf dem Tagesplan.
Bereits zeitig in der Früh betraten wir durch das Jaffator die Altstadt und stellten uns am Checkpoint zum Tempelberg zur Kontrolle an. Wir als Nichtmuslime mussten dann das Bar el-Magharibeh (Maghrebinertor) auf der Südwestseite des Tempelbergs, rechts von der Klagemauer, benutzen, um auf den Tempelberg zu gelangen. Obwohl Michal uns schon die vergangenen Tage auf die Bekleidungsvorschriften in muslemischen Stätten hingewiesen hatte (Frauen: Schultern bedeckt, Röcke mindestens bis über die Knie; Männer: ebenfalls Schultern bedeckt, lange Hose), wußten es unsere übergläubigen ‚Engerl‘ (so nannten Martha und ich zwei junge Mädchen aus Dresden) wieder mal besser und wollten den Tempelberg mit Spaghettiträgern betreten. Sofort wurden sie von der israelischen Polizei, welche für die Einhaltung der Ordnung am Tempelberg zuständig ist, zurückgewiesen. Wir mussten in der Folge warten, bis sich die zwei in Begleitung ihrer Mutter dann endlich in der Nähe der Klagemauer Schultertücher besorgt hatten.
Nirgendwo sonst sind Judentum, Christentum und Islam so eng verbunden wie hier. Der alte Tempelplatz Israels, von den Arabern Haram el-Sharif, „erhabenes Heiligtum“ genannt, ist das bedeutendste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina. Von dem Felsen, auf dem heute der Felsendom steht, ritt nach islamischer Glaubensvorstellung der Prophet Mohammed auf seiner Stute Al-Burak in den Himmel. Der Zweite Tempel stand hier seit dem 7. Jh. V. Chr. als einzig legitimes Heiligtum der Juden. Hier wurde Jesus als Knabe dargebracht (Lukas 2, 22 – 24), hier disputierte der Zwölfjährige mit den Schriftgelehrten (Lukas 2, 46). auf der Tempelzinne versuchte ihn der Teufel (Matth. 4, 5), aus dem Vorhof vertrieb Jesus Händler und Geldwechsler (Matth. 21, 12) und lehrte selber im Tempel (Matth. 4, 23).
Die Al Aqsa-Moschee (Mesdschid el Aksa) nimmt mit ihren Nebengebäuden den größten Teil der Südseite des Tempelberges ein. Ihre Gebetsrichtung weist nach Süden, nach Mekka. Die Kreuzfahrer sahen in ihr das Templum Salomonis und richteten in der Moschee ihren Palast ein. Die Juden nennen sie Salomos Schule (Midrash Schelomo). Der Bau wurde mehrfach erneuert, zuletzt in den Jahren 1938 bis 1943, als man die von Mussolini zur Verfügung gestellten Säulen aus weißem Carrara-Marmor aufstellte und die vom ägyptischen König Faruk gestiftete Decke einzog.
Die El Aqsa-Moschee und der Felsendom liegen in einer Achse, aber nicht auf derselben Höhe. Bevor wir die Treppen zum Felsendom hinaufsteigen, kamen wir am großen runden Reinigungsbrunnen (El Qaas) vorbei. Während Michal uns die zwei Moscheen erklärte, säuberte ein Palästinenser mit einer Kehrmaschine lautstark neben unserer Gruppe den Vorplatz der Al Aqsa-Moschee. Damit wurde uns angedeutet, dass wir ‚Ungläubige‘ auf dem Tempelberg unerwünscht sind.
Der Bauherr des bedeutendsten islamischen Heiligtums in Jerusalem war Ab del-Malik (683 – 705), der fünfte Kalif aus dem Omaijadenhaus. Er ließ über dem heiligen Felsen Morija einen achteckigen, überkuppelten Zentralbau errichten, dessen harmonische Wirkung das Resultat genau berechneter Proportionen ist. Die prächtige Fassade ließ der osmanische Sultan Suleiman im 16. Jh. mit kunstvollen Fayencen verkleiden, die elegante, 33 m hohe Kuppel erstrahlt seit ihrer Restaurierung 1958 bis 1964 in vergoldetem Aluminium. König Hussein von Jordanien finanzierte 1993 die Erneuerung der Kuppelvergoldung – rund 8 kg 24-karätiges Blattgold wurden verarbeitet. Bekrönt wird die Kuppel von einer 3,6 m hohen Mondsichel.
Da das Betreten der Al Aqsa-Moschee und des Felsendomes Nichtmuslimen nicht gestattet ist, verließen wir den Tempelberg über die Löwen- oder Marientorstraße (Tariq Sitti Maryam), welche das ehemalige Areal der Antonia-Festung durchzieht. Herodes baute die von den Seleukiden errichtete Burg zu einem prachtvollen Palast aus und benannte sie nach Marcus Antonius, dem damaligen Herrscher im Osten des Römischen Reiches. Der 100 x 160 m große Komplex war die Residenz von Pontius Pilatus wenn er in Jerusalem weilte und damit der Ort, an dem der Leidensweg Jesu begann – deshalb nimmt hier auch die Via Dolorosa ihren Anfang welche wir dann durchschritten.
Via Dolorosa
1838 überließ Ibrahim Pascha den Franziskanern die Ruine der Geißelungskapelle aus der Zeit der Kreuzfahrer. Die heutige Kapelle im neugotischen Stil ist eine Stiftung des Herzogs Maximilian von Bayern aus dem Jahre 1929. Ihre Fenster zeigen das biblische Geschehen um Pontius Pilatus, Jesus und Barabbas.
Auf der rechten Gassenseite liegt die Kirche der Schwestern von Zion. Im Innern wird ein Modell der Antonia-Festung gezeigt. Der Boden der Krypta ist der sogenannte Lithostrotos, der zu einem Hof der Antonia-Festung gehört hat, in der Jesus von Pilatus verurteilt worden ist.
Tiefe Frömmigkeit und profanes Geschäftstreiben liegen in der Via Dolorosa eng beieinander. Mitten durch den Suc, vorbei an israelischen Wachsoldaten, arabischen Souvenirhändlern und den Leidensstationen I - IX, bahnen wir uns einen Weg zur Grabeskirche. Gegenüber von der III. Station betraten wir das Österreichische Hospiz und begaben uns auf das Dach desselben. Ein unbeschreiblich schöner Ausblick über die Altstadt bis hin zum Tempelberg und hinauf zur Grabeskirche bot sich uns. Danach führten wir noch ein kurzes Gespräch mit einem Zivildiener aus Vorarlberg, welcher an der Rezeption Dienst schob.
Das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie in Jerusalem
Es gibt viele Möglichkeiten, Jerusalem kennen zu lernen. Eine der schönsten ist wahrscheinlich vom Österreichischen Hospiz aus diese wunderbare Stadt zu erkunden. Das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie liegt inmitten der Altstadt von Jerusalem, direkt an der Via Dolorosa.
Von hier aus erreicht man bequem zu Fuß alle heiligen Stätten der monotheistischen Religionen wie die Grabeskirche, den Felsendom, die Klagemauer oder – jenseits vom Kidrontal – den Ölberg.
Trotz des pulsierenden Lebens in den Straßen der Altstadt stellt das Österreichische Hospiz eine Oase der Ruhe und Entspannung dar. Innerhalb der Mauern wartet eine einzigartige Atmosphäre auf die Gäste.
Erbaut im Stile eines Wiener Ringstrassenpalais lädt das Hospiz ein zum Verweilen und Meditieren. Findet man Ruhe in der hauseigenen Kapelle, genießt den überwältigenden Ausblick von der Dachterrasse auf die Altstadt oder entspannt man sich im wunderschönen Garten des Hospizes.
Die österreichische Gastlichkeit spiegelt sich in der hervorragenden Küche des Hauses wider. Neben lokalen orientalischen Spezialitäten werden Wiener Schnitzel, Sachertorte oder Apfelstrudel serviert. Das Österreichische Hospiz ist selbst in kulinarischer Hinsicht ein wohltuendes Erlebnis.
Das Hospiz untersteht dem Erzbischof von Wien und gehört einer kirchlichen Stiftung. Es wurde 1857 als Pilgerhaus gegründet und ist somit das älteste seiner Art im Heiligen Land.
Bis zum Jahr 1918 war das Hospiz Mittelpunkt der Präsenz Österreichs im Orient. Daher rührt das heutige Verständnis des Gäste- und Pilgerhauses als Repräsentanz Österreichischer Kultur und Tradition in Jerusalem. Zeitgenössischer bildender Kunst und Musik wird im Rahmen von Ausstellungen und Konzerten Platz eingeräumt. Das österr. Hospiz versteht sich auch im Bereich der Kunst als Stätte der Begegnung unterschiedlicher Kulturen.
„Phantastischer Klassizismus“ erwartet uns im Empfangssalon im 1. Stock des Hauses. Die österr. Meister F. Eichele und J. Kaltenbach schufen das prunkvolle Dekor der Seitenwände. Die Decke zieren vier biblische Szenen eines unbekannten Wanderkünstlers. Im Salon finden Konzerte und Vorträge für bis zu 100 Personen statt.
Moderne Kunst präsentiert sich im 2. Stock des Hauses. Prof. Herwig Zens von der Wiener Akademie der Bildenden Künste gestaltete hier den Kreuzweg Jesu in 14 Bildern. Prof. Zens schuf diesen Zyklus in den Jahren 1992 und 1993 und fand besondere Inspiration durch die Nähe zum tatsächlichen Ort des Geschehens. Die Werke stehen dem Österreichischen Hospiz als Dauerleihgabe des Künstlers zur Verfügung.
Die Beherbergung von Pilgern und anderen Gästen ist eine zentralen Aufgabe des Hospizes. Die Zimmer sind einfach, jedoch geräumig und stilvoll eingerichtet. Für Studienzwecke findet man in jedem Raum einen Lesesessel sowie einen Schreibtisch mit Lampe. das Badezimmer ist mit Dusche, WC und einem Haartrockner ausgestattet.
Bis zu 13 Personen finden in einem Schlafsaal Platz, Frauen und Männer sind in getrennten Räumen untergebracht. Diese Übernachtungsmöglichkeit ist für all jene gedacht, die einfach und preiswert reisen möchten.
Gegründet im Jahr 1857, wurde das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie am 19. März 1863 feierlich eröffnet. Bis zum Jahr 1918 diente das Hospiz auch als Residenz des österreichischen Konsuls in Jerusalem, der eine Schutzfunktion für Katholiken und askenasische Juden wahrnahm.
Der rege Pilgerbetrieb, den das Haus bis zum Jahr 1914 verzeichnete, fand mit dem Kriegsausbruch ein jähes Ende. Nach dem Ersten Weltkrieg begann das Pilgertum wieder stetig zuzunehmen und erlangte einen Höhepunkt, als der Leiter des Hauses, Rektor Fr. Franz Fellinger, zum Generalvikar und Weihbischof des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem ernannt wurde. 1932/33 konnte ein zusätzliches Stockwerk unter der Leitung des aus Wien stammenden Jerusalemer Bauunternehmers Gottlob Bäuerle errichtet werden. Im Jahr 1939 wurde das Hospiz von den Briten als „deutsches Eigentum“ beschlagnahmt. Der damalige Rektor, Dr. Franz Haider, und die geistlichen Schwestern wurden interniert. Das Haus selbst diente als Internierungslager für österreichische, deutsche und italienische Priester und Ordensleute. Als die Briten 1948 Palästina verließen, empfahlen sie der jordanischen Armee, dort ein Lazarett einzurichten. Später wurde es von der jordanischen Regierung in ein Spital umgewandelt.
Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis das Hospizgebäude wieder seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben wurde. Erst im Juli 1985 wurde das Spital aus sanitären Gründen geschlossen und im Dezember an seinen österreichischen Eigentümer zurückgegeben. 1987 wurde das Gebäude vollständig renoviert. Der Pilgerbetrieb konnte im Jänner 1988 wieder aufgenommen werden, die offizielle Eröffnung fand am 19. März 1988 statt. Seither ist es für Gäste aus aller Welt wieder möglich, den herrlichen Ausblick von der Dachterrasse auf die Jerusalemer Altstadt zu genießen.
Österreichisches Hospiz zur Heiligen Familie
(Austrian Hospice)
Via Dolorosa 37
P.O.B. 19600
91194 Jerusalem, Israel
Tel.: 00972/2/6265800
Email: office@austrianhospice.com
URL: www.austrianhospice.com
Via Dolorosa
Die „Straße der Schmerzen“ bezeichnet die Strecke, die Jesus nach seiner Verurteilung bis zur Hinrichtungsstätte Golgatha gehen musste. Den Verlauf dieses Weges markieren vierzehn zum Teil auf die Passionsberichte der Evangelien, zum Teil auf die Tradition zurückgehende Kreuzwegstationen. Tausende von Menschen nehmen jedes Jahr an der Karfreitagsprozession durch die Via Dolorosa teil. Die Stationen I – XI liegen entlang der Straße, die Stationen X – XIV innerhalb der Grabeskirche.
Station I (Jesus wird zum Tode verurteilt) liegt an der Südseite der Via Dolorosa im Hof der islamischen Qmariye-Medrese auf dem Gelände der ehemaligen Antonia-Festung.
Station II (Jesus nimmt das Kreuz auf sich) befindet sich auf der anderen Straßenseite beim Eingang der Verurteilungskapelle. Schräg gegenüber vom Österreichischen Hospiz, bei der Einmündung der Via Dolorosa in die Tariq el-Wad, liegt Station III (Jesus fällt zum ersten Mal unter das Kreuz), eine kleine, 1947 von der polnischen Gemeinde Jerusalems errichtete Kapelle. Ein kurzes Stück geht man auf der Straße Al-Wad bis zur Station VI (Jesus begegnet seiner Mutter) auf der linken Seite vor der armenisch-katholischen Kirche der Schmerzen Mariä, deren Bodenmosaik diese Begegnung zeigt. Gleich darauf biegt man wieder rechts ein. Hier folgt Station V (Simon von Chyrene hilft Jesus das Kreuz tragen), eine kleine Franziskaner-Kapelle von 1881, und Station VI (Veronika reicht Jesus ein Schweißtuch).
An der Kreuzung der Basarstraße Suk Khan ez-Zeit mit der Via Dolorosa kommt man zu den Stationen VII (Jesus fällt zum zweiten Mal unter das Kreuz), einer kleinen Franziskaner-Kapelle von 1875, und VIII (Jesus tröstet die weinenden Frauen von Jerusalem). Hier kehrt man um, denn der direkte Weg nach Golgatha ist heute wie schon im Mittelalter verbaut, und geht rechts in die genannte Basarstraße. Nach etwa 60 m führte rechts eine breite Treppe zum koptischen Kloster, wo links vom Eingang die IX. Station (Jesus fällt zum dritten Male unter das Kreuz) zu finden ist. Vorbei an äthiopischen Mönchszellen betritt man die Grabeskirche.
Die Grabeskirche (arab.: Keniset el-Kijame = Auferstehungskirche) erhebt sich über den Stätten von Jesu Kreuzigung und Grablegung und ist einer der heiligsten Orte der Christenheit.
Im Grunde ist die Grabeskirche nicht eine Kirche, sondern ein labyrinthisches Konglomerat von heiligen Stätten, düsteren Kirchenschiffen, kleinen Kapellen, engen Treppen und Gängen aus unterschiedlichen Bauepochen, gezeichnet von jahrhundertelanger Benutzung. Pilgergruppen unterschiedlicher Nationalität drängeln sich vor dem Heiligen Grab, tief ergriffen werden die heiligen Stätten berührt oder geküsst, werden Taschentücher oder Schmuckgegenstände auf den Salbungsstein gelegt und Kerzen angezündet. Ungeachtet der vielen Menschen, die sich in der Kirche aufhalten, gibt es viele stille, andächtige orte, in die sich Gläubige zu einem Gebet zurückziehen.
Sechs Religionsgemeinschaften teilen sich das Gotteshaus: Allen gemeinsam sind der Salbungsstein im Eingangsbereich und das Christusgrab. Der griechisch-orthodoxen Kirche gehören das Katholikon (Langhaus), der nördliche Teil von Golgotha, die daruntergelegene Adamskapelle und das „Gefängnis Christi“. Die römisch-katholische Kirche besitzt den südlichen teil des Golgatha-Felsens, den Chor zwischen Rotunde und Katholikon, die Kapelle der Erscheinung mit dem Franziskanerkloster, den Altar der Maria Magdalena und die Kreuzauffindungskapelle. Armenische sind die Stelle der drei Marien, die östliche Kapelle im Chorumgang und die Helenakapelle. Die Kopten besitzen die Kapelle an der Rückseite des Heiligen Grabes, die Syrer die westliche Kapelle in der Rotunde und die Abessinier das Grab des Josef von Arimathia.
Immer wieder wurde die Frage gestellt, ob sich das Grab Christi wirklich an der heute bezeichneten Stelle in der Grabeskirche befand. Da Gräber als unreine Orte immer außerhalb der jüdischen Städte lagen, zweifelte man an der Echtheit der Grabstätte, da man sie innerhalb der osmanischen Stadtmauern vorfand. Die genaue Lokalisierung der Stadtmauer zu Lebzeiten Jesu ergab aber, dass sich die Hinrichtungsstätte damals vor der Mauer, also außerhalb der Stadt befunden hat. Für die Authentizität der Stätte spricht auch die Tatsache, dass der Ort vom ersten nachchristlichen Jahrhundert bis zum Bau der Grabeskirche durch Kaiser Konstantin bei der christlichen Gemeinde in Erinnerung geblieben und als heilige Stätte verehrt worden war, obwohl Hadrian im 2. Jh. alle christlichen Kirchen in Jerusalem beseitigt und über der Stelle einen Tempel errichtet hatte.
Als Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, Jerusalem besuchte und ihr die heiligen Stätten gezeigt wurden, ließ Konstantin den Tempel abreißen und das Gelände einebnen, sodass nur Golgatha und das Heilige Grab als Felsklötze stehen blieben. Darüber wurde die Grabeskirche errichtet, die die beiden damaligen Kirchentypen verband – die Basilika und den Zentralbau, der sich aus der Tauf- oder Grabkapelle herleitet. Um den Felsen mit dem Grab Christi entstand der runde Zentralbau (Rotunde), dem sich nach Osten eine fünfschiffige Basilika und daran wiederum ein Atrium anschlossen. Im offenen Raum zwischen Basilika und Rotunde erhob sich der Felsen von Golgotha, überragt vom heiligen Kreuz. Dieser 326 begonnene, etwa 335 vollendete Bau wurde zerstört, als die Perser 614 das Land eroberten. Nach der Rückeroberung durch die Byzantiner wurde er 629 nach dem alten Plan wieder hergestellt.
Der Fatimidenkalif El-Hakim zerstörte 1009 die Kirche fast vollständig. 1048 wurde sie, nun allerdings wesentlich kleiner, unter dem byzantinischen Kaiser Konstantin IX. Monomachos wieder aufgebaut. Es blieb die Rotunde, an die sich im Osten nur ein von kleinen Räumen umstandener Hof anschloss.
Die Kreuzfahrer stellten ab 1099 die zweipolige Anlage wieder her. Ihre Kirche war 1149 vollendet. Der französische Baumeister Jourdain setzte an die Stelle der ursprünglichen Basilika ein kürzeres Kirchenschiff, das im Osten halbrund abschloss und im Stil der Zeit eingewölbt wurde. Auch jetzt blieb die Grabrotunde erhalten. Das bisher freistehende Golgatha wurde in das geschlossene Langhaus als erhöhte Seitenkapelle einbezogen und in einer Höhlung unter dem Golgathafelsen schuf man Gräber für den Eroberer von Jerusalem, Gottfried von Bouillon, und Balduin I., den ersten König des Kreuzfahrerstaates. So blieb die Anlage der Grabeskirche mit zwei sakralen Schwerpunkten und zwei aufeinander bezogenen Bauteilen im Wesentlichen bis heute erhalten. Schon am Außenbau weisen zwei Kuppeln auf diese Anordnung hin.
Da die Kirche im Lauf der Jahrhunderte unansehnlich geworden und durch ein Erdbeben 1927 stark beschädigt worden war, beschlossen 1958 die christlichen Gemeinschaften, die Anteil an der Grabeskirche haben, die Kirche zu restaurieren. Erst im März 1995 unterzeichneten die Vertreter der Glaubensgemeinschaften nach jahrzehntelangen Verhandlungen ein Abkommen über die Renovierung der großen Kuppel. Diese Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen.
Als wir beim Betreten der Grabeskirche die Menschenschlange vor dem Heiligen Grab sahen, sonderten wir uns von unserer Gruppe ab und besuchten über die, rechts vom Eingang liegende, Treppe den Golgathafelsen. Auch hier mussten wir uns hinter ca. 30 – 40 Pilgern anstellen, erreichten aber in relativ kurzer Zeit den Felsen, welchen wir dann durch ein Loch im Marmorboden berührten. Anschließend stiegen wir wieder in die Rotunde ab und legten unsere Goldkreuze, welche wir um den Hals trugen, auf den Salbungsstein.
Zum Mittagessen wollten wir durch die Via Dolorosa zum Österreichischen Hospiz laufen, um uns ein echtes Wiener Schnitzel zu genehmigen. Leider bogen wir im Suc zu früh in die Khan ez-Zeit-Gasse ab und kamen schließlich beim Damaskustor aus der Altstadt heraus. Nach einem kurzen Irrweg erreichten wir dann doch wieder die Grabeskirche und mussten neben der Evangelischen Erlöserkirche im Gastgarten eines kleinen Pubs mit einem Kebab und Cola vorlieb nehmen.
Nach dem Mittagessen trafen wir uns alle wieder vor der Grabeskirche und wanderten anschließend durch das muslemische und jüdische Viertel zur Klagemauer, wo wir unsere mitgebrachten Wunschzettel in den Ritzen deponierten. Bei dieser Wanderung verloren wir in den Gässchen des Suc ein deutsches Ehepaar sowie unsere Freundin Heike !!
Die 48 m lange und 18 m hohe Klagemauer (auch Westmauer, Western Wall, Kotel Hama’aravi) an der Südwestseite des Tempelbezirks ist der einzige Überrest des zweiten Tempels und das bedeutendste Heiligtum der Juden. Seit 1967 hat man das bis dahin dicht bebaute Areal freigeräumt, sodass heute genügend Platz ist für Touristen, Pilger und fromme Juden, die an der Mauer beten oder kleine Zettel mit Fürbitten, sog. Kvittelchen, zwischen die großen Kalksteinquader der Mauer stecken. Die elf regelmäßigen Quaderreihen stammen aus herodianischer Zeit, die darüber liegenden Reihen aus kleineren, unregelmäßiger behauenen Steinen vor allem aus der Zeit Suleimans des Prächtigen.
Nichtjüdische Touristen dürfen sich direkt an der Klagemauer aufhalten, sollten aber aus Respekt vor den dort Betenden keine Gespräche führen und das Mobiltelefon ausgeschaltet haben. Rauche ist ebenso unpassend wie das Anzünden von Kerzen. Einmal im Monat werden alle Kvittelchen entfernt und auf dem Ölberg vergraben.
Da das Allerheiligste im Westteil des Tempels vermutet wird, ist nach jüdischer Vorstellung auch an der Westmauer die Gegenwart Gottes noch spürbar. Vor der Klagemauer werden große religiöse Feste gefeiert wie z. B. die Bar Mizwa, aber auch die Rekruten der israelischen Armee vereidigt. Der Bereich direkt vor der Mauer gilt als Synagoge – daher müssen Männer eine Kopfbedeckung tragen – und ist durch ein Gitter abgetrennt. Rechts haben die Frauen, links die Männer ihren Platz.
Nach der Klagemauer marschierten wir wieder durch das Jaffator zu unserem Bus und fuhren in den Westen von Jerusalem über den Hertzl-Berg nach Yad Vashem.
Vom Hertzl-Berg gelangt man zum Berg des Gedenkens (Har Hazikaron) mit der 1957 errichteten Gedenkstätte Yad Vashem. Yad Vashem ist ein erschütterndes Denkmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden und darüber hinaus ein umfangreiches Archiv mit Dokumenten zum Holocaust. Der hebräische Name der Stätte – „ein Denkmal und ein Name“ – bezieht sich auf den Propheten Jesaia (Jes. 56, 5): „So spricht der Herr: Ich will ihnen in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“ Im weitläufigen Gelände sind mehrere Denkmalstätten verteilt.
Als Symbol von Yad Vashem gilt der sechsarmige Leuchter beim Eingang zum Verwaltungsgebäude. Seine sechs Arme stehen für die rund sechs Millionen Juden, die Opfer des Naziterrors wurden.
Nach dem Visitor Center geht man zunächst durch die Allee der Gerechten. Sie ist Nichtjuden gewidmet, die unter Einsatz ihres Lebens Juden gerettet haben. Israel verleiht ihnen den Ehrentitel „Gerechter der Völker“ und sie erhalten das Recht, hier einen mit ihrem Namen gekennzeichneten Johannisbrotbaum zu pflanzen. Bekannte „Gerechte der Völker“ sind z. B. Raoul Wallenberg und Oskar Schindler.
Nun folgt das neu gestaltete Holocaust History Museum, das anhand von persönlichen Gegenständen, Fotos und Schriftdokumenten, die die Individuen in den Vordergrund stellen, das Leid und Martyrium der Juden im Dritten Reich vor Augen führt. Im Museum muss man zunächst einem Berg von Büchern ausweichen, die von jüdischen Autoren geschrieben und von den Deutschen verbrannt wurden. Später findet man sich auf dem originalen Straßenpflaster des Warschauer Gettos wieder, vor einem Viehwaggon der Deutschen Reichsbahn, der Juden in KZs und Vernichtungslager transportierte. Man sieht Loren der Zwangsarbeiter aus den Steinbrüchen und eine Baracke von Auschwitz; Zyklon –B- Kanister sind gestapelt. Brillen, Schuhe, Zahnbürsten, Tagebücher wirken wie erst hier abgelegt.
Das Ende des Holocaust History Museum markiert die Hall of Names. Hier werden die Namen der rund sechs Millionen Opfer des Holocausts verzeichnet und aufbewahrt. Schon von rund zwei Millionen Menschen wurden „Pages of Testimony“ – kurze biografische Notizen – erstellt und bis heute werden noch fehlende Namen zusammengetragen. Am Ende des Durchgangs eröffnet sich der Blick über die Stadt Jerusalem.
Das ebenfalls neu konzipierte Holocaust Art Museum besitzt rund 10.000 Kunstwerke, geschaffen von KZ-Häftlingen, von Überlebenden und von Künstlern, die sich mit der Shoa beschäftigen.
Neben dem Exhibition Pavillon mit wechselnden Ausstellungen folgt das Learning Center. Es bietet mit Computerterminals und anhand von Hörbeispielen die Möglichkeit, eigenen Fragen nachzugehen, Erzählungen von Überlebenden des Holocaust zu hören und sich mit Kommentaren zu den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Das Visual Center zeigt Dokumentarfilme.
Die Synagoge enthält Gegenstände aus während des Naziterrors geplünderten und zerstörten Gotteshäusern, dient aber auch als Ort des Gebets und für religiöse Zeremonien.
Die Hall of Remembrance ist ein aus Beton und großen Feldsteinen ohne Fenster errichteter Raum. Hier sind die Namen von Konzentrations- und Vernichtungslagern in hebräischen und lateinischen Buchstaben in den Boden eingelassen. Eine ewige Flamme brennt zum Gedenken und als Mahnung.
Ein erschütterndes Mahnmal ist das 1987 geschaffene Children’s Memorial. In einem unterirdischen, dunklen Raum stehen Glaswände, in denen sich die Flammen von fünf Kerzen unzählige Male spiegeln. Jede Flamme ist Symbol für die Seele eines der 1,5 Millionen Kinder, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Eine Frauenstimme nennt ihre Namen, ihr Alter und ihren Geburtsort. Gestiftet wurde es von Abe und Edita Spiegel, deren Sohn Uziel im Alter von zweieinhalb Jahren in Auschwitz ermordet wurde.
Dem polnisch-jüdischen Arzt, Schriftsteller und Pädagogen Henrik Goldschmidt, besser bekannt als Janusz Korczak, ist eine bemerkenswerte Skulptur gewidmet. Er leitete ein Waisenhaus im Warschauer Getto und ging Anfang August 1942 freiwillig mit rund 200 Kindern in das Vernichtungslager Treblinka.
Das am westlichen Hang errichtete Denkmal besteht aus grob behauenen, aufeinander geschichteten Steinen, zwischen denen auf Steinplatten die Namen von mehr als 5000 jüdischen Gemeinden eingraviert sind, Gemeinden, die von den Nazis und deren Kollaborateuren ausgelöscht wurden.
Ein höchst ausdrucksvolles Denkmal ist das Cattle Car Memorial: Ein Gleis ragt über den Abhang hinaus, an seinem Ende steht einer der Viehwaggons der Deutschen Reichsbahn, mit denen die Juden in die Konzentrations- und die Vernichtungslager transportiert wurden. Der quasi über dem Abgrund schwebende Wagen symbolisiert aber nicht nur die Fahrt in die Hölle der Vernichtung, sondern – auf die Stadt Jerusalem ausgerichtet – auch die Hoffnung der Juden auf ein Leben in ihrem Land.
Nach Yad Vashem hatten wir bis zum Abendessen noch Zeit in der Altstadt außerhalb der Mauer zu einem Umtrunk einzukehren.
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6. Tag der Rundreise
6. Tagestour
Für heute stehen noch ein paar Besuche in Jerusalem auf dem Programm, wie am Berg Zion das Grab von König David, der Abendmahlsaal und die Dormitio Abtei. Danach geht es ab in Richtung Totes Meer. Nach dem Besuch der Bergfestung Massada nach En Boqeq in das Prima Oasis Hotel.
Nach dem Frühstück fuhren wir auf den Berg Zion zum Grab von König David, besichtigten die Abendmahlkirche und die Dormitio-Abtei.
Diese Anhöhe gehörte in herodianischer Zeit zur Oberstadt und wird seit dem 4. Jh. als Stätte verehrt, an der Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte (Matth. 26, 17 – 29; Markus 14, 12 – 25; Lukas 22, 7 – 20) und an der das Pfingstwunder der Ausgießung des Heiligen Geistes geschah (Apostelgeschichte 1, 12 – 14, 2, 1 – 4). Allerdings sind die diesbezüglichen Angaben in der Bibel mehr als ungenau. Hier soll außerdem Maria zuletzt gelebt haben und gestorben sein, wie eine Urkunde des Patriarchen Modestos aus dem 7. Jh. besagt. Seit dem 12. Jh. verehrt man auf dem Berg Zion zudem das Grab König Davids, das jedoch nicht hier, sondern in der alten Davidstadt am Berg Ophel zu suchen ist.
Die in byzantinischer Zeit errichteten Kirchen zum Gedenken an die erste Abendmahlfeier und die Fußwaschung (Joh. 13, 1 – 15) waren verfallen, als1099 die Kreuzfahrer kamen und die Zionsbasilika wieder aufbauten, die jedoch 1219 erneut zerstört wurde. Im 14. Jh. übereignete der Sultan den Franziskanern den Grundstücksteil, auf dem einst die christliche Kirche gestanden hatte, und die Königin von Neapel ließ eine Kirche mit Abendmahlsaal errichten. Die Franziskaner dehnten ihren Besitz auf dem Berg Zion aus, bis Sultan Suleiman sie im 16. Jh. auswies und eine Moschee einrichten ließ. Sultan Abdul Hamid schenkte 1898 das Gelände dem deutschen Kaiser Wilhelm II., der es dem Erzbischof von Köln überantwortete. 1906 entstand eine archetektonisch an die Pfalzkapelle von Aachen erinnernde Rundkirche, um u.a. das „geistige Band“ zwischen Karl dem Großen und dem in seiner Tradition sich wähnenden deutschen Kaiser zu verdeutlichen und einen Bezug zum Heiligen Land herzustellen. Ihr Name Dormitio Beatae Virginis bezieht sich auf die Überlieferung, dass Maria auf dem Berg Zion starb.
Der sog. Saal der Fußwaschung dient heute als Synagoge. Im anschließenden Raum befindet sich das vermeintliche Davidsgrab. In einer Gasse neben dem Davidsgrab kommt man durch einen Torbogen zu einer Treppe, die zum Abendmahlsaal führt. Zwei gotische Säulen tragen die Gewölbe des 10 x 16 m großen Raumes. Ein Felsquader gegenüber der moslemischen Gebetsnische aus dem 16. Jh. gilt als der Platz, den Jesus beim Abendmahl einnahm.
Die Dormitio-Abtei beherrscht als markantes Bauwerk den Zionsberg. Der schöne Mosaikboden weist in der Mitte drei verschlungene Kreise als Symbol der Dreieinigkeit auf. Von diesem Zentrum gehen Strahlen aus zu den beiden nächsten Kreisen mit den Namen der Propheten Daniel, Jesaia, Jeremia und Ezechiel und der 12 Apostel. Den Mittelpunkt der Krypta bildet unter einer Mosaikkuppel die Skulptur von Maria auf dem Totenbett.
Dann verabschiedeten wir uns von der Heiligen Stadt Jerusalem und fuhren über die Staatsstraße 1 wieder in Richtung Osten – zum Toten Meer. In der sengenden Mittagshitze erreichten wir die Lifttalstation unterhalb von Massada. Nach einer kurzen Fahrt mit der Doppelmayer-Gondel betraten wir das Hochplateau der Bergfestung.
Massada
Massada wurde im Jahre 2001 von der UNESCO in die Reihe der Stätten des Weltkulturerbes aufgenommen; darin kommt der besondere universale Wert Massadas und der Wunsch zum Ausdruck, diesen historischen Ort im Interesse der gesamten Menschheit zu bewahren.
Für die Entscheidung der UNESCO waren auch Werte ausschlaggebend, die mit diesem Ort verbunden sind: Massada die letzte Zufluchtsstätte jüdischer Freiheitskämpfer gegen die römische Armee, symbolisiert den gewaltsamen Untergang Judäas am Ende der Zeit des Zweiten Tempels. Der archtitektonische Komplex von Massada war von dem jüdischen König Herodes zu einem Burgpalast, einer Festung, im frührömischen Stil des Nahen Ostens ausgebaut worden. Die römischen Feldlager und Befestigungsanlagen am Fuße des Berges von Massada und eine gewaltige künstliche Belagerungsrampe stellen das vollständigste Belagerungssystem dar, das sich bis in die Gegenwart hinein erhalten hat.
Die tragischen Ereignisse der letzten Tage der jüdischen Freiheitskämpfer, die sich auf dem Bergplateau von Massada verschanzt hatten, machen die Festung zu einem Symbol jüdischer Kulturindentität und in universaler Weise zu einem Symbol für den steten Kampf gegen Unterdrückung und für Freiheit.
Geographie
Der Berg von Massada – gelegen an den östlichen Ausläufern der Judäischen Wüste an den Ufern des Toten Meeres zwischen Sodom und Ein Gedi – ist ein gewaltiger Felsblock, der sich isoliert von den umliegenden Felswänden des Grabenbruchs auf eine Höhe von 450 Metern über den Spiegel des Toten Meeres erhebt. An seinem Fuße verlaufen im Westen das Wadi Ben-Jair, im Osten und Süden das Wadi Masada. Der Berggipfel wird von einem großen Plateau gebildet, das eine Länge von nahezu 650 Metern und eine maximale Breite von 300 Metern erreicht. Im Osten von Massada findet sich ein von Erosionsrinnen zerklüftetes Mergelgelände, ein Produkt mariner Ablagerungen des primordialen Meeres, das in diluvialer Zeit den gesamten Raum zwischen Totem Meer und See Genezareth ausgefüllt hat.
Massada liegt in der Nähe zweier antiker Verkehrswege: der Straße, die durch das Zentralland der Judäischen Wüste in den Süden Moabs im Ostjordanland führte, sowie der Straße, die Edom, Moav und die Arava mit Ein Gedi und Jerusalem verband.
Massada ist weit entfernt von jeder menschlichen Siedlung. Vor allem aber die natürliche Lage des Berges machte den Ort in der Zeit des Zweiten Tempels zu einer vorzüglichen Befestugungsanlage.
Geschichte
Die Quellen
Historiker können sich glücklich schätzen, den historiographischen Bericht des Josephus Flavius, eines jüdischen Geschichtsschreibers aus dem ersten jahrhundert n.d.Z., zu besitzen, der während des jüdischen Aufstandes in römische Gefangenschaft geraten war und zur Zeit der Eroberung Massadas in Rom lebte. Dort widmete er sich der Darstellung der Geschichte des jüdischen Krieges gegen die Römer. Trotz der Diskussion um den Grad der Zuverlässigkeit und Detailtreue des von Josephus Flavius vorgelegten Berichts scheinen die wesentlichen Elemente seiner Schilderung in der archäologischen Grabungen vor Ort eine Bestätigung zu finden. Der Name Massada begegnet auf einer Ehescheidungsurkunde aus dem Wadi Murabba’at in der aramäischen Form masada der hebräischen Wörter ha-mezad – „die Festung“.
Die Zeit der Hasmonäer
Dem Bericht des Josephus Flavius zufolge wurde die erste Festungsanlage auf Massada von „dem Hohenpriester Jonathan“ angelegt, der allgemein mit dem Hasmonäerkönig Alexander Jannai (103 – 76 v.d.Z.) identifiziert wird, dessen Münzen auch während der archäologischen Ausgrabungen gefunden wurden. Einige Forscher identifizieren ihn eher mit Jonathan, dem Bruder des Makkabäers Judas, der 152 v.d.Z. zum Hohenpriester ernannt worden ist. Bisher wurden auf Massada allerdings keine architektonischen Überreste gefunden, die eindeutig in die Zeit der Hasmonäer datiert werden können.
Die herodianische Epoche
Herodes, König von Judäa in den Jahren 37 bis 4 v.d.Z., hatte die strategischen Vorteile des Ortes erkannt und Massada zu einer Zufluchtsstätte vor seinen Gegnern aus dem eigenen Volk und vor außenpolitischen Kontrahenten sowie zu einem bevorzugten Aufenthaltsort für den Winter gemacht. Während der Regierung des Herodes wurde Massada daher massiv ausgebaut. Der König ließ auf dem Bergplateau glanzvolle Palastbauten und Örtlichkeiten luxuriösen Lebens anlegen. Außerdem wurden wohlausgerüstete Speicher und Arsenale, ein Wasserversorgungssystem und eine Kasemattenmauer errichtet.
Nach dem Tod des Herodes im Jahre 4 v.d.Z. und der Annexion Judäas durch das römische Reich im Jahre 6 n.d.Z. verlegten die Römer eine kleine Wachgrnison nach Massada.
Der Aufstand
Josephus berichtet, eine der ersten Aktionen beim Ausbruch des großen Aufstandes gegen die Römer im Jahre 66 n.d.Z. war die Eroberung Massadas durch Sikarier, die ihren Namen von dem kurzen gekrümmten Dolch (lat. sica), den sie unter ihren Gewändern trugen, erhalten haben. An ihrer Spitze stand der Galiläer Menahem Ben-Jehuda. Die Gruppe der Freiheitskämpfer, die Massada besetzt hielten, war breitgefächert. Unter ihnen waren anscheinend auch Essener und Samariter. Die letzten Kämpfer, die Jerusalem nach der Zerstörung der Stadt im Jahre 70 n.d.Z. verließen, flohen nach Massada, darunter auch Eleasar Ben-Jair, der bald der Kommandant auf der Bergfestung werden sollte.
Die Aufständischen nutzten die Kasemattenmauer und einen Teil der von Herodes hinterlassenen Palastanlagen als Wohnstätten. Sie errichteten sakrale Bauten wie die Synagoge und Ritualbäder (Mikwen) und führten auf dem Bergplateau ein relativ normales Gemeindeleben, dessen zahlreiche materielle Überreste während der Ausgrabungen auf Massada gefunden wurden.
Die Belagerung
Nach Josephus war Massada der Ort des letzten Widerstandes in Judäa. Die Zehnte Legion der Römer unter dem Kommando des Legaten Flavius Silva zog von Jerusalem nach Massada und versuchte, die Aufständischen auf der Bergfestung durch eine Belagerung zur Kapitulation zu zwingen. Im Verlauf des Jahres 73 oder 74 n.d.Z. verteilten sich die Soldaten der Legion mit Untertützung einer 8.000 Mann starken Hilfstruppe um den gesamten Berg. sie legten acht Feldlager an und errichteten einen Wall um den Felsen. Die Erstürmung des Berges wurde durch die Anlage einer gewaltigen, mit Holzbalken verstärkten Gesteinsrampe gegen den natürlichen Berghang auf der Westseite von Massada vorbereitet. Juden, die in Gefangenschaft geraten waren, mußten die Versorgung der römischen Truppen gewährleisten, indem sie – wohl von Ein Gedi – Wasser und Nahrungsmittel herbeizuschaffen hatten.
Die Belagerung der Festung dauerte einige Monate und erreichte im Monat Nisan ihren Höhepunkt, als die Römer einen Belagerungsturm mit einem Rammbock errichteten, mit dessen Hilfe eine erste Bresche in die Kasemattenmauer geschlagen werden konnte. Die belageten rebellen kamen den römischen Soldaten jedoch zuvor und errichteten eine zweite, provisorische Mauer aus Holz und Geröll, die von den Römern alsbald in Brand gesteckt wurde. Als jegliche Hoffnung aufgegeben werden musste, hielt Eleasar Ben-Jair zwei Reden, mit denen er die belagerten Männer und Frauen, insgesamt wohl 960 Menschen, davon überzeugte, dass es besser sei, durch eigene Hand zu sterben, als ein Leben in Schande und Versklavung durch die Römer zu führen.
Die Darstellung der Ereignisse findet sich in der Schrift von der „Geschichte des jüdischen Krieges“ des Josephus Flavius:
„…. und (sie) wählten hierauf zehn ihrer Genossen aus, die alle übrigen töten sollten. Hingestreckt an der Seite seiner Gattin und seiner Kinder und die Arme über sie ausbreitend, bot jeder von ihnen bereitwillig seine Kehle dem mit dem traurigen Amt Beauftragten dar. Kaum hatten diese ohne zu zögern alle getötet, als sie durchs Los die gleiche Entscheidung für sich selbst trafen. Der, auf den das Los fiel, sollte die anderen neun und endlich sich selbst umbringen. …. Sie starben überzeugt, keine Seele übriggelassen zu haben, die in die Gewalt der Römer geraten könnte. …. (Als die Römer am nächsten Morgen schließlich in die Festung eindrangen) und die Menge der Gemordeten entdeckten, freuten sie sich nicht über den Untergang, sondern bewunderten den edlen Entschluß und die unerschütterliche Todesverachtung so vieler bei der Tat beteiligten Menschen.“
Josephus zufolge hatten sich zwei Frauen und fünf Kinder in einem unterirdischen Brunnengewölbe versteckt. Sie konnten den Römern die Ereignisse der vorangegangenen Nacht des 15. Nisan, des erdten Tages des Passahfestes, ausführlich schildern.
Mit dem Untergang von Massada war die Eroberung des gesamten Landes Judäa durch die Römer abgeschlossen. Auf Massada blieb eine römische Hilfstruppe bis in das frühe 2. Jahrhundert n.d.Z. hinein stationiert.
Die byzantinische Epoche
Nach dem Abzug der Römer lag Massada einige Jahrhunderte lang verlassen und öde. Während der byzantinischen Epoche wurde im Zuge der Besiedlung der Judäischen Wüste durch christliche Mönche im Verlauf des 5. Jahrhunderts n.d.Z. ein Eremitenkloster auf dem Berg angelegt. Einige Historiker identifizieren das Kloster auf Massada mit dem Kloster „Marda“, das in den Schriften der Kirchenväter Erwähnung findet. Mit dem Einzug des Islam im 7. Jahrhundert n.d.Z. erlosch die Gemeinschaft auf Massada und das Kloster wurde aufgegeben.
Die Forschungsgeschichte
Nach der byzantinischen Epoche versank Massada in den tiefen der Zeit und geriet bis ins 19. Jahrhundert hinein in Vergessenheit. Die ersten, die das von Arabern es-Sebba genannte Bergplateau mit Massada identifizierten, waren die Amerikaner E. Robinson und E. Smith (1838); die ersten, die den Berg 1842 erklommen, waren S. W. Wolcott und der englische Maler Tipping. Desweiteren sollten erwähnt werden: C. Warren, der das Plateau 1867 beschrieb und kartographierte; G.D. Sandel, der 1905 das Wassersystem entdeckte; sowie A. Schulten, der 1932 im wesentlichen die römischen Befestigungsanlagen untersuchte.
Zu Beginn der 1920er und insbesondere in den 1940er Jahren wurde Massada zum Magneten und Ort der Identifikation für die zionistische Pionierjugend. Die 1923 von J.N. Simchoni besorgte hebräische Übersetzung der „Geschichte des jüdischen Krieges gegen die Römer“ von Josephus Flavius sowie das Gedicht „Masada“ aus der Feder von Yitzhak Lamdan (1927) weckten die Begeisterung der jüdischen Gemeinschaft im Lande Israel (Erez Israel) und ihrer Jugend für Massada. Insbesondere Sjmarya Gutman, der zahlreiche Exkursionsgruppen auf das Bergplateau führte, machte Massada zu einem nationalen Symbol. Zusammen mit Micha Livneh und Ze’ev Meshel entdeckte er 1953 den Nordpalast und den Verlauf des Schlangenpfades. Zwischen 1955 und 1956 wurden Probegrabungen vor allem im Norden des Bergplateaus und im Bereich des Wassersystems durchgeführt. Diese Ausgrabungen führten zu der großen Ausgrabung im Auftrag der Hebräischen Universität Jerusalem unter der Leitung von Yigal Yadins, die zwischen 1963 und 1965 die gesamte Anlage archäologisch erschloß. Freigelegt wurden in dieser Ausgrabung die meisten Bauten auf Massada sowie Tausende von gut erhaltenen Fundstücken, die einen seltenen Einblick in die materielle Kultur des letzten Abschnittes der Epoche des Zweiten Tempels gewähren.
Im Laufe der Ausgrabung wurden viele Bauten konserviert und restauriert, und nach einer intensiven Vorbereitungszeit öffnete der Nationalpark von Massada 1966 der Öffentlichkeit seine Pforten. Der Bau der Drahtseilbahn (1971) und die Fertigstellung der Strasse von Jerusalem zum Toten Meer verstärkten den Besucherstrom.
Die Erforschung Massadas geht weiter. Seit dem Ende der großen Ausgrabung wurden zahlreiche umfassende Werke und Einzelstudien zu Massada veröffentlicht. Nach einer kurzen Ausgrabungssaison im Jahre 1989 unter Leitung Ehud Netzers begann die hebräische Universität Jerusalem 1995 erneut mit Ausgrabungen im Rahmen eines großangelegten Forschungsprojektes, das vom Israelischen Fremdenverkehrsministerium durch den staatlichen Fremdenverkehrsverband finanziell getragen wird. Mehrere Grabungseinheiten fanden unter Leitung Ehud Netzers und Guy Stiebls auf dem Plateau statt. Daneben wurde eine Ausgrabungssaison unter Leitung Gideon Försters im römischen Armeelager 6 und an der Belagerungsrampe durchgeführt.
Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden von der Israel Nature and Parks Authority ausgeführt.
Nach der Rückkehr vom Felsplateau erfrischten wir uns in der Talstation etwas und fuhren anschließend weiter nach En Boqeq am Toten Meer, wo wir im Hotel Prima Oasis unsere Zimmer bezogen. Zusammen mit unseren Freunden aus dem Vogtland, Heike und Frank, erkundeten wir die Umgebung des Hotels und nahmen später schon mal einige Weißbiere zu uns und danach ein erstes Bad im Toten Meer.
Das herausragende Kennzeichen des Toten Meeres ist sein extrem salzhaltiges Wasser, das jedoch Leben, seien es Pflanzen oder Tiere, unmöglich macht. Der Salzgehalt von bis zu 30 % ist fast zehnmal so hoch wie der des Mittelmeeres, weshalb das Gewässer auch den hebräischen Namen Yam Hamelah (Salzmeer) trägt. Vor allem im südlichen Meerbecken, wo der Salzgehalt noch höher ist als im Nordteil, haben sich an vielen Stellen bizarre Salzsteinformationen gebildet, die geradezu gespenstisch aus dem Wasser ragen oder am Ufer einen weißen Salzsaum bilden. Während am nördlichen Teil des Toten Meeres der Kur-, Wellness und Badebetrieb das Bild bestimmt, ist das Südende von riesigen Industrieanlagen geprägt, in denen Pottasche und Brom gewonnen wird.
Das Tote Meer ist Teil eines gewaltigen Grabeneinbruchs, der vor Millionen Jahren von der Türkei bis Ostafrika entstand. Der zwischen Israel und Jordanien gelegene See markiert mit 417 m unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der Erde. Eine am Ostufer vorspringende Halbinsel teilt das 76 km lange Gewässer in den kleineren, nur 4 bis 6 m tiefen Südteil und den größeren Nordteil, der eine Tiefe von 433 m erreicht.
Der wichtigste Zufluss des Sees ist der Jordan, und obwohl er keinen Abfluss hat, blieb der Wasserspiegel lange Zeit fast konstant. Grund dafür ist das heiße Klima – die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt über 30° C – und die hohe Verdunstung. Durch die Entnahme von Wasser aus dem Jordan und dem See Genezareth zur Trinkwasserversorgung von Israel und Jordanien wird jedoch der Zufluss an Jordanwasser ständig vermindert. Durch den Rückgang des Wasserstandes ist das Tote Meer auf der Höhe der Halbinsel bereits regelrecht durchteilt; außerdem führt der Mangel an Süßwasserzufuhr zu wachsender Versalzung. Die Situation verschlimmert sich durch den – mit israelischer Billigung gebauten – Yarmouk-Staudamm Unity Dam in Jordanien.
Der arabische Name des Toten Meeres, Bahr Lut, heißt übersetzt „Meer des Lot“ und bezieht sich auf das Schicksal der biblischen Städte Sodom und Gomorrha, die beide in der salzlandschaft am Südende des Toten Meeres lokalisiert werden. Wegen der Lasterhaftigkeit ihrer Bewohner vernichtete sie Gott durch Schwefel und Feuer, verschonte aber auf Fürbitte Abrahams Lot und seine Familie. Allerdings gebot Gott ihnen, sich beim Verlassen der brennenden Stadt nicht umzudrehen. Doch Lots Frau drehte sich dennoch um und erstarrte zur Salzsäule. Lot und seine Töchter zogen sich in eine Höhle in den Bergen zurück, wo die jungen Frauen von ihrem Vater schwanger wurden und Moah, den Stammvater der Moabiter, bzw. Bar-Ammi, den Stammvater der Ammoniter, gebaren (1. Mose 19). Wo sich Sodom und Gomorrha wirklich befanden, wird von jordanischer und israelischer Seite unterschiedlich beantwortet – beide behaupten, dass die Städte auf dem jeweiligen Staatsgebiet lagen.
Ein Bad im Toten Meer ist ein besonderes Erlebnis, das sich kaum ein Besucher entgehen lässt. Der hohe Salzgehalt hat zur Folge, dass Untertauchen nicht möglich ist und man gemütlich auf dem Wasser liegend Zeitung lesen kann. Nach dem baden sollte man sich unbedingt mit Süßwasser abduschen.
Das Tote Meer ist nicht nur das salz-, sonder auch das mineralreichste Gewässer der Erde. Es weist eine außergewöhnlich hohe Konzentration an Brom, Magnesium, Kalium und Jod auf. Schon im Altertum war man von der Heilwirkung des Toten Meeres überzeugt, angeblich soll bereits Kleopatra hier gekurt haben. Heute kommen viele Menschen zum Toten Meer, die sich Heilung oder Linderung von Hauterkrankungen, Bronchialleiden oder Muskel- und Gelenkrheuma erhoffen. En Boqeq, Neve Zohar und En Gedi haben sich zu Kurzentren am Toten Meer entwickelt. In jüngster zeit sind in den Kurorten vor allem zahlreiche Beauty-Farmen entstanden, aber auch für Aktivtouristen wird einiges geboten – das Programm reicht von Mountainbiking über Jeeptouren bis zu Wüstentrekkings.
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der Rest des Urlaubes wurde am Toten Meer verbracht
Am 15. 9. übersiedelten wir vom ‚Prima Oasis‘ ins ‚Lot Spa‘, wo wir den Rest unseres Urlaubes verbrachten.
Am Nachmittag trafen wir uns mit den Schwabes und fuhren mit dessen Mietwagen nach Arad und nach Massada West.
Am nächsten Morgen war mal vor dem Frühstück um 6:30 Uhr Schwimmen im Toten Meer angesagt. Danach trafen wir uns wieder mit den Schwabes und fuhren Richtung Süden in die Wüste und gelangten über Arad wieder nach En Boqeq. An diesem Abend verabschiedeten wir uns von den Freunden aus dem Vogtland in Sachsen, da diese am nächsten Tag weiterreisten nach Eilat am Roten Meer.
Wir zwei verbrachten die restlichen Tage bis zur Heimreise in En Boqeq, wo wir uns ausgiebig den kulinarischen und gesundheitlichen Genüssen hingaben – relaxen war angesagt – dazwischen aber immer wieder unser obligates Weißbier.
Am 22.9. wurden wir von einem Privattaxi am Hotel abgeholt, welches uns über die Staatsstraße 1 Richtung Jerusalem chauffierte. Bei Jerusalem verließ der Fahrer die Hauptstraße und kutschierte uns über kleinere Nebenstraßen Richtung Tel Aviv, wobei er uns die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland zeigte. Nach einer ausgedehnten „Filzung“ am Flughafen Ben Gurion, traten wir in einer EL AL – Maschine wieder den Rückflug nach Wien an, wo wir dann umstiegen und weiterflogen nach München.
Das Heilige Land würden wir sofort wieder besuchen, aber den Kontakt zur ultra-orthodoxen und orthodoxen jüdischen Bevölkerung tunlichst vermeiden. Von einem Volk, das so rückständig ist wie das Jüdische, kann man in absehbarer Zeit nicht erwarten, dass der Friedensprozess in der Region Früchte tragen könnte. Die Ausbeutung und ständige Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung durch die Israelis haben wir bei dieser Reise hautnah miterlebt. Besonders die Fahrt durch das Westjordanland und nach Bethlehem hat uns gezeigt, wie in einem Volk der Hass auf sein Gegenüber geschürt werden kann. Die Nichteinhaltung des Abkommens zum Trinkwasserbezug in den besetzten Gebieten, macht es dem palästinensischen Volk fast unmöglich, in nächster Zeit an ein normales Leben in seinem zugewiesenen Territorium auch nur zu denken.
Der Großteil der (orthodoxen) Juden sind – angefangen schon bei den Jüngsten – selbstherrlich, unfreundlich gegenüber Fremden, gebieterisch und arrogant. Religiös Andersdenkende haben in ihrem Leben keinen Platz. Von einem Volk, das noch immer lehrt und glaubt, die Welt wäre im Jahre 3561 v. Chr. erschaffen worden und die Evolutionslehre von Darwin ablehnt, kann man eigentlich nicht viel mehr erwarten.
Fazit:
Der erlebnisreichste Urlaub, den wir je hatten. Besonders der Besuch der biblischen Wirkungsstätten von Jesus Christus hat in uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
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