Hochtourenwoche im Ötztal (2018) - Reisebericht von movieguide bei triplib.

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Nach unserer ersten Tourenwoche im Ötztal 2016 kehren wir noch einmal hierher zurück. Die hohen Berge dieser Region bieten unzählige Tourenmöglichkeiten, so das wir dieses Mal nahezu komplett auf anderen Wegen unterwegs sind als 2 Jahre zuvor. Außerdem wird diese Woche auch deutlich stärker unter dem Aspekt der Gletscher-Riesen in dieser Region stehen. Highlights sind die Übernachtung auf der höchstgelegenenen DAV-Hütte, dem Brandenburger Haus und die Besteigung der Weißkugel, mit 3738m der dritthöchte Berg Österreichs.

Vent


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Zur Breslauer Hütte und aufs Wilde Mannle

Nach staureicher Autofahrt ins Bergsteiger-Dorf Vent und einer Nacht im Talort, steigen wir auf direkten Weg zur Breslauer Hütte auf. Von Vent ist dies ein Aufstieg von ca. 1000hm, ein erster guter Konditionstest. Alternativ besteht auch die Möglichkeit per Seilbahn die erste Teilstrecke zu absolvieren bis zur Stableiner Alm. Hier offenbarte uns gleich ein trauriger Anblick, denn die Region unterhalb von Stablein wird offenbar für den Ski-Zirkus mit einem weiteren Lift zugebaut, entsprechendes Material lag schon vor Ort. Schade das auch hier immer mehr von der natürlichen Landschaft zerstört wird, wo es doch auf der anderen Seite am Pitztaler Gletscher schon genug verschandelte Liftanlagen gibt.



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Noch vor dem Mittag erreichten wir die Breslauer Hütte. Die Hütte war bereits 2016 Teil unserer Tour und dient üblicherweise als Basislager für die Besteigung der Wildspitze. Diesen Berg lassen wir trotz optimaler Verhältnisse dieses Mal aus, stattdessen machen wir am Nachmittag einen Ausflug auf den Wanderberg Wildes Mannle, mit 3023m immerhin schon über der magischen Marke und auch für normale Wanderer ohne besondere Ausrüstung zu erklimmen.



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Auf den Gipfel gibt es zwei Anstiege, entweder über die Rückseite mit einem kleinen Steig und etwas Kletterei oder den Normalweg von der Vorderseite. Beides lässt sich zu einem schönen Rundweg zusammenlegen. Bei guter Sicht hat man vom Gipfel schöne Ausblicke auf die Wildspitze und ins Rofental bis hinter zu Similaun und Fineilspitze.



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Anspruchsvoller Hüttenübergang zum Hochjochhospiz mit Überschreitung der Mittleren Guslarspitze

Der Übergang von der Breslauer Hütte zur Vernagthütte erfolgt üblicherweise entlang des schönen Seuffertweges und ist weitesgehend unschwierig. Der erste Teilabschnitt verläuft nahezu in der Ebene, immer mit schönen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt, grasende Schafe und mit etwasGlück auch mal ein Murmeltier. Kurz vor der Vernagthütte muss allerdings noch die frühere Moräne des Vernagtferners passiert werden, bis es nochmal steiler aufwärts geht zur Hütte.



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Von der Vernagthütte die für ihre gute regionale Küche bekannt ist und sich als Jausenstation anbietet, gibt es zwei mögliche Wege zum Hochjochhospiz: Die leichte Variante 1 verläuft nahezu ohne größere Anstiege, Variante 2 beinhaltet die Überschreitung der Mittleren Guslarspitze (3128m). Wir entscheiden uns für Variante 2 um uns für die kommenden Tage konditionell besser zu akklimatisieren.



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Der Aufstieg zur Guslarspitze sollte nicht unterschätzt werden und zieht sich etwas in die Länge, tlw. ist der Weg auch ziemlich geröllig, weshalb Trittsicherheit gefragt ist. Vor allem bei instabilieren Wetterverhältnissen sollte man aufpassen, da man bis zum Gipfelgrat nicht sehen kann welche Wolken auf der anderen Seite hängen. Trotzdem ein moderater Wandergipfel ohne größere technische Hürden wenn die Verhältnisse passen. Vom schönen Gipfelkreuz hat man wunderbare Rundumblicke bis zur Weißkugel und die umliegenden Gletscher. Der Abstieg zum Hochjochhospiz ist zwar steil, aber unschwierig da auf der schöneren wiesenbewachsenen Seite.



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Hier endet jetzt der Teil der Tour für Wanderer. Wer gerne die Venter Runde gehen möchte, der kann in unseren Reisebericht von 2016 schauen. Vom Hochhochhospiz über den Saykogel zur Martin-Busch Hütte stellt hier eine anspruchsvolle Überschreitung dar, aber eben ohne Gletscherkontakt.

Für Alpinisten geht es aber deutlich interessanter hinauf zum Kesselwandferner und dort weiter zum Brandeburger Haus, der höchstgelegenen Schützhütte des DAV auf 3277m. Der Weg hinauf zum Kesselwandferner ist noch moderat, wurde wegen des Gletscherrückgangs auch schon mehrfach umgelegt. Man passiert die mächtigen Abbrüche des Ferners, der sich auch hier leider sichtbar zurückzieht. Jetzt heißt es anseilen, denn wir betreten den Gletscher. Der Übergang zum Brandenburger Haus gestaltet sich unschwierig, allerdings gibt es einige Spalten die man umgehen muss.



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Das Brandenburger Haus ist der perfekte Stützpunkt in der Gletscherwelt der Ötztaler Alpen und trotz des Klimawandels kann man hier noch vom ewigen Eis sprechen, denn der Adlerhorst ist umgeben von weitläufigen Gletschern.

Für einen perfekten Rundumblick steigt man am besten hinter der Hütte über einen markierten Pfad zur Dahmannspitze (3397m) auf. Der Weg ist komplett eisfrei, nur ein paar Schneefelder müssen ggf. überwunden werden - diese dienen auch als Trinkwasservorräte für das Brandenburger Haus, Leitungen gibt es nicht. Gerne wird der Berg auch zum Sonnenauf- oder Untergang bestiegen.



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Auf die Mittlere Hintereisspitze

Eine leichte Gletschertour in der Nähe des Brandenburger Haus stellt die Besteigung der (Mittleren) Hintereisspitze (3451m) dar. Die drei Spitzen sind von der Hütte immer im Blickfeld und umrahmen des Rand des Gepatschferners. Durch den Gletscherrückgang sind die Zustiege aber teils brüchig, so das nur noch die Besteigung der mittleren Hintereisspitze empfohlen wird. Die letzten Meter müssen aber auch hier durch bröseligen Fels zurückgelegt werden, es lohnt sich aber denn man hat von oben einen herrlichen Ausblick über die weite des Gepatschferners. In jeden Fall nur in Seilschaft gehen, der Gepatschferner hat auch einige versteckte Spalten. Für de Tour ab dem Brandenburger Haus sollte man ungefähr 4h für Hin- und Rückweg einplanen.



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Über den Fluchtkogel zur Vernagthütte

Eine weitere tolle Tour in Hüttennähe ist die Besteigung des Fluchtkogels, der mit 3500m ein lohnendes und nicht allzu schwieriges Hochtourenziel darstellt. Vom Brandenburger Haus kann der Gipfel ebenfalls nicht verfehlt werden und ist in der Regel über den Kesselwandferner gut gespurt. Der Aufstieg zum oberen Guslarjoch ist einfach, danach wird es am Gipfelhang etwas steiler. Im Spätsommer ist der Firn bereits oft abgeschmolzen, so das man teils über Blankeis gehen muss oder auf den Felsgrat ausweicht. Der obere Gipfelgrat ist hingegen wieder leicht zu begehen.



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Kniffliger gestaltet sich der Abstieg über das Guslarjoch. Der Weg ist zum einen steil, wie auch Spalten durchsetzt. Es ist also Vorsicht geboten. Der weitere Weg über des Guslarferner gestaltet sich oft als Hindernislauf durchs Spalten-Labyrinth. Über die auslaufende Gletscherzungen erreicht man schließlich unschwierig den Weg zur Vernagthütte. Für die gesamte Tour sollte man 4-5 Stunden einplanen.



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Am nächsten Tag ging es auf dem einfachen unteren Wanderweg erst zu Hochjochhospiz und dann weiter auf die Schöne Aussicht (Rifugio Bella Vista). Heute zeigte sich das Wetter nach mehreren Tagen Sonnenschein von seiner grimmigeren Seite: wolkenverhangen, nebelig und auch etwas regnerisch. Der Weg ab dem Hochjochhospiz entspricht Anfangs dem Übergang zur Martin-Busch Hütte über den Seykogel, verläuft aber gerade weiter bis zum Talende. Ein Ausflug auf die Bella Vista ist auch für Wanderer interessant, die Hütte ist sehr gemütlich und hat eine super italienische Küche. Leider hat auch hier der Gletscherrückgang deutliche Spuren hinterlassen. Vor einigen Jahren reichte der Gletscher noch bis zur Hütte, heute ist davon wenig geblieben.



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Anspruchsvolle Hochtour auf die Weißkugel

Die Weißkugel (Bella Punta) ist mit 3737m der dritthöchste Berg Österreichs und liegt genau auf dem Grenzkamm nach Italien. Im Gegensatz der Wildspitze ist hier nicht der Zustieg länger, auch die eigentliche Tour ist mit ca. 8h konditionell weitaus fordernder.
Dafür bekommt der interessierte Bergsteiger aber auch eine sehr abwechslungsreiche Tour im Eis mit leichten Kletterpassagen geboten.



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Wir starten zu unserer Tour früh am Morgen, um 4 UUhr stehen wir auf und gegen 5 Uhr verlassen wir noch im Licht der Stirnlampen die gemütliche Hütte. Der erste Teil des Weges erfolgt entlang des Winterski-Gebietes Teufelsegg. Oberhalb der Anlagen steigt man im Auf und Ab bis zum Kamm auf, dort geht es in leichter Blockkletterei weiter bis zum Rand des Hintereisferners. Trotz Gletscherrückgang ist dieser immer noch sehr mächtig und eindrucksvoll.



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Jetzt geht es über den Hintereisferner relativ einfach hinauf zum Hintereisjoch. Hier gilt es einige Spalten zu überwinden. Hinter dem Joch geht es auf dem Eisrücken hinauf zum steilen Hang. Trotz Schneeauflage kann es hier im Spätsommer rech heikel werden, wenn die Auflage hart gefroren ist. Der obere Grat ist wiederum gut zu begehen, bis man zum Gipfelaufbau kommt und nochmal in leichter Feslkletterei gefordert ist. Das Gipfelkreuz ist nicht mehr weit entfernt. Zum Glück ist der Fels sehr griffig und gut zu begehen. Vom Gipfel hat man bei guten Bedingungen eine phänomenale Rundumsicht zu den Hohen Bergen des Öztals, aber auch zur Ortlergruppe.



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Hier sollte man sich eine ausgiebige Rast gönnen. Da der Gipfel auch weniger oft begangen wird als andere Berge, hat man auch deutlich mehr Ruhe und kann das Panorama genießen. Der Abstieg erfolgt quasi bis unterhalb des Hintereisjochs auf der gleichen Route. Anschließend gehen wir aber über die Zunge des Hinteisferners hinab in Richtung Hochjochhospiz. Dieser Teil der Route zieht sich nochmal richtig, da nicht nur der immer noch lange Gletscher überwunden werden muss, sondern auch die Moräne. Leider ist der felsige Schutt hier sehr schlecht zu begehen und es dauert etwas bis man auf den aten Wanderweg trifft, der auch nochmal über Markierungen den Gletscherrückgang dokumentiert. Als wir schließlich das Hochjochhospiz erreichen sind wir glücklich, aber auch ziemlich geschafft. Eine durchaus anspruchsvolle Hochtour die man nur mit ausreichend Erfahrung (oder Bergführer) unternehmen sollte.



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Abstieg nach Vent

Nach einer geruhsamen Nacht auf dem Hochjochhospiz hieß es leider schon wieder Abschied nehmen, die Woche war wie immer viel zu schnell vorrüber. Über den direkten Verbindungsweg steigt man auf einem schönen Steig über die Rofenhöfe in knapp 2 Stunden nach Vent ab. Das Wetter zeigt sich nochmal von seiner besten Seite, so eine Woche in den Bergen geht wie immer viel zu schnell vorbei. Das Öztal werden wir aber sicher früher oder später wieder besuchen, noch gilt es einige Gipfel zu besteigen.