Patagonien 2006, Teil 5, Die Carretera Austral - Reisebericht von Arvid bei triplib.

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Arvid
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Fahrt von Puerto Bertrand nach Cochrane, weiter über Coyhaique nach Puyuhuapi

Puerto Bertrand

Hare Krischna in Puerto Bertrand

Hare Krischna in Puerto Bertrand


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Puerto Bertrand

18. Tag, 13. März 2006:

Ein bisschen überrascht waren wir gestern am späten Abend schon, als wir auf der Suche nach einer Unterkunft in Puerto Bertrand in der Rezeption mit "Hare Krishna" begrüßt wurden. Aber die Leute von der Hosteria Govinda waren ausgespochen nett und richteten uns noch eine Cabaña zum Übernachten her. Frühstück allerding gab es heute keines.


Cochrane

Río Baker

Río Baker


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Río Baker

Da wir auch sonst keine Lebensmittel mehr hatten und nicht sicher sein konnten, ob das Benzin im Tank noch bis Coyhaique reichen würde, fuhren wir zunächst in die Nachbarstadt Cochrane, immerhin 70 km von Puerto Bertrand entfernt. Die Straße schlängelt sich, meist dem Flusslauf des Rio Baker folgend, der hier tiefe Schluchten in die Landschaft gegraben hat, bis in die Hauptstadt der Provinz Capitán Prat. Cochrane hat ca. 3000 Einwohner.


Vor Cochrane

Vor Cochrane


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Río Baker vor Cochrane

Der Rio Baker, der aus dem Lago General Carrera fließt und bei der Ortschaft Tortel in den Pazifikfjord mündet, ist Chiles wasserreichster, jedoch mit seinen 170 km Länge keineswegs Chiles längster Fluss, wie man manchmal fälschlicherweise lesen kann.


Zusammenfluss Río Baker Río Chacabuco

Zusammenfluss Río Baker Río Chacabuco


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Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Chacabuco

25 Kilometer vor Cochrane vermischt sich das blaue Wasser des Rio Baker mit dem grünen, bei Hochwassser jedoch braunen Wasser des Rio Chacabuco. Der bekannte deutsche Geograf Hans Steffen hat hier 1899 mit einer Expedition das Gebiet erforscht, um die Wasserscheide zwischen Argentinien und Chile festzustellen. Seine Ergebnisse hatten an der späteren Grenzziehung zwischen den beiden Ländern maßgeblichen Anteil. Schon zu Lebzeiten wurden daraufhin einige Lokalitäten nach ihm benannt: Cerro Steffen, Lago Steffen... An letzterem waren wir ja bei unserem Aufenthalt in Bariloche.


Straßensperre

Straßensperre


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Straßensperre

Nachdem wir uns in Cochrane mit einigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt und Benzin versorgt hatten, fuhren wir nach Puerto Bertrand zurück. Plötzlich auf halber Strecke, eine Straßensperre. Auf der Carretera Austral waren Sprengarbeiten im Gange. Vor uns noch ein Jeep mit deutschen Touristen. Erst nach zwei Stunden wurde die Straße wieder frei gegeben,


Puente Gral. Carrera

Puente Gral. Carrera


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Puente General Carrera

Dann erst durften wir weiter Richtung Puerto Betrand und Coyhaique. Von Cochrane bis Coyhaique sind es etwa 360 km, davon 250 km Schotter- und Lehmpiste mit argen Schlaglöchern. Über die größeren Flüsse führen meist Hängebrücken, wie auf dem Foto rechts.


Regenbogen am Río Ibáñez

Regenbogen am Río Ibáñez


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Regenbogen

Regen und Sonnenschein.Das ergibt einen Regenbogen.Nie zuvor habe ich einen intensiver leuchtenden Regenbogen gesehen, wie an jenem Tag in Puerto Tranquilo. Wenn man genau hinschaut, kann man links davon noch einen zweiten, parallel verlaufenden, erkennen.


Bosque Muerto am Río Ibáñez

Bosque Muerto am Río Ibáñez


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Am Río Ibáñez

Der Bosque Muerto (Toter Wald) am Rio Ibáñez erinnert an die beiden verheerenden Vulkanausbrüche des Vulkans Hudson von 1971 und 1991. Bei gewaltigen Explosionen wurden damals insgesamt 3,6 km³ Material ausgestoßen und vom Fluss, der dabei auch seinen Lauf veränderte, angeschwemmt. Die riesige Eruption des Vulkan Hudson im Jahr 1991 ist nur mit dem im selben Jahr stattgefundenen Ausbruch des Pinatobu auf den Philippinen zu vergleichen, wurde aber, da in dem fast menschenleeren Gebiet keine Opfer zu beklagen waren, von den Medien weniger beachtet.. Der Ausstoß an Schwefeldioxid und anderen Aerosolen übertraf dabei sogar den der Pinatubo-Eruption.


Vor Coyhaique

Vor Coyhaique


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Vor Coyhaique

Zwar voller neuer Eindrücke, jedoch später als ursprünglich gedacht, trafen wir in am Abend in Coyhaique ein. Im wahrscheinlich besten aber vermutlich auch teuersten Hotel der Stadt bezogen wir unser Quartier.


Coyhaique und Puyuhuapi

Puerto Chacabuco

Puerto Chacabuco


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Von Coyhaique bis Puyuhuapi

19. Tag, 14. März 2006:

Coyhaique - Puyuhuapi, das sind nicht einmal 250 km. Da sind wir an einem Tag schon wesentlich weitere Strecken gefahren. So würde sich auch noch ein kleiner Abstecher nach Puerto Chacabuco ausgehen, dachten wir. Dort legen heute die Schiffe an, nachdem der Hafen von Aisén versandet ist.


Fluss an der Carretera Austral

Fluss an der Carretera Austral


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Schlaglöcher, Baustellen und Morast

Zuerst fuhren wir ja auch noch ein gutes Stück auf Asfalt. Blieben dann noch etwa 140 km auf der Piste. Aber die hatten es in sich. Riesige Schlaglöcher, Schlamm, Baustellen und zu allem Überdruss war auch noch ein Konvoi aus drei Lachstransportern vor uns. Die hatten mit der Piste noch mehr Probleme als wir und bewegten sich nur im Schritttempo vorwärts. Ein Überholen aber war unmöglich. Erst als einer der drei mit einem Defekt hängen geblieben war und wir den Fahrern verständlich gemacht hatten, dass wir vorbei möchten, konnten wir passieren.


Baustelle an der Carretera Austral

Baustelle an der Carretera Austral


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6 Stunden für 140 km

Aber auch dann ging es oft nur mit 25 bis 30 kmh voran. So benötigten wir für diese 140 Kilometer etwa sechs Stunden.


Blume im Regenwald

Blume im Regenwald


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Ankunft in Puyuhuapi

Die Hosteria Casa Ludwig, in welcher wir unsere Zimmer reserviert hatten, ist gleich am Ortseingang von Puyuhuapi direkt an der Carretera Austral. Dort wurden wir von Frau Ludwig, einer netten älteren Dame schon erwartet.


Brücke Walther Hopperdietzel bei Puyuhuapi

Brücke Walther Hopperdietzel bei Puyuhuapi


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Puyuhuapi - Wo eine Brücke Hopperdietzel heißt

20. Tag, 15. März 2006:

Puyuhuapi liegt mitten im Gebiet des Nationalparkes Queulat am Ende des Puyuhuapi-Kanals. Der Ort hat zirka 500 Einwohner. Interessant ist vor allem die Geschichte des Dorfes.


Im Parque Nacional Queulat

Im Parque Nacional Queulat


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Die Geschichte des Dorfes

Vier junge Deutsche, Otto Uebel, Karl Ludwig, Walter Hopperdietzel und Ernesto Ludwig waren Anfang der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts aus dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Deutschland ins östliche Patagonien, welches sie nur aus Berichten des bekannten Geografen Hans Steffen kannten, ausgewandert.


Hypopterygium didictyon; Moos im Regenwald

Hypopterygium didictyon; Moos im Regenwald


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Puyuhuapi

1935 gründete die kleine Immigrantengruppe dann das Dorf Puyuhuapi. In erster Zeit widmeten sich die Einwanderer hauptsächlich der Landwirtschaft, wofür sie bald Einheimische aus Chiloé, die mit ihren Familien übersiedelten, einstellten. Weitere europäische Einwanderer folgten. Die Pioniere bekamen Nachkommen. Walther Hopperdietzel eröffnete eine Teppichweberei. Puyuhuapi ist auch heute noch für seine handgewebten Teppiche berühmt.


Liesa unter einer Nalca

Liesa unter einer Nalca


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Wanderung im Regenwald

"Wenn die Sonne scheint, genieße es! Regnet es, dann lernst du Patagonien kennen." Diesen sicher für diesen Teil Patagoniens gültigen Leitspruch entdeckten wir auf diversen Tourismusprospekten des Ortes. Unter dem Blatt einer Nalca, einer wild wachsenden Rabarberpflanze, findet man aber leicht Schutz vor dem Regen. Na ja, unsere Wanderung zur Laguna Los Pumas haben wir dann doch wegen des Regens und des Morastes auf dem Pfad abgebrochen.


Parque Nacional Queulat

Parque Nacional Queulat


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Nationalpark Queulat

Am Nachmittag fuhren wir noch zum Guardaparque beim Ventisquero Colgante im Parque Nacional Queulat, eigentlich nur, um die Gegend für unsere nächsten Ausflüge zu erkunden.


Termas an der Carretera Austral

Termas an der Carretera Austral


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Termas bei Puyuhuapi

In der Nähe von Puyuhuapi befindet sich auch eines der wichtigsten Thermalbäder des Landes. Neu ist ein Thermalbad direkt neben der Carretera Austral. Die randvoll mit dem heißen, stark mineralhaltigen Wasser des Vulkans Melimeyu gefüllten Becken helfen bei rheumatischen Schmerzen und anderen Krankheiten. Auf der Rückfahrt in den Ort kehrten wir in der dortigen Cafeteria zu einer Kaffeepause ein.


Am Canal Puyuhuapi

Am Canal Puyuhuapi


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Puyuhuapi

Zurück in Puyuhuapi blieb dann noch Zeit für einen Spaziergang am Meer und einen Einkauf in einem Supermercado und einer Bäckerei.


Puyuhuapi

Puyuhuapi


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Am Abend

Abendessen gab es dann wieder in einem netten kleinen Restaurant neben der Hosteria, welches wir schon am ersten Tag entdeckt hatten.


Puyuhuapi

Puyuhuapi


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Ein Ruhetag in Puyuhuapi

21. Tag, 16. März 2006:

Es regnete schon seit der Nacht in Strömen. Eine Wanderung zum Colgante-Gletscher kam heute wohl nicht in Frage.


Casa Ludwig

Casa Ludwig


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Casa Ludwig

Lesen, im Aufenthaltsraum der Hosteria die Ereignisse der letzten Tage in ein Heft schreiben und Tee trinken. So intensiv wollten wir das patagonische Wetter gar nicht kennen lernen. Am Nachmittag machten wir noch ein paar Einkäufe im Ort. Dann war der Tag auch schon wieder gelaufen.


Beim Colgante Gletscher

Beim Colgante Gletscher


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Wanderung zum Colgante-Gletscher

22. Tag, 17. März 2006:
Wesentlich besser als am Vortag war das Wetter heute zwar auch nicht, aber es gab am Vormittag immer wieder Regenpausen. Mit einigermaßen wetterfester Kleidung sollte daher eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt gegenüber dem Colgante-Gletscher schon möglich sein.


Weg zum Ventisquero Colgante

Weg zum Ventisquero Colgante


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Durch den Regenwald

Der 3,5 km lange Pfad führt in anderthalb Stunden durch dichten Regenwald leicht ansteigend den Berg hinauf. Je mehr wir uns dem Gletscher näherten, desto heftiger begann es wieder zu regnen. Ein kleiner Wasserfall direkt neben dem Pfad hätte uns fast den Weg versperrt. Der Weg glich dort eher einem Bach.


Colgante-Gletscher und Wasserfall

Colgante-Gletscher und Wasserfall


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Ventisquero Colgante - der hängende Gletscher

Die Aussichtsplattform vor dem Gletscher ist überdacht. So konnten wir, vor Wind und Regen geschützt, warten, bis wir einen ansehnlichen Brocken des hängenden Gletschers zu Tal krachen sahen. Der 488m hohe Wasserfall beim Colgante-Gletscher (der kleinere, links im Bild) zählt übrigens zu den höchsten Wasserfällen weltweit und nimmt bei deren Ranking ungefähr den 35. Platz ein. Zum Vergleich: Die drei Stufen der Krimmler Wasserfälle in Österreich haben zusammengerechnet eine Höhe von 380m.


Hängebrücke unterhalb des Colgante-Gletschers

Hängebrücke unterhalb des Colgante-Gletschers


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Am Rückweg

Wir nutzten eine Regenpause, um den Rückweg zu unserem Ausgangspunkt beim Parkplatz in der Nähe eines Flusses anzutreten.


Übernachten

Hosteria Casa Ludwig in Puyuhuapi

Das ehemalige Siedlerhausder deutscher Einwanderer in Puyuhuapi ist heute ein geräumiges, gemütliches Gästehaus. Es hat ca. 10 einfach ausgestattete Gästezimmer. Ein Teil davon verfügt über Privatbad.
Das Haus ist von Mitte September bis Ende März geöffnet, was aber nicht unbedingt heißt, dass man nicht auch außerhalb dieser Zeit kommen kann. In diesem Fall aber sollte man vorher per Telefon oder Mail Kontakt aufnehmen. Frau Ludwig, die das Haus betreibt, spricht Deutsch.
Einziger Nachteil:
In der kalten Jahreszeit werden die Gästezimmer mit einem Gasofen beheizt, den man natürlich nachts ausschalten sollte.

Casa Ludwig
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Sehenswürdigkeiten

Cascada de Ventisquero Colgante

Man hält es kaum für möglich, dass einer der höchsten Wasserfälle der Welt noch nie wirklich nachgemessen wurde. Für den grandiosen Wasserfall beim Colgante-Gletscher findet man deshalb die unterschiedlichsten Höhenangaben. Touristen aus aller Welt, die eine Wanderung zum Gletscher unternehmen, sehen das herabstürzende Wasser zwar, beachten es aber wenig, weil sie nie darauf hingewiesen wurden. Selbst in den Prospekten von Puyuhuapi oder dem Parque Nacional Queulat ist dieser Wasserfall meist nur am Rande erwähnt. Ein Grund mehr, ihn beim Besuch des Nationalparkes einmal etwas genauer in den Augenschein zu nehmen.

Colgante-Gletscher und Wasserfall
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