Paradiese am und im Mekong (Laos 2004) - Reisebericht von Der-Toto bei triplib.

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Der-Toto
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Habe noch einen älteren Bericht gefunden. Von diesem liegen allerdings gar keine digitalen Bilder vor. Ev trotzdem interessant. Wieder mal nach Daten fortlaufend, nicht nach Orten.
Bangkok lag auf dem Rückweg, die nebenliegende Karte ist daher eher irritierend.
Ging aber kreuz und quer durchs ganze Land, nur der hohe Norden fiel aus Zeitgründen weg!
Vorab: Der Schreibstil/ die Zeiten ändern sich, da fortlaufende Eintragungen und so abgetippt. Die ursprünglichen Notizen wurden mehr oder minder nur in lesbare Blöcke gepackt, eine literarische Überarbeitung im eigentlichen Sinne liegt noch nicht vor.

Vientiane


Donnerstag, 01.01.2004

Nach nur 4 Stunden Schlaf (wenigstens etwas Silvester) schellt der Wecker. Der übliche Stuss: Auto – Bahnhof – Flughafen und ab. Der Flug: Wie eigentlich immer, alle Welt kann pennen, nur ich nicht. Vorteil: Dieses mal hatte ich wirklich Glück bei der Platzwahl. Afrikakenner Heinz aus Offenbach saß neben mir und hatte Interessantes aus Uganda und Elfenbeinküste zu berichten.


Freitag, 02.01.2004

Landung in Bangkok. Die Uhr wird auf 6.30 Uhr vorgestellt. Um 7.35 Bording für den Flug nach Vientiane. Landung: Der Hammer! Am Flughafen wehen 2 Fahnen. Die laotische so wie das Tuch der alten Sowjetunion. Ein Versehen? Ich mein, ich hätte dies in keinem Bericht erwähnt gefunden. Vorweg: Fast im ganzen Land, zumindest in den größeren Städten, weht neben der laotischen noch die sowjetische Fahne. Die Abfertigung läuft dann problemlos. Die Uniformen der Zöllner entsprechen zwar den kommunistischen Modellen alter Warschauer-Pakt-Republiken oder Nordkorea, aber die Freundlichkeit ist weit aus höher als ich es vom Hören-Sagen von den gerade erwähnten ehemaligen Nationen kenne. Vorm Flughafen dann nicht die erwartete Hektik. Keine Tuk Tuks, keine Mofas, nur ein paar wenige Taxen. Und nichts mit Handeln! Einheitspreis am wohl staatlichen Schalter 5 Dollar pro Taxe: Na ja. Wir lassen uns zum Guesthaus (GH) Sabaii di bringen. Preis hier 3,60 $ fürs Doppelzimmer, welches aber, zumindest zur Zeit, mehr als stark zu wünschen übrig lässt. Für dieses Geld hatten wir letztes Jahr in Phnom Penh bei der 3. Ankunft im Vergleich zum Sabaii di nahezu in einer Suite gewohnt. Später sollte es in Vientiane für uns noch 5 und 6 $ Zimmer geben, Lage und Ausstattung aber bei weitem besser. Na ja, für heute wars egal, außerdem sollte es ja bereits morgen nach Vang Vieng gehen. Der Kracher war übrigens die Lage des Zimmers. Es lag direkt unterm Dach, über mehr als skurrile Treppen erreichbar, welche zu dem teilweise defekt waren. Also besoffen wäre das der sichere Reiseabbruch! Dann die Bezahlung vorab (auch einmalig, gab es später nicht mehr): Alles wird registriert. Dass man sich einschreibt und vielleicht auch ein paar Angaben macht, ok, aber das war übertrieben. Ich empfand es wie manche Geschichten, betone „manche“, die ich über Burma gehört habe. Lass gut sein. Erst mal rauf auf die Straße und was getrunken. Inzwischen ist es ja auch 12 Uhr. Nach einigen Sortierungen wurde dann das Nationalstadion von Laos inspiziert, wobei ich erwähnen möchte, dass dies wirklich auf dem Weg lag. Recht nette Hütte, wobei die Haupttribüne einem gekachelten Badezimmer ähnelt. Anschließend wurde der Triumphbogen bestiegen, welcher einen Ausblick auf eine Hauptstadt gibt, die von dort oben positiver Weise gar nicht wie eine solche aussieht . Danach ging’s dann endlich Richtung Mekong, wo in einem Lokal das erste Essen in Laos eingenommen wurde. Ganz gut, aber nicht der Hammer. Wir entschließen uns stromaufwärts zu laufen. Dort wurde der Fluss dann auch wieder deutlich breiter, die Lokalitäten (hpts Einheimische) schmuckvoller. Nach etwa 4 km erreichen wir das „Sunset Cafe“. Auch wenn es sich so anhört, die Busrundreisetouris tauchen hier nicht auf (Thema folgt an späterer Stelle). Ein traumhaftes Plätzchen, komplett auf Stelzen gebaut. Verschachtelte Bänke, von Bäumen durchsetzt. Ein genialer Mekongausblick am späten Nachmittag, der ein Stündchen verweilen lassen sollte. Oder länger? Wie das Leben so spielt, lernen wir einen laotischen Tierarzt kennen, jemand, der auch in Vietnam und Thailand Vorträge hält und auch schon auf einem Kongress in Wien war. Für einen Tierarzt, dazu Laote (Nachweise lagen vor), sicherlich außergewöhnlich. So verbrachten wir dort eine lange Zeit mit ihm. Er sprach übrigens sehr gut deutsch (7 Jahre DDR). Die Planung für morgen war damit klar. Ein weiterer Tag Vientiane, da wir Morgen bei ihm eingeladen sind. Dazu der wahnsinnige Blick: Mekong vor, während und nach dem Sonnenuntergang. Danach gings per Tuk Tuk wieder ins Zentrum: Bisken Essen, trinken, fröhlich sein.


Samstag, 03.01.2004

Bis 8.30 Uhr gepennt. Dann ging dat Gepacke los. Zwar bleiben wir in Vientiane, wollen aber das Guesthaus wechseln. Das Sabaii di wirkte nicht doll und auch zu sehr nach Kontrolle. Dies ist kein Vorwurf an die Leute, denn vielleicht wirkte es ja auch nur so übertrieben. Außerdem ist es ja nicht falsch möglichst früh Vergleichsmöglichkeiten zu haben bevor man 3 oder 4 Nächte am Stück in Vang Vieng verbringt. Nächstes und einziges Nordziel demnach also der genannte Ort. Dies hat aber ausschließlich Zeitgründe. Die Überfälle, wobei die Warnung des AA ja eh auch für Vang Vieng galt, haben sich laut unserem Tierarzt (Name übrigens Khamsone) eh erledigt. Nach relativ kurzer Zeit werden wir fündig: Gemütlich, nett und auch recht gut ausgestattet. Erst mal duschen und für lange Zeit das letzte Mal rasieren. Dann sind wir los gelaufen und haben abseits der Hauptstraßen an Hand einiger Lokale die Hochrechnungen der jetzigen Preise durchgeführt. Der Reiseführer (Know How) gibt die Euro-Preise aus 2001 an, für Transporte aber nur die Kip-Preise. Dazu der aktuelle Dollarkurs, so dass man sich halbwegs ein Bild der Preisstruktur machen kann, halt auch Planungssicherheit hat. An einer Bude wird länger verweilt, wo man auch recht viel Spaß mit den kleinen Kindern der Familie hat. Danach machten wir uns dann auf den Weg zu unserem Gastgeber, was sich aber recht schwierig gestaltete. Zwar hatten wir die Adresse in laotischer Schrift, aber was ist schon eine Adresse. Gerade außerhalb des Stadtzentrums, wo mehrere Straßen nur mit dem Dorfnamen (des jeweiligen Wats) bezeichnet werden. Dazu einige Nummern. So wurden wir von Hü nach Hott geschickt, bevor sich uns jemand annahm und mit uns auf die Suche ging. Nach dem Abklappern einiger anderer Häuser und Sandstraßen wurden wir dann endlich fündig. Ein einfaches, aber recht gut gebautes nettes Häuschen, wobei sich Küche und WC in Laos selten von einander unterscheiden, maximal durch die Größe. Diese Räume sind traditionell gleich, auch hier. Die Kinder und die Frau von Khamsone erwarteten uns bereits. Er selbst war noch beruflich unterwegs. Es war ein langer Tag, viel kann gar nicht geschrieben werden. Der Nachtrag erfolgte auch erst am Folgetag. Unser eigentlicher Gastgeber kam dann um 14 Uhr. Wir verbrachten einen äußerst schönen Tag mit der Familie. Die beiden großen Töchter, Khamsone und seine jüngste Tochter waren dabei. Eine andere Tochter musste leider arbeiten, die Frau hatte zu tun. Sie boten uns reichlich Kaffee, Tee, Wasser, Omeletts, Brot, Klebreis und Gebäck an. Zum Glück hatten wir für die kleine Tochter 2 Stofffiguren und etwas deutsche Schokolade dabei. Dieses süße, liebfertige und pfiffige Mädchen war einfach klasse. Am späten Nachmittag hatte ich dann kurz Durchfall. Es gibt Sachen, die für mich in Asien üblich sind: 1) Der Durchfall 2) Der vermackte Kopp auf Grund der niedrigen Türen. Aber dieses Mal war es eigentlich kein richtiger Durchfall, und es sollte, wenn überhaupt auf dem ganzen Trip der letzte bleiben. Um 16.30 gingen wir mit Khamsone noch in einen einheimischen Biergarten. Dort wurde (mal wieder) ausgiebig über Malaria und Dengue Fieber diskutiert. Viele neue (aber auch nicht nur tolle) Infos bekommen. Wir tranken dort jeder ein Bier, das erste am Tag. Und? Versuch mal zu bezahlen: Keine Chance. Am Ende unserer Laos-Tour sollen wir ihn übrigens erneut besuchen. Wir werden uns etwas einfallen lassen müssen. Sein Vorschlag: Er kauft auf dem Markt mit uns ein, und wir sollen kochen. Am megagroßen Wok seiner Frau. Erst um 19 Uhr waren wir dann wieder an unserem GH, wonach wir eigentlich nur noch kurz was essen wollten. Kaum sitzen wir in einem Lokal werden wir zu einem Tisch gewunken. Stepfan, ursprünglich aus dem Sauerland, und John aus Seattle. Es entwickelte sich ein lustiger Abend. Stefan kam gerade aus Indien (3 Monate). Später stellte sich heraus, dass wir hier im gleichen GH wohnen. Dort haben wir dann noch einige Becher des Koko-Schnaps aus Indien getrunken, welchen Stefan aus dem Land des Ganges mitgebracht hatte. Um 0.45 Uhr liegen wir dann in der Falle. Wir sollen Stepfan am nächsten Tag wecken, er will mit nach Vang Vieng.


Sonntag, 04.01.2004

Um 5.30 Uhr schellt der Wecker. Nach dem Waschen und Packen schnell zu Stephans Tür. „Ööööhh Äääähh, schaff ich nicht. Wir sehen uns die Tage, hab ja deine Guesthausplanung“, war alles was man aus ihm raus bekam. Nun gut; Buchse an, Autan aufe Beine und nen Tuk Tuk zur Busstation genommen. Dort wurden dann die Tickets für den Bus nach Vang Vieng erworben, welcher bereits um 10.45 Uhr sein Ziel erreicht. Die Fahrt lief nach dem üblichen Muster solcher Gegenden. Bis auf das übliche Kotzen von 3 Einheimischen, die das Bus fahren nicht gewohnt sind, nichts besonderes. Vor Ort läuft es dann schon fast unverschämt glatt. Unsere Vorbereitung zahlt sich voll aus. Für 3 $ bekommen wir ein Topzimmer im uns empfohlenen GH. Danke Beate. Moskitonetz befestigt und erst mal den Ort etwas erkundet. Kühler ist es trotz der etwas höheren Lage übrigens nicht. Hitze pur! Die Landschaft: Ein Traum. Das Tal, der Nam Song, dazu die bizarren Kalksteinfelsen; einfach nur geil. Und da es erst 11.15 Uhr ist verbleibt genug Zeit die Touren der nächsten Tage zu planen. So geht’s gemütlich durch den Ort, wobei das ein oder andere alkoholfreie Getränk zu sich genommen wird. Auch das erste Essen wurde fällig. Der Ort selbst (sein Zentrum) ist allerdings recht touristisch aufgebaut. Vielleicht ein wenig mit Thamel in Katmandu zu vergleichen. Natürlich nicht auf Größe, Chaos, Smog und Dreck bezogen. Diesbezüglich ist Vang Vieng ein Traum. Nein, ich beziehe den Vergleich auf die Anordnung der Geschäfte. Es handelt sich im nicht geringen Umfang um westlich ausgerichtete Restaurants und vor allem Adventureläden. Diese bieten halt ihre „Reifen-“, Trekking- oder Klettertouren an. Hinzu kommen Kanu- und Radverleih. Letzteren werden ja auch wir in Anspruch nehmen. Allerdings gestaltet sich das Ausleihen etwas problematisch. Entweder sind die Räder nicht robust genug, oder aber zu teuer; zumal es nur wenige adäquate Mountainbikes gibt. Wir vertagen die Entscheidung auf morgen; werden früh am Verleih sein und sehen was noch da ist. Bedeutet: Spätestens um 7 Uhr beim Fahrradmann. Anschließend liefen wir am Nam Song entlang, wo wir eine „Bierbude“ entdeckten, welche von Liegeplätzen und Hängematten umgeben war. Direkt am Fluss, einfach genial gelegen. Also, nen Bier gekauft und 2,5 Stunden inne Hängematte die Seele baumeln lassen. Zurück nahmen wir dann einen kleinen Umweg in Kauf, da wir die längere Marktstraße im Außenbezirk mitnehmen wollten. Dort herrschte ausgelassene Stimmung. Eine junge Frau rannte mit einer Flasche Whisky und einem Glas von Marktfrau zu Marktfrau. Jede musste einen Schluck nehmen. Die merkwürdigsten Grimassen waren zu sehen, was jedes mal für ein Gebrüll bei den anderen Marktfrauen sorgte. – 19 Uhr duschen und ab in eine kleine Bude in der Nähe des super gelegenen GH. Dort günstig und gut gegessen. Danach wurde es dann wieder interessant. Wir lernen Anne und Juillan aus Frankreich kennen. Aber was bedeutet hier Frankreich? In Paris, wo sie eigentlich herkommen, waren sie vor 7 Jahren wohnhaft. Beide haben beruflich mit Peugeot zu tun. Sie arbeiteten 3 Jahre in Wien. Also spricht man auch perfekt deutsch (für sie logisch). Dazu fielen einige Travelstationen: Burma, Vietnam, Kambodscha... und Tibet. Ja, aber in Tibet nur 2,5 Wochen. Meine Frage: „Wieso das denn?“ – „Ja, wir hatten ja nicht viel Zeit, war auch nur kurz von China aus“ – „China?“ – „Ja, nach Österreich haben wir in China gearbeitet.“ Wie selbstverständlich für Anne sprechen die beiden daher auch chinesisch. Erst danach haben wir erfahren, dass sie aber bis vor kurzem in Mexiko gewohnt haben (Arbeit). Natürlich wird neben deutsch, französisch, englisch und chinesisch auch spanisch gesprochen. Zur Zeit aber machen sie 1 Jahr Pause; brauchen mal ne Auszeit. Dies bedeutet gemütliches Reisen. Der Beginn ist nun in Laos. Dann: Frankreich, Chile, Argentinien, Nepal, Japan, China, Indien, Bolivien, Peru. So redeten wir an diesem Abend über alles mögliche. Großer Punkt heute, wie sich die Staatssysteme auf die Traveller auswirken. Ach ja, und was bislang fast völlig versäumt wurde: Fotos machen. Bett: 22.30


Montag, 05.01.2004

Zwar 4 mal wach geworden, aber sonst sehr gut geschlafen. Um 6.30 Uhr schellte dann der Wecker und es ging schnurstracks zum Radverleih. Den Auskünften nach reichen auch normale Räder für die „festen Sandstraßen“. So mieten wir für je 24.000 Kip dat Vehikel für jeweils 3 Tage. Schnell noch 2 Brote gekauft und ab zur Brücke (Rad schieben) über den Nam Song. Die gestern sehr stabil wirkende Brücke hat am Morgen schon seine Tücken. Erstens hat sie an einigen Stellen doch ganz nette Schrägen, zweitens ist sie sehr nass und rutschig. Also Vorsicht: Das Reinfallen wäre mir ja noch egal, weniger aber meinen Notizen, dem Reisepass und dem Fotoapparat. Danach besuchen wir zunächst 2 Höhlen direkt hinter Vang Vieng. Nach gezahltem Obolus zeigt uns ein Guide eine kleinere und eine größere Höhle. Bei der Zweiten war zuvor eine kleinere Kletterei am Berg zu bewältigen. Auf dem späteren weiteren Weg gab es dann noch viele weitere Hinweise auf Höhlen, welche in keiner Skizze oder Karte verzeichnet sind. Viele wurden erst vor recht kurzer Zeit entdeckt. Nach einiger Radelei gibt es dann wieder einen dieser Hinweise. Wir biegen links in einen kleineren Weg ein. Nach ca. 2 Kilometern sitzt ein Mann in einem Waldstück und nimmt den Eintritt (5000 Kip) entgegen. Zur und in die Höhle muss man, oder besser darf man, dann selbst. Zunächst geht’s über 2 Reisfelder, bevor ein langer, auch etwas mühsamer Aufstieg erfolgt. Der Höhleneingang liegt nämlich an der Spitze eines der herrlichen Kalksteinfelsen. Die Höhle selbst ist ebenfalls ein Bringer. Sie hat zwar nicht die Stalagmiten von Sauerlandhöhlen, oder derer in Slowenien (z.B.) zu bieten, dafür aber ist sie sehr urig. Klettern ist also auch hier, mit der Taschenlampe bewaffnet, angesagt. Entdecken halt, nicht besichtigen. Viele kleine Gänge sind nur geduckt oder kriechend zu bewältigen. Dies sind die Höhlen, wo sich die Laoten im damaligen Krieg vor den Franzosen versteckt haben. Diese konnten damals anstellen was sie wollten, Laoten haben sie nicht gefunden. Wieder per Rad zum Hauptweg geht es nur bergauf. Schieben also. Warum? Nichts inne Mauen? Nein, auf dem Hinweg dieses kleinen Weges wurden die Räder zu stark strapaziert. Gebremst wurde mit krampfhaft durchgedrückter Handbremse und den Trekkingschuhen, Rücktritt gab’s nicht. Bei dieser rappeligen Abfahrt lösten sich die Schrauben mehr und mehr. Die Lenker waren so locker, dass der Weg fahrend nicht möglich war. Auf dem Hauptweg ging es dann wieder, obwohl auch hier die Stein- und Geröllpiste (selten Sand) gut durchgeschüttelt hat. Wir müssen etwas unternehmen, sonst tragen wir heute Abend nur Einzelteile ins GH. Der erste sichtbare kleine Verkaufsstand wird also angesteuert, wo wir nun auch die ersten 2 Nichtlaoten des Tages treffen. Wir bestellen Wasser, schenken der Tochter einen Stift und bieten Kippen an. Dies sollte auch der einzige Stand bleiben, wo die Atmosphäre nicht ganz so dolle war. Auch wir bieten immer gerne was an. Aber das war schon merkwürdig. Wir standen noch keine 10 Sekunden, da wurden wir auch schon nach Kippen, Stiften und Bonbons gefragt. Gut, auch auf Anfragen gebe ich gerne, und hier war es wirklich anders. So habe ich gegeben, und dann natürlich auch nach einer Werkzeugkiste gefragt. Dieser wurde dann auch zunächst mit Murren, dann aber mit zunehmender Freundlichkeit heran geschafft. Die Räder wurden wieder zu Rädern. Es konnte also weiter gehen. Durch schöne Landschaften ging es zur nächsten Brücke und somit auch zur nächsten Gebühr. Nicht weiter schlimm, ist ja auch in vielen europäischen oder amerikanischen Staaten üblich. Problem aber hier: Die Laoten zahlen die selbe Gebühr (beobachtet), was doch sehr empfindliche Löcher in das eh nicht besonders große Einkommen reißt. Nach weiterer Fahrt gelangen wir schließlich nach Naxom. Hier ist es doch sehr ursprünglich, zumal die letzte Abzweigung zu einer Höhle 3 km vorher erfolgte. Wir fahren einige Zeit im weitläufigen Dorf umher. Im Außenbereich des Ortes werden wohl nur noch weniger Westländer gesichtet. Die Kinder zeigen auf jeden Fall pure Begeisterung für uns „Langnasen“. Ich frage (gestikuliere) ob ich fotografieren darf. Oh man – darf? Soll! Wäre ich jetzt noch dort, sie würden noch immer vor der Kamera posieren. Danach geht’s dann wieder Richtung Vang Vieng. Nach dem wir wieder gut durchgeschüttelt wurden wird in Nathose erst mal was gegessen. Also, diese Räder sind sicherlich nicht so für das Gebiet geeignet, hätten doch weiter Ausschau nach Mountainbikes halten sollen. Bei unserer Rast kam uns übrigens auch unser französisches Pärchen von gestern Abend entgegen. Nach dem Rückweg kamen wir dann um 16 Uhr wieder in Vang Vieng an. Dort begutachtete ich dann noch einmal die Räder. Applaus. Mein vorderer Reifen (nur der Mantel) ist zwar prall gefüllt, aber auch total verbogen. Und wie gesagt, nicht Felge, nein nur Mantel. Wat nu? Luft raus und einfach mal neu aufpumpen? Geht nicht. Da denkste zu Hause noch kurzer Hand an Flickzeug und Schloss, aber Schraubschlüssel nicht, und eine Pumpe hatte ich am Rad erwartet. Ich suche andere Radler im Ort, aber keiner kann helfen. Zum Verleih will ich nicht. Wer weiß, wat da kommt. Kannste wahrscheinlich direkt nen kompletten neuen Reifen bezahlen. Vorwegnahme: Eine Fehleinschätzung, aber noch bin ich nicht lange genug im Land gewesen, um zu wissen, dass dich die Laoten eigentlich nie richtig betrügen würden. Tja, und Vorsicht ist ja noch immer die Mutter von der komischen Porzellankiste. Egal, auf jeden Fall war ich doch etwas platt und habe das Problem erst mal auf den nächsten Morgen verschoben. So wird sich erst mal ins GH gesetzt und der Tag notiert – duschen etc. Später ist Snez dann vollkommen platt. Möchte, dass ich morgen alleine fahre. Na, warten wir erst mal ab. Um 18.30 Uhr geht’s dann ins Lokal von gestern, wo wir mit unseren „Weltfranzosen“ verabredet sind. Zusammen wird mal wieder gut gegessen. Hauptgesprächsthema heute: Kulinarisches aus aller Welt, was sicherlich beiden in Zukunft einige Gaumenfreuden bereiten wird. Snez entschließt sich inzwischen endgültig nicht mit zu fahren, zu sehr schmerzen die Gelenke vom heutigen Gerappel. Ich werde morgen ihr Rad nehmen, sie wird sich um das meinige kümmern. Die Idee: Wir sitzen (meiste Zeit allein) hier in unserem Lokal, und mit den Leuten kommen wir super aus. Snez soll Morgen hier frühstücken und dann das Thema beim Sohn und Hauptverantwortlichen der Bude einfach mal ansprechen. Außerdem ist die Bude auch etwas ab vom Hauptviertel. Später wurde die Zeit dann noch mit einem Japaner verbracht. Dem allgemeinen Bild nach sicherlich kein typischer Japaner, aber eine Sache ist für mich bei älteren Japanern wirklich typisch, auch hier: Die denken ja nach 2-3 Bier nicht einmal ruhig nach, wenn sie nach einer Antwort suchen, sondern begleiten jeden Gedankengang mit einem „Eäääääähhhmm“ oder „Mmmmmmmhhh“. Egal, Bettzeit ist heute um 23 Uhr.


Dienstag, 06.01.2004

Wie bekannt bin ich alleine aufgestanden. Um 7.40 Uhr begann mein spezieller Radtag. Auf dem Rad von Snez sitze ich zwar ein bisken wie ein Affe auf dem Schleifstein, aber auch besser als gestern. Der erste Teil verläuft, Höhlenbesuche ausgenommen, wie am Vortag, bevor ich hinter der zweiten Mautbrücke links, statt rechts abbiege. Die Landschaft: Ein Traum. Nach dem Dorf Naban muss ich durch den Nam Khouang, ein kleines Flüsschen, welches mich bis mitte der Waden im Wasser versinken lässt und für eine angenehme Erfrischung sorgt. Im Dorf Nai Muang nehme ich dann eine 7Up und ein Wasser für unterwegs. Da die Inhaber der Bude keine Silbe englisch verstanden, war die Verständigung recht schwierig, geplaudert wurden trotzdem ein bisschen. Im Hintergrund lief dabei ein uraltes Radio mit süd-ost-asiatischer Musik. Verglichen mit dem Horror von gestern sind die Straßen übrigens brillant. Fast nur fester Sand. Die Dörfer sind alle klasse, die Freundlichkeit ergreifend. Der Weg ist topp, auch wenn des Öfteren Horden von Kühen den Weg versperren. In Napo esse ich ein paar Kekse, trinke eine Cola. Die Einheimischen sind während dessen begeistert mit unserer Skizze (schon wieder Danke Beate) beschäftigt. In der Folge überquere ich öfter kleine Bäche, wohl Arme des Nam Khouang (Trockenzeit halt). Die Kinder in den Dörfern haben einen Riesenspaß mit mir, manche Schulklassen (bis zu 30 Kinder) laufen/rennen 200 Meter neben mir her. Die Skizze stimmt hier hingegen gar nicht mehr, alles ist anders. Was soll’s, unwichtig bis zum „Geht nicht mehr“. Da die Hitze aber irgendwann extreme Ausmaße annimmt, trete ich in Etappen den Rückweg an. Auf einem etwas längeren Teilstück kommen mir dann einige Männer mit merkwürdig aussehenden Gewehren entgegen. Ich will es genauer wissen, halte an. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich diese Gewehre als eine Art Mischung aus Harpune, Speer und Gewehr, sind zum Fischen gedacht. Interessante Konstruktionen. Wieder in Nai Muang sollte dann ein längerer Aufenthalt folgen. An einem Stand kaufe ich eine Cola, werde dann gebeten sie innerhalb des Hauses zu trinken, zu welchem der Stand gehört. Eine tolle Atmosphäre. Der kleine Junge versucht mit einer Pumpe einen Reifen auf zu pumpen. Ich spiele etwas mit ihm während es dem Vater meine Sonnenbrille angetan hat. Er hat Spaß mit mir Langnase und bietet mir etwas Reisschnaps an, welcher fortan, wie bei vielen Einheimischen, nur noch Lao Lao genannt wird. Auch er trinkt natürlich mit. Bezahlen zu wollen wäre nun eine Beleidigung für die Familie. Was kann man denn mal Nützliches tun. Ich finde noch 2 Stifte für die Kinder. Dann bringe ich ihm (er fragte) etwas Englisch bei und er mir etwas Lao. Als ich mich verabschiede ist die Pulle Lao Lao halb leer. Ei jei jei. Mit angedusselten Kopp trete ich nun den endgültigen Heimweg an, will zügig zurück bevor mich die Hitze schafft. An der Mautbrücke ist der Schnaps schon wieder gut ausgeschwitzt. Hier wird dann erst mal was eingeworfen. Eine vorzügliche „Nudel-Tomaten-Chili-Suppe“. An dieser Brücke, nicht all zu weit von Vang Vieng, treffe ich übrigens die ersten anderen Reisenden des Tages; ein Pärchen aus Turin. Letzten Endes treffe ich dann nach einem mehr als gelungenem Tag um 15.30 Uhr am GH ein, wo Snez bereits wartet. Auf Anraten unseres Lokals hat sie das defekte Rad einfach getauscht. Dat is ja ma genial! – Tagebuch, duschen.. – Und ei, wer ist denn da im GH angekommen? Stephan ist wach und hat sogar das GH gefunden. Im Schlepptau John aus Seattle, den zur Zeit in Köln wohnenden Daniel und die Französin Noel, welche zur Zeit aber eigentlich in London wohnt. Also eigentlich müsste ich hier eine Provision bekommen. War Spaß, bevor es wieder jemand ernst nimmt. Danach schleppe ich die ganze Bande in unser Stammlokal (Weltfranzosen übrigens heute Morgen weg nach Luang Prabang). Ein kleiner Partyabend entsteht, zumal später auch noch „Lokke“ aus Holland, eine Österreicherin und eine Neuseeländerin auftauchen. So viele Leute waren hier wohl ewig nicht. Ich werde in die Küche gerufen: Ja, und hier gibt’s dann so ne Art Provision, eine Pulle Lao Lao. Da ich mehrmals noch was zu essen bestelle, die Frauen den Schnaps zu stark finden, Stephan schon recht platt ist, und der Rest nicht mal eben die 55% ige Flasche leer macht, dient dieser nun zum herrlichen Flambieren der Fleischgerichte. Dies wurde allerdings dezent, nicht mit lautem Gegröle praktiziert. Trotz eines langen Tages dauerte das kleine Sit-in noch bis 1 Uhr.


Mittwoch, 07.01.2004

Auf Grund der langen Nacht wird bis 8.30 Uhr geschlafen. Heute geht’s mit dem Rad, wieder zu zweit, die Nationalstraße 13 hoch. Weite Strecken werden dabei nicht zurück gelegt. Immer wieder biegen wir links ab um durch kleine Dörfer an den Nam Song zu gelangen. Einige Plätze waren dabei echt genial und luden zu Erfrischungen ein. Auf der Hauptstraße selbst ist einigen Gebäuden noch der französische Tatsch an zu sehen. Zwischendurch nehmen wir auch die ein oder andere Erfrischung an kleinen Buden. Dabei gibt’s auch eine Premiere: Mein erstes Palmenbier (so weit ich mich erinnern kann). Ähnlich dem Weizenbiergeschmack und auch sehr trübe. Hauptattraktion des Tages bleibt aber immer wieder der Nam Song, welcher an einigen Stellen nette Strömungen auf zu bieten hat. Trotzdem werden die Räder recht früh zurück gegeben; 2,5 Tage reichen auf diesen Vehikeln. Wir verbringen den Rest des Tages dann auf dem Markt und den Hängematten des ersten Vang Vieng Tages. Am Abend suchen wir wieder unser Stammlokal auf, wo uns ein französisches Pärchen Tipps für den Süden gibt. Nach erstem Essen und einem Wasser brechen wir dann noch zu einem kleinen Pub im Zentrum auf, wo wir Daniel, Lokke und Noel treffen wollen. Nach nem großen Bier zog es uns dann aber in ein anderes einheimisches Lokal, welches aber bereits sehr gut ausgestattet war. Hier hat man sich wohl recht früh auf die in Vang Vieng doch etwas mehr werdenden Trekker eingestellt. Dies scheint die Leute an zu ziehen. Mehr Ausstattung = mehr Leute (ab und an mal in gemütlichem Ambiente sitzen ist ja kein Verbrechen) = weniger variable Kosten für Küche und Einkauf. Preismäßig war daher für diese Leute einiges möglich, und es war ja auch der Abschlussabend Vang Vieng. Morgen möchte ich wieder ruhiger sitzen. Auf jeden Fall war es für Börse und Magen lohnenswert. Vor dem GH gab es dann noch einen Absacker so wie die Verabschiedung von Stephan, Lokke, Noel und Daniel. Bett 0 Uhr.


Donnerstag, 08.01.2004

Um 5.30 Uhr schellt der Wecker. Packen, fertig machen und los Richtung Busstation. Von hier fuhr dann eine Art Linienbus nach Vientiane. Zunächst sitzen nur wir und 2 Laoten im Bus, nach und nach füllt sich dieser aber dann. Da der Bus keine Fenster hat wurde es am frühen Morgen scheiße kalt in dem Teil; nur gut dass die Schlappmütze aus Nepal griffbereit im Handgepäck lag. Nach 3,5 Stunden erreichen wir Vientiane, wo nach eingeholter Info keine Zeit verbleibt. Direkt geht’s mit dem Tuk Tuk zur Busstation für die Busse Richtung Süden, an welcher wir den Bus um 10.30 Uhr nach Thakhek erreichen wollen. Kaum sind wir da, steht auch schon das Beladen an, so dass wieder einmal keine Zeit zum Essen bleibt. Und diese zweite Fahrt des heutigen Tages ist weiß Gott nicht toll. Es ist verdammt eng; dazu ein Busfahrer, der auf Karaokemusik abfährt bis geht nicht mehr. Machen wir es kurz: Um 17.45 Uhr, nach 6 ¼ Stunden Fahrt bei ohrenbetäubenden Gedudel erreichen wir Thakhek. Hier buchen wir uns dann in einer netten Lodge ein, wobei die Essenspreise auf Grund der Entfernung zum Stadtzentrum verhältnismäßig hoch sind. Wir wissen gar nicht ob wir ins Zentrum wollen. Bis auf ein paar Häusken im französischen Kolonialstil hat die Stadt laut Infos nämlich nicht wirklich viel zu bieten. Außerdem muss die Weiterreise geplant werden. Minibusse (ich zahle auch gerne mehr, statt 1000 mal zu halten und eingeengt zu schwitzen) scheint es nicht zu geben; so die ersten Infos. Was quasi fest steht: Das Ziel Pakse, was wir gehofft hatten an einem weiteren Tag zu erreichen, wäre wohl mit den hier startenden Bussen nicht unter 12 Stunden erreichbar. Dann taucht noch eine weitere Person auf. Peter (Pedda) aus Berlin ist hier ebenfalls untergebracht. Er ist länger hier, muss im Ort auf Post warten. Von ihm erhalten wir folgende Info: Die Lodge gehört einem Dänen, der hier inzwischen auch eine Möbelschreinerei betreibt. Ansonsten gibt’s auch nur eine weitere Unterbringungsmöglichkeit in der gesamten Stadt. Pedda kennt hier auch einen prima Whisky. So wird über das Thema „Pionierarbeit in anderen Ländern und dessen eventuelle negative Auswirkungen“ doch tatsächlich die Flasche geleert. Zuvor hatten wir uns entschlossen, wie in der ursprünglichen Ablaufplanung, morgen nur bis Savannaketh zu fahren. Bett: 1 Uhr.


Freitag, 09.01.2004

7.15 Uhr: Aufstehen, packen und Minibusse suchen. Alles ganz easy. Aber nicht für uns, oder irgendwie nicht heute. Eigentlich läuft am Morgen alles schief. Aber ich will das Hin- und Her-Gerenne gar nicht groß beschreiben. Auf jeden Fall brechen wir erst um 10.15 Uhr nach Savannaketh auf, und zwar auf der gut gefüllten Ladefläche eines Pick-Ups. Wir und 6 Laoten plus einiges an Gepäck. Eine Frau hatte etwa 6 große orange Eimer dabei. Ne Art Wundertüte mit Plastik überzogen. War wohl auf dem Markt eine Art Sonderangebot. Der Preis war wohl, was nach Nachfrage auch stimmte, in Bath angegeben. Pro Eimer zwischen 80 und 100 Bath (100 Bath etwa 2 €). Es war nicht alles zu erkennen, wohl aber 2 Flaschen Wasser, Seife, 1 Seifendose, 1 Dose Thunfisch, Fischsoße, 2 Nudelsuppen, Saft, Räucherstäbchen, Waschlappen, Waschmittel..? So sehen also die Angebote aus. Ich überlege lange (hatte ja Zeit), ob dies wirklich günstig sei. Erst am Ende der Tour in Vientiane war ich schlauer. Es war günstig, etwa 60% günstiger als ähnliche Eimer in der Hauptstadt in einer Nebenstraße. Egal, zumindest war ich auf der Fahrt etwas beschäftigt. Nach 2,5 Stunden kamen wir dann in Savannaketh an, wo wir erst einmal die Rucksäcke geschultert haben und etwas gelaufen sind. In einem Supermarkt kaufe ich für ca. 0,55 € eine große Flasche des geilen Whiskys, den ich gestern mit Pedda getrunken hatte. Richtig günstig war die Flasche allerdings nicht, weil ich zeitgleich mit meinem „Haus“ auf dem Rücken andere Flaschen aus dem Regal gekickt habe. Dat blöden Dingen merkste nach ner Zeit ja gar nicht mehr, und bei der Hitze haste auch nicht dran gedacht. Gesamtpreis nun 22.000 statt 6000 Kip. Einige mögen nun staunen, aber ansonsten hätte die Verkäuferin wohl für die Pullen gerade stehen müssen. Nach dieser Kegelaktion haben wir dann in einem Lokal sehr gut und sehr günstig gegessen, bevor es per Tuk Tuk zum „Saisouk“ ging. Diese Herberge wurde mir von einem Floßbauer per Internet in Deutschland empfohlen. Für 3,50 $ bekommen wir ein Zimmer (WC/Shower inside), so wie 2 Flaschen Wasser. Es war jetzt ca. 14.30 Uhr und somit zeit die Stadt zu erkunden: Wats, Fährhafen zu Thailand, ein Blick über den Mekong zur thailändischen Stadt Mukdahan, so wie die katholische Kirche. Nach späterem Duschen gingen wir dann in ein französisches Lokal. Hier sollen sich (Info aus BRD) einige Backpacker treffen und Erfahrungen austauschen. In der Stadt hatten wir zuvor keine anderen Reisenden gesehen, in unserer Herberge sind wir ebenfalls allein. Das hat zwar was, trotzdem wären wir über einige Infos für morgen nicht böse. Dort angekommen (sehr alt, laotisch, absolut nicht französisch) sitzen außer uns nur ein paar Vietnamesen in der Lokalität. Stattdessen, erstmals in Laos, bettelnde Kinder im Minutentakt. Und hier eindeutig zu sehen: Gut genährt und zum Betteln erzogen. Die Erwachsenen warteten an der sichtbaren Promenade und gaben die Richtungen vor. Und wenn überhaupt etwas arm, dann lange nicht so wie in den Dörfern, die ich mit dem Rad besucht habe. Dort waren die Leute einfach nur freundlich, luden mich gar ein. Aber ich will diese Region nicht verurteilen. Was haben die normalen Leute in Savannaketh mit der Bettelmafia zu tun, von wem auch immer gesteuert. Die Mafia wurde mir auf der weiteren Tour auch noch des Öfteren bestätigt, werde aber maximal nur noch einmal darauf eingehen; zumal man das Problem ja auch in Deutschland mit einer rumänischen Sparte kennt. Die Bettelei hörte nach 45 Minuten übrigens schlagartig auf; sagst wohl alles. Anschließend haben wir noch ein thailändisches Lokal aufgesucht nach dem wir uns in einem Minimarkt mit Moskitospiralen für die Inseln im Süden versorgt haben. Bett: 22.15 Uhr


Samstag, 10.01.2004

Ich bin ja viel Gegacker gewohnt, aber dieser Hahn neben dem Zimmer hat wohl alles abgeschossen. Gesoffen, innere Uhr im Arsch? Leckofanni! Von 1 Uhr bis 7 Uhr morgens ein Kikeriki nach dem anderen. 7 Uhr aufstehen: Nach dem Packen geht’s per Tuk Tuk zur Busstation von wo aus ein Bus in 4 Stunden Pakse erreichen soll. Um kurz nach acht haben wir an der Station mit einer Holländerin (Inge) gefrühstückt. Zudem wurden einige Erfahrungen ausgetauscht. Nach einem mehr als albernen Sicherheitscheck sitzen wir dann um 9 Uhr als einzige drei „Langnasen“ im Bus. Dort wird dann weiter geplant, was schwieriger verläuft, als zuvor angenommen; vor allem auf Grund der ungewissen Zeiten. Wir wollen zu dritt probieren noch heute die Inseln, oder zumindest Ban Nakasang zu erreichen. Ein Ort, wo eine Übernachtung möglich sein könnte falls keine Boote mehr zu den Inseln steuern. Ban Nakasang liegt auf dem Festland, aber im südlichen Bereich der Inseln, nicht in der Nähe der nördlichen Hauptinsel Don Khong. Der Bus wird im Laufe der Fahrt erbärmlich voll. Fast Nepal-like, nur dass die Passagiere nicht auf dem Dach sitzen. Dort ist aber auch schon massig Gepäck, Mofas und Sonstiges verstaut. Der Gang ist ebenfalls rappelvoll mit Leuten. Logischer Weise wurden heute bei den vielen Stopps auch extrem viele Sachen durch die Fenster angeboten. Fast alle Einheimischen im Bus essen so zu Mittag. Alles was 4 oder mehr Beine hat wird angeboten. Ärgernis aber sind die viel zu vielen Stopps. Was bringt die inzwischen gut ausgebaute Nationalstraße wenn der Bus permanent hält. Die versprochenen 4 Stunden Fahrt hauen auf jeden Fall nicht hin. Nach 5 ¾ Stunden erreichen wir Pakse. Das Vorhaben jetzt noch nach Ban Nakasang oder gar auf Don Det zu gelangen ist fast unmöglich, so dass wir am ursprünglichen Etappenplan festhalten und in Pakse nächtigen. So buchen wir uns zunächst im „Saby“ ein. – Dat übliche Gedödel – Danach besprechen wir mit Inge die weitere Planung. Es stellt sich heraus, dass es doch (entgegen der Infos im Norden) ein Passagierboot auf dem Mekong zu den Inseln geben soll. Täglich soll es verkehren und etwa 20 Personen fassen. Fahrtzeit nach (zunächst) Don Khong geschätzte 6 Stunden. So wollen wir morgen zusammen los; um 6.30 Uhr wollen wir uns am GH treffen. Nun ziehen Snez und ich aber erst einmal allein durch die Stadt. In der City fällt uns zum ersten Mal der berühmte Lao-Kaffee (verpackt) auf. Ein ½ Kilo kostet hier 1,40 €. Nicht gerade wenig, verhältnismäßig gesehen. Der Kaffee ist aber 1a (haben ihn bei Khamsone schon probiert), aber auf Grund der auch hier für Kaffee hohen Preise sollen die Laoten extreme Probleme mit dem Export haben. Speziell die Nachbarländer Vietnam, Thailand und Kambodscha zeigen daher eher geringes Interesse, wobei die besser Betuchten sich den Einkauf des Lao-Kaffees nicht nehmen lassen. Wir werden mal sehen ob wir im weiteren Verlauf auf dem Plateau zuschlagen. Die absoluten Kaffeetrinker sind wir ja nu auch nicht. Schätze, dass ich statt 2 Kilo Kaffee im Beutel den selbigen eher mit Chili oder Currypaste füllen lassen werde. Zurück am GH treffen wir auf den Schweden Anders, welcher 6 Monate in Südostasien unterwegs ist. Wieder ein genialer Abend. Und wieder lernt man nicht aus. 1) Die Bettelkinder von Savannaketh beruhen auf der Chinesenmafia 2) Das Mittel „Shenquiyaobi“. Eine Art Kreidestück. Man kann es z.B. in die Haare schmieren um Ungeziefer abzuhalten. Der Clou aber ist, dass dieses kreideähnliche Stück auch wie Kreide schreibt. Zieht man damit eine Linie vor der Tür, drehen sämtliche Schaben, Ameisen und BvB-Fans (hab ich mich jetzt vertan?) wieder um. Na ja, gekauft um die Wirkung zu testen, haben wir es nicht mehr, zumal wir keine größeren Plagen hatten. Als Weiteres hat Anders eine große Inselskizze parat, welche ich mir versuche einzuprägen. Bett: 23.30 Uhr


Sonntag, 11.01.2004

5.30 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr Treffen mit Inge und Tuk Tuk zur Bootsanlegestelle. Tja, der Trip gen Süden bekommt seine nächste Tücke. Gut, dass ich die Mädels überreden konnte, dass wir sehr früh aufbrechen, obwohl das Boot erst um 8 Uhr ablegen sollte. Das angekündigte Boot gibt es nämlich nicht. Stattdessen sehen wir 3 kleine Nussschalen im Wasser und 10 Laoten in einer kleinen Bude beim Frühstück. Und da gestern Samstag war, haben mindestens 3 von ihnen richtig einen im Kahn. Na, mit dem Bus hab ich kein Bock, und zu diesem hätten wir auch noch Zeit, so dass einfach mal Verhandlungen mit den Einheimischen aufgenommen wurden. Irgendwann schlägt uns dann jemand vor uns für 5 $ pro Person nach Champasak zu fahren. Absoluter Wucher, zumal dies nicht einmal die Hälfte der Strecke nach Don Khong oder auf dem Landweg nach Ban Nakasang wäre. Zum Vergleich: Die Busfahrt nach Ban Nakasang im Minibus (umgebautes Tuk Tuk) kostet ca. 1,80 $. Gut, da sind nen paar Leute mehr drin, aber auch keine Massen, und an der Anlegestelle sind wir inzwischen auch zu fünft. Dann würde die Bootsfahrt nach Ban Nakasang mindestens 12 $ kosten. Aber was willste machen, wir wollen unbedingt mit dem Boot, und er hat ja auch das Monopol. Sicherlich würde er lieber nen Frühschoppen mit seinen Kumpels inne „Hafenkneipe“ machen. Also komm, wir kriegen ihn noch auf 3 $ runter, was ja dann halbwegs geht, und kommen dann natürlich auch echt gut miteinander klar. Die anderen beiden im Boot: Ein deutscher Weltenbummler, der nach Wat Pu will, und ein Japaner, den wir im späteren Verlauf noch 4 mal in Laos sehen sollten: Der Hammer! Die Tour ist genial! Die Besatzungen der anderen kleinen Mekongboote winken begeistert. Freudiges Jubeln bei jedem Kontakt. Die Landschaft wird auf den Fotos wohl leider nicht so rüber kommen. Bereits hier hat der Mekong einige kleine Inseln und Felsen. Was wird das wohl später erst für ein Blick bei den 4000 Inseln (Siphandone), wo der Mekong in der Regenzeit bis zu 18 km breit ist; zur Zeit 14 km. Dann kommen wir im netten kleinen Champasak an. Aber schon gibt es wieder Probleme. Ein weiteres Boot nach Don Khong gibt’s auch hier nicht. Weiter runter wollen nur Inge und wir zwei, was bedeutet: Pick Up zum halbwegs vernünftigen Preis nach Ban Nakasang oder Tuk Tuk zur Hauptstraße und auf den Bus warten. Einen Pick-Up Fahrer finden wir, den wohl zur Zeit einzigen in Champasak. Aber seine Preise sprengen dann alles. Also, so ein Monopol haste auch nicht, mein Lieber. Wir sind ja nicht völlig einfallslos. Wir nehmen daher die Fähre auf die andere Mekongseite, wo sicherlich jemand zur Hauptstraße oder nach Ban Nakasang fährt. Ein paar Maiskolben stillen während dessen den ersten Hunger. Um 10.30 Uhr erreichen wir bei hohen Temperaturen das andere Ufer. Und sofort spricht uns ein Pick-Up Fahrer an, welcher weit aus günstiger als sein Vorgänger ist. Nach kurzer Verhandlung sind wir uns einig. Inge und wir fahren mit ihm nach Ban Nakasang. Was eine Beförderung! Kein Anhalten, hohes Tempo, Inge vorne und für uns die ganze Ladefläche, dass man sogar schön gemütlich liegen kann. Nach nur 2 Stunden erreichen wir Ban Nakasang. Kein Reiseführer oder Bericht hatte den Ort zuvor erwähnt, zumindest nicht die unseren. Auf unseren Karten ist er ebenfalls nicht, lediglich die Skizze von Anders wies ihn aus. Eine Horde von Büffeln ist im Dorf unterwegs; der Ausblick einfach toll. Wir essen eine Suppe bevor es mit einem Boot auf die Insel Don Det geht. 20 Minuten dauert die Fahrt; wahnsinnig geil! Einfach umwerfend, ein Traum! Vor wenigen Hütten werden wir mit dem Boot abgesetzt. Inge findet eine Unterkunft, 3 Personen sind aber zu viel. So laufen wir mit unserem Gepäck einen Kilometer südwärts. Hier werden auch wir fündig. Hier stehen 9 kleine auf Stelzen gebaute Strohhütten bereit. Errichtet für Traveller unserer Art (und das sind hier ja nu wirklich nicht so viele). Hinzu einige Delphin- oder andere „Fauna“-Forscher. Zumindest wurde uns dies so erläutert. Hier machen sich auch endlich unsere Taschenlampen wieder bezahlt, kein Strom, keine Restrooms oder Ähnliches. Das Handeln erspare ich mir bei der Hitze. Was soll ich da auch groß handeln? 1 $ pro Nacht, bei 4 Nächte auf 3 gehen. Ne, man soll ja auch nichts übertreiben. Nur ungewohnt, hat man ja bislang bei jeder Unterkunft die üblichen Verhandlungen gehabt. Kurz umgezogen und wieder zu Inges Hütte. Diese erkundet bereits etwas die Insel, dass wir uns in einer aufgebauten Lokalität nieder lassen und erst mal vernünftig essen. Im Hintergrund spielt dabei jemand vor einer Hütte Didgeridoo. Herrlich, wat willze eigentlich mehr. In der Lokalität hängen übrigens zwei große Bilder von Angkor Wat. Eine logische Sache, denn hier im Süden besteht die Bevölkerung vornehmlich aus Mon-Khmer-Völkern und aus Cham. Da der Ausblick einfach zum Genießen ist bleiben wir direkt sitzen; wat soll ich gez auch noch groß hin und her rennen? Nach einiger Zeit kommt Paul aus Kanada mit dem Rad vorbei. Dieser hat einige interessante Infos über den Iran und Pakistan zu bieten. Er ist seit September 2001 mit dem Rad unterwegs (Startort Deutschland, da seine Mutter Deutsche ist). Gegen 18 Uhr wurde es dann Zeit für die Moskitospiralen. Panik sollte weiß Gott nicht sein, aber wo man vorsorgen kann, da sollte man es auch tun. Malaria und Dengue Fieber geben sich hier im Süden gerne die Klinke in die Hand, was natürlich nicht bedeutet, dass ständig was passiert. Letzte Woche soll es aber 2 Tote auf der Insel gegeben haben (Dengue Fieber), wobei es sich hier um Kinder handelte (wesentlich schwächeres Immunsystem). Außerdem ist es 18 Uhr, also Malaria- statt Denguezeit. Im Lokal haben sie gar eine kleine Lampe, welche aber nur sporadisch brennt. Angetrieben wird sie von einer alten Autobatterie, wobei es auf dieser Insel weder Autos, noch Traktoren gibt. Kerzen sind aber auch vorhanden; außerdem wird bei größerem Besuch des Lokals die Lampe abgeschaltet. Dann brennt eine Größere mit Hilfe eines Kompressors. Ab 19 Uhr haste dann richtiges Tropenfeeling. Herum ist es stockdunkel. Dafür kann man eine Vielzahl von Grillen, Vögeln und wat weiß ich hören. Hinzu kommt die Insektenparty. Sie sammeln sich an einem Pfahl unter der Lampe. Auf dem Tisch springt eine Minigrashüpferspezies umher. Die Moskitos (auch dank der Spiralen) halten sich hingegen in Grenzen. Nach dem dann Inge auftauchte haben wir noch einige Zeit am Tisch verbracht. Einfach klasse. Beim zweiten Taschenlampenpinkeln habe ich dann auch endlich (war längst überfällig) den ersten Skorpion in freier Natur gesehen, allerdings auch einen recht kleinen. Eines der vielen Themen des Abends mal wieder „Tourismusentwicklung“ und Vermeidung von Fehlern. Was fest steht: Illegale Abholzung und Brandrodung wird auch bei einem in 5 Jahren eventuell steigendem „Reiseangebot“ eher gestoppt als gefördert. Soll nicht heißen, dass wir allein dafür sorgen können, so naiv und blöde sind wir ja nu auch nicht. Alles zu erläutern wäre, wie immer, viel zu langwierig. Um ca. 21.45 Uhr das nächste Highlight. Der Mond kommt heraus und sorgt für ein unglaubliches Mekongpanorama. So was von schön, könnt die ganze Nacht hier sitzen. Um 22 Uhr treten wir mit unseren Lampen den Rückweg an. Um 22.15 liegen wir endlich in der Hütte.


Montag, 12.01.2004

7 Uhr aufgestanden und auf dem Randweg der Insel etwas Sport getrieben. Danach gefrühstückt und für morgen ein Boot zu den Wasserfällen an der kambodschanischen Grenze geordert. Und dann ist Inselerkundung angesagt. Wir laufen den kleinen Weg Richtung Norden, wo in sporadischen Abständen weitere Unterbringungsmöglichkeiten sind. Der Blick zum Inselinneren ist dabei nicht so erregend: Alte Reisfelder on Maß, alle ausgedörrt. Es stellt sich die Frage, ob sie durch vorherige Brandrodung inzwischen unbrauchbar sind oder ob es sich um eine Art des Nassreises handelt, welcher in der Trockenzeit nicht angebaut werden kann. Dann wäre das satte Grün in der Regenzeit eine Augenweide. Vom später erreichten Nordzipfel wollen wir dann an der Westküste der Insel Richtung Süden. Hier blickt man nun auf ein sattes Grün, allerdings nicht im Inneren. Der Grund sind hunderte von kleinen Inseln und Bäumen, die aus dem Mekongarm ragen. Unterbringungen finden wir an der Ostseite keine mehr, lediglich einige dort wohnende Einheimische. Aber auch dies hat sich nach ein paar Metern erledigt. Kein Weg mehr, keine Hütten mehr. Hier zeigt sich eine skurrile Landschaft. Auf der linken Seite die Reisfelder, rechts mehr Grün, übergehend in die vielen kleinen Inseln, im Hintergrund größere mit Wald besetzte Inseln. Die Westküste verschwimmt immer mehr zu losen Streifen: An einigen Stellen Mekongwasser, dann wieder etwas Sand, Bäume oder Felsen. Dazwischen immer wieder einige Büffel. Wesentlich früher als gedacht erreichen wir dann die südliche Inselspitze. Über die dürren Felder im Inneren geht es dann zurück zu unserer Unterkunft. Kurz vorher haben wir aber noch einem kleinen Küken das Leben gerettet. Es hatte sich vollends in einem Fischernetz aus fester Angelschnur verfangen. Luft bekam es so gut wie keine mehr, zu eng hatte sich bereits die Kehle zusammengezurrt, wobei das Küken keine Ruhe gab, wild piepste und zappelte. Ein ewiges Gefriemel und Geschneide. Mit dem Messer die schnüre am Hals zu durchtrennen erforderte extreme Konzentration, aber irgendwann war es geschafft. Insgesamt waren wir 4 Stunden unterwegs, ca. 2/3 der Strecke (West und Südwest) haben wir keine Menschenseele gesehen. – Essen – Dann dringt Krach von der Nachbarinsel Don Khon in meine Ohren. Nicht zu verwechseln mit der Insel Don Khong im nördlichen Teil des Siphandonegebiets. Wat is dat fürn Radau? Sollten irgendwelche Traveller den „Fortschritt“ (?) mit dem Dampfhammer nach Laos gebracht haben? Auf der Insel schon Schluss mit „sanfter Entwicklung“? Wir wollen es wissen und gehen über die nah gelegene Brücke nach Don Khon. Zwar gibt’s dort mehrere Lokale (leer als wir dort waren), aber der Lärm hatte andere Gründe: 1) Eine Party von Laoten mit grässlicher total verzerrter Musik 2) Ein uralter über einen Kompressor angetriebener DDR-Fernseher, an Boxen angeschlossen. Ist eine Art Kino. Kino ist ja ok, aber sind die hier alle schwerhörig? Von Thailand gelernt? In unserem Bus nach Thakhek war es ja genauso. Den Fernseher hört man noch 6 km entfernt, und da sitzen se teilweise 40 cm davor. Dann wurde auch noch eine Sau eingefangen, welche sich wehrte wie hulle und gebrüllt hat wie am Spieß. Also, noch ne halbe Stunde hier und ich bekomm einen Gehörsturz (P.s.: 2 Tage später kommen die mehr als positiven Seiten der Insel). Zurück dann wieder ins kleine Lokal, denn nun ist es doch inzwischen 17 Uhr. Was gegessen und dann Lao Lao mit Pepsi. Nun erhalte ich auch die erhofften Infos über die dürren Felder. Es handelt sich um intakte Felder, welche zur Zeit aber einfach nicht genutzt werden. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wo durch geschickte Bewässerungssysteme das ganze Jahr im Rundkurs angebaut wird, findet er hier wohl nur in der Regenzeit statt. Pünktlich um 18 Uhr startet dann die Insektenattacke. Gestern war es ja zum Glück um 20 Uhr vorbei. Da heute aber nicht ein einziger Gecko am Start ist, sind es hingegen Millionen. Wer seine Gläser nicht abdeckt, den erwartet innerhalb von 2 Minuten eine herrliche Fleischbrühe. Nach 1 Stunde reicht es. Wir lassen die Lampe löschen und stellen am Nachbartisch eine Kerze auf. Dabei lernen wir Tony kennen, welcher aus England kommt und 5 Monate unterwegs ist. Seinen Wohnsitz hat er hingegen zur Zeit in Spanien. Seine Arbeit wechselt er immer so, dass er jedes Jahr in einem anderen europäischem Land wohnt. Ab 20 Uhr sind wir dann mit den einheimischen Inhabern wieder alleine. Ach ja, wo wir gerade bei Tony waren: Während unseres gesamten Laostrips haben wir bislang niemanden getroffen, der unter 3 Monate unterwegs war. Später gab uns der Lokalbesitzer noch einige wichtige Infos auf verschiedenen Gebieten. ZB: 1) Die Reisfelder werden in der Regenzeit zwar genutzt, die Reisqualität ist aber auf Grund der früheren Brandrodung nicht die Beste. Er kauft seinen Reis woanders. Wichtiger aber ist: Kein Strom, kein fließend Wasser, aber das mit der Brandrodung weiß er. 2) Einige Rezepttipps und die Geheimnisse des Klebreises, was mich bislang noch nie so interessiert hatte. Flim-Flam hingegen findet an selbigen immer mehr Gefallen. Auch weitere Optionen gibt’s. So kann man (Klebreiszubereitung spare ich mir jetzt mal) den fertigen Klebreis z.B. 3-4 Tage in die Sonne stellen bevor man ihn (die Klumpen) ohne Öl mit etwas Sirup in der Pfanne brät. Die später kalten Klötze stellen ein prima Knabberzeug dar. Der Rest des Abends bestand aus Nüsse, Lao Lao (ein wenig) und eben dieser Reisklötze. Dazu unsere Kerze und weit und breit kein Licht. Und das um 20.30 Uhr. Um 21 Uhr hingegen wurde es wieder heller. Der Grund waren allerdings brennende Bananenblätter mit denen die Schwester des Inhabers die großen Termiten auf dem Zaun abgeflämmt hat. Bett: 22.15 Uhr


Dienstag, 13.01.2004

Um 8 Uhr treffen wir uns mit Inge und starten mit einem kleinen Boot zu den Wasserfällen, die wir nach einer Stunde erreichen sollten. Bereits nach wenigen Minuten sehen wir keine anderen Boote mehr. Die Inseln, an denen wir vorbei fahren scheinen gar nicht bis nur spärlich bewohnt zu sein, zumal die meisten Menschen eh an den Inselrändern wohnen. Vor einigen Hütten stehen wie immer die Kinder. Sie schreien und winken mit Spaß inne Backen. Unfreundliche Kinder scheint es in Laos gar keine zu geben. Und sage mir jetzt bitte keiner (ich hör so etwas tatsächlich öfter) sie seien einem Boot zu winkend an unserem Geld interessiert. Einige Passagen ähneln einer kleinen Raftingtour: Wellen und Strudel, allerdings durch den heute stärkeren Wind und den bewölkten Himmel bedingt. In der Folge dann aber auch wieder ruhigere Passagen. Angekommen müssen wir etwa 15 Minuten laufen um die Wasserfälle zu erreichen, welche den Namen Khong Phapheng tragen. Obwohl es der größte (nicht höchste) Wasserfall ganz Asiens ist, treffen wir außer zwei Japanern und ein paar Einheimischen auf dem angrenzenden Markt niemanden. Geile Ausblicke, vor allem die verschachtelten kleineren, in Etappen verlaufenden Wasserfälle. Gesamthöhe: 18 Meter. So verbringen wir einen Großteil der Zeit mit einigen Klettertouren. Der Rückweg. Unerwartet sollte direkt das nächste Naturhighlight folgen. Auf Grund des schöneren Wetters ist die Fahrt sehr ruhig. Dann fällt uns aber auch auf, dass unser Bootsfahrer einen anderen Weg nimmt. Er versucht mit seinen Umwegen die Stromschnellen zu umgehen. Klar, selbst wenn man die doch recht starke Strömung nicht sieht, ist es für unser kleines Vehikel stromaufwärts recht schwierig (oder gar gefährlich?). Aber gerade diese Umwege machen es aus. So fahren wir möglichst oft um alle herausragenden Bäume am Rande der Hauptarme. Immer kleinere Nebenarme werden genutzt. So gibt es gar Passagen, die für ihn höchste Konzentration erfordern. Rechts und links neben dem Boot einige Male nur 1,50 m Abstand zum Grün. Bilder, wie man sie oft in Amazonasreportagen sieht. Nicht selten vervollständigen einige Fischer in Paddelbooten und ins Wasser eintauchende Büffel das Panorama. Einige der nichts aus der Ruhe bringenden Viecher sind bis zu 5 Sekunden unter Wasser. – Lokal: Essen und Tagebuchnotizen. >Nur blöd, dass ich auf dem Rückweg keinen Film mehr im Apparat hatte. 7 Filme sind seit Vientiane bereits voll.< Nun sitze ich hier, schreibe und relaxe etwas, wobei von Don Khon nettes Getrommel herüber schallt. Seit gestern 24 Uhr läuft eine Hochzeit. Wie auch meistens in Kambodscha ist es üblich die Feiern um 0 Uhr zu starten. Laut unserem Lokalbetreiber wird ein Teil der Zeremonie bei der Familie der Frau und ein Teil bei der Familie des Mannes gefeiert, bevor sich später beide Familien zur gemeinsamen Endfeier treffen. Danach hab ich mich noch eine Stunde in die Matte geworfen bevor es wieder ins Lokal ging; Abendessen. Wir sitzen fast den ganzen Abend alleine, so dass man mal wieder viel Zeit zum Nachdenken und Diskutieren hat. Wie immer dieselben Themen. Der Fortschritt, die Natur, die persönlichen Entwicklungen....
Dazu aber auch, dass man sich nicht nur den Kopf zermatern will, sondern auch etwas erleben und genießen will; was wohl kaum verwerflich ist. Dies kann man allerdings meiner Meinung nach auch wieder mit dem Nützlichen verbinden. Das Bewusstsein sollte da sein. Gedanken sollte man sich halt immer wieder machen; auch hinterfragen. Und dies tun zur Zeit hier eigentlich alle, in nicht gerade geringen Rahmen. In Tagebüchern versuche ich allerdings Ausführungen dazu einzuschränken oder zu vermeiden, auch wenn es nicht den Anschein hat. Ich weiß, dass bei einigen Lesern kritische Fragen auftauchen, aber soll ich alle ausführlichen Gedanken, Rechnungen, Gespräche und Beobachtungen auf meinen Touren bis ins Detail beschreiben? Wäre wohl auch gar nicht möglich. Ansonsten läuft der Abend heute im gewohnten Rahmen. Bei den Insekten haben heute diverse Riesenmotten die Vorherrschaft. Dass das Lokal an den Seiten offen ist, brauche ich ja wohl nicht erwähnen (allein um keine Sauna entstehen zu lassen). Gegen 21.30 Uhr wird es ungemütlich. Pro Minute hat man mindestens 2 Motten im Ohr, obwohl die kleine Lampe mindestens 3 Tische entfernt ist. Daher sind wir wohl auch schon um 22 Uhr im Bett.


Mittwoch, 14.01.2004

7.45 Uhr aufstehen. Inge macht ab heute anders weiter, so dass Snez und ich alleine über die kleine Brücke auf die Nachbarinsel Don Khon gehen, welche um ein Vielfaches größer als Don Det ist. Dort führt uns ein kleiner Weg zum Wasserfall Li Phi (von der Brücke ca. 2 km entfernt). 500 Meter vor dem Wasserfall müssen wir eine staatliche Gebühr an einem Checkpoint entrichten. Für was genau will ich mir heute mal keine Gedanken machen. Für die Inselnutzung? Wasserfalleintritt? Art Kurtaxe oder ähnlich der Nationalparkbehandlung von Bokor in Kambodscha (siehe Diary 2003). Drauf geschissen, wie Stephan sagen würden. Der Wasserfalls selbst ist wunderschön. Von allen Seiten gibt’s größere und kleinere Sturzbäche. Er ist eine Abfolge von Stromschnellen, durch die sich das Wasser des Mekongarms ergießt. Hinter den Stromschnellen/ dem Wasserfall ebnet sich das klare Wasser seinen Weg in einem Canyon. Einfach geil! Anschließend geht’s dann Richtung Bootsanlegestelle, wo wir ein Boot zu den Delfinstellen ordern wollen. Ziel heute also die Irrawaddy-Delfine. Es handelt sich dabei um Süßwasserdelfine in den Tropen. Eine Spezies, die vom Aussterben bedroht ist. In Thailand ist es bereits passiert, im Yangtse und dem Ganges läuft ein Kampf auf Leben und Tod. Verbleibt also noch das Mekonggebiet im Süden von Laos und Norden Kambodschas. Die meisten soll es zur Zeit in Kambodschas Norden geben, etwa 150 Exemplare, also auch hier ein Lotteriespiel. Diese Delfine werden bis zu 1,50 Meter lang. Forscher und Traveller konnten in Laos durch ihr Interesse bereits für einen Erfolg sorgen. Das Bombenfischen, was nicht nur die Tierwelt, sondern auch seine Anwender aufs Schlimmste gefährdet, ist in Laos inzwischen strengstens verboten. Nun, vom Wasserfall zur Anlegestelle waren es dann etwa 3-4 km auf einem wiederum kleinen Weg. Zum Glück bogen wir richtig ab, Leute oder Hinweise trafen wir nämlich keine mehr. Der kleine Weg zeigte wie viel mehr Wald es auf dieser Insel gibt. Nach einem Waldstück (ca. 1,5 km ausmachend) erreichten wir die Anlegestelle: Booaaa Ey! Der vorherige Canyon (was für ein Wasser!) wurde hier zu einem wunderschönen Fluss. Auf unserer Seite ein kleiner feiner Sandstrand, zwei kleine Essbuden, gegenüber Felsen und sattes Grün. Im Hintergrund nur Wald, der sich über einige kleinere Berge erstreckt. Während der herrlichen Fahrt wird der Fluss dann immer breiter. Rechts und links Traumbilder. Ihr müsst die Fotos sehen! In der Region, wo wir auf die Delfine hoffen, ist der Fluss zu einem großen See geworden. Jau, und bereits nach 10 Minuten taucht das Erste der fabelhaften Wesen auf. Allerdings nur 3-4 Mal. Junge, zeig dich! Aber weg war er. Ist er geflüchtet? Denn just in diesem Moment tauchten noch 3 Motorboote auf, welche wohl aus Siphandones Norden (Don Khong) südlich in den See einfuhren (können ja schlecht durch den Wasserfall). Waren diese der Grund für das Verschwinden? Wenn ja, dann müssen Maßnahmen ergriffen werden. Meines Erachtens sollte das Umweltamt der Regierung dafür Sorge tragen, dass auf dem „See“ nur gepaddelt werden darf (bei uns war es übrigens der Fall). Ein Gesetz müsste her, meinetwegen auch darauf ausgelegt selbst den Hinweg nur zu paddeln. Klar, ist schwieriger, ggf auch anstrengender für die laotischen Bootsfahrer. Ja und? Dann wird halt mehr gezahlt, oder die Reisenden paddeln: Alles ist relativ! Und wenn kein Gesetz den Weg findet, dann liegt es halt auch an uns. Erfahrungen kann man weiter geben; nur so entstehen die wenigen guten Reiseführer über Länder wie Laos. Auf jeden Fall kann es nicht Sinn der Sache sein in späteren Tagen mit 10 Motorbooten über den See zu tuckern. Das hilft weder den Laoten, noch den Besuchern; geschweige denn den Delfinen. So, und Natur bekommt man halt nicht im Sessel, man muss auch mal Opfer bringen. Ist im Himalaja oder sonst wo auch so. Und wenn es nur ein längerer Weg in der Hitze auf diesem wunderbaren Fluss ist. Na ja, zurück zum Tag. Die Boote waren schnell weg und wir danach noch ca. 2 ½ Stunden allein auf dem See. Es wurde nur gepaddelt und das Boot von links nach rechts geschaukelt um die Tiere an zu locken. Glück hatten wir aber leider nicht mehr. Nach wiederum traumhaftem Rückweg haben wir an der Anlegestelle etwas gegessen, bevor wir auch den nördlichen Teil der Insel etwas erkundeten. Von dort haben wir dann auch unser Lokal von der anderen Seite des Mekongarms fotografiert, da ein vernünftiges Foto von unserer Seite (Don Det) gar nicht richtig möglich ist. Danach in selbigem (übrigens sind wir am 2. Don Det Tag auch dort hingezogen) was gegessen und nen Wasser getrunken, bevor Einiges zu erledigen war und eine längst fällige Dusche genommen wurde (Fallrohrkabine hinter der Hütte). Um 17 Uhr dann wieder ins Lokal. Essen/ Tagebuch/ Lao Lao mit 7up. Hier taucht dann auch irgendwann Stefan aus Deutschland auf (nicht der aus Vientiane). Wir kommen schnell ins Gespräch, wobei sich aus einem kleinen Bla Bla ein langer interessanter Abend entwickelt. Stefan ist mit dem Rad von Hongkong nach Bangkok unterwegs, will aber hier auf den Inseln etwas entspannen. Mit der Zeit wird aus dem interessanten Abend dann fast ein Gelage. Wat solls? Is unser letzter Don Det Tag und für ihn der Beginn einer kleinen Entspannungsphase. So kommt es dann, dass ich nach viel zu viel Lao Lao um 1 Uhr in der Hütte liege.


Donnerstag, 15.01.2004

Um 6 Uhr (der Kopf ist erstaunlich klar) geht’s raus. Nach kurzer, aber zelebrierter Verabschiedung sitzen wir nur kurze Zeit später im kleinen Boot nach Ban Nakasang, welches der Lokalbesitzer für uns angefordert hatte. Dort nehmen wir dann auf einem Pick-Up mit großer Ladefläche Platz, auf dem sich rechts, links und in der Mitte jeweils eine Bank befand. So gelangen heute etwa 60 Leute mit uns nach Pakse. Nach 2 ½ h Fahrt wird der Großteil der Besatzung auf 2 Tuk Tuks zum Stadtzentrum verteilt. Wir und 3 Einheimische bleiben aber sitzen, wollen heute noch versuchen zum Bolaven Plateau zu gelangen. 10 Minuten später steigen wir auf einem großen, staubigen und knalle heißen Umschlagplatz aus. Zig Marktstände und zig Busse. Zunächst versteht keiner was wir wollen bis wir die kleine Ticketbude entdecken. Aber wo wollen wir eigentlich hin? Nach Salavan oder nach Tadlo (Tipp von den zweiten Franzosen in Vang Vieng)? Wir entschließen uns (im Nachhinein genau richtig) für Tadlo und haben noch eine Stunde Zeit bis zur Busabfahrt. In dieser irren wir durch den Staub, den Sand und die Hitze. Andere Ausländer sind nicht ausfindig zu machen. Der um 12 Uhr pünktlich abfahrende Linienbus erreicht dann um 14 Uhr Tadlo, von wo aus wir mit einer Art Tuk Tuk zum Ressort gebracht werden. Wir bekommen eine kleine Hütte (ähnlich der in Don Det) in direkter Nähe zum Wasserfall. Dann wird erst einmal geduscht, gegessen und Tagebuch geschrieben. Anschließend gibt’s die ersten Erkundungen. Also, man kann Räder leihen, oder Trekken, was aber mit einem Guide geschehen sollte. Für nicht wenig Geld soll so eine Führung von statten gehen. Aber wir haben in Vang Vieng von diesen Touren gehört. Neee, lange Zeit, wenig Strecke, viele Pausen. Außerdem, Travellerpolitik außen vor, möchte ich unabhängig sein. Meine Orte und Zeiten selbst bestimmen. Zu dem wird ein Guide seine Route haben. Und wir wollen unseren Erfahrungsaustausch, wie auch eventuelle Gelder lieber verteilen; andere Dörfer, andere Stellen besuchen. Hier in Tadlo fasst der sanfte Tourismus auch langsam Fuß. Guides, Räder, und auch Elefantentouren werden angeboten. Insgesamt sind aber außer uns ganze 10 Reisende (ca. 8 Guesthäuser) im Ressort untergebracht. Bei unserer Vermieterin nächtigen u.a. noch Jutta und Uwe aus Frankfurt, mit welchen wir auch den Abend verbringen sollten. Vorab machten wir aber noch einen eigenen Spaziergang von etwa 2 Stunden. Dabei liefen wir auf kleineren Wegen den Nam Se (oft auch anders bezeichnet) entlang. Eine wirklich beeindruckende Gegend, wobei ich nicht nur Asiens Wasserfälle hochjubeln möchte. Auch Triberg im Schwarzwald ist schön. Das nur mal so, bevor es mal wieder heißt: „Guck doch ersma in deine Umgebung bevor wieda vonne andere Kontinente schwärmen tus!“ Später am Abend nehmen wir die neue Planung vor. Durch das Auslassen von Luang Prabang und die heutige Weiterfahrt bis nach Tadlo haben wir Zeit gewonnen. Schaffen wir in Pakse den Nachtbus nach Vientiane (Express und Ausstattung = 15 Stunden max), dann hätten wir in Vientiane gar 6 Nächte. Diese können wir sicherlich sinnvoll nutzen (man denke an Phnom Penh im Vorjahr), aber einen weiteren Ort einzubauen ist ja nicht verkehrt. Also werden wir nach Tadlo noch eine Übernachtung in Salavan einschieben. Bett: 22.15 Uhr


Freitag, 16.01.2004

7 Uhr aufstehen. Danach startet unsere eigene Trekkingtour. Mal sehen, wie lange wir so unterwegs sind. Nach der kleinen Sandstraße auf der anderen Seite des Flusses gelangen wir auf einen kleinen Weg. Wald zur Rechten, der Fluss zur Linken. Macht Spaß so zu laufen, erinnert teilweise an Langtang (Nepal). Die Wasserfälle machen was her. Nach einiger Zeit geht der Weg rechts ab, zu einem kleinen Dorf. Bis hier wird wohl auch der Guide gehen, weiter nach unseren Infos eher nicht. Die Hütten des Dorfes sind im Kreis angeordnet. Viele der Einheimischen rauchen hier ihre selbst gedrehten Zigaretten in Palmen- oder Bananenblättern. Ob, oder was drin ist? Frag mich nicht; laut meinen Infos in dieser Region eher normaler Tabak. Wäre logisch, Schlafmohn wird ja nur im Norden des Landes angebaut. Auf jeden Fall war in diesem Dorf so einiges los. Überall winzig kleine Schweinchen und ebenso kleine Hunde. An einer Seite führte dann ein kleiner Weg aus dem Dorf. Diesen schlagen wir ein, wollen wieder Richtung Fluss. Zunächst kommen wir aber über einige kleinere Felder, auf welchen Kaffee angebaut wird. Auch sehenswert, schließlich handelt es sich hier um den berühmten Lao-Kaffee. Problem nur, dahinter endet der Weg wieder. So ebnen wir uns selbst den Weg zum Fluss, müssen aber immer wieder etwas klettern. Auch dies ist aber irgendwann nicht mehr möglich. Wir treffen 2 Kinder beim Fischen, schauen zu, bieten ihnen Wasser an. Ne, ne, wollen se nicht. Wasser ist doch im Fluss. Ja, stimmt eigentlich, aber auch einiges an Insekten- und Parasitengetier. Aber auch logisch, dass dies maximal für unsere Mägen Probleme geben könnte (mit den richtigen Tropfen aber auch das nicht). Die Kinder haben hier allerdings kein Fischerglück, wollen es an einer anderen Stelle nochmals probieren. Somit zeigen sie uns den Weg am Fluss. Na ja, was heißt Weg; es geht durch dichtestes Gestrüpp, Insekten und trallala. Einige Passagen können wir nur kriechend oder krabbelnd bewältigen. Als die beiden ihr neues Plätzchen gefunden haben geht für uns die Suche weiter. Nach etwa 30 Minuten erreichen wir die nächsten Kaffeeplantagen. Da es am Fluss quasi unmöglich ist (ohne nur durch den Fluss zu gehen) vorwärts zu kommen, schlagen wir die Wege/ Lücken auf den Plantagen ein. Ein nettes Bummeln. Und dann? Hurra! Ein neues Dorf. ------ Häääh? Hab ich doch schon mal gesehen. Ja, es war tatsächlich das selbe Dorf wie beim ersten Mal. Kapiere ich nicht, zumal ich sonst echt einen guten Orientierungssinn habe. Klar, es wird an der Krabbelei gelegen haben. Ein paar Meter in der ¼ Stunde, während man auf den Wegen in der selben Zeit ruckzuck mal ein paar Meter zurück läuft. Egal, kann ja mal passieren. Nun verlassen wir das Dorf allerdings am oberen Ende, wo sich eine größere Sand/ Geröllstraße befindet. Von dort schlagen wir den ersten kleinen Weg nach links ein, welcher aber ebenfalls schnell endet. Der 2. Versuch: Hier endet der Weg nicht so schnell. Rechts und links vom Weg 3-4 Meter hohe Sträucher, so wie einige Palmen. Recht hoffnungsvoll. Schließlich kann ja hinter jeder kleinen Kurve ein Bach, ein Dorf oder sonst was folgen. Tut es aber nicht, so dass wir nach ca. 1 Stunde wieder umkehren. Auf dem Rückweg sitzen dann plötzlich 6 Männer auf dem Weg. Sie haben mehrere Waben in dickere Scheiben geschnitten. Waben von Bienen, Hornissen oder Wespen? Ich tippe auf Wespen. Aus diesen ziehen sie die etwa 1,5 cm langen Larven, welche auf einem Palmenblatt gesammelt werden. Dort krabbeln sie, sofern sie es noch können, fröhlich umher. Ja, ich weiß, es ist nahrhaft, eiweißhaltig und Angebote sollte man nicht abschlagen. Hab ja auch absolut keine Probleme mit exotischem Essen, probiere selbst ja fast alles. Aber nach der Latscherei und Krabbelei sollte mein erstes Essen am Tage nun doch nicht gerade eine lebendige Larve sein. Danach treten wir den Rückweg Richtung Ressort an. Wieder am Fluss (Dorfhöhe) nehme ich ein kleines Bad. Viele Steine, aber erfrischendes Wasser. Dabei immer ca. 12 Kinder um uns herum. Baden gehen hier wohl nur ganz wenige Traveller, die Einheimischen aber alle. Zumindest war es für die Kids recht ungewöhnlich, dass ich mich ebenso erfrischte. Hatten auf jeden Fall ihren Spaß und ihre Neugier. Um 13.30 Uhr erreichen wir dann wieder das Ressort. Den ganzen Weg über hatten wir nicht einen einzigen Ausländer gesehen. Wir essen in einem anderen Lokal als Snez wieder ihre große Liebe zum Thema macht: Elefanten. Also gut. Eine Lodge im Dorf hat in diesen Monaten 2 Arbeitselefanten zur Verfügung, bietet für 5 $ pro Person Ausritte an. Ist das teuer? Günstig? Zu touristisch? Kann und will ich heute nicht beurteilen, zumindest nicht ausführlich. Fest steht: a) Es sind gerade mal 2 Elefanten für das gesamte Ressort b) Ein gewisser Schutz besteht, wenn die wertvollen Tiere schonend für Reisende eingesetzt werden c) Flim Flam liebt die Tiere über alles, wollte immer schon so einen Ausritt machen. Wir ordern also den Ritt, welcher dann eine Stunde später beginnen sollte. Den anderen Elefant nimmt in letzter Minute noch ein Pärchen, das wir bereits am 10.01. in Pakse trafen. Die 1 ½ h Tour ist echt nicht schlecht. Über schmale Wege mit diversem Gestrüpp und Wald (teilweise karg auf Grund der Trockenzeit) verläuft sie. Auch durchqueren wir mit den Dickhäutern 2 Mal den Nam Se. Um 17.30 Uhr sind wir dann wieder im Ressort. Waschen und ab ins Lokal, Treffen mit Jutta und Uwe. Ach ja, wenn ich Ressort schreibe, dann meine ich eigentlich immer den Ort Tadlo (eigentlich der Wasserfallname). Das eigentliche Tadlo Ressort ist eine Nobelherberge auf der anderen Flussseite, wo sich angeblich früher irgendwelche Engländer niedergelassen haben, und daraus ein recht teures GH entstanden ist. Keine Ahnung, mir wurscht. Später mit Uwe und Jutta noch in ein zweites Lokal bevor um 22 Uhr Heia machen angesagt ist. Hier wird dann auch die hervorragende Ente verdaut.


Samstag, 17.01.2004

Da haben wir doch tatsächlich bis 8.30 Uhr inne Falle gelegen. Der Morgen wird heute zum Test von kulinarischen Besonderheiten genutzt. Danach geht’s dann zum unteren Wasserfall; Genießen und paradiesisches Relaxen steht auf dem Tourplan. Am Wasserfall erwarten uns zunächst einige spaßige Klettereien mit den einheimischen Kindern, wobei es an einigen Stellen auf Grund des rutschigen Untergrundes recht heikel ist. Andere Stellen wiederum sind erstaunlich tief, was andererseits natürlich zum Schwimmen einlud. Also, nach Klettern war Planschen angesagt. Leichtsinnigkeit war dabei aber nicht geboten, genau gucken sollte man schon vor seinen Aktionen. Genau geguckt haben die einheimischen Kinder wohl schon seit Jahren, sonst würden die Eltern bei deren Abenteuern wohl auch austillen. Klippenspringen, der große Spaß des Nachwuchses von Tadlo. Aus etwa 8 Metern (ein Italiener und meine Freundin sprachen gar von 10-12 Metern) stürzten sich die Usselköppe in die kleinen Pools des Wasserfalls. – 13.00 Essen im zweiten Lokal – Den Rest des Tages haben wir dann mit Geld checken, Extrem-Relaxing, Essen und Trinken verbracht, was anschließend problemlos in den Abend über ging. An diesem kamen übrigens auch Eva und Biggi aus Stuttgart an, mit welchen die ersten Stunden nach Sonnenuntergang eingeläutet wurden. Beide sind 7 Monate in Südostasien und Australien unterwegs, wo Eva auch anschließend ihr Studium beenden wird. Später stoßen dann ein Holländer und ein Engländer hinzu, was den Abend länger werden lässt. Lao Lao ist mal wieder präsent, und heute zum zweiten Mal während unseres Laotripps richtig. Typischerweise natürlich wieder an einem Abend vor einer Weiterreise, wobei Morgen ja lediglich ein Katzensprung ansteht. Bett: 2 Uhr


Sonntag, 18.01.2004

6.30 Uhr aufstehen. Wie beschlossen gibt’s noch einen Tag in Salavan, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Der Weg wird per Tuk Tuks und einem Kleinlaster absolviert und dauert insgesamt keine 45 Minuten. Diese Hauptstadt wirkt eher wie ein kleines Städtchen, wenn überhaupt. Die Reisenden machen hier Halt um Touren aufs Plateau zu unternehmen. Die wenigen Unterkünfte stehen meistens leer; wenige Reisende und ein paar Montagearbeiter sollen aber ab und an einchecken. Nach dem wir das Zimmer gerichtet haben (Moskitonetz etc) geht es erst einmal auf den Markt. Dort wird etwas geshoppt, u.a. wandern Klebreisbehälter in die Handgepäcke. Die angekündigte Artenvielfalt hält sich am Morgen hingegen in Grenzen, lediglich Frösche werden in Massen angeboten. Der Rückweg zum GH (nach kurzem Lunch) verläuft durch eine lang gezogene Baustelle. Salavan erhält zur Zeit die lang ersehnte Kanalisation. Im GH ist der kleine Sohn der Familie von meiner „langen“ Nase begeistert; Langnasen bekommt er halt nicht so oft zu sehen. Mit Spaß inne Backen zieht er immer wieder an meinem Riechkolben. Wir relaxen 1-2 Stunden bevor wir die Stadt/ den Ort weiter erkunden, der wirklich nicht viel zu bieten hat. Lediglich einige größere Verwaltungsgebäude fallen ins Auge. Aber was heißt „nicht viel zu bieten“? Bei der extremen Freundlichkeit der Menschen lohnt sich der Trip auf jeden Fall. In einem kleinen Lokal trinken wir nach ausgedehntem Fußmarsch ein Wasser während ein DVD-Player läuft. Es laufen mal wieder die üblichen Karaoke-CD’s rauf und runter. Eine aber ist anders. Zwar wird auch gesungen, aber es sind keine Untertitel da, die Interpreten nur zwischenzeitlich zu sehen. Stattdessen laufen Bilder aus Laos. Ein perfekter Eindruckslieferant. Kein Touri-Film, sondern schlicht und einfach Bilder, die zeigen was und wie auch wir das Land erlebt haben. Für die Laoten sind solche DVD’s der Renner, gucken sich halt gerne Bilder ihres eigenen Landes/ ihrer Region an, zumal man den ein oder anderen auch schon mal kennt. Diese DVD ist von der Provinz Salavan geprägt, wobei doch an einigen Stellen eine gewisse Propaganda nicht zu verhehlen ist. Hält sich aber sehr in Grenzen, lediglich bei einem „Song“ wurden die Vorzüge etwas bewusster ins Licht gerückt. „Wo kann man diese DVD kaufen?“, wollen wir wissen. Eine schwierige Unterhaltung beginnt, da niemand im Lokal englisch spricht. Man versuchte uns zu erklären, dass es diese DVD eventuell in Pakse auf dem Markt gibt. So versuchen wir halt diese DVD im Lokal zu erwerben, zumal diese Lokale ja Massen von den kleinen Silberlingen haben. Kerl, da sind Segmente drauf, als hätte ich die Kamera in den letzten Tagen auf dem Kopf gehabt. Wir erklären unser Vorhaben, schreiben Preisvorschläge auf. Als sie verstehen was wir wollen, freuen sie sich unheimlich über unser Interesse und schenken uns die DVD ohne mit der Wimper zu zucken. Der Hammer, dieses Land. Wir bestellen dann noch 2 Bier, dass wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt. Danach geht es dann wieder mal zum Markt, welcher nun eine wesentlich größere Vielfalt bietet. Anschließend wird geduscht und lecker Essen gegangen. Die Uhr erstaunt uns allerdings heute. Zu machen ist nichts mehr, die Straßen quasi leer, aber dat Tacho zeigt gerade mal 18 Uhr an. Was tun? Wir sitzen mit den Kindern der GH-Familie im Raum vor der Glotze. Hinzu kommen einige Montagearbeiter, die beweisen dass sich die Vermutung bestätigt hat. Alle Kanalisationsarbeiter sind in unserem GH untergebracht. Sie sind aber auch recht platt: Laufen zur Dusche, trinken nen Bier und ab auf die Zimmer. Da die Kids auch bald schlafen gehen und das TV-Programm den Namen nicht verdient hat sind auch wir um sage und schreibe 20.30 Uhr im Bett.


Montag, Dienstag, 19. und 20.01.2004

Um 6.30 Uhr stehen wir auf und fahren mit dem Tuk Tuk zur Busstation, von wo uns der proppevolle Minibus in 2 ¼ Stunden zur Busstation nach Pakse bringt. Die Fahrt war etwas ungemütlich. Wind kam auf, wobei es ab und an auch etwas regnete. Das kommt im Süden auch in der Trockenzeit mal vor. Und da die Minibusse an den Seiten bekanntlich offen sind, war es halt nicht das pure Vergnügen, zumal die Schaukel absolut ausverkauft war. Aber bei der kurzen Zeit auch kein Akt. In Pakse lassen wir uns dann mit 2 weiteren Tuk Tuks wieder ins Zentrum bringen, wo wir uns um 11.15 Uhr niederlassen. Alles abgestellt, was gegessen und abwechselnd die wichtigsten Erledigungen (Bank, Verpflegung für die Nacht) getätigt. Die Zeit zieht sich, aber was willste machen, Gepäck und Wetter laden nicht gerade zu Spaziergängen ein. Von dem Lokal, wo wir uns niedergelassen haben, konnten wir übrigens auch direkt den Nachtbus chartern. Unser Glück: Die Haltestation des Busses ist direkt am Lokal. Der Nachteil: Er fährt erst um 20 Uhr, nicht wie erhofft um 18 Uhr. Das sind vom Zeitpunkt dieses Eintrages noch satte 7 ½ Stunden Wartezeit. So vergeht die erste Zeit mit Wasser und kleinen Snacks bevor ein Pärchen aus Düsseldorf auftaucht. Sie sind seit 8 Monaten mit dem Motorrad unterwegs, 20 Monate sind etwa geplant. So bestellen wir uns ein paar Bier, reden über Freundlichkeiten und nicht zu vergessene Gefahren im Iran und Pakistan, über die Geschichte Kambodschas und vieles andere. Auch die Preispolitik muss mal wieder her halten. Und da ich hier eh ewig Zeit habe, kann ich auch noch ne Kleinigkeit erläutern. Uwe regt sich vor allem über zweifach angeschlagene Preise auf, was ihm in Laos bislang allerdings nicht aufgefallen ist. Soll heißen „Tourists 5 $, Local 3 $“ nur als Beispiel. Diese Politik ist auch für Einheimische keine tolle Sache, schädigender als der Normaldenkende vielleicht meint. Ich erwähne dies, weil es mir ebenfalls schon einmal so aufgefallen ist, wobei ich hier allerdings kein Hauptproblemfeld sehe. Kurze Erläuterung des Problems: Bei stärker frequentierten Geschäften, Dienstleistern etc erfolgt dadurch eine bevorzugte Behandlung der Ausländer, da mehr Geld. Ab 16.30 Uhr sind wir dann wieder allein (immerhin haben die beiden uns nen ganzen Batzen der Wartezeit erleichtert). Noch 3 ½ Stunden. Die 2 großen Bier pro Person haben weder aufgeputscht, noch haben sie müde gemacht. --- Gäähn, guck doof, Grübel. Hätten wir doch wenigstens noch was zu lesen. Der leckere Whisky aus Thakhek (Pedda) ist im Supermarkt nebenan übrigens doppelt so teuer wie in Savannaketh. Schreib ich aber auch nur aus Langeweile. Um 18.15 Uhr taucht doch tatsächlich noch ein Pärchen auf, ebenfalls aus Deutschland. Sie machen ihre Tour 1 Jahr. Das Witzige, sie halten meine Touren (inkl. Schalke) für wesentlich durchgeknallter als ihre eigenen. Na ja, meinetwegen. Wir essen noch was, trinken mit den beiden noch 2 Bierchen und schauen auf den Wecker. Tatsächlich nur noch 50 Minuten. – Der Bus müsste kommen, in welchem sich außer wenigen Travellern meistens Geschäftsleute befinden sollen. Er soll nur 2 oder 3 Mal halten, somit spätestens nach 11 Stunden Vientiane erreichen. Also bitte, nichts dagegen. Mit kurzer Verspätung taucht der Bus dann auch auf. Einziges Ärgernis der Fahrt: Die spezielle Klimaanlage des Spezialbusses; direkt über meinem speziellen Kopf. Ansonsten geben die 2 Fahrer Gas wie die Irren. Nach 3 wirklich kurzen Stopps sind wir bereits um 0.50 Uhr in Thakhek. Und um sage und schreibe 5.30 erreichen wir nach nur 9 h 10 Minuten Fahrt die laotische Hauptstadt. Gepennt habe ich auf der Fahrt hingegen mal wieder nicht. Dort an der uns bekannten Bude erst mal gefrühstückt. Danach per Tuk Tuk ins Zentrum. Dort gestaltet sich die GH- Suche heute recht schwierig. Das Preis-Leistungsverhältnis passt heute irgendwie gar nicht, und auf meine Rabattanfrage (immerhin 5 Nächte in Vientiane, sehr lange für Traveller hier) reagiert auch kaum jemand. So werden wir erst nach 2 Stunden mit dem Haus auf dem Rücken fündig. Dort geduscht und die wichtigsten Erledigungen in der Stadt vorgenommen. Dann brechen wir zu Khamsone auf, wollen ihn auf der Arbeit überraschen. Er rechnet ja schließlich frühestens Morgen mit uns. Das „Hallo“ ist groß, die Überraschung gelungen als wir im „Animal Health Center“ auftauchen. Zunächst haben wir mit ihm einen Laokaffee getrunken, bevor er uns sein altes Dorf direkt nebenan zeigen will. Da wir zuvor in einem Gespräch erwähnten, dass ich vor der nächsten Nacht auf jeden Fall die Matte aus dem Gesicht nehmen lassen will, kommt er auch hier wieder auf eine Idee. Im Dorf steuert er direkt auf einen ihm bekannten Barbier zu. Und wieder das Problem: Wehe du willst selbst bezahlen. Ist einem ja schon regelrecht peinlich. Na ja, wir haben ja noch Chancen uns zu revanchieren. Auf jeden Fall ist der Bart endlich ab, ist wie eine Reinkarnation in ein besseres Leben. Anschließend besuchen wir mit ihm das zum Dorf gehörende Wat, wo er alles ausführlich erläutert. Und auch hier lernt man ja nie aus, z.B. die Sache mit den barfuss laufenden Mönchen am Morgen. Gut, vielleicht wusste ich es auch, habe es aber irgendwann wieder vergessen. Der Grund beim morgendlichen „Essen sammeln“ barfuss zu laufen ist auf jeden Fall folgender. Sie bekommen das Essen schließlich gratis von den Bürgern, sollen durch das teilweise unangenehme barfuss laufen die schwere Arbeit auf den Reisfeldern nachvollziehen können. Anschließend kommen wir noch zu ein paar webenden Frauen, wo er uns auch jene Pflanzen zeigt, aus welchen die starken Farben entstehen. Darauf hin verabschieden wir uns und verabreden uns für den Samstag. Uns zieht es nun erst einmal in ein sehr gutes und günstiges laotisches Restaurant, wo ausgiebig rein gehauen wird. So, und da wir gerade im Sinne von „Verwöhnen“ sind, gönnen wir uns nun eine einstündige Massage. Diese konnten wir auch gut gebrauchen, allein schon wegen der ganzen Busfahrten. – Ein Abstecher ins GH bevor wir uns einige Zeit an einen dieser kleinen Plätze setzen, auf welchen die hier so häufige Art des Fußballtennis mit einem kleinen Bastball gespielt wird. Wenn man das immer sieht fragt man sich wirklich, warum dieses, oder besser diese Länder, noch keinen größeren Fußballer heraus gebracht haben. Die Technik ist der Hammer, außerdem wird hier an jeder Ecke gespielt. Bereits heute Morgen um 6.15 Uhr nach unserem Frühstück tummelten sich die Kinder auf mehreren Bolzplätzen. Schon klar, die üblichen Gründe kenne ich. Aber irgendwann werden die kommenden Stars des Weltfußballs auch aus diesen Ecken kommen. Die letzte WM in Japan und Korea hat ja bereits gezeigt wie der Hase läuft, dass die Zeit der „Großen“ unter sich vorbei ist. Und das sicher nicht nur auf Grund der maßlos überstrapazitierten Ausrede der Champions-League-Belastung. Nu, gut is. Als es dann dunkel wird geht’s in ein uns vom ersten Aufenthalt bekanntes Lokal. Dort tauchen plötzlich 25 Rundreisetouristen auf. Daher wechseln wir kurz nach dem Essen das Lokal. Versteht mich nicht falsch: Das ist weder Arroganz noch sonst was, auch keine Pauschalverurteilung. Nur habe ich keinen Bock, und wenn es nur 2 Personen sind, mich nach einigen Bierchen beleidigen zu lassen. Wie gesagt, nichts gegen die Leute an sich. Viele buchen z.B. eine Rundreise, weil ihnen die andere Form, sei es aus Altersgründen, zu anstrengend ist. Mein Problem ist nur: In letzter Zeit passiert es den Individualreisenden öfter, dass sie Opfer unüberlegter und dämlicher Beschimpfungen werden. In unserem kleinen Lokal in der Nähe des GH wird mit Fred, einem bereits zuvor getroffenem Österreicher, die Sache weiter aufgegriffen. Er hatte sich in den letzten Monaten aus mehreren Gründen mit dem Thema befasst und weiß Folgendes zu berichten: Viele Reiseveranstalter legen ihren Kunden den Schwachsinn wort-wörtlich in den Mund. Sie seien die einzig Wahren, diejenigen, die dafür Sorge tragen, dass viel, und vor allem alles an Geld im Land bleibt. Und das sei eine Menge. Die Traveller hingegen würden die Leute gar nur ausnutzen. Genau! Zunächst sei einmal die Dauer der Busrundreisen erläutert: 1-2 Tage in Vientiane und inklusive der Weiterreise die selbe Zeit in Luang Prabang, bevor es dann weiter nach Vietnam geht. Zumindest ist dies der Regelfall. Nach Angkor kommt dann in der Regel der Badeaufenthalt in Thailand. Und vor allem bleibt das ganze Geld im Land, wahrscheinlich ja auch noch bei der armen Bevölkerung. Ziehen wir den Veranstalter, die Fluggesellschaft und den meistens ausländischen Investor ab, dann verbleibt so gut wie nichts. Das, was bleibt ziehen sich dann meistens 2-3 Laoten (oder wer auch sonst rein), denen es dann noch weit besser geht als uns in Europa. Die großzügigen Trinkgelder für die Kellner möchte ich gar nicht erst erwähnen. Fred hatte sich auch mit anderen Rundreisen beschäftigt. Grandiose Beispiele hatte er parat. Für mich auf Platz 1: „Rundreise Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien in 19 !!! Tagen. Tag 18: Stadtrundfahrt in Rio. Der nächste Morgen zur freien Verfügung – Abflug um 14 Uhr!! Für schlappe 5.680 €“ Applaus. So, genug der Aufklärung. Später saßen wir noch vor unserem GH, wo Fred neben uns der zweite Gast ist, und diskutierten über eventuelle Vorhaben eines Kalimantantripps. Bett: 23 Uhr


Mittwoch, 21.01.2004

Erst um 8.30 Uhr aufgestanden; logisch nach 2 Tagen ohne Schlaf. Nach gutem Frühstück soll es heute in die südliche Umgebung von Vientiane gehen, zum „Buddha Garten“. Durchs Einkaufszentrum und Markt I gelangen wir zur Busstation von wo aus wir mit dem Linienbus nach 1 ¼ h „Buddha Garten“ erreichen. Es handelt sich dabei um einen Garten von Figuren buddhistischer, indischer und laotischer Mythologie. Reiche Spender ließen die Figuren für ihr Karma dort bauen oder aufstellen. Die meisten Figuren sind nicht weltbewegender Natur, aber auf jeden Fall sehenswert. Besondere Aufmerksamkeit sollte allerdings dem „Kürbistopf“ gewidmet werden. Dieser Topf kann von innen erklommen werden, wobei es auch noch Stiegen im inneren Innen gibt (mit weiteren Figuren ausgestattet). Die wenigsten Leute sind aber im inneren Innen unterwegs, oft weil sie gar nicht mit einer Zutrittsmöglichkeit rechnen und dann nicht danach Ausschau halten. Später haben wir draußen an einem kleinen Stand verdammt gut gegessen. Nach erfolgter Rückfahrt ging es dann direkt auf die nebeneinander liegenden Märkte und Zentren. 4 Stunden verbrachte man dort, auch um Gewürze für zu Hause zu erwerben. Nach ein paar Erledigungen geht es dann zum Duschen ins GH. – Wieder ins Stammlokal und wieder Treffen mit Fred. Er ist übrigens pro Jahr immer nur knapp 2 Monate unterwegs, dies aber seit vielen Jahren. Ziel an sich immer Asien. Für morgen schlägt er uns den Besuch des That Luang vor, wobei wir erst gegen 15.30 Uhr loslaufen sollten. Dies sei die beste Zeit für Fotos. Fred wirkt auf Grund seines extremen Bartes ungewöhnlich, ist aber super in Ordnung und hat ein extremes Wissen. So kommt es wieder mal zu interessanten Gesprächen. Anekdote am Rande: Erst heute fällt uns der Hinweis auf dem Herrenklo auf, wo an der Wand folgendes angebracht ist: „PIPI >“
Irgendwann nehmen wir ein paar Bier und Lao Lao für „Take Away“, setzen uns an den kleinen Tisch vor unserem GH, wo nach einiger Zeit noch eine französische Puppenspielerin auftaucht, welche ebenfalls hier untergebracht ist. Sie hält nach Auftrittsmöglichkeiten für Kinder (gratis i.d. Regel) Ausschau. Der geniale Abend endet um 2 Uhr


Donnerstag, 22.01.2004

8.30 Uhr aufgestanden. Wir latschen direkt ins Zentrum, wo endlich mal ein paar E-Mails abgerufen werden sollen. Na toll, wat ich da lese macht ja richtig Laune auf zu Hause. Dafür folgt beim Frühstück dann eine angenehme Überraschung. Pedda (Thakhek) ist da. Wir quatschen etwas und verabreden uns für den Abend. Es folgen ein paar Einkäufe, wobei wir zufällig in einen chinesischen Umzug geraten. Dat Neujahrsfest steht aufen Plan. Später dann wieder auf den Markt und zum Einkaufszentrum. Schließlich suchen wir noch ein Geschenk für das Essen bei Khamsone. Im Center geht’s mir heute aber richtig auf den Sack. Im Hauptcenter haben sich inzwischen viele chinesische Geschäftsleute niedergelassen. Die wollen wohl weder handeln, noch bekommste vernünftige Preise. So ziehen wir weiter in eine Straße Richtung Norden. Auch hier gibt es die überall auffallenden Geschenkkörbe, welche uns aber aus verschiedenen Gründen alle nicht zusagen. Aber hier herrscht nicht diese Sturheit des Shoppingcenters. Hier zeigt man sich nett und entgegenkommend. Wir sollen uns den Korb ruhig selbst zusammen stellen, wobei wir auch noch bestens beraten wurden. So werden die kleinen Kerzen zum Beispiel wieder aus dem Korb genommen, weil die Verkäuferin erläuterte, dass dies Unglück bedeute. Nach einer ½ Stunde ist der Korb voll, wird schick verpackt. Nur an eine Sache hatte ich nicht gedacht; den Rückweg. Also, gestorben bin ich bald, kann ich euch sagen. Wer schon einmal einen Korb, oder meinetwegen ein Tablett (Respekt an dieser Stelle an die Kellner der Welt) ein paar Kilometer waagerecht getragen hat, der weiß wovon ich spreche. Nach 2 Shakes im Lokal geht’s dann wie geplant um 15.30 Uhr zum That Luang. Dieser liegt im Nordosten der Stadt und ist das eigentliche Wahrzeichen von Laos. Der Schrein, so sagt man, enthält ein Stück vom Brustbein Buddhas. Die Stupa des Gebäudes ragt 30 Meter in den Himmel. Zu viel Kultur soll es aber heute auch nicht sein, so dass wir nach einigen Fotos den Rückweg antreten, auf welchem wir eine rote Limonade trinken und etwas mit der Verkäuferin plaudern (?). – GH, duschen etc – Ab zum Treffpunkt mit Pedda. Dieser ist aber 19 Uhr nicht da. Stattdessen sehen wir auf dem dem Restaurant gehörenden TV die letzten Passagen eines Interviews mit Sam Rainsy (siehe Kambodschatagebuch). Irgendetwas ist dort passiert, wobei es auch einige Tote gegeben haben soll. Genaues bekommen wir so schnell aber nicht mit. Ich spreche einen Mann aus Seattle an, welcher aber auch nicht mehr wusste. Stattdessen erwähnte er direkt das Vorjahr. Da war er in Kambodscha, als der große Trubbel mit Thailand begann. Hallo Partner. So kommt man natürlich ins Gespräch. Er hatte sich übrigens vor Laos in einer 1a Klinik in Bangkok die Zähne machen lassen. Gerade mal 100 $ musste er berappen. In den Staaten hätte der Eingriff laut seiner Aussage 9.000 $ gekostet. Tja, bei solchen Sachen merkt man selbst in Bangkok noch extreme Unterschiede. Pedda hingegen ist selbst um 19.30 noch nicht da, also wird einfach schon mal bestellt. – Nun wird’s mal wieder haarig mit dem Eintrag; bin über 2 Tage im Rückstand. – Das Essen war mal wieder ein Traum. Pedda hingegen tauchte nicht auf. Er wollte heute Nachmittag noch zur Bank, hatte Geld angefordert. Ist etwas schief gegangen? Wir wechseln nach dem Essen wieder in unser Stammlokal in der Nähe des GH, wo wir nach nem Drink noch zwei Bier für „Take Away“ nehmen. Draußen am GH saßen wir dann mit Therese (die bereits erwähnte Puppenspielerin) und dem von uns getauften Hund „Rantanplan“. Puppenspielerin ist übrigens nicht der Hauptjob von Therese, eigentlich ist sie Jazz-Musikerin. Da wir durchaus Interesse an ihrer Puppenspielerei haben, gibt es nach kurzem Aufbau der kleinen Bühne für uns zwei, 2 GH-Angestellte und Rantanplan noch eine kleine Gratisvorstellung. Das hatte was, zumal während dessen im Hintergrund nichts außer einer Gitarre zu hören war. Danach leeren Snez, Therese und ich noch eine ¼ Flasche des Lion-Whiskys. Und noch eine kleine Anmerkung für diverse Besserwisser. Obwohl außer Therese und uns niemand im GH ist, scheint sich ein Anbau zu lohnen. Es entstehen etwa 30 neue Zimmer. In langsam aufstrebenden Orten wäre dies übertrieben, in der Hauptstadt aber wohl ok. Man bedenke auch die Arbeiter in Salavan. Bett: 0 Uhr


Freitag, 23.01.2004

Um 8 Uhr stehen wir auf. Heute steht erst einmal eine Brauereibesichtigung auf dem Plan. Ja, richtig gehört: Brauereibesichtigung. „Beer Lao“ dürfte nämlich das beste Bier Asiens sein. Und schuld daran ist tatsächlich Deutschland, genauer gesagt die ehemalige DDR. Diese hat 1973 die Brauereikunst nach Laos gebracht. Der Hopfen zum Beispiel kommt noch heute aus Deutschland. Der Marktanteil des Lao-Biers in Laos hat auf jeden Fall Dimensionen, wovon deutsche Brauereien nur träumen können. Klar, es gibt (abgesehen vom Palmenbier) auch nur ein einheimisches Bier (laut meinem Wissensstand). Besichtigen können wir dann letzten Endes aber nur die Abfüllanlage. Nicht so modern, aber sonst eigentlich gleich mit den unseren. Möchte aber auch erwähnen, dass ich da kein Experte bin. Das einzige was im Gegensatz zu den Abfüllanlagen von Veltins, Frankenheim und Warsteiner auffällig ist: Es gehen doch noch ein paar mehr Flaschen zu Bruch. Souvenirshops und Freibier suchte man hier übrigens vergeblich. Schade eigentlich, hatte hier auf den Erwerb eines einheimischen Trikots mit der Laobieraufschrift gehofft. Wieder in Vientiane wird dann auf dem Markt erst einmal gegessen. Anschließend laufen wir eine der Hauptstraßen Richtung Nord-Osten. Nach 20 Minuten geht’s dann in die Nebenstraßen. Da Vientiane ja auch nicht so klein ist (aber nie wie eine Hauptstadt wirkt) tauchen hier auch sehr selten andere Leute auf. Das hat was Ursprüngliches. Vor einem Lokal bestellen wir jeder eine Sprite und setzen uns, wobei wir schnell mit Einheimischen ins Gespräch kommen. Einer von ihnen konnte etwas englisch. Die Einheimischen hatten dort ihre Mittagspause (ist jetzt 12 Uhr) verbracht, obwohl man hier eigentlich nicht mehr von einer Pause sprechen kann. Zur Zeit ist halt „Chinese New Year“, bzw auch Vietnam. Außerdem ist Wochenende und die Laoten feiern dieses Fest einfach mit. Die Arbeit ist dann nicht ganz so wichtig. Man kann es wohl mit den Kölnern in der Hauptkarnevalszeit vergleichen. Also wurde auch massig Bier getrunken. Dabei ist es Tradition, dass immer wieder jemand mit dem Glas eine Runde läuft. Jedem Mitglied der Runde wird dabei das Glas voll geschüttet. Dieser muss das Glas dann jeweils austrinken, bevor der Umherlaufende es wieder entgegen nimmt, auffüllt und dem nächsten in die Hand drückt. Irgendwann bleiben natürlich auch wir nicht verschont. Und so entsteht ein unglaublicher Nachmittag. Gut, dass jeder einfach die Bierflaschen bestellen kann, mit welchen dann die Runden gedreht werden. So können wir wenigstens beitragen, ohne dass jemand die fixe Idee hat uns permanent einzuladen. Zwischendurch werden übrigens immer wieder kleine Snacks auf den Tisch gestellt. Ein absoluter Hammertag. Gegen 14.30 Uhr habe ich das Gefühl, dass fast alle hacke sind. Aber Schluss ist hier noch lange nicht, und die Gesprächsfähigkeit leidet schon mal gar nicht. So erzählt einer der Dorfbewohner, die nach eigenen Aussagen (nicht zuvor gefragt, falls dies jemand vermuten sollte) der eher besseren Mittelschicht Vientianes zu zuordnen sind, was ihr Hauptproblem ist: Sie schicken ihre Kinder in die Schule, haben aber keine Kontrolle, ob diese dort ankommen. Sie gehen teilweise nicht hin, weil irgendwelche Deppen ihnen auf der Straße grundlos Geld in die Hand drücken. Ach ne! Keine Panik, ich belasse es bei der Aussage.
In der Zwischenzeit war übrigens das halbe Dorf da und musste wenigstens ein Glas trinken (Polizei, Feuerwehr, Rentner, einfach alle). Irgendwann kommen wir aber auch auf die Kriege zu sprechen. Diese Themen kommen übrigens meistens gar nicht von uns, die Leute hier sind einfach interessiert wie sich diese ganzen Entwicklungen für uns darstellen. Meinen „Freund“ Bush kann hier natürlich auch niemand leiden, was aber nicht zu einer Komplettverurteilung von US-Bürgern führt. Danach wird’s wieder spaßiger, und immer wieder heißt es „Sean Ngok Chok“, was so viel heißt wie „Prost“. Nun kommt auch hier dieser Neujahrsumzug vorbei. Drei, vier Bilder gemacht und dieser blöde Film ist voll. Toll, einen Weiteren habe ich nicht mit; wer rechnet auch mit so einem Tag. Man, wie geil ist diese Party hier. Da sitzt du den lieben langen Tag an einer lustigen Bude unter mindestens immer 20 Laoten (keine anderen) und hast nur Fun. Einer der Leute, genannt „Lion Tiger King“ besteht darauf, dass wir unbedingt noch sein Haus besuchen, was wir dann auch nach 5 Stunden Trallala machen. Es liegt etwa 50 Meter von der Bude entfernt, und auch hier wird erst einmal eine Runde (oder 2,3) auf den Tisch gehauen. Also, dieser volle Film regt mich immer mehr auf. So hätten wir wenigstens Abzüge für die Leute machen können. So haben wir nichts, nicht einmal Passfotos als Erinnerung. Klar, er ist einfach nur rappelfroh, dass wir da sind, aber wenigstens eine Erinnerung sollte sein. Wir würden zu Hause, wenn die Zeit es erlaubt, uns auch so verhalten; auch wenn es die ständigen Kritiker nicht glauben. So fertige ich zumindest ein paar Totofanten mit besten Wünschen etc. Eine weitere interessante Anekdote: Die Toilette, bzw. das Pinkeln an sich. Um zum Klo zu gelangen musste ich über den Hof, welcher derzeit eine Baustelle war. „Lion“ baut an/ um oder wie auch immer. „Jau, und aufen Bau da sitzen bekanntlich de Bauarbeiters!“ Leckofanni. Da beschäftigste dich kurz mit nem Bauarbeiterkind, und schon haben alle Spaß. Und aufen Bau gibt’s selbstverständlich auch diese wandernden Gläser! Ich sach euch, spätestens nach dem dritten Pinkeln hatte ich richtig einen im Ballon, einmal Pipi = ½ Liter Bier (von den Flaschen vorher und jetzt bei Lion mal abgesehen). Um 19 Uhr, nach 7 Stunden „Hoch die Tassen“, wollen wir uns dann ein Tuk Tuk rufen. „Nichts da“, so der Fahrer bei der Ankunft, „ist schon bezahlt“. Außerdem ist Lion sein Freund. Glaub dat alle nich mehr. Bin mal gespannt ob, und wann Lion sich meldet. Er wollte sich über einen Kollegen per E-Mail bei uns melden. In unserem Stammlokal dann erst mal was gegessen, wobei ich eigentlich gar keinen Hunger hatte. Zwischendurch kam dann einer dieser Trockenfischverkäufer. Nun gut, müssen wa ja endlich auch mal probieren. Hmm, neee, lass ma. Einmal reicht, is nich mein Ding. Um 20 Uhr sind wir dann im GH. Snez geht direkt pennen. Ich sitze noch allein mit Rantanplan am Tisch, will mir noch ein paar Notizen und Gedanken machen. Dabei trotte ich so ein paar Meter ums GH, bis wohl mal wieder eine läufige Hündin unterwegs ist. Bis zu 30 Köter kläffen mich plötzlich an. Aber erstens gewöhnt man sich ja dran und zweitens gibt’s ja Rantanplan, welcher nun einen Alarm vom Feinsten schlägt. Danach spiele ich noch etwas mit meinem schnurrenden Freund.
Bett: 22 Uhr


Samstag, 24.01.2004

Um 8.30 Uhr werde ich wach. Hut ab, der Toto hat 10 ½ Stunden geschlafen. War wohl auch nötig nach dem gestrigen Gelage. Und um 8.45 Uhr klopft es auch schon an der Tür: Telefon für Toto. Khamsone ruft wie besprochen an. Um 10 Uhr wollen wir uns treffen. – Kleines Frühstück und Rucksäcke grob packen. - Khamsone ist da, mit ihm seine kleine Tochter und seine Frau. Zunächst übergeben wir den Geschenkkorb, dann fahren wir zu einem ihm gehörenden großen Grundstück. Aber das finde erst mal genau. Er hat es nach seiner Zeit in der DDR und den ersten Jahren im „Animal Heath Center“ 1995 günstig erworben. Einfach als Rücklage. Keine dolle Lage damals, nichts. Aber wer den Kip-Verfall kennt..
So war er auch seit 1995 nicht mehr da. Nun gibt es aber eine potentielle Käuferin, welche dort eventuell etwas produzieren will. Mit 2 Freunden von ihm, die wir dort treffen, begehen er und ich das Grundstück während die Frauengruppe am Fahrzeug wartet. Wir müssen durch meterhohes Gestrüpp (erinnert an die Tadlotour), welches er selbst noch beseitigen lassen muss. Dabei betont er immer wieder, dass die älteren größeren Bäume auf jeden Fall verschont bleiben. Anschließend besuchen wir die ersten Verwandten von Khamsone, wo ich einen original zubereiteten Papayasalat komplett verdrücke. Snez bekommt schon vom Zusehen Schweißperlen auf der Stirn. Sie hatte auf dem gestrigen Gelage nur einen Streifen probiert und hatte Tränen in den Augen. Ich hingegen dürfte nun eine laotische Frau heiraten, zumindest besagt es ein Sprichwort so. Nach ca. 1 ½ Stunden geht’s zu den nächsten Verwandten. – Ach ja, wir haben ja Samstag und außerdem die „chinesischen Partytage“. Schon wieder sehe ich dieses ominös kreisende Glas. Dazu gibt’s gegrillten Fisch. Das mit dem Bier hält sich auf Grund der geringen Dauer zum Glück in Grenzen. Nach dem wir anschließend die Frau und die kleine Tochter zu Hause abgesetzt haben machen wir mit Khamsone ein paar Erledigungen. Unter anderem wird ein kranker Hund behandelt. Danach besuchen wir zwei außerhalb liegende Märkte. Auf Einem kaufe ich mir ein Hemd, auf dem Anderen wird’s dann ernst. Das Einkaufen für das gemeinsame Essen steht an. So ziehen er und wir getrennt los und kaufen ein. Jetzt muss ich abends auf dem Markt jenes Fleisch kaufen, wo ich vor einigen Jahren doch noch mehr als skeptisch gewesen bin. Nach meiner „intensiven“ Prüfung ist es irgendwann geschafft, wobei wir erst gar nicht wussten was wir überhaupt holen sollten. Ja, und zu viel war es sicherlich auch. Aber egal. Und in Sachen Fleisch mal zwei Sachen vorweg: 1) Khamsone ist zu vertrauen, er wird wissen auf welchem Markt man einkaufen kann 2) Es war mein erster Asientripp ohne Durchfallprobleme. Um 18 Uhr kommen wir bei Khamsone an. Die Vorbereitung für 7 Leute (ok, eher 6 ½) können beginnen. „Back to Basic“ sag ich euch. Richtig geil. Nicht mal eben hier und mal eben da. Brauchte ich z.B. Pfeffer fürn Salat, so musste ich natürlich die Körner erst mal klein prügeln. Hilfsmittel: Kleines Tongefäß und nen Holzknüppel. Das Rindfleisch bereiteten wir dann nach langem Geschneide in einem großen Gaswok mit Chili, Pfeffer, Bier und Trallala zu. Gleichzeitig bereitete die andere Gruppe ihr Essen vor. Ja, und irgendwann waren dann beide Essen fertig. Einfach ne Wucht dat große Fressen, wobei natürlich längst nicht alles geschafft wird. Danach noch ein Bier bevor uns die komplette Familie zum GH fährt und uns verabschiedet. Wieder mal ein perfekter Laostag. Und noch ist ja nicht alles vorbei. Zunächst einmal freut sich Rantanplan tierisch (wie auch eigentlich sonst) über die Heimkehrer. Aber dann wird er komisch, oder sagen wir besser rattendoll. Spinnt völlig rum und zerrt mit riesigem Geknurre an meiner Hose. Also besser erst mal ins Zimmer, wo mir auch sofort die Erleuchtung kommt. Klar, die anderen Hunde im Laufe des Tages, die Behandlung des kranken Kläffers. Also, Hose gewechselt, Bier- und Whiskyreste unterm Arm und wieder raus. Und schon ist Rantanplan wieder der Alte. Wir sitzen ca. eine halbe Stunde allein als Ben und seine Frau auftauchten. Er ist 55 und kommt eigentlich aus der Schweiz. Über diese regt er sich auch direkt in einer Tour auf. Und nach seinen Argumenten wohl auch zu Recht. „Diese Engstirnigkeit, keine Öffnung, nichts!“ Besonderer Aufreger für ihn: „Die Schweiz ist das teuerste Land der Welt, und ein Abrücken der Preispolitik ist nicht zu erkennen. Abgesehen von einigen Banken wird das Land (die normalen Leute) auch immer ärmer. Da stagniert doch alles. Hotels und Restaurants sind leer, wer soll den Quatsch denn bezahlen? Geld wechselt doch kaum noch den Besitzer. Laos und Kambodscha sind nicht reich, weiß Gott nicht, aber der Multiplikator ist ein Wahnsinn....“ Irgendwann hat es ihm gereicht. Und da er eh schon immer mehr reisen wollte, hat er nach einigen Jahren Messebau ein Apartment günstig erworben, welches er dann vermietete. Seit dem sind sie eigentlich ständig unterwegs. Hätte ich Ähnliches vor, dann müsste ich nun aber wirklich los. Die beiden sind nämlich mehr oder weniger seit 25 Jahren unterwegs. Davon lebten sie vor kurzen noch allein 12 Jahre in Nepal. Hauptsächlich in Gegenden zwischen 1500 und 2500 Metern, wo nirgends Trekker unterwegs waren oder höchstens vereinzelt auftauchten. Am Anfang war es schwierig, dann konnten sie den Schalter umlegen. Drei mal am Tag gab es Dal Bhat, was anderes war dort nicht zu bekommen. Sie lebten so einfach wie die Einheimischen, 12 Jahre lang. Für ihn war es das Paradies, nicht nur wegen des Budgets (12 $ im Monat).
Um 0 Uhr ging es ins Bett.


Sonntag und Montag, 25. und 26.01.2004

6.30 Uhr aufstehen. Eines vorweg, quasi dem Schlusswort zuvorkommend. Klar passiert auch in Laos das ein oder andere; trotzdem dürfte dieses Land zu den sichersten Staatsgebieten des Planeten gehören. Wenn du hier ein „Vermögen“ von 100 $ verlieren würdest, mindestens 98% der Bevölkerung würden dir hinterherrennen, um es zurück zu bringen. Dies empfanden alle, wirklich alle so, sofern das Thema angesprochen wurde. Wenn ich dann die Infos des Auswärtigen Amtes sehe, und in diversen Krisen Vergleiche anstelle, dann steht doch des Öfteren die Frage der absoluten Neutralität im Raum.
So, dann Transport, Flug und Trallala im normalen Rahmen. In Thailand haben wir dann extrem viel Zeit, wobei ich aber aus gutem Grund (nicht gerade interessant) alleine nach Bangkok rein fahre. Ich fasse zusammen. All zu viel Zeit war es in der Stadt ja dann auch nicht, und groß vorbereitet hatte ich mich auf diese Metropole eh nicht (wofür und warum auch?). So stieg ich nach einer Stunde Zugfahrt einfach am Endbahnhof aus, um dann mehr oder minder ziellos ein paar Eindrücke zu sammeln. Tja, und nach einigen Minuten lande ich dann auch direkt im Chaos der Stadt: In Chinatown, und dass zur Zeit des „Happy hasse nich gesehen“. Das hat was, wobei es nun nicht gerade mein Wunsch war. Ich hatte eigentlich zunächst auf ein ruhiges Plätzchen zum Essen gehofft. So, und dat kannste in Chinatown aber mal komplett vergessen. Hier is Kirmes. Erst nach 1 ½ h sagt mir ein kleines gemütliches Lokal zu. Das Essen machte denn auch Laune, bringt neue Motivation. So kaufe ich auf den rappelvollen Chinamärkten etwas ein, lasse mich vom reichhaltigen Angebot faszinieren, und nehme schließlich bei einem aufgespießtem Hähnchen ein Bier mit einem Australier. Nach weiteren Einkäufen für Flughafen und Flug trete ich den Rückweg an. Um 19.30 Uhr erreiche ich den Airport. Man man, so schnell können inklusive Immigration schon wieder 7 Stunden um sein. Am Flughafen dann Snez gesucht und irgendwann auch gefunden, um dann gemeinsam die Zeit bis 23.40 Uhr tot zu schlagen. Warum auch immer erreichen wir schließlich schon um 5.20 Uhr Ortszeit den Frankfurter Flughafen. Was folgt ist eine wieder mal sinnlose Diskussion mit der DB. Aber lassen wir das. Fakt ist, dass wir noch fast 4 ½ Stunden warten mussten, bevor uns der IC nach Duisburg brachte...
So, und damit ist der Trip dann auch schon wieder mal vorbei.


Schlussworte

a) Ich weiß, dass ich mich mal wieder zu oft gerechtfertigt habe, und auch zu viel erläutert habe. Aber was soll’s, vielleicht möchte ich ja auch nur zum Hinterfragen anregen.
b) LAOS: Der Titel „Paradiese im und am Mekong“ wurde spätestens in Tadlo gewählt, und ist in allen Belangen gerechtfertigt. Gut, wir waren nicht im hohen Norden des Landes, aber auf Grund der Vielzahl der besuchten Regionen ist ein gebildeter Gesamteindruck wohl kaum zu verfälscht. So hat sich die intensive Vorbereitung mal wieder vollends gelohnt., wenn auch von der Grobtourplanung mehrmals abgewichen wurde. So wurde halt mehr Zeit an den Orten verbracht; was ebenfalls eine absolut richtige Entscheidung war. Man konnte mal wieder mehr auf seine Umgebung eingehen. Und das lohnt sich in Laos. Sicher, auch hier wollen die Leute Geld verdienen, aber diese geballte Gastfreundlichkeit hat eigentlich alles vorherige geschlagen. Keine Spur der Vergangenheit in den Gesichtern der Menschen, zumindest nicht im alltäglichen Leben. Das durchgemachte Leid ist zwar mit Kambodscha nicht zu vergleichen, aber die Fakten sprechen auch in Laos für sich. Auf Laos fielen in den letzten 40 Jahren mehr Bomben als auf Europa im gesamten zweiten Weltkrieg. Auf jeden Laoten kamen 2 Tonnen Bomben. Und die Kindersterblichkeit ist auch heute noch sehr hoch. Und klar, es gibt auch Kinderarbeit, aber hier bitte ich doch einmal zu unterscheiden. In Laos findet sie eigentlich im Rahmen der Familie statt, oder wie sagen die Eltern der 70er Kinder oft: „Wir mussten damals auch mit anpacken!“ So, und diese Art Arbeit ist wohl kaum mit der der Kids in einem indischen Steinbruch zu vergleichen, wobei ich selbstverständlich auch Indien nicht pauschalisieren will. Mir bleibt nun nur noch Eins zu sagen:

Danke Laos!
Laakon!

Der Toto


Bangkok


Kommentare

Simone (05.11.2009)

Toller Bericht aus Laos! Freu mich schon, von deinem Laos-Trip noch Bilder zu sehen! Besten Gruß Simone

Der-Toto (05.11.2009)

Das ist es ja, Laos habe ich die Bilder nur im Album, da noch keine Diggi. Von den meisten Touren gar keine Berichte. kambodscha und Nepal kommen ggf die Berichte noch; Kambodscha gibts auch Fotos aber nur in einem nicht verwendbarem Format. Bilder zu den Berichten aus Indien und Rumänien werde ich bei Gelegenheit noch einstellen. Beste Grüß
Toto