Ein kleines Stück entlang der Seidenstraße - Reisebericht von horst_wehrse bei triplib.

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horst_wehrse
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Vor einigen Jahren, es muss etwa 1996 gewesen sein, fragte Wilfried, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen ein Stück der Seidenstraße zu bereisen. Ich sagte spontan zu.

Wir informierten uns, stöberten in Büchern, kauften und liehen CD-Roms und Videos. An Basisinformationen über die Geschichte der Seidenstraße mangelt es nicht, wohl aber an Reiseführern bzw. touristischer Literatur - wen wunderts, wurden die Länder doch erst vor ca. 10 Jahren eigenständig.

Almaty

Brautpaar in Almaty

Brautpaar in Almaty


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Ende 2000 legten wir die Route fest. Da uns nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung stand, einigten wir uns auf folgende Orte, die unbedingt besucht werden sollten: Almaty (früher Alma Ata), Samarkand und Buchara, alles andere war Kür und sollte spontan überlegt werden.

Dann galt es, einen Flug zu finden und zu buchen. Der Preis von Bremen über London nach Almaty war günstiger als der nach Taschkent, am 11.09.2001 sollte es losgehen.

Mitte Juli beantragten wir ein Monatsvisum für Usbekistan, danach 2 Transitvisa für Kasachstan, zuletzt ein Transitvisum für Kirgistan.

Etwa 3 Wochen vor Antritt der Reise rief ich beim Konsulat der Republik Kirgistan an, um mich nach dem Verbleib des Reisepasses und des Visums zu erkundigen. Damit nahm das Malheur seinen Lauf: Der Pass war zwar, wie man anhand des Einschreibbeleges feststellen konnte, in Berlin angekommen, jedoch unauffindbar. Es handelte sich um einen nagelneuen Pass, der auf dem schwarzen Markt sicherlich seinen Wert hat.

Schnell wurde ein Ersatzpass ausgestellt, nach Berlin geschickt, und nach 14 frustrierenden Tagen, 30 Telefonaten und 10 Telefaxen war alles o.k.: Der Pass mit den wichtigen Stempeln lag im Briefkasten, der Spaß konnte beginnen.

Am Morgen des 11. September 2001 stiegen wir gegen 7.00 h in den Flieger von Bremen nach London-Gatwick; gegen Mittag hob die Boeing 767 ab, um nach gut 6 Stunden in Almaty/Kasachstan zu landen. Hier war wegen der sechsstündigen Zeitverschiebung schon früher Morgen.

Im Flughafen bei der Gepäckaufnahme treffen wir zwei Norweger; sie beginnen gerade ihre sechsmonatige Reise entlang der Seidenstraße bis nach China. Das Auschecken verlief relativ normal, Wilfried kam so durch, ich musste nachweisen, dass der in der Zollerklärung genannte Geldbetrag stimmte.

Draußen stürzten sich etliche Schleuser und Taxifahrer wie die Geier auf uns. Ein besonders hartnäckiger setzte sich im Café zu uns an den Tisch und geleitete uns auf dem Flughafen, wo derzeit erhebliche Bautätigkeit zu beobachten war, zu einem Tauschbüro. Es ging ohne Formulare über die Bühne, unser Guide hielt sich hinter Büschen versteckt, beim Nachzählen fehlte der Gegenwert von rd. 20 Dollar.

Unser rühriger Helfer ließ sich nicht abschütteln und klebte wie eine Klette an uns. Mit dem Bus fuhren wir in die Innenstadt, gingen zum Hotel Zhetisu und kriegten auch sofort ein Zimmer. Als wir den jungen Mann für seine Hilfe bezahlen wollten, verlangte er den zehnfachen Preis dessen, was wir ihm geben wollten - wir hatten nichts abgemacht und ihn auch nicht um Hilfe gebeten. Schließlich steckte er das Geld ein und verließ wütend das Hotel.

Nach kurzer Ruhepause standen wir auf und wollten Transportmöglichkeiten nach Bishkek/Kirgistan in Erfahrung bringen, da eine Direktbusverbindung von Almaty nach Taschkent/Usbekistan nur über Bishkek zu realisieren war.

Im Reisebüro hörten wir vom grausigen Terroranschlag in New York, der zwei Stunden nach unserem Abheben in London erfolgt war. Bedrückt gingen wir frühstücken, im Lokal sahen wir dann auf einem Großbildschirm die erschütternden Bilder.

Unsere Familien baten uns, die Reise abzubrechen, vor Ort wurde uns aber mitgeteilt, dass keine direkte Gefahr bestehe und Putin nach einem Telefonat mit Bush ausdrücklich die Sicherheit der Länder, die wir bereisen wollten, erklärt habe.

Almaty besticht durch breite, mehrspurig angelegte und von Bäumen umsäumte Straßen. Gerade in der Nähe unseres Hotels parkten auffallend viele Karossen der Marke BMW und Mercedes, an einigen klebte ein D-Schild am Heck. Das frühere Alma Ata ist eine pulsierende Großstadt, viele im Westen vertraute Firmennamen, egal ob von Banken, der Elektronik-, Getränke- oder Autoindustrie, leuchten von den Häuserwänden.

Im Park nahe dem Parlament und Präsidentengebäude hat man eine wunderbare Aussicht auf die schneebedeckten Berge. Brautpaare kommen hierher und lassen sich fotografieren.

Es gibt eine relativ gute Gastronomieszene, einige Abende verbrachten wir im Rock-Cafe, lauschten der Musik aus den sechziger und siebziger Jahren, fröhliche junge Menschen an den Tischen, es hätte überall auf der Welt sein können.

Morgens klingelt das Telefon, eine Stimme fragt: "You like massage, you want a girl?" Wir sind, auch später, auf diese Angebote nicht eingegangen.

Das Hotel hatte teilweise noch den Charme der Sowjetära, auf jeder Etage wachte eine Deschurnaja, die Etagenfrau, über unsere Sicherheit.

Die Verständigung klappte, oder auch nicht. So mussten wir manchmal mit Händen und Füßen argumentieren, Namen, Daten oder Uhrzeiten aufschreiben oder jemanden bitten, uns doch auf einem Zettel unseren Wunsch auf russisch zu notieren. Etwas Mühe bereitete uns einmal auf dem Wochenmarkt die Bestellung von zwei Tassen Tee.

Die Preise für Speisen sind recht moderat, das Bier kostet etwa so viel wie in Deutschland.


Sonstiges

Buchtipp

Hilfreich waren uns die Reiseführer von Lonely planet "Central Asia", Ausgabe 2000, und "Usbekistan entdecken" aus dem Trescher-Verlag. Außerdem waren zwei Hefte aus dem Wostok-Verlag recht aufschlussreich. Weitere Hinweise konnten wir aus dem Internet gewinnen, u. a. bei "www.derreisefuehrer.com".

Central Asia. Weave your way along the..
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Bischkek

Unterwegs in Kasachstan

Unterwegs in Kasachstan


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Von Almaty ging es weiter nach Bishkek, der kirgisischen Hauptstadt. Mit dem Taxi fahren wir zum Busbahnhof, wir mussten feilschen und haben nicht das erste genommen. Beim Bahnhof stürzte sich ein ganzer Haufen freundlicher Helfer auf uns, leider auch ein verbiestert dreinschauender verkniffener junger Polizist. Er forderte uns auf ihm zu folgen. Es ging in den Bahnhof, durch mehrere Räume hindurch in ein kärglich beleuchtetes Hinterzimmer. Hier wartete schon sein Kollege. Nach den üblichen Fragen, woher und wohin, Zweck der Reise usw., fragte er nach unseren Wertsachen. Wieder mussten wir unsere Zollerklärung vorlegen und unsere gut verstauten Schätze offenbaren.

Wir gaben vor, kein Englisch zu verstehen. Umständlich nahmen die Herren unsere Sachen in die Hand, umständlich wurden sie wieder auf den Tisch gelegt, wieder hervorgenommen. Für uns war klar, ohne Bakschisch kommen wir hier nicht raus. Wer verliert die Nerven? Keiner, nach langen Minuten, vielleicht einer Viertelstunde, durften wir zum Bus - das wäre geschafft!

Es sind gut 400 km bis Bishkek, wir fahren rund 4 1/2 Stunden, nach 4-stündiger Fahrt sind wir an der Grenze.

Wilfried muß auf der kirgisischen Seite kurz aussteigen, kommt aber gleich wieder in den Bus, kein Problem. Der kirgisische Grenzer erscheint uns freundlicher als seine Kollegen auf der anderen Seite.

Wir haben im Bus, der nur zur Hälfte gefüllt ist, je einen Fensterplatz und können entspannt die Landschaft genießen. Besonders spannend war es unterwegs nicht, ich fühlte mich durch die endlose Grassteppe und die vielen Schafe an Patagonien erinnert. Kleine Orte mit blauen Hütten liegen am Weg, ab und an sieht man einen Reiter oder einen Schäfer. Einmal werden wir von der Miliz angehalten, der Fahrer zückt sein Portemonnaie und schon geht's weiter.


Lenin-Denkmal in Bishkek

Lenin-Denkmal in Bishkek


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In Bishkek angekommen tauschen wir im Busbahnhof etwas Geld und nehmen, zusammen mit einem Schweizer, ein Taxi zum Hotel im Business-Center. Im 4. Stock sind Zimmer der Business-Class, wir nehmen mit einem Doppelzimmer parterre in der Economie-Class vorlieb.

Der Schweizer, ein Postbeamter, der acht Monate Urlaub sammeln kann, war mit der Eisenbahn über Moskau nach Almaty gekommen und dann im selben Bus wie wir nach Bishkek weitergefahren.

Den Nachmittag verbringen wir zusammen, genießen die ruhige Atmosphäre in der Innenstadt und wundern uns, dass es doch tatsächlich an bester Stelle, vor dem Museum, noch ein gewaltiges Lenin-Denkmal gibt.

Bishkek gefällt uns, wir haben schönes, sonniges und warmes Herbstwetter, die Stadt ist übersichtlich, die Menschen sind freundlich. Hier kann man es gut aushalten. Die Stadt hat imposante Gebäude, breit angelegte Straßen, einen Vergnügungspark mit Disco, in der Ferne Schneeberge - gerade in der Abendsonne ein wunderschönes Panorama.

Entlang der Straßen haben viele ambulante Obsthändler ihren Stand aufgebaut. Viele Männer, meist ältere, tragen einen lustigen Hut. Die Menschen lassen es gemütlich angehen, oft sieht man sie in einer kleinen Gruppe zusammen hocken. Eine kleine Änderung in der Zeitverschiebung, jetzt sind es nur noch fünf Stunden Zeitunterschied zu Deutschland.

Im Internet können wir uns über die politischen Ereignisse informieren, mit beklommenem Gefühl verlassen wir das Café.

Der Kauf des Bustickets nach Taschkent war nicht so einfach, die Dame am Schalter versteht weder Deutsch noch Englisch, mit Aufschreiben und gutem Willen gelingt es schließlich doch.

Wir haben noch etwas Zeit und essen im Bahnhofsrestaurant zu Mittag. Hier hat es vor 30 Jahren vermutlich genauso ausgesehen. Es gibt Borschtsch, Brot und Tee für einen Minipreis, insgesamt sind umgerechnet knapp DM 3,-- fällig. Neben der elektronischen Kasse steht noch ein Abakus.

Kreditkarten konnte man selten anwenden, Travellerschecks waren nur in bestimmten Banken einzulösen. In Kirgistan ist ausschließlich Papiergeld im Umlauf, das "Wechselgeld" besteht teils aus Zigaretten, einmal gab es usbekische Münzen zurück (was ich aber erst zu Hause gemerkt habe).

Uns bleibt noch genügend Zeit, um Verpflegung für die Nachtfahrt einzukaufen. Zu unserem Bedauern gab es keine Tour tagsüber und ein Taxi war uns zu teuer. Die Plätze im Bus sind vorgegeben, leider auch unsere. Das Fenster an unserer Seite war durch eine Sperrholzplatte ersetzt, schöne Bescherung. Beim Einsteigen wird noch eine Nachgebühr für das Gepäck abverlangt.

Mit einstündiger Verspätung setzt sich der Bus in Bewegung. Wir fragen einen Offiziellen, ob wir uns nicht umsetzen dürfen, schließlich wollen wir doch was sehen. Er bittet eine Frau, für uns Platz zu machen, wir gehen jedoch ganz nach hinten und haben endlich die gewünschte Beinfreiheit.

Auf geht's in den Abend hinein, links schneebedeckte Berge, die anmutig die letzten Strahlen der Abendsonne reflektieren, rechts Graslandschaft im Sonnenuntergang. Ab und zu begegnet uns eine Kuhherde.

Die Strecke Bishkek/Taschkent führt ein kleines Stück durch Kasachstan, aber wir haben uns erkundigt und im "Lonely-planet" nachgelesen, dass ein separates Visum nicht erforderlich ist.

Gegen 22.30 erreichen wir die Grenzstation, schnell an den kirgisischen Zöllnern vorbei, dann Passkontrolle auf der anderen Seite. Wilfried wird aus dem Bus herausgewunken, kurze Zeit später bin auch ich an der Reihe. Der Grenzer erklärt, dass wir ohne Visum nicht weiter dürfen. Wilfrieds Transitvisum, das er für die letzten Tage vor dem Rückflug braucht, wird erst in zehn Tagen gültig, an meinem ist nichts auszusetzen, da für 4 Wochen ausgestellt. Umständlich blättert man in den Formularen, nimmt ein Blatt hervor, legt es wieder weg. "Wieviel Trinkgeld müssen wir denn wohl abdrücken", denken Wilfried und ich unisono.

Es ist wenig Verkehr an der Grenze, ab und an kommt ein bewaffneter Posten herein, unsere Angelegenheit stagniert. Ich hole den Reiseführer hervor, lese die entsprechende Passage vor, keine Reaktion. Jetzt nur nicht aus der Haut fahren. Wir erklären, daß er uns die Pässe geben soll, wir fahren zurück, auch das ist im Moment nicht möglich, Formulare, Formulare. Irgendwann kommt ein LKW-Fahrer herein, er spricht, welch ein Glück, fließend Deutsch. Unser Glücksfall hat lange in Bremen gewohnt, jetzt lebt er im Nachbarort Oyten, wie klein die Welt doch ist. Er kann die Grenze erst ab 0.00 Uhr überqueren, vorher ist seine Genehmigung nicht gültig.

Von ihm erfahren wir, dass es tatsächlich keine Schikane ist, sondern dass die Vorschriften vor einigen Monaten geändert wurden. Mit seinem Partner, so bietet er uns an, können wir zurückfahren nach Bishkek. Vorher muss Wilfried noch unterschreiben, dass ihm an der Grenze nichts widerfahren ist, auf das er einen Entschädigungsanspruch hat.

Auf kirgisischer Seite gibt es keine Probleme, mit Handschlag verabschieden wir uns vom Grenzpolizisten.

Irgendwann nach 24.00 Uhr und einigen Flaschen Bier steigen wir in den Mercedes des Begleiters und fahren die Strecke zurück, gefolgt von einem LKW mit dem Autokennzeichen HB.

Wir mögen vielleicht eine halbe Stunde gefahren sein, schon wieder eine Polizeikontrolle, nach kurzer Zeit kann die Fahrt fortgesetzt werden.

Nachdem die Hälfte der Strecke zurückgelegt ist, hält der Wagen in einem Ort an. Der LKW fährt in eine Hofeinfahrt, wir wechseln in einen Transporter und setzen die Fahrt fort, einmal unterbrochen von einer Kontrolle und dem obligatorischen Händedruck. Unser Freund setzt uns vor dem Businesscenter-Hotel ab, wir checken ein und sinken zähneknirschend in Schlaf.


Gebäude in Bishkek

Gebäude in Bishkek


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Was ist zu tun? Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, um im Hotel die Flugmöglichkeiten nach Taschkent zu erkunden. Auch muss, falls wir am selben Tag nicht weiterkommen, Wilfrieds Visum verlängert werden, am nächsten Tag ist es bereits ungültig. Die Mitarbeiterin im Hotel bemüht sich redlich, ein rechter Erfolg ist ihr allerdings nicht beschieden.

Im Reiseführer entdecken wir ein Büro, das uns vielleicht weiterhelfen kann, leider geschlossen. Kurz daneben ein weiteres Reisebüro. Wir treten ein, erhalten für den nächsten Tag einen Flug und die Adresse von OVIR.

Dorthin gehen wir, schon mit stark verbesserter Laune. Es empfängt uns eine ältere Dame mit dem Charme einer Beamtin an der DDR-Grenze, ein lustiger Herr und eine weitere, aber freundliche Dame.

Der Mann erklärt uns, es ist Samstag, keiner arbeitet, es wird Wodka getrunken. Schließlich und nach gutem Zureden geht es doch, nach einer Stunde sollen wir wiederkommen und das Visum in Empfang nehmen.

Den Tag verbringen wir bei herrlichem Wetter in der Stadt, machen einen langen Spaziergang durch den Park, sitzen an der Hauptstraße im Café und beobachten die vorbeiflanierenden Leute. Hübsche, modisch gekleidete Damen lustwandeln auf der Straße, verschleierte Frauen bilden die Ausnahme.

Im Schatten der Bäume werden selbstgebackene Torten verkauft. Ein Musiker fährt mit seinem Equipment per Taxi vor.

Gegen Abend beobachten wir vor dem Weißen Haus, dem Präsidenten-, Kabinetts- und Parlamentsgebäude, einen Wachwechsel. Der Stechschritt steht dem der russischen Kollegen in nichts nach.

Aufgrund der politischen Situation entscheiden wir uns, von Taschkent sofort nach Samarkand, dem eigentlichen Höhepunkt unserer Reise, weiterzufahren. Auf Taschkent und andere Stätten wollen wir, sollte es zu einer plötzlichen Abreise kommen, eher verzichten.

Der Flughafen Manas liegt eine halbe Fahrtstunde außerhalb der Stadt. Es gibt Bordkarten, aber ohne Platzbezeichnung, jeder setzt sich im Flugzeug hin, wo er will. Nach 60 Minuten Flug, vorbei an Bergen mit weißen Gipfeln, landen wir in Taschkent und dürfen die Uhr wieder umstellen. Jetzt beträgt die Zeitdifferenz nur noch vier Stunden.


Samarkand

Basar in Samarkand

Basar in Samarkand


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Vor dem Flughafengebäude die gleiche Prozedur: diverse Menschen, die nur unser Bestes wollen.

Wir handeln einen Preis aus und fahren Richtung Autobusbahnhof. Zwischendurch wird uns angeboten, mit Taxi nach Samarkand weiterzufahren. Nach dem üblichen Feilschen erklären wir uns einverstanden und akzeptieren den Preis von insgesamt 30 US$, es sind immerhin über 300 km.

Am Stadtausgang steigen wir in einen weißen Daewoo und ab geht die Fahrt - pardon, natürlich kommt erst wieder die obligatorische Polizeikelle.

Wir fahren an großen weiten Baumwollfeldern vorbei. Es ist ein schönes Bild. Auf vielen Feldern sind Erntehelfer im Einsatz, Pflückmaschinen sieht man selten.

Nach gut der Hälfte, gerade hatte ich ein Schild "Samarkand 165 km" gesehen, streikt der Wagen. Die Motoraufhängung ist gebrochen. Es ist keine Abzockerfinte, Wilfried bestätigt den Schaden.

Unser Fahrer versucht, vorbeikommende Autos anzuhalten, leider vergeblich. Schließlich steigen wir in einen Bus und kommen gegen Abend wohlbehalten in Samarkand an.

Der Taxifahrer, der uns zum Hotel Zarafshan bringt, glaubt anscheinend, uns mit seiner rasanten Fahr- und noch offensiveren Bremskunst imponieren zu müssen.

Im Hotel halten wir uns nicht lange auf, sind wir doch nun am Höhepunkt der Reise angekommen, und wir sollten nicht enttäuscht werden. Ein kurzer Fußmarsch und schon sehen wir vor uns die Prachtgebäude Zentralasiens. Unzählige Male hatten wir diese Bilder bereits in Büchern oder auf dem Bildschirm gesehen, jetzt stehen wir davor.


Registan mit den drei Medresen in Samarkand

Registan mit den drei Medresen in Samarkand


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Und dann stehen wir vor dem Registan, einer wunderschönen harmonischen Anordnung von drei Medresen/Koranschulen. Den Anblick, noch dazu im warmen Abendlicht, werden wir nie vergessen.

Einfach grandios.

Wir bleiben eine ganze Weile sitzen und lassen die Stimmung auf uns einwirken. Erstaunlicherweise sind wir fast die einzigen Touristen. Eine Besucherempore und zwei seitliche Gerüste stören den Gesamteindruck etwas.

Der Platz, wo früher Erlasse kundgegeben wurden, Gericht gehalten wurde oder ein Markt stattfand, ist heute mit Brettern belegt. In den einzelnen Medresen bzw. in den hinteren Räumen sind kleine Geschäfte angesiedelt. Man kann Getränke, Karten, Souvenirs, Teppiche und dergleichen kaufen, sollte aber unbedingt handeln.

In den nächsten Tagen haben wir noch häufiger Gelegenheit, den Registan zu erleben.


Turm einer Medrese

Turm einer Medrese


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Nach diesen wunderschönen Eindrücken erholen wir uns im Lokal Marco Polo bei einem Glas Bier. Es wurde gerade renoviert, die Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen. Überraschenderweise ist auf der neuen Toilette kein Sitz-WC, sondern eine Vorrichtung wie vor 100 Jahren installiert.

Sherzod, der 14-Jährige Junior, hat alle Hände voll zu tun, er spricht als einziger der Belegschaft gut Englisch.

Am letzten Tag gibt er uns seine Adresse mit der Bitte, ihm doch eine Uhr zu schicken.

Einmal fährt ein Bus vorbei mit der Aufschrift "Hutfilters Reisedienst Delmenhorst", allerdings mit usbekischem Kennzeichen.

In der Nationalbank tauschen wir 100 US$, ein Großteil des Geldes muss im Rucksack verstaut werden, jede Menge Papiernoten.

Wir schlendern durch die recht übersichtliche Stadt, gehen durch den Basar, der teils draußen unter freiem Himmel, teils drinnen stattfindet. Hier kann man alles kaufen: Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Bekleidung, es riecht herrlich nach Gewürzen. Ich erwerbe nach längerem Feilschen eine Moslemkappe.

Direkt am Basar kann man die Bibi Xanom-Moschee und das gleichnamige Mausoleum sehen, es wird momentan renoviert. Auch hier wieder prächtige Kuppeln und Türme.

Zu unserem Besichtigungsprogramm gehört auch die Nekropole Shohizinda, eine Gräberstadt mit Moscheen und Mausoleen.

In Usbekistan werden wir, so scheint es uns, mehr als in den vorherigen Ländern daran erinnert, in einem islamischen Land zu sein.

In Kasachstan und Kirgistan sahen wir mehr Leute mit mongolischen Gesichtszügen. In allen drei Ländern fiel uns auf, dass viele Erwachsene goldenen oder vergoldeten Zahnersatz tragen.

Das Essen bereitete keine Probleme, die Mahlzeiten haben geschmeckt. Meist gab es Reis mit Geflügel oder Lamm in verschiedenen Variationen. Das Bier, meistens mit weniger Alkoholgehalt, war in Ordnung, bis auf das in Usbekistan gebraute. Hier favorisierten wir Sorten aus Russland.

Gelegenheit zum Schwarztauschen gab es. Wir machten nur in Samarkand Gebrauch davon, der Kurs war allerdings nur geringfügig günstiger als der offizielle Wert in der Nationalbank. Entweder haben wir nicht richtig aufgepasst oder nicht genügend gehandelt, im Reiseführer stand, dass der Schwarzmarkt wesentlich mehr hergibt - vielleicht haben sich ja auch die Zeiten geändert.

Man sollte beim Einreisen, falls man noch kein Geld in der Landeswährung getauscht hat, für das schnelle Geschäft zwischendurch immer Kleingeld, Ein- oder Fünf-Dollar-Noten, zur Hand haben.

Im Autobusbahnhof, wir werden wieder von einer Miliz in Empfang genommen, lösen wir eine Fahrkarte nach Buchara. Das Ticket kostet etwa 1,5 US$. Für die knapp 300 km Fahrt benötigt unser Bus 5 ½ Stunden.


Sehenswürdigkeiten

Gur Emir

Zunächst besuchen wir Gur Emir. Die deutsche Übersetzung lautet "Grab des Gebieters", es handelt sich um das Mausoleum des mächtigen, aber nicht weniger grausamen Timur.

Am eindrucksvollsten ist der Blick von der Grabstelle hoch unter die Kuppel. Auf dem weiteren Weg kommen wir noch an einem anderen Timuridenmausoleum vorbei, dem Oq Saray (Weißer Palast).

Gur Emir bei Nacht
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Sehenswürdigkeiten

Registan

Einfach grandios.

Registan mit den drei Medresen in Samarkand
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Buchara

Die Zielangabe am Bus war in kyrillisch gehalten, auf dem Fahrplan stand der usbekische Name: Buxoro.

Zwischendurch steigen Bauern dazu, sie bringen 5 - 6 gefüllte Säcke mit, die anstandslos verfrachtet werden. Anderen Interessenten, die wesentlich mehr Ware zu transportieren haben, wird aber auch eine Absage erteilt. Wir überholen Eselskarren, gefüllt mit leuchtend roten Tomaten. Unterwegs sehen wir viele Fahrzeuge mit gepflückter Baumwolle. Die Fahrt an sich ist eher langweilig, nach einer Stunde ist man des Sehens müde.

Ein Taxi bringt uns zur Pension, wir fahren über baufällige Straßen mit dicken Schlaglöchern, vorbei an alten Hütten - das soll das bekannte Buchara sein? Der erste Stadtgang stimmt wieder zuversichtlicher: Die Innenstadt ist wunderschön, das Zentrum schmiegt sich um das Wasserbecken Labi Hauz, an beiden Enden eine Moschee und eine Medrese, an den Seiten Maulbeerbäume.

Auf den Sitzbänken mit Sonnenschutz sitzen die meist älteren Einheimischen, unterhalten sich, ruhen sich aus oder spielen Domino.

Auch hier gibt es einen Registan, einen Platz, der aber mit dem in Samarkand überhaupt nicht zu vergleichen ist, er fällt überhaupt nicht auf. Wir besichtigen weitere imposante Bauwerke, so auch die Moschee Kalon mit ihrem gewaltigen Minarett.

Man gut, dass der erste Eindruck nicht immer der richtige ist. Buchara und Samarkand wurden, im Gegensatz zu Taschkent, nicht so empfindlich durch Erdbeben zerstört.

An einem der Abende tafeln wir im alten Bad, das heute ein Museum mit Restaurant oder umgekehrt ist. Wir werden zu unserem Separee geleitet, hocken uns auf die Kissen, Stühle gibt es nicht, und genießen das Schaschlik. Zur Feier des Abends bestellen wir auch eine Flasche Wein.

Auf dem Nachhauseweg brauchen wir Wilfrieds Taschenlampe, denn in etlichen Häusern, auch in unserer Pension, herrscht Stromausfall. Der Wirt reicht uns eine Kerze.

Wie soll es nun weitergehen? Die Telefonate nach Hause heben unsere Stimmung nicht. Eigentlich wollten wir noch nach Chiwa und ins Ferghana-Tal. Nach Chiwa fährt nur ein Bus. Es gibt dort zwar einen Flughafen, aber wenn die politische Situation eskaliert, kann es sein, dass wir dort festsitzen. Die Busfahrt dauert um die 10 Stunden.

Gegen die Fahrt ins Ferghana-Tal sprechen dieselben Argumente, außerdem trennt uns nur ein kleines Stück Tadschikistan von Afghanistan.

Wir informieren uns in einem Reisebüro, in einem großen Hotel mit "Usbektourismus" und im Flughafen über Flüge nach Taschkent bzw. Almaty. Es ist sehr mühselig, an Informationen heranzukommen, und welche Möglichkeiten ab Taschkent bestehen, erfahren wir nur bedingt. Auf alle Fälle buchen wir einen Flug in die usbekische Hauptstadt, es soll täglich derer zwei geben. Wir zahlen bar, Kreditkarten werden nicht akzeptiert, auch nicht am Flugschalter.

Am letzten Abend in Buchara gönnen wir uns eine Nudelsuppe und einen Fleischspieß. Am Nebentisch feiert eine Herrenrunde ausgiebig mit Wodka, ein Paravent schützt sie vor neugierigen Blicken.

Wilfried plagt der Durchfall. Er hat somit das Vergnügen, viele Örtlichkeiten meist hockenderweise zu erleben. Toilettenpapier sollte man immer dabei haben. Es ist nachts recht kühl, wir haben zum Überdecken nur einen Bettbezug ohne Inhalt, richtig kuschelig ist es morgens nicht mehr.

Nach dem Frühstück - es gibt Brot, Käse, Honig, Weintrauben, Feigen und Tee, der draußen unter freiem Himmel auf dem Herd gekocht wird - verlassen wir Buchara. Auf dem Flughafen ist nichts los, wahrscheinlich wurde nur unser Flug abgefertigt. Eine Frau erhält Hilfe von einem Arzt. Der Flug dauert 45 Minuten.


Taschkent

Theater in Taschkent

Theater in Taschkent


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Im Taschkenter Flughafen erfahren wir, dass British Airways nur ab Almaty fliegt, nähere Informationen gebe es im Hauptbüro neben dem Hotel Rossija, doch dort hören wir auch nicht mehr. Man sagt, das KLM-Büro wüsste Bescheid, wir finden es nur nicht.

Im Hotel Taschkent soll ein Infoschalter sein, alles Vergangenheit. Eine resolute, hilfsbereite Dame hilft uns aber insofern, als dass sie uns ein Empfehlungsschreiben für die kasachische Botschaft mitgibt - wir brauchen noch ein Visum für Wilfried. Dort, meint sie, erfahren wir auch die Telefonnummer der Fluggesellschaft.

Wilfried hat sein Visum dann auch erhalten, wenngleich es etwas Nerven gekostet hat. Auch eine Telefonnummer von British Airways haben wir. Im Telefon-Telefax-Office erfahren wir, dass es sich um eine Telefax-Nummer handelt. Was soll's.

Der heutige Flug nach Almaty ist weg, für morgen gibt es nur noch einen Platz in der 2. Klasse, übermorgen ist dicht, am darauf folgenden Tag auch nur noch Business-Class. Was bleibt uns übrig, als einen teueren und einen preiswerten Flug zu buchen.

Am Abend haben wir kleine Probleme, unsere Essbestellung aufzugeben, doch schließlich bekommen wir unser Fleisch-Reis-Gericht. In der Umgebung unseres Hotels finden wir, obwohl im Zentrum, kein Lokal und landen wohl oder übel in der Hotelbar. Hier unterhalten wir uns mit zwei Frauen, die nachts aktiv werden. Im Hotel gibt es zwei Frühstückssäle, jeweils einen in der 1. und 2. Klasse, wir wurden in letzteren Saal verwiesen.

Am nächsten Morgen trennen wir uns im Flughafen. Wilfried fliegt wie gewohnt, ich genieße den Service in der Business-Class.

Nach dem Einchecken beobachte ich einen Passkontrolleur, wie er sich am Computer mit einem elektronischen Kartenspiel vergnügt. In der Bar hängt ein Schild "Oktoberfest in Taschkent".

In Almaty nach 1¼-stündigem Flug angekommen nehmen wir den Bus und fahren wieder in das uns schon bekannte Hotel.

Unsere Bemühungen, Kontakt mit der Fluglinie aufzunehmen, sind erfolglos, schließlich ist es Samstag Nachmittag. Eine Flughafenangestellte meint jedoch, dass in der übernächsten Nacht ein Flug nach London startet.

Wir machen uns einen schönen Tag in der größten Stadt Kasachstans, genießen das angenehm warme Herbstwetter und begeben uns abends zum Flughafen.

Gegen einen Aufpreis können wir den Flug vorverlegen: einmal noch durch die Kontrollen, den gestrengen Augen der Uniformierten ausgesetzt, einmal noch die Reiseschecks vorzeigen.

Gut eine Stunde nach Mitternacht hebt die Boeing ab, nach kurzer Zeit sehen wir nur noch dunkle Nacht.