rennradfahren rund ums tannheimer tal - Reisebericht von ingowilhelm bei triplib.

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ingowilhelm
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Ein Paradies für Wanderer und Ski-Langläufer – als solches ist das Tannheimer Tal längst berühmt. Nun will „das wohl schönste Hochtal Europas“, wie es sich selbstbewusst nennt, auch zu einer Top-Adresse für Rennradler werden. Gerade ist ein Tourenführer erschienen mit 22 Routen, die allesamt im Tal starten und enden. Sie durchkreuzen die umliegenden Berglandschaften, von den sanften Hügeln des Allgäus bis zu den Schneegipfeln am Arlberg. Ich habe die Kette geölt und bin probegefahren – mit dem Rennrad rund ums Tannheimer Tal.

Tannheimer Tal


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Die Probefahrt

Es sind noch ein paar Kilometer bis zur Tiroler Grenze, da kann man im Autoradio schon seine Stimme hören. In einem Beitrag auf Ö1 schwärmt Michael Keller von den Rennradtouren rund ums Tannheimer Tal. Der ehemalige Amateur-Wettkampffahrer erzählt von Alpenpass-Orgien und entspannten Vormittagsrunden, von abwechslungsreichen Landschaften und radlerfreundlichen Hotels. Michael Keller arbeitet heute als Tourismus-Manager im Tannheimer Tal, und Klappern gehört zum Handwerk. Doch in ein paar Kilometern wird sich beweisen müssen, was seine werbenden Worte wert sind. Wir sind zu einer gemeinsamen Rennradtour verabredet. Das Wetter hat er jedenfalls schon mal super hinbekommen.
Rasierte Beine, Waden so dick wie anderer Leute Oberschenkel – Michael Keller ist unverkennbar ein Vollblut-Radsportler. Und zwar sowohl auf schmalen Pneus als auch auf breiten Stollenreifen, denn von 1997 bis 2001 trainierte er die österreichische Mountainbike-Nationalmannschaft. Die 22 Rennradtouren, die er nun in einem Booklet veröffentlicht hat, kennt er allesamt von seinen privaten Trainingsfahrten. Jahrzehntelang hat er jede noch so kleine Nebenstraße in seiner Umgebung erkundet und die gesammelte Erfahrung nun in das Tourenbuch eingebracht. „Es gab Jahre, da habe ich bis zu 15000 Kilometer und 50 Rennen absolviert“, erzählt „der Michl“, wie sie ihn im Tal nennen. Heutzutage drücken sein zeitraubender Job, die eigene Familie und die 42 Lebensjahre etwas auf Michls Form. Doch wie in alten Wettkampfzeiten mustert er aus kleinen Augen seinen Tourenpartner: „Bist’ heuer schon viel gefahren?“
Immerhin stehen uns heute drei Anstiege der zweiten und einer der dritten Kategorie bevor. Michael hat die - nach einer tief verschlafenen Ortschaft benannte – „Namlos-Runde“ für uns ausgesucht. Eine mittelschwere Tour durch die Lechtaler Alpen mit knapp 80 Kilometern und 900 Höhenmetern. Auf den einzeln herausnehmbaren Tourenblättern des 9,60 Euro kostenden Booklets sind neben einer exakten Wegbeschreibung samt Kilometerangaben auch alle relevanten Straßenneigungen verzeichnet, außerdem ein Höhenprofil. Die Rückseite zeigt die Route farbig markiert auf einer dreidimensional wirkenden Reliefkarte. Und damit die Tourenblätter in der Trikottasche nicht aufweichen, ließ Michael sie auf wasserfeste Folien drucken.
Nun aber genug der Theorie! Los geht’s über den frisch asphaltierten Gaichtpass hinab ins Lechtal. Dort rauscht der mehrarmige Schmelzwasser-Strom durch eine ursprüngliche Landschaft aus Kiesbänken und Kiefernwald. In Stanzach biegt unsere Route hinauf in die Einsamkeit der dünn besiedelten Lechtaler Alpen. Wir treten uns durch Löwenzahnwiesen und harzig duftende Nadelwälder, überragt von den noch schneeweißen Hochlagen. In moderater Steigung quert die Straße eine Bergflanke. Nur eine Leitplanke trennt uns von der Schlucht, deren Grund wir nur erahnen können. Kaum ein Auto verirrt sich in dieses kitschig schöne Seitental. Unter der Woche hat man auch vor den Motorradfahrern seine Ruhe, bei denen sich diese kurvenreiche Strecke herumgesprochen hat.
„Das Geniale am Tannheimer Tal ist, dass es vier Ausgänge hat“, erklärt Michael bei der Kaffepause. „Es öffnet sich nach Westen (über Oberjoch), Nordwesten (über Unterjoch), Nordosten (nach Pfronten) und Südosten (über den Gaichtpass).“ Will sagen: Während andere Alpentäler nur Stichtouren zulassen, können Rennradler in Tannheim auf zahllose Rundfahrten starten. Auch Profi-Rennen wie die Österreich-Rundfahrt oder die Deutschland-Tour haben in den vergangenen Jahren Etappen durchs Tannheimer Tal gelegt, die Radrennfahrer holten sich dort Berg- und Sprintwertungen.
„Und dann natürlich die Tourenvielfalt!“, fährt Michael in seiner Schwärmerei fort. Das Booklet umfasst sechs leichte, zwölf mittlere und vier schwere Touren. Die kürzeste zählt 52 Kilometer und 370 Höhenmeter, die längste bringt 216 Kilometer auf den Tacho und summiert 2247 Meter auf dem Höhenmesser. Eine Tour verläuft „Auf König Ludwigs Spuren“ vorbei an Schloss Neuschwanstein. Fast bis zum Bodensee erstreckt sich die „Vorarlbergrunde“. Die Königsetappe eines Radurlaubs im Tannheimer Tal ist die „4-Pässe-Tour“; dabei kurbeln die Hobbysportler auf ihren Alu- oder Carbon-Eseln Steigungen von bis zu 15 Prozent hinauf, erklimmen unter anderem den Arlbergpass und das 1894 Meter hohe Hahntennjoch. Michael, der sich eher als „Häusereckenflitzer“ denn als Bergziege bezeichnet, liebt am meisten die Ausfahrten ins Allgäu. „Dort gibt es ein enges Netz kleiner Sträßlein fast ohne Autos, und über den Wiesen hast’ die Bergkulisse…“
Jedoch, einen Haken hat das fast 1100 Meter hoch gelegene Tannheimer Tal als Zielgerade für Rennradler: Gegen Ende der Tour wartet immer noch ein Kräfte zehrender Anstieg. „Wir sind halt einen Stock höher“, sagt Michael und lächelt unbeirrt. Denn im Sommer erweist sich diese Landschafts-Etage als großer Vorteil: Es wird nie so heiß, dass die Lust aufs Radfahren schon beim erstbesten Badesee erlischt. Und Pedaleure, die aus der Tiefebene anreisen, verspüren so weit überm Meeresspiegel durchaus einen gewissen Höhentrainings-Effekt.
Auf unserer Traumabfahrt nach Bichlbach springt die Zehnerstelle am Tacho auf 8. Weiter geht der Sinkflug – nun auf der mehr befahrenen Außerfern-Bundesstraße – hinab nach Reutte. Die Tourenbeschreibung leitet uns in einem Bogen um die verkehrsreiche Bezirkshauptstadt herum und über idyllische, aber bestens asphaltierte Nebenstraßen zurück zum Fuß des Gaichtpasses. Der hat sich in der Mittagssonne in eine schweißtreibende Rampe zum Tannheimer Tal verwandelt… Oben angekommen: erfrischende Kühle. Die letzten Kilometer durch das malerische Nesselwängle und vorbei am Haldensee werden reines Ausrollen. Pustekuchen! Der Gegenwind bläst wieder mal kräftig.
Mit leerem Magen und schweren Beinen erreichen wir wieder das Hotel im Hauptort des Tannheimer Tals. In einer Gratis-Broschüre hat Michael 19 radlerfreundliche Unterkünfte zusammengefasst, von der Pension bis zur 5-Sterne-Residenz. Auch der Bognerhof ist auf Typen wie uns eingestellt: Der Wirt Hans Haider – selbst ein Rennrad-Verrückter mit maßgefertigtem Carbonflitzer - hat einen Abstellraum für Fahrräder eingerichtet, mitsamt Montageständer, Standpumpe und Werkzeug. Wer weiteren Schweiß vergießen möchte, entspannt sich im Sauna- und Wellnessbereich. Für etwa 35 Euro streicht eine Masseuse die Beine aus und verscheucht so den Muskelkater.
Außerdem gehört es für Michael und Hans zu einem radlerfreundlichen Hotel, dass die Gäste nicht schief angeschaut werden, wenn sie in hautengen Hosen und vogelbunten Trikots am Frühstücksbuffet erscheinen. Und was macht der Rennradler, wenn er gegen 15 Uhr von der Tour kommt, um den Heißhunger auf Kohlenhydrate zu stillen? Das Kuchenbüffet plündern? Muss nicht sein. Denn beim Hans und in anderen Radlerhotels erhalten Biker auch mal nachmittags einen Teller Nudeln, damit sie bis zum Abendessen nicht auf den Hungerast kommen und die Kraftspeicher für die nächste Tour rasch wieder gefüllt werden.
Auch am nächsten Tag scheint die Sonne, eine malerische Runde übers Oberjoch geht noch, dann muss das Rennrad wieder in den Kofferraum. Aus dem Autoradio plätschert jetzt Schlagermusik, aber am Abend soll beim ORF ein Fernsehbeitrag über Rennradeln im Tannheimer Tal kommen. Da wird Michael Keller sicher wieder schwärmen von den Touren, der Landschaft, der Gastfreundschaft. Und wer es einmal selbst ausprobiert hat, der kann ihm seine Begeisterung gut nachempfinden.


Sport & Aktivitäten

Tourenbooklet

Infos zum Booklet „Die schönsten Rennradtouren rund ums Tannheimer Tal“:

22 Touren mit einer ausfaltbaren Übersichtslandkarte, einem Überblick über die Schwierigkeitsgrade sowie einzeln herausnehmbaren wasserfesten Tourenblättern. Erhältlich für 9,60 Euro in jeder Tourismusinfo im Tal, bei den Vermietern oder direkt beim Tourismusverband Tannheimer Tal, Oberhöfen 110, A-6675 Tannheim; Internet: www.tannheimertal.com; Telefon: +43-5675-6220-0. Dort gibt es auch die kostenlose Infobroschüre „Rennradfreundliche Unterkünfte“ mit 19 Adressen, von der Pension bis zum 5-Sterne-Hotel.

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Kommentare

mcvogi (08.07.2008)

Sehr schöner Tipp! Wie hat´s den mit deiner Vorbereitung ausgesehen - oder kann man hier auch ohne viele Trainingskilometer "mithalten"?
Danke für kurzes Feedback!

Simone (21.07.2008)

Super interessant! Untrainiert sollte man die Tour sicher nicht wagen, klingt schon anstrengend.