Big Salmon River - Reisebericht von jvigl bei triplib.

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jvigl
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Flug zum Quiet Lake, 1 Tag am Quiet Lake, Paddeln zum Sandy Lake, 5 Tage am Sandy Lake, Paddeln zum Big Salmon Lake, Flussfahrt am Big Salmon River udn am Yukon River bis Carmacks

Kanada

In der Franz Six Hütte

In der Franz Six Hütte


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Tagebuch

CANADA 2007

Big Salmon River

Manfred, Peter, Jakob, Stefan und Johnny


Planung und Vorbereitung

Heuer wollen wir einmal eine Flussfahrt vom Ursprung aus machen. Nach einigen Überlegungen entscheiden wir uns für den Big Salmon River im Yukon. Nachdem Peter vorher noch eine Reise in die Mongolei machen will, bilden wir zwei Gruppen. Die erste Gruppe (Jakob, Stefan und ich) wird eine Woche früher fliegen und an einem See auf die zweite Gruppe (Manfred und Peter) warten.

Weil das Gepäcklimit von den Fluggesellschaften heruntergesetzt wurde, müssen wir mit dem Gewicht aufpassen. Das wird für die erste Partie etwas kompliziert, weil wir ja mein Boot und die Küchenkiste mitnehmen müssen. Nach längerem Planen und Probepacken stellen wir fest, dass wir das Boot als bezahltes Übergepäck mitnehmen müssen.

Dienstag, 19.06.2007

Um 04.00 Uhr fahren wir (Jakob, Stefan und ich) nach Innsbruck zum Flughafen. Wir sind die ersten am Schalter und werden zügig eingecheckt. Der Flug nach Frankfurt hat eine Stunde Verspätung. Das ist aber bei fünf Stunden Aufenthalt kein Problem. In Frankfurt genehmigen wir uns ein paar Bierchen und steigen dann in den Airbus 340-600 nach Vancouver. Der Platz neben mir bleibt leer, und so können wir uns ein bisschen ausbreiten.

In Vancouver geht es durch den Zoll, und dann eilen wir zur Maschine nach Whitehorse. Dort wartet bereits Torsten von Nature Tours Of Yukon auf uns. Nach herzlicher Begrüßung bringt er uns ins River View Hotel. Wir haben schon zu Hause erfahren, dass die Canol Road gesperrt ist, und deshalb haben wir mit Gerd ausgemacht, dass er uns zum Quiet Lake fliegen soll. Torsten sagt uns, dass Gerd schon morgen mittags starten will. Deshalb bitten wir ihn, mit uns vormittags einkaufen zu fahren, damit wir zeitlich alles schaffen.

Mittwoch, 20.06.2007

Das Aufstehen ist kein Problem, weil wir schon um 04.00 Uhr wach sind. Stefan und ich machen einen schönen kühlen Morgenspaziergang zur SS Klondike am Yukonufer. Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir mit Torsten zum Superstore, Canadian Tire und Liquor Store. Bei Torsten im Lager fassen wir noch ein Kanu aus und geben ihm unser ganzes Geld, dann sind wir früh genug bei Gerd am Anlegeplatz.

Die 53 Jahre alte Beaver wird beladen, das Kanu wird dran gebunden, und in gemütlichem Flug geht’s zum Quiet Lake. Aus der Luft suchen wir einen geeigneten Lagerplatz, und dort landet Gerd. Zum Ausladen müssen wir ins Wasser steigen und merken, dass es noch nicht Sommer ist – das Wasser ist saukalt!

Gerd meint, wir sollten in den nächsten Tagen zum Sandy Lake paddeln, weil es dort auch bei schlechtem Wetter besser zu Landen ist. Dann wünscht es uns viel Glück und hebt ab.

Es sieht nach Regen aus, und wir hängen zuerst einmal die Plane auf. Der Wind verbläst aber den Regen und reißt auch gleich den ersten Ring aus der Plane. Nach dem Aufstellen der Zelte gehen Stefan und Jakob gleich einmal fischen, aber es bleibt beim guten Willen. Deshalb essen wir am ersten Abend Nudeln mit Minestrone-Sauce. Wir wollen ja Futterreserven sparen und haben für uns drei für die erste Woche nur sehr wenig eingekauft. Es soll hier festgehalten werden, dass ich an diesem Abend als erster ins Zelt krieche.

Donnerstag, 21.06.2007

Die Nacht ist kühl, kein Wunder bei der Temperatur des Sees. Wir sind aber auf solche Bedingungen bestens vorbereitet und schlafen in den warmen Schlafsäcken wie die Murmeltiere. Bevor wir frühstücken können, müssen wir zuerst das Müsli zusammenmischen. Dann beginne ich die Küchenkiste einzuräumen. Jakob und Stefan starten einen weiteren Fischversuch, aber das Wasser scheint einfach noch zu kalt zu sein.

Jetzt wird es aber Zeit, die erste Pfeife anzuzünden! Das Wetter ist gut, aber kühl – keine Mückengefahr. Zum Abendessen koche ich Krauteintopf mit Couscous und Dinkel. Nachher feiern wir noch den längsten Tag des Jahres und die Midsummernight. Stefan wirft noch ein paarmal vom Ufer aus den Blinker zum Fischen auf den See hinaus, und es gelingt ihm, den Blinker hoch an einem Baum einzuhängen. Nachdem der Baum gefällt wurde, haben wir den Blinker wieder.

Freitag, 22.06.2007
Durch das gestrige schöne Wetter ist es schon etwas wärmer geworden. Wir erleben einen wunderschönen Morgen, wie es ihn nur im Yukon geben kann. Weil das Wetter gut ist, wollen wir heute zum Sandy Lake fahren. Zuerst wird mein Boot fertig gemacht, dann packen wir zusammen. Bis wir abfahrbereit sind, ziehen sich am Himmel dunkle Wolken zusammen, und wir hören sogar Donner. Wind kommt auf, aber wir machen einfach weiter und starten bei erheblichem Wellengang. Etwas mulmig ist uns schon dabei, weil wir die Wassertemperatur kennen. Kentern könnte bei diesen Bedingungen ungemütlich werden. Nach kurzer Strecke löst sich in meinem Boot die Steuerung, und ich muss wieder wie früher mit dem Paddel schöpfen und gleichzeitig steuern. Anlanden ist leider nicht möglich, weil bei diesem Wellengang und dem Steilufer ein Bad sehr wahrscheinlich wäre.
Der kurze Abfluss vom Quiet Lake zum Sandy Lake führt viel Wasser, und es geht flott dahin. Am Sandy Lake begrüßt uns ein Weißkopf-Seeadler, und wir freuen uns mit ihm auf Fische. Am Ende des Sees in Richtung Auslauf finden wir ein schönes Camp und landen an. Die Natur hat uns wieder einmal sehr begünstigt, weil gleich nach dem Start am Quiet Lake der Wind nachgelassen hat. So haben wir ein schönes Paddeln über 35 km gehabt.

Der Adler hat es uns gezeigt, und schon der erste Fischversuch bringt uns einen schönen Hecht. Der Nachteil ist, das sich die Hechte im Pike Lake herumtreiben, und dort es ist es schön warm, windstill und sehr mückenlastig. Aber mit voller Adjustierung und Mückenhut geht es.

Jetzt können wir uns auf die geplante Fischdiät verlegen. Jakob baut einen Grillplatz, und bald schnabulieren wir den ersten Fisch.

Samstag, 23.06.2007

Schon wieder haben wir zum Frühstück herrliches Yukon-Wetter. Der leichte Südwind bringt warme Luft. Jakob und Stefan fahren gleich auf den Pike Lake zum Fischen. Dabei werden sie von einer Elchkuh aus nächster Nähe beobachtet, die sich überhaupt nicht fürchtet und nicht an Flucht denkt. Der gefangene Hecht wir eingesalzen du zum Trocknen aufgehängt. Der Nachmittag vergeht mit Lesen, Rasten und Lager Richten.

Am Abend kommt ein einzelner Kanute über den See auf uns zu. Es ist Kai, ein Deutscher, der sich zwischen zwei Jobs ein paar Monate Yukon gönnt. Er hat sich Auto und Boot gekauft und fährt allein den Big Salmon River. Er nimmt gern einen Tee und ein Schnapsl und lässt sich überreden, bis morgen früh bei uns zu bleiben. Kai hat bereits gegessen, wie er am oberen Ende des Sandy Lake einen Greyling gefangen und gleich verspeist hat. Wir filetieren den Hecht und machen ein schönes Ragout mit ein paar Nudeln.

Sonntag, 24.06.2007

Kai frühstückt mit uns und probiert Müsli mit Dinkel nach Jakob’s Spezialrezept. Dan packt er in aller Ruhe zusammen und verabschiedet sich. Stefan hat etwas länger geschlafen, deshalb fahre ich mit Jakob auf den südlichen Teil des Sees zum Fischen. In der zweiten Bucht beißt eine schöne Forelle, dann merke ich, dass ich die Schwimmweste vergessen habe. Also fahren wir sicherheitshalber gleich wieder zurück. Am Nachmittag gibt es einen Gewitterregen, den wir im Zelt vorübergehen lassen. Stefan und Jakob versuchen ihr Glück in der Trout Bay, aber die Forellen wollen nicht mehr. Am Abend koche ich eine Gemüsesuppe, und Jakob grillt die Forelle. Zu meinen Ehren gibt es am Lagerfeuer eine kleine Namenstagsfeier.

Montag, 25.06.2007

Namenstagsfeier = spätes Frühstück. Wir versäumen ja nichts und wollen jeder Hektik entsagen. Es ist schon am Vormittag angenehm warm, und manche wagen es, sich zu waschen. Stefan schnappt sich den Kajak und dreht eine Seerunde. Mein Fischversuch mit Jakob bleibt ergebnislos. Später starten Jakob und Stefan noch einmal zum Pike Lake und bringen einen Hecht. Inzwischen habe ich Schlamperkraut gekocht, du dazu gibt es gegrillten Hecht. Um Mitternacht denken wir uns, dass es gut zum Fischen sein könnte. Aber wir haben uns getäuscht.

Dienstag, 26.06.2007

Heute erwarten wir Peter und Manfred. Da muss noch einiges vorbereitet werden. Zuerst starten wir eine Holzaktion, dann eine Fischaktion, beides erfolgreich. Trotz Mückenüberfall richten wir einen schönen Holzvorrat, und Stefan und Jakob bringen vier Hechte. Während die zwei Fischer am Werk sind, kommt ein Kanu vorbei. Die beiden Paddler grüßen ans Ufer und fahren weiter. Am Abend, als wir auf Peter und Manfred warten, schwimmt hinter unserem Lager ein Elch vorbei. Seelenruhig steigt er 50 m weiter aus dem Wasser und beginnt zu äsen. Er ist immer noch in der Nähe, als Gerds Hawker mit Manfred und Peter landet.

Zum Wiedersehen gibt es eine herzliche Begrüßung und ein frisch eingeflogenes Schnapsl. Der fehlende Koffer wird betrauert, und dann werden die zwei Angekommenen einmal ordentlich abgefüttert.

Natürlich haben die zwei auch frisches Canadian gebracht, und das findet bei uns drei Vorausgeflogenen frohe Abnehmer.

Mittwoch, 27.06.2007

Peter und Manfred sind schon früh auf den Beinen (Jetlag) und stöbern nach Holz, Frühstück und Steinen. Peter hat schon das Brotbacken im Kopf. Die Steine müssen vom Seeufer mit dem Boot geholt werden, und Peter steht zum ersten Mal nackt im Wasser. Manfred fährt mit Jakob zum Fischen, ich sortiere inzwischen die eingeflogenen Lebensmittel. Im vermissten Koffer wäre auch noch Futter, aber ich will mich nicht darauf verlassen, dass er bald kommt. Deshalb mache ich aus dem, was da ist, 20 Menüpakete.

Peter und Manfred sind hungrig, deshalb gibt es zu Mittag eine Suppe. Die beiden stellen fest, dass wir drei aufgrund der Fischdiät schon ordentlich abgenommen haben. Die Kochstelle wird zum Brotbacken umgebaut, Teig wird angerührt, und Stefan lässt ihn im Schlafsack beim Lesen gehen. Bei perfekter Ober- und Unterhitze gibt es das erste Wildnisbrot.

Zum Abendessen gibt es einen grünen Bohnentopf, und am Lagerfeuer feiern wir Abschied vom Sandy Lake.

Donnerstag, 28.06.2007

Heute geht’s auf die große Fahrt. Nach dem Frühstück packen wir zusammen, verteilen das Gepäck mehr oder weniger gleichmäßig auf die Boote und legen ab. Bald sind wir am Big Salmon Lake. An einem sandigen Ufer machen wir eine Rast. Dann paddeln wir weiter über den See bis zum Ablauf. Dort beginnt der Big Salmon River. Nach kurzer Strecke taucht am linken Ufer die Six-Hütte auf. Es gibt keine flache Uferstelle zum Anlanden, und wir müssen uns etwas abmühen.
Wegen der Mücken stellen wir die Zelte auf, und aus der Hütte vertreiben wir die Quälgeister mit Pfeifenrauch. Am See kommt Wind auf, und wir sind froh, dass wir da sind. Bei diesen Wellen wäre ein Seequerung gefährlich gewesen. Am Yukonofen koche ich Gemüsesuppe mit kräftiger Einlage. Dann wird gewattet. Nachher gibt es noch Krautsalat mit frischem Brot.

Freitag, 29.06.2007

Zum Frühstück sehen wir eine Elchkuh im Fluss. Neugierig schaut sie zu uns herüber. Für den Hüttenerbauer Franz Six lassen wir vor seinem Marterl ein Dankeschön für die Hütte zum Himmel steigen.

Dann versuchen vier wagemutige Paddler (ohne mich), gegen die Strömung zum See zu paddeln, um zu fischen. Das Paddeln gelingt, das Fischen nicht. Als Wind aufkommt, müssen Manfred und Peter mit Nachdruck überredet werden, aus dem See zu verschwinden.

Etwas später versuchen sie es noch am Bächlein im Wald. Ausgerüstet mit Mückenschutz und Bärenspray und neuem Silk auf Manfreds Latte, verschwinden sie im Wald. Ich koche inzwischen Gulaschsuppe und Hörndle mit Carbonarasauce. Dann kommen die vier Wagemutigen zurück – ohne Fisch, aber nass bis zur Unterhose. Gut, dass es in der Hütte schön warm ist und man alles zum Trocknen aufhängen kann. Nach dem Essen werden noch ein paar Bier aufgewattet.

Samstag, 30.06.2007

Es geht weiter auf dem Big Salmon River. Das Wetter sieht zwar etwas regnerisch aus, aber das macht nichts. Und auf dem Fluss geht es gleich nach der ersten Kurve zur Sache. Im Gebüsch hängt ein zerstörtes Alu-Kanu, der Fluss treibt uns an das Schwemmholz, und gleich danach liegen Bäume quer im Wasser. Also: Aussteigen und Portage! Wir finden einen Weg durch flaches Gelände und können die Boote ziehen. Danach müssen wir die Boote über einen liegenden Baum heben. Es folgt eine Strecke, wo wir treideln können. Peter kraxelt über einen Baum auf die andere Seite. Ich verliere die neu montierte Finne. Die letzte Durchfahrt ist nur einen Meter breit. Aber alle schaffen diese Gefahren ohne zu kentern. Glück gehabt! Nach diesen Herausforderungen kommt eine ruhige Strecke, das Wetter bessert sich, und wir machen 35 km.

Das Camp ist nicht leicht zu finden, aber unser Scout Trapper Steve schafft es trotzdem. Das Anlanden ist aufgrund des Hochwassers schwierig. Nach dem Essen – Knoblauchkräutersuppe und Reisfleisch – verschwinden Peter und Manfred gleich in den Zelten.

Sonntag, 01.07.2007

Peters Ruf „Tagwache“ reißt uns aus den Schlafsäcken. Was hat er denn bloß? Außerdem nieselt es. Mit schwacher Begeisterung stehen wir auf, frühstücken und packen zusammen. Diese Hektik ist nicht gut, und Stefan vergisst die Angelrute. So muss er mit Jakobs Hilfe flussaufwärts zurückpaddeln.

Ein paar kleinere Hüpfer und flotte Strömung wechseln mit ruhigem Wasser. Zu Mittag machen wir eine Tee- und Riegelpause. Wir suchen nach einer Lagerstelle, an der wir Brot backen könnten. Es sieht immer weniger nach Steinen aus, und deshalb landen wir an einem steinigen Ufer an und laden Steine auf. Blöderweise sind wir im Außenbereich einer Biegung, und die Strömung drückt zum Ufer. Zudem liegen noch Bäume im Wasser. Stefan und Jakob hauen sich voll in die Paddel und kommen ins freie Wasser. Ich trete voll in die Steuerung und komme am letzten Baum gerade noch vorbei. Manfred und Peter drückt es zum Baum, und sie drohen zu kentern. Wir können nicht stehenbleiben und noch weniger zurück und warten nach der nächsten Biegung. Da kommen sie endlich unbeschadet daher gepaddelt. Gott sei Dank, wieder nichts passiert.

Ein paar Kehren weiter finden wir eine schöne Schotterbank, auf der es sogar Steine gibt. Gut, dass wir ein paar mitgenommen haben. Da gefällt es uns, da bleiben wir.

Nach dem Essen (Suppe und Kasspatzeln) backen wir eine Ladung Brot. Ein Seeadler schaut uns zu. Wir finden aber leider keinen Fisch.

Montag, 02.07.2007

Jeder steht auf, wenn ihm danach ist. Die Müslivorräte sind zur Neige gegangen, wir müssen daher mehr Brot essen. Mehl haben wir ja noch genug. Wir bereiten die zweite Brotportion vor und beobachten, wie zwei Kanus mit vier Männern und zwei Hunden vorbeifahren. Einer der Hunde trägt eine Schwimmweste. Da hören wir ein Flugzeug. Es ist Gerd mit der Beaver, der uns sucht. Er will uns ja den verlorenen Koffer bringen. Wir deuten „Abwerfen“, und er wirft erst einmal einen Brocken Fleisch ins Gebüsch. Dann, nach ein paar weiteren Überflügen, folgt der Koffer. Er landet zwischen den Zelten auf der Schotterbank. Die Freude ist groß, das Fleisch wird geborgen, der Koffer wird geöffnet, die Freude schlägt in Enttäuschung um. Im Koffer ist außer der Decke, den Schuhen und 8 von 100 Marmelade- und Honigportionen nichts mehr ganz. Alles ist mit Jod getränkt, die Schnapsflasche ist leer.

Nachdem wir alles, was nicht mehr zu verwenden war, verbrannt haben, genießen wir die Steaks, die unversehrt geblieben sind. Zwischendurch erleben wir ein kurzes Gewitter, und der Wind wirft das Gestell mitsamt der Plane um.

Dienstag, 03.07.2007

Für Stefan, Jakob und mich ist heute Halbzeit. Bei wechselhaftem Wetter mit etwas Regen starten wir. Im Stone Garden geht es wieder einmal zur Sache. Im Fluss liegen viele Steine, und man muss höllisch aufpassen. Peter und Manfred schweben in höchster Gefahr, weil sich mitten im Steingarten ihr Boot quer stellt.

Dann folgt ein Logjam – eine Blockade durch Schwemmholz. Es gibt kein Durchkommen, und wir müssen eine richtige Portage machen. Anlanden, Boote ausladen, alles zur neuen Einstiegsstelle schleppen, einladen. Dann wird das Wasser wieder ruhiger, und auf einer Schotterbank bei einem Bacheinlauf bleiben wir. Es ist warm geworden, und wir genießen den Abend bei Waschen und Baden, Schuhe Flicken, Grießnockerlsuppe und Kartoffeltopf.

Mittwoch, 04.07.2007

Heute soll es eine längere Etappe geben, meint Trapper Steve. Laut Flussführer kommt auch einiges an Schwierigkeiten auf uns zu. Mit gespannter Erwartung starten wir, aber es stellt sich alles als harmlos heraus. Die ständigen Diskussionen zwischen Manfred und Peter über Paddel- und Steuertechniken finden dadurch ein Ende, dass Manfred das Steuer übernimmt und Peter das Schöpfen.

Nach 35 km halten wir an einem Waldcamp am Steilufer. Das schwierige Anlanden sind wir inzwischen schon gewohnt. Mit dem Feuer heißt es aber aufpassen! Es gibt Minestrone und Hörndle mit Knoblauchsauce.

Donnerstag, 05.07.2007

Früh morgens ein Krachen im Wald. Alle schrecken aus dem Schlaf hoch. Was ist passiert? Nicht weit von unseren Zelten ist ein Baum umgefallen. Und das bei Windstille. Einfach so.

Zum Frühstück essen wir Brot und Schmarren. Weil wir genug Zeit haben, bleiben wir hier einen Tag. Das Wetter ist schön und warm, die Zeit vergeht mit Waschen, Sonnenbaden, Lesen, Rasten. Zu Mittag essen wir Krautsalat. das Kraut ist immer noch gut. Am Abend gibt es Gemüsesuppe und Tomatenreis. Die geflickten Schuhe haben sich bewährt, der Kleber ist erstklassig.

Freitag, 06.07.2007

Die wolkenlose Nacht ist kühl geworden. Drei Kollegen haben gefroren. Peter hat schon zusammengepackt, als wir aufstehen. Wir machen eine kurze Etappe und halten an einem Steilufer. Oben gibt es lockeren, ebenen Wald. Es ist sehr sonnig und warm. Vom Polentaeintopf mit Linsen und Käse bleibt noch genug für das Frühstück.

Samstag, 07.07.2007

Nach geröstetem Polenta zum Frühstück starten wir wieder. Die Plane haben wir schon lange nicht mehr gebraucht. Am Ufer steht ein verlassener Skidoo. Hat wahrscheinlich einen Defekt. Ein Elch begleitet uns ein Stück am Ufer. Am hohen Ufer finden wir wieder einen guten Platz. Es ist wieder schönstes Wetter und warm. Sonnenbaden ist angesagt. Am Abend können wir noch einen Biber beobachten.

Sonntag, 08.07.2007

In der Nacht hat es leicht geregnet, wir packen also nass zusammen. Ich vergesse die Teeschale und paddle zurück. Es folgt eine schöne wellige Flussstrecke mit versteckten Steinen. Stefan und Jakob treffen einen davon exakt, aber das Boot bleibt stabil. Wir lassen uns von acht kanadischen Mädchen freiwillig überholen. Auf einer steinigen Schotterbank machen wir Lager. Es gibt schöne große Steine und viel Holz. Da werden wir ein großes Lagerfeuer machen. Nach Nudelsuppe und Kartoffeltopf wird das Lagerfeuer entfacht und mit Tee und Rum bestaunt.

Montag, 09.07.2007

Und weil’s so schön ist, machen wir wieder einen Ruhetag. Es muss ja wieder Brot gebacken werden, und die Zeit läuft uns nicht davon. Wir machen es uns gemütlich, Peter und Manfred fabrizieren einen Liegestuhl.

Die Küche bietet heute Chili-Suppe mit Nudeln, den Rest des gestrigen Kartoffelgerichtes und Schmarren. Am Abend wird wieder ein schönes Feuer gemacht.

Dienstag, 10.07.2007

Dem Wetter sei Dank, wir dürfen wieder trocken zusammenpacken. Bei flotter Strömung und ein paar Hüpfern zwischendurch kommen wir flott voran.

Am Flussufer gibt es ein gutes Camp auf einer Sandbank. Morgen werden wir den Yukon erreichen. Auf der anderen Seite des Flusses gibt es einen Aussichtshügel. Peter, Stefan und Jakob wollen die Aussicht genießen und paddeln hinüber.

Mittwoch, 11.07.2007

Der Morgen ist kühl, aber trocken. Bei Big Salmon Village landen wir an und schauen, was von den historischen Gebäuden rund um die Trading Station noch übrig ist. Leider verfällt auch der Indianerfriedhof zusehends. Der Yukon empfängt uns mit Hochwasser und flotter Strömung. Das Anlanden am eingezeichneten Camp versäumen wir, weil wir einfach zu schnell sind. Also paddeln wir in einen Seitenarm und landen am Steilufer an. Das Ausladen gestaltet sich schwierig, wir brauchen sogar Sicherungsseile. Im Wald bauen wir uns ein Lager einschließlich Feuerstelle. Weil hier tiefer Waldboden mit viel trockenem Moos ist, müssen wir zuerst abgraben, um eine Feuerstelle zu machen. Dann gibt es Kürbiscremesuppe und Reisfleisch. Weil es keine Steine gibt, wird alles am Dreifuß gekocht.

Donnerstag, 12.07.2007

In der Nacht gab es Regen und Sturm. Gut, dass wir im Wald geschützt waren. Das Beladen der Boote ist noch schwieriger als das Entladen, vor allem beim Kajak. Bis alles gesichert ist, mache ich ein paarmal beinahe Bekanntschaft mit dem Yukon.

Am Yukon geht es in flotter Fahrt weiter. Heute fahren wir am geplanten Camp nicht mehr vorbei. Es wird etwas heller und windig, und die Zelte können nach dem Aufstellen wieder trocknen. Da kommen zwei Solopaddler vorbei – Franz und Michael aus Deutschland. Michael ist ein erfahrener Kanute, Franz ist ein Greenhorn. Sie haben sich unterwegs getroffen, und Michael hat Franz unter seine Fittiche genommen.

Ich koche groß auf, weil wir Gäste haben. Es gibt Nudelsuppe und Kartoffeltopf. Die beiden Waldläufer schlagen ordentlich zu, und nachher gibt es am Lagerfeuer noch einen ausgiebigen Wildnishuangert.

Freitag, 13.07.2007

Michael zeigt uns sein Frühstücksrezept – Bannocks nach Wildnisart. Er nimmt dazu Mehl, Backpulver, eine Prise Salz, Rosinen und geriebene Mandeln. Wir kosten, und es schmeckt einmalig. An der Einmündung des Littel Salmon River treffen wir die zwei wieder – sie wollen gleich wie wir fischen. Aber nur Peter hat Fischerglück. Er fängt zwei Hechte und eine Forelle.

Am hohen Ufer finden wir einen Lagerplatz. Der Tag war warm, und alle sind etwas dehydriert. Da heißt es fleißig Tee und Kaffee trinken, damit der Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot kommt. Es beginnt zu regnen, und die Plane wird aktiviert. Dann wird Waldviertler Bauernsuppe gekocht, und nach einer Pause gibt es auf Peters Wunsch Fischragout mit Nudeln. Der zweite Hecht und die Forelle werden für morgen zum Grillen reserviert.

Samstag, 14.07.2007

Ruhetag. Die Sonne scheint auf die Zelte und treibt uns aus den Schlafsäcken. Zum Frühstück gibt es Grießschmarren mit Studentenfutter. Dann wird gelesen, geschlafen, in der Sonne gelegen und am Ufer gesessen.

Seit ich die Seitenwand meines Überzeltes zusätzlich abspanne, ist die Unterlage nicht mehr nass. Das ist eine glorreiche Entdeckung, nur leider etwas spät.

Stefan und Jakob paddeln über den Yukon, weil wir auf der anderen Seite einen Bacheinlauf sehen. Wir meinen, dass es da Fische geben müsste. Wir beobachten die Aktion vom Ufer aus mit dem Fernglas. Als die beiden zurückkommen, haben sie zwei schöne Hechte im Boot. Am Abend gibt es drei gegrillte Fische, und dann haben wir noch einen übrig für morgen. Die fliegenden Ungeheuer haben sich vermehrt. Es gibt nicht nur Mücken, sondern auch Wespen und Fliegen. Wir werden regelrecht umschwärmt.

Sonntag, 15.07.2007

Das ist unser letzter Wildnistag. Und die Natur zeigt sich noch einmal von der besten Seite. Die Wärme der Sonne weckt uns, wir lassen uns Zeit und fahren gemütlich etwa 30 km. Dann entscheiden wir uns, knapp vor Carmacks noch einmal ein Lager aufzuschlagen. Es ist sehr warm und sehr mückig. Peters Jodmarmeladedose in der Küchenkiste war schlecht verschlossen, deshalb klebt die Säge. Jakob will sie waschen, rutscht aus und fällt ins Wasser. Das Sägeblatt entschwindet in den Fluten des Yukon. Stefan zieht sich aus und steigt ins trübe Wasser. Er such und taucht und tastet mit den Füßen. Plötzlich findet er das Sägeblatt, so wie ich schon ein paar Mal einen Topfhenkel gefunden habe.

Zum Abendessen schlemmen wir noch einmal Gemüsesuppe und Hechtragout mit Nudeln und Tomatensauce. Die Mücken sind gerade beim Essen am lästigsten. Das ist ein würdiger Abschied von der Yukon-Wildnis.

Montag, 16.07.2007

Nach kurzer Fahrt landen wir in Carmacks am Coal Mine Campground. Wir rufen Torsten an, damit er uns abholt, und wandern in die „Stadt“. In der Bar essen wir und feiern die gelungene Fahrt.


Kommentare

werner (17.06.2008)

Klingt nach einem richtigen Männerurlaub unter Freunden!

bastian (18.06.2008)

Das hört sich allerdings richtig gut an!