Auf der Route du Vin durchs Elsass - Reisebericht von Simon bei triplib.

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Simon
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Jeweils im September gibt es in Zürich ein ziemlich affiges Volksfest, das sogenannte Knabenschiessen. Da dürfen sich Knaben, und neuerdings auch Mädchen, gegenseitig erschiessen. Oder so. Ein Anlass jedenfalls, dem man gerne fern bleibt. Immerhin bedeutet dies für die Arbeitnehmenden aber auch: Verlängertes Wochenende!

Kurzerhand beschlossen wir und unsere vielfach preisgekrönte Freundin, den Frenchies einen dreitägigen Besuch abzustatten. Die Route du Vin hatten wir zwar in Teilen schon oft befahren, meistens allerdings reichte es nur bis ins wunderbare Colmar, Strasbourg war uns immer zu weit "oben". Diesmal sollte es aber die ganze Strecke sein. Nachfolgend die Highlights.

Eguisheim

Eguisheim

Eguisheim


Mehr Bilder aus Eguisheim

Die Route du Vin bietet neben landschaftlichen Reizen eine Vielzahl fotogener Dörfer und Städte. Das erste Highlight, wenn man von Süden fährt, ist Eguisheim, elsässisch Egsa und ist als eines der "Plus beaux villages de France" (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert. Zu recht!

Eguisheim ist eine sogenannte „Zwiebelstadt“, da sich außer der quer verlaufenden Grand´Rue (elsässisch Hauptstross) alle Gassen ringförmig um die achteckige Burganlage aus der Römerzeit im Zentrum legen.

Im Ort wurde 1002 Bruno von Egisheim-Dagsburg geboren, der als Leo IX. Papst wurde.

Um da zu übernachten, ist der Ort etwas klein, aber so zwei bis drei Stunden kann man sich hier schon beschäftigen, zumal es ein paar nette Weinstuben und Delikatess-Geschäfte gibt.


Essen & Trinken

Le Gewurz

Unsere nördlichen Nachbarn, bei denen jeder 10-Jährige an die 50 Biersorten am Geruch zu unterscheiden in der Lage ist, kennen erstaunlicherweise nur drei Adjektive für Wein, nämlich trocken, halbtrocken und lieblich.

Der Elsässer Wein würde demnach mutmaßlich als "halbtrocken" taxiert - was wiederum Naserümpfen hervorruft. Denn jemand scheint in Teutonien mal die trübe Ansicht verbreitet zu haben, dass:

trocken = gut
und
halbtrocken = nix gut.

Dabei sollte jeder, der einen "trockenen" Weisswein aus einem mitteleuropäischen Land bestellt, wissen, dass er eine akute Gastritis riskiert.

Wie dem auch sei: Der König unter den Elsässer Weinen ist der Gewürztraminer, oder wie der Franzose sagt: Le Gewurz. Und dieser ist so ziemlich der unsauerste, sprich untrockenste Wein wo gibt auf der Welt. Aber auch Riesling, Pinot Gris und Muscat können im Elsass verkostet werden.

Bei den Verschnittweinen scheint sich der Edelzwicker besonderer Beliebtheit zu erfreuen, dies jedoch vermutlich aus Preisgründen, denn oft schmeckt er etwas flacher als die reinen Sorten.

Eguisheim
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Colmar

Colmar

Colmar


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Ungefähr in der Mitte zwischen Basel und Strasbourg liegt Colmar. Die drittgrösste Stadt des Elsass' ist für uns immer wieder ein geschätztes Wochenend-Ausflugsziel, da schnell erreichbar und an pittoreskem Charme kaum zu überbieten.

Die Stadt ist berühmt für ihr gut erhaltenes architektonisches Erbe aus sechs Jahrhunderten und für ihre Museen, darunter das Musée d’Unterlinden mit dem Isenheimer Altar.

Colmar gilt ausserdem als Hauptstadt der elsässischen Weine.

Die zweitgrösste Stadt des Elsass' ist übrigens Mulhouse, aber das schönste an Mulhouse dürfte die Umgehungsstraße sein.


Essen & Trinken

Choucroute Garnie

Es gibt in Colmar eine Vielzahl traditioneller Restaurants, die allesamt Choucroute Garnie anbieten; Hierbei handelt es sich um unsaures Sauerkraut (in Deutschland würde man es wohl "halbtrocken" nennen), begraben unter einem Berg fetttriefenden Schweinefleisches.

Außerdem wird überall Foie Gras angeboten, also durch brutalste Tierquälerei gewonnene Gänse-Stopfleber. Der gemeine Franzose kennt in der Hinsicht kein Pardon. Ich hab's vor 20 Jahren mal gekostet, weiss jetzt, dass es schmeckt und kann bis an mein Lebensende trotzdem darauf verzichten.

Immer gern genommen wird aber der traditionelle Flammkuchen, eine Art Pizza mit Zwiebeln, Speck und Sauerrahm.

Auch ein verbreitetes Gericht ist der "Presskopf", eine Kochwurst aus Schweinefleisch und Schweineschwarten. Schmeckt besser als es klingt.

Ach ja, und Schnecken stehen natürlich auch auf jeder Speisekarte, aber das ist eher was für die Eingeborenen.

Wem nun schon von der Beschreibung schlecht geworden ist, der kann sich auch einen Salat mit Ziegenkäse bestellen, den gibt's überall in Frankreich. Ein "Salade de chèvre chaud" schmeckt immer erwartungsgemäss und liegt danach nicht schwer im Magen.

Generell wird die elsässische Küche so beschrieben: Französische Raffinesse und deutsche Portionen. Das mit den Portionen stimmt, Raffinesse ist teilweise auch erkennbar.

Schweinshexe
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Kaysersberg


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Auch in Kaysersberg gibt es viele reich verzierte Fachwerkhäuser zu bestaunen. Die im Mittelalter entstandene Staufenburg ist noch als mächtige Burgruine erhalten geblieben und thront über der Stadt.

Allgegenwärtig wie fast im gesamten Elsass sind die vielen Störche und Storchennester auf den Dächern, welche den Eindruck der Idylle noch zusätzlich verstärken.


Essen & Trinken

Munster Käse

Der Munster-Käse kann zweifelsfrei als Mutter aller Stinkekäse bezeichnet werden und ist deshalb nur ausgewiesenen Käseliebhabern zu empfehlen.

Der fachgerechte Transport von Munster stellt eine Herausforderung dar, denn selbst vakuumiert und in zahlreiche Plastiktüten gewickelt, verströmt er im Reisegepäck oder im Auto einen Geruch, an dem man sich noch Monate später erfreuen kann.

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Riquewihr


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Auch Riquewihr wurde auf Grund seines unversehrt erhaltenen Stadtbildes aus dem 16. Jahrhundert als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.

Dass dem so ist, wissen die Einwohner offenbar clever zu vermarkten, denn busladungsweise werden die Touristen hier her gekarrt. Ausser vielleicht montags im November ist die Hauptstrasse des Ortes deshalb chronisch überlaufen und jede "Winstub" gut gefüllt.


Essen & Trinken

Saucissons

Und wieder Fleisch: Wer im Elsass ist, sollte sich unbedingt mit lokalen Rohwurstwaren eindecken. Es gibt diese in vielen verschiedenen Variationen, zum Beispiel vom Wildschwein (Sanglier), von der Ente (Canard) mit Nüssen (aux noixettes) oder mit Munster-Käse. Wir kennen da einen Laden, den wir bei jedem Elsass-Besuch heimsuchen und leer kaufen. Beim nächsten Mal schreib ich mir den Namen auf, versprochen.

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Ribeauvillé


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Ribeauvillé wurde im 8. Jahrhundert erstmals erwähnt; seither hatte die Stadt verschiedene Namen - auch abhängig davon, unter welcher Herrschaft sie grade war. So wurde sie unter anderem auch Ratbaldouilare, Rapolswilre, Rappoltstein und erst ab dem 15. Jahrhundert Ribauvillers genannt.

Das Stadtbild von Ribeauvillé ist ebenfalls geprägt von Fachwerkbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert und von der ausufernden Blumenpracht. Die Stadt hat auf der Bewertungsskala der "Villages Fleuris", also der blumenreichsten Orte Frankreichs, mit 4 Bewertungspunkten eine Top-Position inne.

Überragt wird der Ort von den drei Burgruinen Ulrichsburg, Girsberg und Hohrappoltstein.



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Elsässisch - Die Sprache

Der Elsässer Dialekt klingt für ungewohnte Ohren recht wunderlich und wird fast nur noch von alten Elsässern gesprochen. Als Schweizer, die wir ja auch seltsam reden, versteht man ihn relativ gut, und auch die Badener werden damit wenig Probleme haben.

Diese Sprache klingt wie eine Mischung aus Basler und badischem Dialekt, etwas Französisch und irgendwie auch Jiddisch.

Wir freuen uns immer, wenn eine Verkäuferin Elsässisch mit uns parliert.

Ansonsten hilft es, wenn man ein wenig Französisch spricht, denn die meisten Einheimischen sprechen wenig bis gar kein Deutsch, genauso wenig wie die benachbarten Badener des Französischen mächtig sind. Seltsam eigentlich.


Obernai


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Zwischen Colmar und Strasbourg gibt's noch zwei weitere Städte auf der Route du Vin: Sélestat und Obernai. Letztere ist die sehenswertere der beiden, Sélestat hingegen kann man getrost umfahren.

Auch Obernai hat viele Namen, zum Beispiel Oberehnheim, Ewer'nah oder Ower'näh. Ansonsten bietet der Ort das gewohnte akurate Bild aus putzigen Fachwerkhäuschen im Zuckerbäckerstil und Störchen.



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Odilienberg

Die heilige Odilia, auch Odilie oder Ottilie genannt, wurde der Legende nach um 660 auf der Hohenburg bei Obernai geboren, vermutlich aber eher bei Dijon im Burgund. Sie war die Tochter des Herzogs Eticho und dessen Frau Bersinda und kam blind zur Welt. Aus diesem Grund wollte ihr Vater sie töten lassen; die Mutter rettete sie, indem sie das Kind in ein Kloster gab.

Als sie getauft wurde, erlangte sie das Augenlicht. Später versöhnte sie sich mit ihrem Vater, der ihr sein Besitztum auf der Hohenburg - dem Mont Ste.-Odile (Odilienberg) - zur Verfügung stellte, wo sie 690 ein Kloster gründete.

Im ebenfalls von ihr gegründeten Kloster Niedermünster am Fuß des Mont Ste.-Odile starb sie um 720. Ihr Grab befindet sich auf dem Odilienberg, welcher bis heute der wichtigste Wallfahrtsort des Elsass' ist; die dortige Quelle gilt bei Gläubigen als hilfreich bei Augenleiden.


Straßburg


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Straßburg ist mit etwa 640.000 Einwohnern in der Agglomeration die größte Stadt im Elsass und die sechstgrösste Stadt Frankreichs. Die Innenstadt kann aber problemlos zu Fuss erkundet werden.

Die historische Altstadt, Grande Île, ist Teil des Weltkulturerbes und wird von der Ill umflossen.

Das Straßburger Münster gehört zu den bedeutendsten Kathedralen Europas sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Der Bau wurde 1176 bis 1439 zunächst im romanischen, dann im gotischen Stil erbaut. Mit seiner charakteristischen asymmetrischen Form und einer Turmhöhe von 142 Metern ist es bis heute das Wahrzeichen des Elsass und von weit her sichtbar.

Der von Fachwerkbauten umsäumte Münsterplatz zählt ganz bestimmt zu den attraktivsten europäischen Stadtplätzen. Bei schönem Wetter bieten eine Vielzahl von Cafés und Restaurants Aussensitzplätze, wo man dem Treiben vor der herrlichen Kulisse in Ruhe zugucken kann.

Besonders sehenswert ist aber auch das so genannte Gerberviertel, „Quartier des Tanneurs“, im Stadtteil La Petite France. Hier gibt es viele traditionelle Restaurants am Ufer der Ill, mehrere Kanäle mit malerischen Fachwerkhäusern und engen Gassen mit mittelalterlichem Flair.


Essen & Trinken

Christian

Die Pâtisserie Christian ist der "Sprüngli" des Elsass bzw. ganz Frankreichs. Hier einen Halt einzulegen, ist absolut unverzichtbar!

Aufgrund des warmen Wetters entschieden wir uns allerdings nicht für ein Tartelette, sondern für das selbstgemachte Eis am Stil. Ganz grosses Kino!

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