Tempel und Tiger in Indien (2007) - Reisebericht von Thalia bei triplib.

Subtitle

Short description for search engines
Thalia
Mitglied seit: 30.07.2008
Reiseberichte: 26
Reisetipps: 0
Fotos: 8
Länder: 26
Freunde: 1

Meine Reisestationen

Werbung

Weitere Inhalte

 

Indien
Alle Reiseberichte (11)
Alle Fotos (328)
 

3 Fotos | 0 Reisetipps | 1970 Views

Bewertung: 2 2 2 2
(Anzahl der Bewertungen dieses Berichts: 2)

Indien – Zwei Wochen Rajasthan-Rundreise und eine Woche Tempel und Tiger in Zentralindien: Wir waren zu zweit mit einem Chauffeur unterwegs.

Delhi


Mehr Bilder aus Delhi

Als ich im Flugzeug Richtung Delhi saß und über mein Reiseziel Indien nachdachte, war ich überzeugt, auch dort würde mich kein so fremdes, exotisches Leben erwarten wie einen Reiseführer gerne glauben machen. Schließlich war ich schon in Brasilien und Mexiko gewesen, in verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern – und irgendwie war es nie so fremd wie erwartet.
Indien – Indien würde bestimmt auch nicht so „anders“ sein. Ich täuschte mich, was mir sofort klar wurde, als mein Reisebegleiter und ich nach einer kurzen Nacht im Hotel – wir kamen in den Morgenstunden an – unsere Rundreise starteten. Indien ist anders. Fremd. Exotisch. Bunt. Unendlich prächtig. Unendlich schmutzig. Reich und arm zugleich. Begeisternd und beunruhigend. Indien verpasst Ihnen garantiert einen Kulturschock. Sie werden das Land lieben oder hassen oder beides, aber es wird Sie nicht gleichgültig lassen.
Unser Fahrer Nawal Singh, mit dem wir bei der Tour durch Rajasthan unterwegs waren, erwies sich als nicht allzu gesprächig, aber als souveräner sicherer Chauffeur. Das ist wichtig in Indien. Denn auf den Straßen tobt ein unglaubliches Leben: Da sind Hunderte Rikschas, da sind Fußgänger, die überall wuseln, da sind Kamikaze-Mopeds und Mörder-Lkw, da sind auch Kamele und natürlich Kühe. Nicht nur ein einzelne heilige Kühe, sondern jede Menge von ihnen. Gemächlich trotten sie mitten durch das knatternde Chaos oder liegen wiederkäuend am Straßenrand. Was sie kauen? Müll in den meisten Fällen, manchmal auch frisches Gras, das gläubige Hindus für die Tiere heranbringen.
Wir saßen im Wagen und schauten und staunten.
Zu den ersten Programmpunkten gehörte das Taj Mahal, das berühmteste Grabmahl der Welt. Schon in aller Herrgottsfrühe kamen wir an, um das Monument aus weißem Marmor im Sonnenaufgang zu erleben, doch Petrus war an diesem Morgen offenbar mies gelaunt und ließ dicke Wolken aufziehen. Aber auch vor grauem Himmel ist das Mausoleum beeindruckend genug – stundenlang kann man in der gepflegten Parkanlage davor spazieren, um immer wieder neue Winkel und Spiegelungen in den Wasserbecken zum Fotografieren zu entdecken.
Auf großartige Architektur – unter anderem besuchten wir auch das Agra Fort – folgte üppige Natur. Mit der Fahrradrikscha durchquerten wir den Keoladeo-Nationalpark, der berühmt ist für eine Vielzahl an Zugvögeln, die hier zu beobachten sind. Für echte „Birder“ ganz sicher ein Genuss. Kalt war es hier in den Morgenstunden – eine warme Jacke sollte man dabei haben.
Jaipur war das nächste Ziel. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen, so dass wir bei tiefblauem Himmel den Blick auf den „Palast der Winde“, die bekannteste Fassade der Welt - von hier aus beobachteten einst die Hofdamen das Treiben außerhalb des Palastes, ohne selbst gesehen zu werden -, genießen konnten.
Wobei solcher Genuss in Indien auch oft mit ein wenig Stress verbunden ist, denn neben dem Staunen ob der Architektur und dem Fotografieren gilt es gleichzeitig, etwa 20 bis 30 Menschen freundlich zu erklären, dass man jetzt gerade keine Dienste eines Stadtführers, Schuhputzers. Rikschafahrers etc. benötigt und jetzt im Moment auch nicht in sieben Shops gleichzeitig einkaufen will. Es ist anstrengend, 100 Mal „no, thank you“ zu sagen.
Noch schwieriger: Die Entscheidung, welchem der Bettler etwa geben? Der Frau mit den Kindern, die lieber in die Schule gehen sollten? Der Alten mit den durch Lepra zerstörten Händen? Ein paar Rupien für die Alte auf jeden Fall. Doch jedem etwas geben, ist schwierig. Es sind zu viele und nicht jeder Blinde ist tatsächlich blind, wie man manchmal hinter der nächsten Ecke merkt.
Nach der Armut wieder Pracht: Zum Fort in Amber, das trutzig auf einem Hügel thront, kann man auf einem mit Blumenmustern bemalten Elefanten reiten. Droben im Fort glitzert ein Spiegelpalast, und der Blick von der Dachterrasse ist fantastisch.
Spannend ist das Sternenobservatorium in Jaipur mit seinen riesigen begehbaren und futuristisch anmutenden Instrumenten. Die größte Sonnenuhr ist fast 30 Meter hoch und zeigt die Uhrzeit sekundengenau an.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Pushkar, das schön an einem See liegt, an dem die Bewohner in der Abenddämmerung Blütenschiffchen opfern. Noch schöner ist freilich Udaipur, das auch schon in dem James-Bond-Film „Octopussy“ als exotische Kulisse diente. Fantastisch ist’s, in einer lauen Nacht auf der Dachterrasse des Hotels zu sitzen, schmackhaftes Tandoori-Hühnchen zu verspeisen und auf den See, in dem sich sanfte Lichter spiegeln, hinabzublicken.
Udaipur mit seiner großen Wasserfläche mitten in der Wüste ist ruhiger als andere indische Städte. Der Straßenverkehr – zu dem ab und an auch Elefanten gehören - ist nicht ganz so wüst. Sehr lohnend ist die Besichtigung des üppig ausgestatteten Stadtpalastes wie auch eine Bootsfahrt auf dem Pichola-See. Vom Wasser zeigen sich der Palast des Maharana wie auch ein ehemaliges Lustschlösschen im See, in dem sich heute ein Luxushotel befindet, von ihrer besten Seite.
Die „blaue Stadt“ Jodhpur war eine weitere Station auf unserer zweiwöchigen Reise durch Rajasthan. Der Grund für den blauen Anstrich vieler Häuser ist, dass die Farbe vor Insekten schützen soll, erklärte unser Fahrer Nawal Singh. Über dem Gassengewirr der Altstadt sitzt auf einem Felsen das gewaltige Mehrangarh Fort, das an einstige Machtkämpfe erinnert. Die strategische Lage am Rande der Wüste Thar, der florierende Handel an der alten Karawanenroute nach Zentralasien und China – in den vergangenen Jahrhunderten wurde Jodhpur immer wieder attackiert. Im Mehrangarh Fort gibt es eine hervorragend aufbereitete Audioguide-Führung auch in deutscher Sprache, die man unbedingt mitmachen sollte.
Es ist ein weiter Weg von hier nach Jaisalmer, in die aus goldgelbem Sandstein erbaute Festungsstadt. Die Fahrt lohnt sich jedoch unbedingt, denn Jaisalmer, tief in der Wüste Thar gelegen, ist besonders reizvoll – nicht zuletzt, da die Oberstadt im Bereich des Forts von engen Gässchen geprägt ist, durch die keine Autos rattern. Man kann durch die verwinkelten Gassen spazieren, die mit üppigem Skulpturenschmuck ausgestattete Jaintempel besuchen und in vielen kleine Läden Souvenirs einkaufen.
Wir hatten das Glück, dass ausgerechnet am Tag unseres Besuchs eine Prozession zum Gadi Sagar, dem heiligen Teich, stattfand: Wir mischten uns unter die Frauen in ihren knallbunten Saris, schossen Hunderte Fotos von den gut gelaunten Menschen, die gern für uns in die Kamera lächelten. Das Meer von Farben, in das wir hier eintauchen konnten, war überwältigend.
Schließlich brachen wir zur Kamel-Safari in die Wüste Thar auf. Ein aufgeweckter 14-Jähriger, der Lehrer werden möchte, gern zur Schule geht, gut Englisch spricht und zum Geld verdienen Touristen bei den Kameltouren begleitet, ritt mit mir durch die Sanddünen und erklärte uns die Pflanzen der Wüste. Erstaunlich, wie viel hier wächst und sogar blüht, in kräftigen Lilatönen.
Wir übernachteten in einem Wüstencamp, waren die einzigen Gäste, was fast ein bisschen gruslig war, so einsam war es. Am nächsten Tag ging es mit dem Zug in der durchaus komfortablen ersten Klasse zurück nach Delhi. Wir haben bestens geschlafen in dem Vierbett-Abteil, bloß zu essen sollte man sich selbst mitbringen. Ein indienerfahrener Mitreisender aus Kanada warnte uns, dass die in indischen Zügen servierten Mahlzeiten nicht immer geeignet seien für europäische Mägen. Ansonsten hatten wir übrigens nie Probleme mit dem Essen – in den Hotels war alles superlecker, und es gab keinerlei negative Folgen.
In Delhi überrumpelte uns wieder das Chaos und der Lärm einer indischen Großstadt, und die Rikschafahrt zum Roten Fort, bei der unser Radler locker sämtlichen Bussen und Lkw die Vorfahrt nahm (wer hat in Indien eigentlich Vorfahrt??), geriet zum schweißtreibenden Abenteuer. Sehr interessant in Delhi ist auch das Qutb Minar, ein über 70 Meter in den Himmel ragendes Minarett, das mit den umliegenden Moscheen und Gräbern zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Der Turm wurde im 13. Jahrhundert errichtet, als Zeichen des Siegeszuges des Islam.
Nach so vielen Höhepunkten im Norden Indiens – die Organisation durch Diamir hatte hervorragend geklappt - waren wir nun gespannt auf unsere Tigersafaris in Zentralindien, auf die wir uns besonders freuten: Die „Big Five“ hatten wir in Afrika gesehen, nun hofften wir darauf, die größten Raubkatzen in der Natur bewundern zu können. Wir wurden nicht enttäuscht.
Während der Safarifahrten im kleineren Bandhavgarh und danach im weitläufigen Kanha Nationalpark, im Ort des Dschungelbuchs, das ich natürlich dort in den Abendstunden las, hatten wir das Glück, etlichen Tigern zu begegnen. Es ist ein fantastisches Erlebnis, vom offenen Jeep oder vom Elefantenrücken aus, eines der kraftvollen Tiere zu beobachten.
Trotz ihrer Abgeschiedenheit und der langen Anreise per Flugzeug und Auto sind die Parks inzwischen allerdings so populär, dass bei einer Tiger-Sichtung oft 20 Jeeps in Schlange stehen. Die Tiere nervt das – vor allem da die indischen Besucher gerne lautstark schnattern -, so dass sie sich meist schnell ins Dickicht zurückziehen. Dennoch: Ich habe in einer Rettungsstation für Raubkatzen in meiner Heimatstadt schon viele Tiger bewundert, sogar schon Tigerbabys auf dem Arm gehalten – doch es ist ganz anders, die Katzen in Freiheit zu sehen. Ein großes Erlebnis, das einen den Atem anhalten lässt und unvergesslich bleibt.
Nach einer Woche bei den Tigern und den erotischen Skulpturen von Khajuraho ging unsere insgesamt dreiwöchige Indien-Reise zu Ende. Sie war anstrengend – wegen der langen Fahrten und auch wegen der unglaublichen Fülle an Eindrücken, die manchmal Geist und Seele fast überwältigten. Wegen der Enge in den Städten, die einem oft kaum Luft zum Atmen ließ.
Indien – ist schön und erschreckend zugleich, das ist meine Bilanz. Auf jeden Fall möchte ich das Land nochmals bereisen, Kerala im Süden soll dann das Ziel sein.
Thalia/Lara Hausleitner