Ökotourismus in Costa Rica (2007) - Reisebericht von Thalia bei triplib.

Subtitle

Short description for search engines
Thalia
Mitglied seit: 30.07.2008
Reiseberichte: 26
Reisetipps: 0
Fotos: 8
Länder: 26
Freunde: 1

Meine Reisestationen

Werbung

Weitere Inhalte

 

Costa Rica
Alle Reiseberichte (10)
Alle Fotos (181)
 

4 Fotos | 0 Reisetipps | 2989 Views

Bewertung: 1 1 1 1
(Anzahl der Bewertungen dieses Berichts: 2)

Fortuna


Mehr Bilder aus Fortuna

Vulkan Arenal

Tagsüber bläst der Arenal oft Rauch und Asche in die Luft, nachts poltern glühende Gesteinsbrocken den Hang hinunter.



Mehr Bilder aus Fortuna

Eine Woche im Regenwald

Vorreiter im Öko-Tourismus
Gebürtiger Burgbernheimer bringt dieses Jahr 4000 Deutsche nach Costa Rica

BURGBERNHEIM – Ein Krokodil liegt reglos in der Sonne, die sich endlich gegen die schwarzen Gewitterwolken durchgesetzt hat. Die große Echse am Ufer lässt sich vom vorbeigleitenden Schlauchboot nicht stören, ebensowenig wie der Leguan im tiefen Gras. Eigentlich grünbraun, trägt er seinen Stachelkamm heute in Orange – weil das dieWeibchen lockt. Ein riesiger blau schillernder Schmetterling
flattert in die Lüfte, ein Himmelsfalter, der in Costa Rica häufig zu entdecken ist. In dem Schlauchboot sitzen einige Touristen – und Rainer Stoll, Costa-Rica-Experte und gebürtiger Burgbernheimer.
Begeisterter Kicker und eingefleischter Fan des Nürnberger Fußball-Clubs außerdem, wie man an seiner Sonnenmütze erkennen kann.

Früher trampte Rainer Stoll, der in Burgbernheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim aufwuchs, in Ansbach die Maschinenbauschule besuchte und das Fachabitur machte, in jeder freien Minute durch Europa und Nordafrika. Er engagierte sich für den Umweltschutz, nahm an Anti-Atomkraft-Demos teil, studierte Umweltökonomie.
Heute ist Rainer Stoll, einst der klassische „Öko“, ein erfolgreicher
Reiseveranstalter. Sein großes Anliegen, den Umweltschutz, hat er jedoch nicht aus den Augen verloren: Mit seinem Unternehmen „Travel to nature“ mit Sitz in Ballrechten bei Freiburg organisiert der 43-jährige Vater von zwei Kindern naturnahe Reisen
und macht sich für nachhaltigen Tourismus stark.

Für Umweltversand tätig

Stolls Schwerpunkt ist dabei das kleine Land CostaRica in Mittelamerika, mit dem im Jahr 1994 „alles angefangen
hat“: Nach dem Studium arbeitete der Burgbernheimer bei einem
Umweltversand in Freiburg, der ein Aufforstungsprojekt in Costa Rica unterstützte, um Bäume für das Papier des Versandkataloges „nachwachsen“ zu lassen. So kam’s, dass Rainer Stoll als Assistent des damaligen Inhabers des Versands erstmals eine Reise nach Costa Rica organisierte, um interessiertenDeutschen
das Projekt mit dem Namen „Ojoche“ – soheißt eine in Costa
Rica heimische bedrohte Baumart – zu zeigen.
Weitere Reisen auch in andere Länder, stets verbunden mit dem Besuch eines Öko-Projekts, folgten, und 1997 machte sich Rainer Stoll alsGeschäftsführer in einem Ein-Mann-Unternehmen
selbstständig. Mittlerweile arbeiten 14 Vollzeitkräfte in seinemBetrieb,
und es werden Touren nach Mittelamerika, Südamerika, Asien, Afrika
und zu verschiedenen europäischen Zielen angeboten. „Die Unternehmensphilosophie stützt sich dabei immer auf die zwei Säulen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. Wir engagieren uns intensiv im Umweltschutz“, erklärt Stoll. „Wir unterstützen ökologische
Projekte, bieten umweltverträgliche Arrangements in den Reiseländern
an und wählen ökologisch geführte Hotels aus. Um die Wertschöpfung
vorOrt zu halten, haben wir keine ausländischen Hotelketten, sondern
nur einheimische Quartiere im Programm.“
Das erste eigene „Öko-Hotel“ von Rainer Stoll und seinem Partner in
Costa Rica, Paul Valenciano, ist jetzt in dem Städtchen La Fortuna eröffnet worden. „Es wurde komplett nach ökologischen Prinzipien gestaltet, von den Baumaterialien bis hin zum hundertprozentig
abbaubaren Waschmittel in der Wäscherei“, sagt Stoll.
Valenciano, knapp 40 Jahre alt, ist nicht nur Geschäftspartner des Burgbernheimers, sondern sein bester Freund und „wie ein Bruder“. Er ist der Manager des neuen Hotels, Chef einer Agentur für Ausflüge in Costa Rica – und kennt sich imDschungel aus wie in der Tasche seiner Trekking-Weste.
Mit Paul Valenciano durch den Regenwald zu wandern ist ein lehrreiches Abenteuer, denn er weiß eine Menge zu erzählen: Von den Blattschneiderameisen, die Blätter-Schnipsel, viel
größer als sie selbst, auf ihrem Rücken tragen. Von den Brüllaffen, die in den Baumkronen ihrem Namen alle Ehre machen.
Vom Faultier, das nach einem Regenguss klatschnass
und zottelig mit dem Kopf nach unten im Geäst hängt. Und vom
schimmernd grünen Basilisken, der auf dem Wasser laufen kann
und deshalb „Jesus-Christus-Echse“ genannt wird. Valenciano
entdeckt auch die kleine gelbe Schlange, die an der tropenschauerfeuchten Rinde eines Baumes klebt. Die Viper ist
noch ein Baby, hat aber schon so viel Gift in ihren Drüsen, dass man ihr besser nicht zu nahe kommt.
Paul Valenciano ist mit allen Geschöpfen vertraut, die in Costa Ricas
Dschungeln pirschen, schleichen, krabbeln, hüpfen, flattern. Oder wachsen: die mächtige Würgefeige etwa, die ihren Wirtsbaum langsam stranguliert, und die unscheinbare Pflanze, die Viperngift neutralisieren kann.

Regenwald bewahren

Begegnet sind sich Paul Valenciano und Rainer Stoll erstmals bei dem
„Ojoche“-Aufforstungsprojekt. Seitdem sind sie ein Team für dieselben
Ziele: Menschen die Natur zeigen und Wald und Tierwelt bewahren. Eins der Öko-Projekte, die sie unterstützen, ist das „Ecocentro Danaus“ in La Fortuna am Fuße des aktiven Vulkans Arenal.
Mit 10000 Mark „Anschubfinanzierung“ aus dem Projektfonds seines
Betriebs hat Rainer Stoll das mittlerweile überall in Costa Rica bekannte Zentrum einst gefördert, inzwischen trägt es sich durch den Tourismus. „Wir selbst bringen etwa 2000 Gäste
pro Jahr hierher und zahlen pro Person fünf Doller an das Ecocentro“, schildert Stoll. Rund 4000 Reisende insgesamt haben heuer eine Costa-Rica-Tour über das Unternehmen des Mittelfranken
gebucht – immerhin ein Fünftel der rund 20 000 Deutschen, die
jährlich nach Costa Rica reisen. Zum „Ecocentro Danaus“ gehören
eine Baumschule, in der bedrohte einheimische Bäume wie Ojoche oder Almendro herangezüchtet werden, eine Schmetterlingsfarm, ein Kaimanteich und ein Froschpark.
Mitarbeiterin Sidalia Vargas entdeckt auf dem vom warmen Regen aufgeweichten Boden einen winzigen Pfeilgiftfrosch und an der Unterseite eines Blattes einen der hübschen Baumfrösche, sattgrün
mit roten Kulleraugen. „Das ist ein Männchen“, erklärt die junge Frau,
„die Weibchen sind viel größer.“
Nicht nur die Touristen, auch viele Schulklassen aus ganz Costa Rica besuchen das Ecocentro, damit die Kinder die Tier- und Pflanzenwelt ihrer Heimat kennenlernen. Das sei wichtig, meint Valenciano, denn nur wenn die Jugend mit den Geschöpfen ihres Landes vertraut sei, bekomme sie ein Gefühl für die Notwendigkeit, den Regenwald zu bewahren.
Nach dem Besuch des drei Hektar großen Projektgebiets können die Costa-Rica-Reisenden bei einer „Canopy-Tour“ im Regenwald an Stahlseilen von Baumwipfel zu Baumwipfel sausen. Weniger Wagemutige spazieren auf Hängebrücken durchs Blättermeer.
Oder sie nehmen ein Schlauchboot, umbei einer Flussfahrt nach den
dösenden Amerikanischen Krokodilen Ausschau zu halten; die großen Echsen sind vom Aussterben bedroht.
Vielleicht gibt’s auch einen farbenprächtigen Umzug in einer Stadt, zum Beispiel wenn die Ticos, wie die Einheimischen
sich selber nennen, ihre Unabhängigkeit von Spanien
feiern. Da wird Musik gemacht, und kleine lateinamerikanische
Schönheiten tanzen in Kleidchen in den Nationalfarben Weiß, Rot
und Blau auf geschmückten Wagen. Und wenn die Sonne
untergegangen ist, leuchtet über dem Vulkan Arenal ein feuriger Schein – falls er sich nicht gerade in eine Wolkendecke hüllt.
Doch Stoll bringt nicht nur Deutsche, die Lust auf viel Natur, feuerspuckende Berge und höllische Schwefeldämpfe
haben, nach Costa Rica, er hat auch schon Ticos nach
Burgbernheim gebracht. Bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr organisierte er eine Reise für 39 Fußballfans aus Costa Rica, die alle in Quartieren in Burgbernheim aufgenommen wurden.
Wie berichtet, gab’s damals ein Freundschaftsspiel des TSV und der
Gäste ausMittelamerika – wobei Costa Rica Deutschland im Kapellenberg-Stadion mit 5:2 schlug. „Fußball verbindet überall“,
schmunzelt Rainer Stoll und schiebt seine Nürnberger-Club-Kappe in den Nacken, um in den Baum über dem Fluss zu spähen.
Dort droben geht’s fast so laut zu wie beim Fußball, denn
da zeigen sich die Brüllaffen-Männchen gegenseitig, wer der Größte ist.
Thalia/Lara Hausleitner


Kommentare

Betty (01.08.2008)

Sehr schöner Artikel.
Vielleicht schaffe ich es ja doch noch einmal nach Costa Rica.